Willkommen in Lake Success

Willkommen in Lake Success, Cover
Gary Shteyngart

Die Romanerzählung beginnt stark, doch leider kann mich das ideenlose Ende dann nicht überzeugen.

Barry Cohen, ein New Yorker Hedgefond Manager in den vierzigern, ist an der Börse reich geworden. Mit seiner jungen, hübschen Frau und seinem dreijährigen Sohn wohnt er in einem der teuersten Apartments der Stadt. Auf den ersten Blick wirkt Barrys Leben überaus perfekt, doch diese hübsche Fassade ist bei näherer Betrachtungen ziemlich brüchig.

Nach einem Streit mit seiner Ehefrau, packt Barry sein wertvollstes Gut, seine Sammlung von Luxusuhren, in einen Koffer und steigt in den Greyhound Bus nach Richmond. Wie damals als junger Student, will er zu seiner Jugendliebe Layla reisen. Barry hofft auf dieser Reise etwas finden, das er verloren glaubt; den wahren Barry. Doch diese Fahrt im Greyhound Bus verlangt dem Multimillionär einiges ab. Er trifft auf die unterschiedlichsten Menschen und auch sein Bargeld wird knapp. Was wird sein, wenn er Layla nach all den Jahren gegenüber steht? Gibt es für Barry die Chance sein Leben von Grund auf zu ändern?

Von seiner Ehefrau fühlt Barry sich verraten. Sein Sohn hat eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die so gar nicht in Barrys perfektes Leben passen will. Außerdem hat er mit seinen Fonds hohe Verluste eingefahren, sodass das FBI ist hinter ihm her. Aus diesem Grund will Barry sein altes Leben hinter sich lassen. Nur seine Sammlung wertvoller Luxusuhren nimmt er mit. Mit dem Greyhound Bus fährt er quer durch die USA. Barry begegnet auf seiner Reise den „normalen“ Menschen, hört die wildesten Geschichten und er denkt über seine Kindheit und Jugend nach.

Barry ist erfolgreich, aber einsam. Als Sohn eines Poolreinigers hat er sich hoch gekämpft. Er studiert in Princeton und treibt danach seine Karriere in der Finanzbranche voran. Er hat es weit gebracht. Doch Barry ist unglücklich. Seine Familie droht zu zerbrechen und er sehnt sich nach einer Zeit zurück, in der für ihn noch alles möglich schien. Wir begleiten Barry auf seinem Weg, der ihn bestenfalls zu sich selbst führen soll. Er reist mit dem Bus durch ein Land kurz vor der Präsidentschaftswahl. Es scheint unsinnig, dass jemand wie Trump diese Wahl gewinnen könnte, dennoch trifft Barry auf seiner Reise immer wieder auf fanatische Befürworter.

Der Roman beginnt stark. Barry ist eine komplexe Figur, über die der Leser nur bruchstückhaft mehr erfährt. Zunächst ist Barry ein selbstgerechter, unsympathischer Fond Manager, für den in erster Linie das Geld zählt. Doch dann kommen hinter seiner glanzvollen Fassade seine Unsicherheiten, seine Einsamkeit hervor. Keiner, der im Roman vorkommenden, Charaktere ist darauf ausgelegt zu gefallen. Daher fällt es beim Lesen oft schwer echte Sympathien zu entwickeln. Jedoch wird die Romanerzählung für mich gerade dadurch interessant.

In der zweiten Hälfte des Romans verliert die Geschichte meiner Ansicht nach an Biss . Die Erzählstränge verlieren sich in einem gewollt wirkenden Konstrukt. Die Figuren werden oberflächlicher, viele Handlungen sind schwer nachzuvollziehen. Die Reaktionen der Charaktere empfand ich oft als völlig emotionslos. Bedauerlicherweise hatte ich den Eindruck, als ob dem Autor die zündende Idee für ein stimmiges Ende fehlte. Stattdessen hat er sich „durchgewurschtelt“.

Der Roman hat sehr starke Momente, der Schreibstil ist hervorragend, doch leider verliert die Geschichte auf den letzten Buchseiten an Kraft und Fantasie. Zu viele Themen werden angerissen, denen der Roman dann nicht gerecht wird. Das ist wirklich bedauerlich.

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