Unser kostbares Leben

Unser kostbares Leben erzählt vom Heranwachsen in den 1970er Jahren in einem kleinem Ort im Taunus. Es geht um Umweltschutz.
Katharina Fuchs

erschienen beim Droemer Verlag, 2021

Rezension

Kurzmeinung

Der Roman „Unser kostbares Leben“ behandelt eine Fülle an Themen und wird dadurch keinem wirklich gerecht. Weniger wäre mehr gewesen.

Inhalt

Ein Ort im hessischen Taunus, zu Beginn der 1970er Jahre, geprägt durch zwei Unternehmen; eine Schokoladenfabrik und einen Chemiekonzern. Caro und Minka sind zehn Jahre alt, und genießen das unbeschwerte Leben in der Kleinstadt. Dann geschieht an einem warmen Apriltag ein schrecklicher Badeunfall, der das Leben der Mädchen für immer verändert.

Im Laufe des Sommers erkennen sie, dass in der beschaulichen Kleinstadt nicht alles so ist, wie es scheint. Gut funktionierende Seilschaften von Politik und Wirtschaft sorgen dafür, dass vieles im Hintergrund geregelt wird. Die Väter von Minka und Caro, Bürgermeister und Geschäftsführer der Schokoladenfabrik, gehören ebenfalls zu dem erlesenen Kreis, der über die Geschicke der Stadt bestimmt und der das wirtschaftliche Wohl über alles andere stellt. Die Folgen sind ein verseuchter Fluss, Zerstörung der umliegenden Natur und Tierversuche für den Chemiekonzern.

Handlung

1972, ein warmer Apriltag, an dem das Misstrauensvotum gegen WillyBrandt im Bundestag entschieden wird, ist für die zwei zehnjährigen Freundinnen Minka und Caro einfach ein Tag, an dem sie die Freibadsaison eröffnen wollen. Auch ihr Klassenkamerad Guy ist dabei. Guy ist vor dem Krieg in Vietnam geflohen und lebt nun mit seiner Mutter in dem kleinen hessischen Ort..

Um die Mädchen zu beeindrucken ignoriert er das Verbotsschild des Dreimeterturms. Doch an diesem Tag ist etwas anders, das Sprungbrett reagiert extrem auf sein leichtes Körpergewicht. Es beginnt unkontrolliert zu schwingen. Guy fällt und touchiert den Beckenrand mit dem Kopf. Minka und Caro tauchen ohne Nachzudenken sofort ins Wasser, um ihren Freund zu retten. Lange Zeit fragen sich die Mädchen, wie das geschehen konnte, ohne eine Antwort zu bekommen. Was aus Guy wird erfahren sie nicht, denn seine Mutter zieht mit ihm fort.

In dem Sommer meiden Minka und Caro das Freibad. Während sie in den Ferien durch die Gegend streifen, entdecken sie neue Gebäude, in denen Tiere, vor allem Kaninchen und Hunde gehalten werden. Doch was genau es damit auf sich hat, erfahren sie erst einige Jahre später. Caro bekommt eine neue Schwester, weil ihre Eltern ein vietnamesisches Waisenkind, Claire, adoptieren. Claire zeichnet sich durch eine besonderes schnelle Auffassungsgabe aus. Sie lernt schnell die deutsche Sprache und auch sonst ist sie ihren Mitschülern bald um einiges voraus.

Als die Mädchen im September 1976 zu Teenagern herangewachsen sind, ist die Freundschaft zwischen Caro und Minka nicht mehr ganz so eng, denn sie besuchen zwei unterschiedliche Schulen. Nur ihre direkte Nachbarschaft führt dazu, dass sie sich dennoch ab und an treffen. Minka engagiert sich zunehmend für den Umwelt- und Tierschutz. Sie beobachtet ganz genau, was mit den Tieren in den Gebäuden, die sie im Sommer 1972 entdeckt haben, vor sich geht. Sie ist sich sicher, dass sie für Tierversuche gequält werden.

Auch wird den Mädchen klar, dass ihre Väter in die Machenschaften der Kleinstadt involviert sind. Minkas Vater ist der Bürgermeister der Kleinstadt und Caros Vater leitet die ansässige Schokoladenfabrik. Der größte Arbeitgeber neben der Fabrik ist ein großes Chemieunternehmen. Die Geschicke des Ortes werden durch das Netzwerk dieser mächtigen Männer gelenkt und vieles wird unter dem Deckmantel des wirtschaftlichen Wohlstandes beschlossen. Darunter leidet vor allem die Natur. Viel zu spät erkennen die Herren, dass sie dem Ort damit jegliche Lebensqualität nehmen.

Als sich 1980 die Wege von Minka und Caro zufällig auf einer Umweltdemonstration in Frankfurt wieder kreuzen, flammt ihre alte Freundschaft für eine kurze Zeit wieder auf. Minka lebt mittlerweile als Umweltaktivistin in einem Hüttendorf. Sie steht für ihre Überzeugung ein und hat sich mit ihrem Vater überworfen. Caro hingegen versucht sich als Journalistin und will über die Demo berichten. Claire hat einige Klassen übersprungen und schreibt mit ihren neunzehn Jahren schon an ihrer Doktorarbeit.

Als Claire einen Zusammenbruch erleidet, versucht Caro dem auf den Grund zu gehen und entdeckt, dass ihre Schwester seit Kindertagen Tablettenabhängig ist. Caro beginnt zu recherchieren. Wieder führen die Spuren in ihren Heimatort. Minka unterstützt ihre Freundin und wieder entdecken sie ungeheuerliches. Diesmal versuchen die jungen Frauen alles ans Licht zu bringen, was in ihrer Heimatstadt schief läuft.

Meinung

„Unser kostbares Leben“ ist ein sechshundert Seiten starker Roman, der das Lebensgefühl der 1970er und den aufkommenden Umweltschutz thematisiert. Zwar ist es ein fiktiver Roman, dennoch steckt einiges an autobiografischen Erlebnissen der Autorin in dem Buch. Was wohl auch der Grund ist, warum sie so sehr ins Detail geht. Für den außenstehenden Leser ist es allerdings zu viel an Themen, zu viel an Figuren und eben auch zu viel an Details.

In der Erzählung gibt es Handlungen und auch Charaktere, welche für die Geschichte weder wesentlich sind noch diese in irgendeiner Weise voranbringen. Manche Handlungsstränge wirken auf mich zu konstruiert, andere wiederum werden nur oberflächlich behandelt, obwohl sie aus meiner Sicht bedeutsam sind. Der Roman verliert sich zu sehr in seiner Themenfülle, dabei wird viel Potential verschenkt. Der Geschichte hätte eine Fokussierung sowohl auf ein Thema als auch auf die Charaktere gut getan. Dadurch hätte Spannung aufgebaut und gehalten werden können. So erfährt die Erzählung immer wieder Brüche, besonders an Stellen, an denen es wirklich interessant und spannend ist. Aufgrund der zahlreichen Themen und der vielen, teils unwichtigen Figuren, wird der Roman weder einer Sache noch den maßgeblichen Charakteren gerecht.

Die sechshundert Seiten teilen sich in drei Abschnitte, mit jeweiligen Kapiteln. Die drei Abschnitte spielen in den Jahren 1972, 1976 und 1980. Die Autorin besticht, wie auch in ihren vorherigen Romanen, durch einen ganz wunderbaren Erzählstil. Doch verliert sie in diesem Roman das Wesentliche aus dem Blick und schweift detailreich aus, sodass mich ihre Geschichte nicht packen konnte. Mich hat das Lesen angestrengt und ich gebe zu, dass ich einige Passagen der Einfachheit halber quer gelesen und dabei auch nichts wichtiges verpasst habe. Von dem Roman bleibt mir wahrscheinlich kaum etwas in Erinnerung, denn ich habe auch zu den drei Mädchen, den Hauptfiguren, keinerlei Bindung geknüpft. Sie haben mich emotional nicht berühren können.

Fazit

Dem Roman fehlt der Fokus auf das Wesentliche. Die Erzählung verzettelt sich sowohl in unterschiedlichen Themenfelder als auch in der Vielzahl ihrer Figuren und verschenkt hierdurch enormes Potential, um ein wirklich interessanter und packender Roman zu sein.

Ich bedanke mich bei Lovelybooks und dem Droemer Verlag für das Rezensionsexemplar.

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