Literarisches Leipzig

literarisches Leipzig

Beitrag zur Leipziger Buchmesse Teil 1

Meine literarische Zeit in Leipzig beginnt am Mittwochnachmittag. Punkt 16 Uhr startete der literarischen Stadtrundgang vor der Touristeninformation in Leipzig ( https://leipzig-erleben.com/oeffentliche-touren/stadtrundgang-leipzig/ ). Zwei Stunden lang leitet uns, eine Gruppe von etwa 10 Leuten, die sehr auskunftsfreudige und kompetente Stadtführerin zu den herausragendsten Punkten des literarischen Stadtgeschehens. Leipzig war die Stadt der Bücher und es wohnten zahlreiche bekannte Literaten in der Stadt.

Vorneweg ist natürlich der junge Goethe zu nennen. Er kommt nach Leipzig, um Jura zu studieren. Die moderne Stadt mit ihren hohen Häusern beeindruckt Goethe. Er, der die mittelalterlichen Bauten aus Frankfurt gewöhnt ist, erfährt in Leipzig das Gefühl der Großstadt. Auch wird ihm schnell klar, dass sein Kleidungsstil keinesfalls mehr der gängigen Mode entspricht.

Die Liebe wird in Leipzig zu einem Desaster für den jungen Mann. Krank vor Kummer, abgemagert und des Lebens müde, lässt er sich von seiner Mutter in Frankfurt wieder aufpäppeln.

„Die Leiden des jungen Werthers“, basiert auf seine Liebelei mit einer Frau, die mit einem anderem Mann verlobt ist. Der Werther macht Goethe europaweit bekannt.

Eingang Auerbachs Keller

Eine Szene, des wesentlich später verfassten „Faust“, spielt in Auerbachs Keller. Zusammen mit seinen Studentenfreunden feiert er in der Kellergastwirtschaft und hört dort von dem berühmten Ritt auf dem Fass, den er später im „Faust“ verarbeitet. https://www.auerbachs-keller-leipzig.de/

Auch der zehn Jahre jüngere Schiller, finanziell total abgebrannt, verlebt auf Einladung seines Freund Körner im Leipziger Vorort Gohlis die Sommermonate des Jahres 1785. Dort schreibt er, voller Euphorie, die „Ode an die Freude“.

Theodor Fontane von Beruf Apotheker, arbeitet in der Leipziger Innenstadt in einer solchen und verfasst nebenher Gedichte. Als der Kult um Schiller beginnt, macht er sich in Gedichtform darüber lustig. „Shakespears Strümpfe“ nennt er das Gedicht. Nach dem Erscheinen bekommt es viel Aufmerksamkeit und macht ihn als Dichter in Leipzig bekannt.

Zum Gedicht von T. Fontane https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Der in Dresden aufgewachsene Erich Kästner schreibt schon während seiner Leipziger Studienzeit für die Neue Leipziger Zeitung Theaterkritiken und Artikel. Doch als Kästner 1927 ein, von Erich Oser illustriertes, frivol schlüpfriges Gedicht über Beethoven, „Nachtgesang des Kammervirtuosen“, verfasst, wird er von der Zeitung gefeuert.

Zum Gedicht von Kästner: https://lesepartie.de/nachtgesang/

Auf dem Marktplatz in Leipzig gibt es eine Stelle, über die zu laufen Unglück bringt. Jahrhunderte lang wird diese Stelle als Hinrichtungsort genutzt. Die letzte Hinrichtung findet 1824 statt. Zum Tode verurteilt ist der Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, welcher aus Eifersucht seine Geliebte getötet haben soll. Später dient Woyzeck als Vorlage für Georg Büchner, welcher vor hat, daraus ein Drama für die Theaterbühne zu entwickeln. Büchner stirbt bevor er das Stück beenden kann.

Die Reihe der bedeutenden Schriftsteller, die in Leipzig ihre Spuren hinterlassen haben, ist lang. Alle aufzuzählen würde einen langen Text oder mehrere Beiträge bedeuten. Doch da dieser literarische Rundgang der Auftakt zur Buchmesse ist, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, das die Buchbinderei, das Verlagswesen und die Buchmesse in Leipzig eine lange Tradition haben. Schon im 16 Jahrhundert ist Leipzig als Druckort bekannt, die Buchmesse entwickelt ab dem 17 Jahrhundert große Bedeutung und ab dem 19. Jahrhundert kommt niemand aus dem Buchgewerbe um diese Stadt herum. Leipzig ist die Bücherstadt. Große, angesehene Verlage siedeln sich in Leipzig an; darunter Baedecker, Brockhaus, Kiepenheuer, der Insel Verlag, Reclam und noch viele, viele mehr. Daraus resultieren unzählige Zulieferfirmen; Drucker, Bindereien, Grafiker etc. Selbst im Ausland ist Leipzig für das Buchgewerbe bekannt.

Das „Graphische Viertel“ wird durch die Bomben im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Nach dem Krieg folgt die Teilung Deutschlands, sodass die Verlage abwanderten und die Geltung Leipzigs als Hauptstadt des Buches verliert sich.

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