So wie es ist, bleibt es nie

Vor kurzem habe ich den Roman „Die Nähmaschine“ gelesen, dessen Rezension auf dem Blog nachzulesen ist (https://lesepartie.de/die-naehmaschine/). Einer der Hauptcharaktere ist Fred. Sein Großvater ist verstorben und er reist zum Begräbnis nach Edinburgh. Als er sich etwas mehr Zeit nimmt, um rechtlichen Dinge zu klären, erhält er kurz darauf seine Kündigung. Fred erbt die Eigentumswohnung, welche seit Generationen im Besitz der Familie ist. Er sortiert sich neu und die Wohnung aus, in der so viele Erinnerungen an seine Kindheit stecken.

Fred ist Mitte dreißig und verliert nach dem Job auch seine Freundin, die wenig gefallen an der Wohnung und Edinburgh findet. Alles auf Anfang. Bisher arbeitete Fred ausschließlich für Personalvermittlungsagenturen. Dies erweist sich nun als Makel in seinem Lebenslauf, weil es ihn offenbar als unstet kennzeichnet. Nach zahllosen Bewerbungen und einigen Vorstellungsgesprächen, ist immer noch kein Job in Sicht.

Fred entdeckt die alte Nähmaschine und näht als erstes einen Turnbeutel für einen Nachbarsjungen. Er näht und er flickt und wird mit der Zeit immer geschickter. Er macht Pläne für die Wohnung und besinnt sich auf sich selbst. Er findet neue Freunde. Obwohl er keinen Job hat, geht sein Leben weiter und es ist kein trostloses oder einsames Leben. Nein, er entdeckt Neues, lernt dazu und lässt sich inspirieren. Fred ist gezwungen inne zu halten und sein bisheriges Leben zu hinterfragen.

Am Ende wagt er den Schritt sich nochmal an der Uni einzuschreiben und zu studieren. Nichts mit Finanzen,den Bereich lässt er hinter sich, sondern Geschichte. Für diese Entscheidung erhält er von allen Seiten Unterstützung. Denn es nie zu spät für den Neuanfang!

Auch ich wünsche Fred alles Gute, da ich weiß, wie es ist auf der Suche zu sein. Es gibt viele Gründe einen Job zu machen. An erster Stelle steht wohl das Einkommen. Dann folgen die Karrieregründe, wie die Firma oder die Position machen sich gut im Lebenslauf, man hat Aufstiegschancen etc. Doch wie viele hinterfragen ihr Tun? Heutzutage gibt es zahlreiche Ratgeber, wie man sich optimiert und wie man den perfekten „Traumjob“ findet. Das wichtigste dabei ist wohl bei sich selbst anzufangen und die Bereitschaft das Wagnis einzugehen noch einmal von Neuem zu beginnen. Doch wer hat den Mut ein bestehendes Gefüge und die vermeintliche finanzielle Absicherung für eine unberechenbare Veränderung aufs Spiel zu setzen? Was wir alle vergessen, ist, dass nur eines sicher ist, die Zukunft ist ungewiss. Jeder kann seinen Arbeitsplatz verlieren, jeder kann morgen schon nicht mehr am Leben sein sowie jede Beziehung scheitern kann.

Fred wird durch den Tod seines Großvaters ausgebremst. Wenn er nicht für eine Personalagentur gearbeitet hätte, wäre er wahrscheinlich nicht aus dem Projekt abgezogen und gekündigt worden. Auf keiner Seite des Buches gewinnt man als Leser den Eindruck, dass er viel Herzblut in seine Arbeit investiert hat. Er hat den Job wegen des Geldes gemacht und weil man eben einer geregelten Arbeit nachgeht. Dieser Schicksalsschlag bringt ihn dazu, noch einmal neu zu überlegen, ob er den eingeschlagenen Weg weitergehen möchte. Da ich selbst in einer ähnlich Situation stecke, habe ich mich dieser Romanfigur sehr verbunden gefühlt. Wichtig ist zu begreifen, dass man sein Leben selbst in der Hand hat. Nie war es leichter als heute, seinen eigenen Weg zu gehen. Dafür muss man sich nicht stetig optimieren, sondern nur man selbst sein!

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