Dschinns

Dschinns ist ein Roman über eine türkische Gastarbeiter Familie, die ei tragisches Geheimnis hütet.

Fatma Aydemir

erschienen beim Carl Hanser Verlag, 2022

Rezension

Kurzmeinung

Dschinns erzählt von einer Familie, die von der Vergangenheit beherrscht wird und im lauten Schweigen gefangen ist. Fabelhaft eingefangen.

Inhalt

Endlich hat sich Hüseyin seinen Lebenstraum erfüllt, eine Eigentumswohnung in Istanbul. Voller Stolz malt er sich aus, wie es sein wird, wenn seine Familie aus Deutschland hierher kommt. Vor langer Zeit ging er als Gastarbeiter nach Deutschland, schuftete Jahrzehnte in den Fabriken, nun will er seinen Ruhestand genießen, es sich gut gehen lassen. Doch es kommt anders. Hüseyin erleidet einen Herzinfarkt und stirbt. Seine Frau und seine Kinder reisen nach Istanbul, um den Vater zu begraben, doch nicht alle schaffen es rechtzeitig. Emine, Hüseyins Frau, ist verzweifelt. Nun liegt die Last des schwerwiegenden Familiengeheimnisses allein auf ihr. Ein Geheimnis, das ihr ganzes Leben und das ihrer Kinder bestimmte.

Handlung

Das Buch „Dschinns“ beginnt mit Hüseyin, der voller Stolz seine Wohnung in Istanbul eingerichtet hat und es kaum erwarten kann, dass seine Familie herkommt. Er hat das Rentenalter erreicht und möchte die restlichen Jahre in der Türkei verbringen. Diese Wohnung ist sein Lebenstraum. Als Gastarbeiter in Deutschland hatte er es nicht leicht. Die ersten Jahre verbrachte er alleine dort, erst später holte er seine Familie nach. Doch seine Frau, Emine, und er wurden nie heimisch in dem Land. Bei all der Vorfreude auf sein neues Leben, versagt Hüseyins Herz. In Gedanken bei seiner Familie, stirbt er in der neuen Wohnung.

Emine, Peri und Ümit reisen zusammen von Deutschland nach Istanbul. Hakan und die älteste Tochter Sevda werden es nicht rechtzeitig schaffen. Ümit ist der Jüngste, gerade in der Pubertät. Vor Kurzem verliebte er sich in seinen Fußballkameraden, der jedoch nichts von ihm wissen will. Ümit ist mit dem Tod seines Vaters überfordert. Er hat kaum Bezugspunkte zur Türkei, wundert sich über die seltsame Sprache, die die türkische Verwandtschaft spricht und auch die Rituale sind ihm fremd.

Peri, seine Schwester, unterstützt ihn ebenso wie sie ihrer trauernden Mutter zur Seite steht. Peri studiert, sie wohnt nicht mehr zu Hause und hat zahlreiche Geheimnisse, die sie vor ihrer Familie verbirgt. Aber sie fühlt sich weiterhin verantwortlich für ihre depressive Mutter und den unsicheren Bruder.

Anders Sevda, die älteste, die bei den Großeltern in der Türkei zurückgelassen wurde und erst mit vierzehn Jahren nach Deutschland kam. Sevda, die keine Schule besuchen durfte und früh heiraten musste. Sevda, die trotz der Umstände ein Restaurant besitzt und alleinerziehend ist, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Sevda, die nie so werden wollte, wie ihre Mutter und ihr dennoch am ähnlichsten ist, hatte seit fünf Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern.

Und Emine fühlt sich von ihrem Mann im Stich gelassen und das nicht zum ersten Mal. Jetzt ist sie allein mit dem Familiengeheimnis, an dem sie vor vielen Jahren zerbrochen ist. Es nun ganz alleine zu tragen, wird sie nicht schaffen, dessen wird sie sich nach der Beerdigung bewusst.

Meinung

Fatma Aydemir erzählt in ihrem Roman „Dschinns“ von einer Familie, die schweigt, die sich fremd bleibt, die entwurzelt ist, die nicht stark genug ist, sich den Konflikten der Generationen und Tradition zu stellen und die daran zerbricht.

Mit Feingefühl und fabelhafter Beobachtungsgabe gibt die Autorin tiefe Einblicke in das Leben der Charaktere, denen sie je ein Kapitel widmet. Besonders die Schwestern, Peri und Sevda, stechen hervor, sie sind zwei willensstarke Persönlichkeiten, die mit den Konventionen brechen. Ümit ist als Teenager noch in der Entwicklung, doch auch er zeigt manchmal Stärke. Als Leser:innen werden wir in Geheimnisse eingeweiht, von denen die anderen Familienmitglieder nie erfahren werden.

Leider konnte mich das Kapitel über Hakan nicht überzeugen, denn es lässt kaum ein Klischee, kein Vorurteil aus. Hakan, weiß nicht, was er will und schlüpft in viele Rollen, um die jeweiligen Erwartungen zu erfüllen. Dabei bleibt er immer unverbindlich. Neben den Geschwistern verblasst der Charakter, der im Gegensatz zu den anderen Figuren, uns Leser:innen auch nur an der Oberfläche kratzen lässt. Mich hat der Abschnitt ratlos zurückgelassen.

Auch sonst hat der Roman hier und da seine Schwächen. An manchen Stellen ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass es doch alles ein bisschen viel auf einmal ist, was der Familie widerfährt. Manche Handlung wirkte auf mich künstlich hergeleitet. Die hervorragende Erzählweise der Autorin, ihr Schreibtalent gleichen einige dieser Schwächen wieder aus.

Fazit

Auch wenn mich der Roman „Dschinns“ nicht durchweg überzeugen konnte, ist es ein lesenswerter Roman.

Ich bedanke mich beim Hanser Verlag und der Internetplattform Lovelybooks für das Rezensionsexemplar.

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