Hell strahlt die Dunkelheit

Hell strahlt die Dunkelheit erzählt von einem bekannten Schauspieler, der das Scheitern seiner Ehe verarbeiten muss. Bei Theaterproben findet er sowohl Halt als auch die Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen.
Ethan Hawke

aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Kristian Lutze

erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 2021

Rezension

Kurzmeinung

Mit „Hell strahlt die Dunkelheit“ beweist Ethan Hawke zum wiederholten Male welch ein fantastischer Geschichtenerzähler er ist. Philosophisch, menschlich, echt. Das Leben gleicht einer Theateraufführung.

Inhalt

Als William Harding von Dreharbeiten zurück nach New York kommt, ist sein Fehltritt mit einer jungen Frau auf allen Titelblättern und Thema in den Boulevarssendungen. William, ein bekannter Filmschauspieler, ist verheiratet mit der berühmten und wunderschönen Sängerin Mary. Er ist der Böse in dieser Geschichte und quartiert sich vorerst im Hotel ein, seine beiden Kinder sieht er regelmäßig, aber Mary weigert sich mit ihm zu reden. Eine Scheidung scheint unausweichlich, doch noch ist William nicht bereit sich das einzugestehen, obwohl die Beziehung lange vor seinem Ausrutscher am Ende war.

Mitten in diesem privaten Desaster, beginnt der Filmschauspieler mit den Theaterproben zu Shakespeares „Henry IV.“. Diese Theaterinszenierung ist sein Debüt am Broadway und er ist unsicher, ob er neben den erfahrenen Theaterschauspielern bestehen kann. Ist er seiner Rolle als Hotspur gewachsen? Die Proben und das Ensemble geben ihm jedoch Halt in dieser schweren Zeit. William erarbeitet sich nach und nach seine Rolle und den Respekt der Kollegen. Trotzdem gibt es immer wieder Abende, an denen er versucht sich mit Alkohol, Drogen und Sex zu betäuben. Für William ist es eine dunkle Zeit und doch gibt es immer wieder hell strahlende Lichtblicke in dieser Dunkelheit.

Handlung

Der bekannte Filmschauspieler William Harding wird von der Presse beim Fremdgehen erwischt. Eine Schlagzeile, die um die um die Welt geht. Denn William ist verheiratet mit der weltberühmten, sexy Sängerin Mary. Zusammen sind sie Eltern zweier kleiner Kinder und nun droht die Familie auseinanderzubrechen. In dem Schwebezustand seiner Situation, mietet sich William eine Hotelsuite. Nach Hause will er nicht und den Mut sich eine eigene Wohnung zu suchen und damit das Scheitern anzuerkennen, hat er noch nicht.

Sein Privatleben am Tiefpunkt, dafür steht beruflich eine Herausforderung an. Neben renommierten Theaterschauspielern, soll er, als einziger Filmschauspieler, im Shakespeare Stück „Henry IV.“ die Rolle des Hotspurs übernehmen. Es wird sein erster Auftritt am Broadway werden. Von Selbstzweifeln gequält, in der ständigen Angst seine Stimme zu verlieren, erarbeitet William seine Rolle und fügt sich in das Ensemble ein. Er beginnt die Theaterarbeit zu lieben.

Doch dann gibt es wieder die Abende, an denen ihm alles zu viel wird. Mal betäubt er sich mit Alkohol, mal betäubt er sich mit Koks oder Tabletten und mal betäubt er sich mit Sex. In seiner Zerrissenheit geben ihm das Theaterleben und seine Kinder den nötigen Halt. William denkt über sein Verhältnis zu seinen Eltern nach, die sich scheiden ließen, als er ein Kind war. Und er resümiert Szenen seiner Ehe. Er denkt an die Tage, als sie verliebt waren, als sie Eltern wurden, doch schleichen sich auch Erinnerungen an Momente der Enttäuschung ein, die ihm deutlich machen, dass er schon lange keine glückliche Beziehung mehr führte.

William zieht Bilanz, um zu verstehen, warum er an diesem Punkt angekommen ist und wie es weiter gehen soll. Für ihn ist es eine Zeit der Selbsterkenntnis. Bis zur letzten Vorstellung hofft William, dass seine Ehefrau Mary die Aufführung besuchen wird. Dann wird ihm klar, dass es nicht mehr wichtig ist. Das Leben ist vorangeschritten und auch für ihn ist es Zeit weiterzugehen.

Meinung

Ethan Hawke ist ein brillanter Geschichtenerzähler, wie es nicht viele gibt. „Hell strahlt die Dunkelheit“ ist die Geschichte vom Zerbrechen einer Familie, von Selbsterkenntnis und es ist eine tiefe Verneigung vor dem Theater. Dieser Roman hat mich sehr bewegt, denn ich konnte die Zerrissenheit der Figur William fühlen und seine Selbstzweifel verstehen. Er muss erkennen, dass er vielleicht nicht der Mensch ist, für den er sich bisher gehalten hat.

Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass ich William Harding schon einmal begegnet bin. Im Debütroman von Ethan Hawke „Hin und Weg“ lernen wir den jungen William kennen und verfolgen seine Liebe zu Sarah. Im aktuellen Roman ist William mittlerweile Anfang dreißig und verarbeitet das Scheitern seiner Ehe.

Besonders die Abschnitte, in denen die Theaterproben und die Beziehungen innerhalb des Ensembles geschildert werden, haben mich begeistert. Meine Vorstellung vom Theater, den Schauspielern, den Garderoben ist so präzise, als ob ich Teil der Geschichte gewesen wäre. Ethan Hawke nimmt uns Leser:innen mit in eine faszinierende Welt, voller Zweifel und stetiger Arbeit an sich selbst, an deren Ende die Reaktion des Publikums die wichtigste Bestätigung ist. Der Roman ist randvoll von weisen Erkenntnissen über das Leben, die nicht nur in der Theaterwelt gelten.

Durch seine eigene, herausragende Erzählweise schafft es der Autor, dass ich vollkommen in das Buch eingetaucht bin. Selten habe ich einen Roman gelesen, dessen Charaktere so wahrhaftig sind. Das gilt selbst für Figuren, die nur kurz auftauchen. Die Geschichte macht nachdenklich und spendet zugleich Trost. Denn auch in der tiefsten Dunkelheit strahlt das Leben hell.

Fazit

Einer der besten Romane des letzten Jahres. Ein Lesegenuss!

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