Und über uns das Nichts

Buchcover Und über uns das Nichts von Sibylle Baillon
Sibylle Baillon

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die zwei Menschen in einer Lebenskrise vereint. Aber auch eine Erzählung über soziale Missstände, Vorurteile und Gegensätze. Bemerkenswerte Geschichte, brillant erzählt.

Durch einen schweren Autounfall verliert Sarah nicht nur ihren Lebensgefährten, sondern auch ihr Gehvermögen. Seit sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, lebt sie zurückgezogen von Freunden und Familie. Ihre Pariser Wohnung verlässt sie nur selten. Auch ihre Physiotherapie hat sie abgebrochen. Als sich am Weihnachtsabend eine Tüte in ihren Speichen verfängt und Sarah versteckt, hilft ihr ein freundlicher junger Mann aus der Klemme. Michel ist ein Obdachloser. Aus einer spontanen Intuition heraus, lädt Sarah ihn zu sich ein. Der Beginn einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zweier Menschen, die vom Schicksal einiges aufgebürdet bekommen haben. Gegenseitig geben sie sich Halt und Hoffnung.

Doch vom ersten Tag an müssen die beiden für ihr Glück kämpfen. Einerseits gegen eine Welle von Vorurteilen, andererseits sind ihre Lebensentwürfe sehr verschieden. Gerade als die Beziehung sich zu festigen scheint, beginnt die Bewegung der Gelbwesten. Michel wird von der Begeisterung für eine neue Revolution gegen sämtliche sozialen Missstände mitgerissen und setzt dabei alles, was er sich in den vergangenen Monaten aufgebaut hat, wieder aufs Spiel. Die Liebe von Sarah und Michel wird wiederholt auf die Probe gestellt. Kann die Liebe dem standhalten?

Im Prolog des Romans tauchen wir in die Gedankenwelt eines Obdachlosen ein. Es ist der Weihnachtsabend und er sieht von ganz unten in die hell erleuchteten Zimmer. Zur selben Zeit fährt Sarah mit ihrem Lebensgefährten nach Hause, dann geschieht der Unfall.

Ein Jahr später treffen Sarah und der Obdachlose aufeinander und es geschieht etwas magisches mit den beiden. Zwei verlorene Seelen finden sich und geben sich Halt. Alles könnte so romantisch sein, wären da nicht Sarahs konservative Eltern, die absolut kein Verständnis dafür haben, dass ihre querschnittsgelähmte Tochter einen Obdachlosen und Ex Sträfling bei sich beherbergt. Doch die beiden Verliebten lassen sich davon nicht beirren. Sarah nimmt ihre Physiotherapie wieder auf und Michel sucht sich einen Job. Sarah blüht während dieser Zeit mit Michel richtig auf und setzt sich Ziele.

Als die Gelbwesten in Paris das erste Mal streiken, sind Sarah und Michel mit dabei. Michel ist fasziniert von der Menge der Menschen, die gegen die soziale Ungerechtigkeit auf die Straße gehen. Sarah steht der ganzen Bewegung kritischer gegenüber, vor allen den Gewaltausbrüchen, die mit den Demonstrationen einhergehen.

Der Roman erzählt chronologisch vom Auf und Ab der Liebesbeziehung zwischen Sarah und Michel und macht deutlich wie schwer es ist, seine gewohnten Verhaltensmuster abzustreifen. Ein wichtiger Aspekt in der Geschichte ist die soziale Ungleichheit. Nicht nur, dass die Autorin gekonnt die Gelbwesten Bewegung in die Erzählung mit einbindet, nein, es sind auch die gegensätzlichen Erfahrungen, welche die Hauptfiguren gemacht haben. Sarah behütet aufgewachsen, hat eine gute Ausbildung genossen, die ihr einen guten Job eingebracht hat. Dem gegenüber steht Michel, der von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht wurde, sich für den Tierschutz einsetzte, es zu weit trieb und die Spirale abwärts ging. Michel hat weder Familie noch einen stabilen Freundeskreis. Niemand, der ihn hätte auffangen können.

In feinen Nuancen zeigen sich diese Unterschiede immer wieder in der Erzählung und machen diese Liebesgeschichte so besonders. Auch ich war mir irgendwann nicht mehr sicher, ob die Liebe Bestand haben würde. Der Roman kann die Spannung bis zum Ende halten. Ein Ende, das von der Handlung her total schlüssig ist.

Für mich ist es eine absolut gelungene, packende Erzählung, die mit einigen Wendungen überrascht. Ich konnte die Geschichte kaum aus der Hand legen, weil meine Neugier darauf, wie es weitergeht groß war. Vielleicht bringt sie den einen oder anderen Leser*in dazu, seinen Umgang mit Obdachlosen zu hinterfragen.

Herzlichen Dank an die Autorin für das Rezensionexemplar.

Buchempfehlung zur Autorin: https://www.lesepartie.de/die-toechter-des-sturms

Links zum Buch:

https://www.lovelybooks.de/autor/Sibylle-Baillon/Und-%C3%BCber-uns-das-Nichts-Eine-ber%C3%BChrende-Geschichte-2433790173-w/leserunde/2433835002/2433835005/#thread

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