Marianengraben

Marianengraben erzählt eine Geschichte über Trauer und wie man mit dem Verlust zu leben lernt
Jasmin Schreiber

Eichborn Verlag, 2021

Rezension

Kurzmeinung

„Marianengraben“ beschäftigt sich mit der Frage: Wie geht man mit Trauer um? Ein eigenwilliger Roadtrip, so unberechenbar wie das Leben selbst.

Inhalt

Paula kann den Tod ihres kleinen Bruders Tim nicht verarbeiten. Zu innig war ihre Verbindung und ihr wissbegieriger kleiner Bruder fehlt Paula an jedem Tag.

Seit Tims Tod steht Paulas Leben still, bis sie eines Tages den etwas schrulligen und eigensinnigen Helmut trifft. Helmut ist ein alter Herr, der in seinen Leben einige Rückschläge verkraften musste. Als Helmut sich auf die Reise zu Orten seiner Vergangenheit macht, weil er noch etwas zu regeln hat, bevor es für ihn zu spät ist, fährt Paula kurzentschlossen mit. Eine ungewöhnliche Reise beginnt, auf der Paula erkennt, dass sie sich ihrer Trauer stellen muss.

Handlung

Nachdem ihr zehnjähriger Bruder Tim tödlich verunglückt ist, steht das Leben von Paula, Doktorandin für Biologie, still. Obwohl der Altersunterschied zwischen den Geschwistern erheblich war, waren sie eng miteinander verbunden. Paula kann sich ihrer Trauer nicht stellen, kann den Verlust nicht begreifen und vor allem ist sie nicht in der Lage, Tim gehen zu lassen. Sie fällt in tiefe Depression.

Auch ist es Paula nicht möglich, Tims Grab zu besuchen, wenn der Friedhof für jedermann zugänglich ist. Daher fasst sie den Entschluss, nachts auf den Friedhof zu gehen. Doch dort ist sie nicht allein, wenige Gräber weiter trifft sie auf Helmut, einen älteren Herren, der sich am Grab seiner Ex Frau zu schaffen macht.

Eine skurrile Zufallsbekanntschaft, die Paula in etwas mit hineinzieht, was sich ihrer Kontrolle entzieht. Gemeinsam mit Helmut und seinem Schäferhund macht sie sich auf den Weg in die Berge, zu dem Heimatort von Helmut, denn dort muss er noch einige Dinge regeln, bevor es zu spät ist. Auf dem ungewöhnlichen Roadtrip müssen beide sich dem Leben stellen und auch Paula ist gezwungen wieder Entscheidungen zu treffen.

Meinung

Jasmin Schreiber schafft es in ihrem Roman „Marianengraben“ dem Thema der Trauer Raum zu geben und dabei gleichzeitig ihre Leser:innen zum Lachen zu bringen. Die Situationskomik mancher Szenen entwickelt sich ohne bewusst darauf aus zu sein, einen Lacher zu erzielen. Die Geschichte schwankt zwischen Tragik und hoffnungsreicher Fröhlichkeit.

Es ist eine Gratwanderung, die die Autorin mit viel Feingefühl und Empathie für ihre Figuren meistert. Auch den eigensinnigen Misanthrop Helmut habe ich im Laufe der Erzählung liebgewonnen. Erst nach und nach erfährt man seine Lebensgeschichte und versteht umso mehr sein schrulliges Verhalten. Es ist wunderbar mit jeder Seite zu erleben, wie die zwei sich gegenseitig aus ihrer Lethargie holen. Besonders die grundehrlichen Gespräche über das Leben, das Schicksal oder wie immer man es nennen will, schaffen eine besondere Atmosphäre.

„Marianengraben“ erzählt eine außergewöhnliche Geschichte. Es ist ein gemächlicher Roadtrip, der vom Verlust, aber auch von der Kunst, das Leben so zu nehmen wie es kommt, erzählt.

Fazit

Skurril, wahrhaftig, tieftraurig, urkomisch, lesenswert.

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