Von Elise

Verena Maria Kalmann

Die Geschichte des Romans hält keine Überraschungen bereit. Den Figuren fehlt es an Ecken und Kanten. Zudem mäßiger Schreibstil. Kann man lesen, muss man nicht.

Als die Violinistin Valerie von der Orchesterprobe zurückkommt, erwischt sie ihren Freund mit ihrer besten Freundin in flagranti. Kurz darauf erhält sie ein Angebot aus Paris. Spontan organisiert sie den Umzug und lässt alles hinter sich. In Paris angekommen entpuppt sich der langersehnte Karrieresprung als Schleudersitz, da die Madame Provka Valerie deutlich zu verstehen gibt, wer in dem Orchester das Sagen hat. Auch ihre Kollegen halten Abstand zu der Neuen. Valerie muss sich behaupten.

Valeries Sofa, ein Erbstück ihrer Großtante, hat den Umzug nicht heil überstanden. Als sie den Schaden begutachtet, findet Valerie im Hohlraum des Sofas das Tagebuch ihrer Großtante Elise. Sie beginnt es zu lesen und erfährt so von der Liebesgeschichte zwischen Elise, einer begabten Pianistin, und Karl, einem ausgezeichnetem Violinisten. Die beiden lernten sich über die Musik kennen und sehr schnell auch lieben. Valerie, ebenfalls eine Vollblutmusikerin, fühlt sich ihren Vorfahren sofort verbunden. Werden Elises Erfahrungen Valerie helfen, sich durchzusetzen und ihren Weg zu finden?

Valeries Vertrag als Violinistin bei einem Münchner Orchester läuft bald aus und ihr Freund betrügt sie mit ihrer Freundin. Da kommt das Angebot aus Paris gerade recht. Spontan packt Valerie ihre Sachen, um die Stelle als 2. Konzertmeisterin anzutreten.

Doch in Paris angekommen beginnen die Schwierigkeiten. Einerseits sind ihre Französischkenntnisse nicht die besten, andererseits spürt sie gleich am ersten Tag die Feindseligkeit der 1. Konzertmeisterin Madame Prokova und des Dirigenten ihr gegenüber. Ebenso reserviert verhält sich der Großteil der Kollegen. Valerie hat keinen guten Start und auch die ersten Wochen werden nicht einfacher für sie. Dauernd ist sie den Schikanen der 1. Konzertmeisterin ausgesetzt. Nur in Jan, Oboist und Vorstandsmitglied im Orchesterrat, findet Valerie einen ehrlichen Freund. Er bemüht sich sehr, sie zu unterstützen. Aber ob es sich nur um Hilfe unter Kollegen handelt?

Als Valerie ihr beim Umzug ramponiertes Sofa, ein Erbstück, genauer untersucht, findet sie das Tagebuch ihrer Großtante Elise. Neugierig beginnt sie das Tagebuch zu lesen. Elise war eine talentierte Pianistin. Durch die Musik lernt sie Anfang 1914 Karl kennen. Er überredet sie mit ihm einige Stücke von Beethoven zu spielen. Er selbst spielt, wie Valerie, Violine. Während der Proben verlieben die beiden sich ineinander und als der Krieg ausbricht, heiraten sie im Schnellverfahren, weil Karl an die Front muss. Das Tagebuch erzählt von Schicksalsschlägen und vom Aufstehen und Weitermachen. Valerie gibt es den Mut, sich in der neuen Situation zurecht zu finden und sich zu behaupten. Überdies erfährt Valerie vieles über die Geschichte ihrer Familie.

Wird Valerie sich in ihrer Stellung, die eine große Chance für sie bedeutet, gegen alle Widrigkeiten behaupten können?

Die Geschichte ist nicht neu. Nach Jahrzehnten taucht ein Tagebuch o.ä. auf, das die heutige Figur in irgendeiner Weise beeinflusst. Doch kommt es immer darauf an, wie die Geschichte aufgebaut wird. Leider wird in diesem Roman schon im ersten Drittel klar, spannender wird es nicht werden. Brav wird Elises Geschichte runter erzählt. Sie muss einige Schicksalsschläge verkraften, doch der Versuch diese Dramatik auch dem Leser näher zu bringen, scheitert meiner Meinung nach kläglich am wenig authentischen Schreibstil. Dieser Schreibstil zieht sich durch den ganzen Roman. Oftmals werden für mein Empfinden auch seltsame Begriffe wie beispielsweise „Dealerei“ benutzt. Für mich wäre in dem Fall „Hehlerei“ der richtige Ausdruck.

Von der Figur der Valerie war ich schon nach den ersten Kapiteln genervt. Sie soll Mitte dreißig sein, verhält sich in den meisten Situationen wie Anfang zwanzig. Sie wirkt brav und bieder und lässt – obwohl ihr die Stelle angeboten worden ist, weil sie eine herausragende Violinistin ist – alles über sich ergehen und hat dauernd Angst, dass sie gekündigt wird. Das ist dermaßen nervig!!!! Sie macht meiner Ansicht auch keine Entwicklung durch. Der ganze Roman ist zu sehr nach dem Schema „da die Guten, da die Bösen“ gezeichnet. Den Figuren fehlt es an Ecken und Kanten, die sind alle zu glatt in ihrer angedachten Rolle.

Zudem verstrickt sich die Autorin zeitweise über die Maßen in musikalischen Fachsimpeleien, die man als Laie nicht versteht und die auch für die Geschichte völlig belanglos sind. Auf der anderen Seite hätte ich mir gerade was die Erwähnung von historischen Ereignissen, die in Elises Tagebuch auftauchen, mehr Genauigkeit gewünscht. Da wäre ein bisschen mehr Recherche und nicht nur Wiedergabe von Schulwissen angebracht gewesen.

Alles in allem nette, anspruchslose Unterhaltung, bei der man gerne mal ein paar Seiten überblättern darf, ohne den Anschluss zu verlieren.

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