Ein Wort, um dich zu retten

Ein Wort, um dich zu retten ist ein spannender Roman, der von dem dunklen Geheimnis eines Schriftstellers erzählt.
Guillaume Musso

erschienen im Piper Verlag, 2020

aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Bettina Runge

Rezension

Kurzmeinung

Ein Wort, um dich zu retten“ erzählt von dem dunklen Geheimnis eines Schriftstellers. Die Entwicklung der Geschichte bleibt bis zum Ende spannend und undurchschaubar.

Inhalt

Seit zwanzig Jahren lebt der Schriftsteller Nathan Fawles völlig zurückgezogen auf der Île Beaumont. Nach drei gefeierten Romanen verkündete er ohne ersichtlichen Grund, dass er keinen weiteren Roman veröffentlichen werde. Seine enttäuschten Fans sowie neugierige Reporter versuchen immer wieder Fawles Beweggründe auf die Spur zu kommen. Auch der junge Autor Raphaël Bataille gehört zu diesen glühenden Verehrer. Als sich ihm die Chance bietet, auf der Insel zu arbeiten, hofft er, seinem Idol zu begegnen.

In diesem Sommer geschieht ein brutaler Mord auf der Insel, der die Bewohner zutiefst erschüttert. Die Spuren führen zu einem Verbrechen, das zwanzig Jahre zurückliegt und eine ganze Familie in Paris auslöschte. Nathan Fawles scheint etwas über diesen alten Fall zu wissen. Raphaël beginnt zu recherchieren und stößt dabei auf ein schreckliches Geheimnis, das sowohl ihn als auch Nathan Fawles in tödliche Gefahr bringt.

Handlung

Nach nur drei gefeierten Büchern, mit Mitte dreißig, beendet der Schriftsteller Nathan Fawles unerwartet seine Karriere und zieht sich auf die Insel Beaumont zurück. Das löst etliche Spekulationen aus, die auch nach zwanzig Jahren nicht verstummen. Das liegt auch an seinem gewählten Wohnort. Die Bewohner der Insel Beaumont bleiben gerne unter sich. Es gibt auf der Insel kaum Tourismus und keinen Immobilienmakler.

Als der junge Schriftsteller Raphaël auf die Insel kommt, hofft er, Fawles sein Manuskript geben zu können, um von Nathan Fawles zu lernen. Doch der Schriftsteller wird seinem Ruf gerecht und schießt auf den Eindringling. Trotzdem gelingt es Raphaël, Fawles seinen Roman zu übergeben.

Ansonsten geht es auf der Insel beschaulich zu. Nur selten kommen Touristen mit der Fähre vom französischen Festland herüber. Da ist es eine Sensation, als eine Frauenleiche gefunden wird, die allen Anschein nach auf brutalste Weise ermordet wurde. Der Mord erschüttert die Insel. Raphaël beginnt sich für den Mord und das Opfer zu interessieren. Die getötete Frau war eine Besucherin der Insel. Als die Leiche gefunden wurde, war sie tiefgefroren und wahrscheinlich schon monatelang tot. Welches Geheimnis steckt hinter diesem Mord?

Zeitgleich wird Nathan Fawles von einer jungen Frau namens Mathilde aufgesucht, die behauptet ihm schon einmal bei einer seiner Lesungen begegnet zu sein. Sie gibt sich als Schweizer Journalistin aus und erzählt dem Autor eine Geschichte, die von einer Kamera handelt, die auf Hawaii im Meer verloren ging und nach sechzehn Jahren an einem thailändischen Strand gefunden wurde. Ein Tüftler aus den USA kaufte die alte Kamera. Der Film war intakt und die Fotos konnten entwickelt werden. Sie zeigten eine Pariser Familie, die den Geburtstag ihres Sohnes feiern. Und spätere Fotos zeigen ein Liebespaar, das Urlaub auf Hawaii macht.

Durch Zufall gelangen die Fotos in den Besitz von Mathilde. Die Familie, die auf den Fotos zu sehen ist, wurde auf bestialische Weise in ihrer Wohnung ermordet. Mathilde bittet Nathan um Hilfe, um herauszufinden, was damals geschah. Der Schriftsteller lehnt konsequent ab. Er wird misstrauisch und beauftragt Raphaël, ihm Informationen über Mathilde zu beschaffen. Raphaël ahnt nicht, dass dieser Auftrag ihn in Lebensgefahr bringen wird, denn er entdeckt, dass nichts ist, wie es scheint.

Meinung

Zu Beginn des Romans „Ein Wort, um dich zu retten“ beschreibt der Autor das Leben eines Schriftstellers, Nathan Fawles. Es sind Zeitungsartikel über ihn, Interviews mit ihm, die ein Bild eines Schriftstellers entstehen lassen, der sich plötzlich aus der Öffentlichkeit zurückzog und das Schreiben aufgab. Dem gegenüber steht Raphaël Bataille, dessen erster Roman eine Reihe von Absagen erhalten hat und der nun auf die Meinung seines schriftstellerischen Idols hofft. Ein naiver und gutgläubiger junger Mann, der voller Enthusiasmus auf die Insel kommt.

Auf den ersten Blick scheint Fawles ein Eigenbrödler zu sein, der die Gesellschaft anderer nicht sonderlich schätzt. Umso überraschender ist es, als er Mathilde in sein Haus lässt, obwohl er weiß, dass sie Journalistin ist. Es ist bis zum Ende nicht zu durchschauen, welche Absichten Mathilde verfolgt. Nur eines ist mir sofort klar gewesen, sie verfolgt nicht die gleichen Motive, wie ihre journalistischen Kollegen.

Die Rolle des Charakters Raphaël ist mir nach der Beendigung des Romans nicht ganz schlüssig. Zum einen ist er einer der Erzähler, der noch voller Idealismus steckt, den sein Vorbild längst verloren hat. Zum anderen ist er im Prinzip nur jemand, der Informationen aus den neuen Medien sammelt. Da Fawles keinen Internetzugang besitzt, ist Raphaël ihm natürlich eine Hilfe. Im Zusammenhang der Erzählung scheint mir Raphaël Schicksal sinnlos und damit unverständlich. Jedoch ist es für mich die einzige, kleine Ungereimtheit im Roman.

Was sehr beschaulich beginnt, entwickelt sich im weiteren Verlauf in eine erschreckende Geschichte über Verrat, Korruption und Verlust. Hinzu kommen noch schreckliche Verbrechen, die teils aus einem großen Schmerz heraus verübt wurden. Nur sehr langsam lichtet der Roman den Nebel, der die Verbrechen umgibt und legt stückchenweise die Wahrheit in all ihren grausamen Facetten frei. Ab der Buchhälfte konnte ich es kaum noch aus der Hand legen, zu groß war meine Neugier, wie die Geschichte sich weiterentwickeln wird.

Es ist Mussos Markenzeichen seinen Erzählungen immer neue Wendungen zu geben, damit es dem/der Leser:in unmöglich ist, das Ende auch nur ansatzweise vorherzusehen. Das schätze ich an seinen Romanen. Auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Die Abgründe seiner Figuren zeigen sich meist erst gegen Ende des Buches. Geschickt wechselt der Autor die Erzählperspektive, sodass wir nach und nach die Charaktere besser kennenlernen. Mussos Charaktere sind in ihrem Handeln und Denken sehr lebensnah gezeichnet.

„Ein Wort, um dich zu retten“ beginnt mit Zeitungsartikeln und Interviews von Nathan Fawles, wird dann weiter aus Raphaëls Perspektive erzählt. Später ist Fawles der Erzähler, gefolgt von Mathilde sowie vom Polizist der Insel. Durch diese Wechsel erfahren wir das, was wir zu dem Zeitpunkt wissen sollen. Ich mag diese Perspektivwechsel, denn sie unterbrechen nie meinen Lesefluss, sondern halten die Spannung aufrecht.

Fazit

Spannend, ausgefeilt bis ins kleinste Detail.

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