Die Lehren des Schuldirektors George Harpole

George Harpole übernimmt vorübergehend die Stelle des Rektors einer Grundschule. Schulamt, Kollegen und Eltern erweisen sich jedoch als schwieriger als gedacht
J.L. Carr

aus dem Englischen von Monika Köpfer

erschienen im DuMont Buchverlag, 2020

Rezension

Kurzmeinung

Komisch, unterhaltsam, menschlich – der alltägliche Schulbetrieb.

Inhalt

George Harpole ist seit einigen Jahren Lehrer an der Grundschule St. Nicholas, als er vorübergehend die Stelle des Rektors übernimmt. Für Harpole kommt diese Chance gelegen, denn er strebt eine dauerhafte Anstellung als Rektor an und weiß, dass diese befristete Position der Schulleitung sich gut im Lebenslauf macht.

Voller Motivation tritt Harpole seine Stelle an, doch schon bald bekommt er Gegenwind, vom Schulamt, seinen Kollegen und auch manche Eltern melden sich zu Wort. Jede Gruppe hat ihre eigene Vorstellung, wie eine Schule geführt werden sollte. Mit Geschick und Diplomatie versucht sich Harpole durch die festgefahrenen Strukturen zu manövrieren. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Am Ende des Halbjahres ist ihm klar, dass er sich entscheiden muss, welche Art Lehrer er zukünftig sein möchte.

Meinung

„Die Lehren des Schuldirektors George Harpole“ ist ein englisches Kultbuch. Auch wenn es aus den 1970iger Jahren stammt, findet man immer noch genug Parallelen zum heutigen Schulalltag.

Seit zwölf Jahren ist George Harpole an der Grundschule St. Nicholas angestellt. Er ist ein aufgeschlossener Lehrer, der sich gegen Züchtigung und für neue Lernmethoden ausspricht. Als der Direktor der Grundschule für ein Halbjahr ausfällt, übernimmt Harpole vorübergehend den Posten. Voller Elan macht er sich an die Arbeit, doch schon bald kommt es zu ersten Missstimmungen mit dem Schulamt, weil er dem Hausmeister Anweisungen gegeben hat, die angeblich nicht in dessen Bereich fallen. So beginnt eine endlose Reihe an Auseinandersetzungen, Weigerungen und Kritik seitens der Lehrerkollegen, des Schulamtes und der Eltern.

Das Harpole manchmal über das Ziel hinaus schießt, ist das eine, doch muss er es mit starren, bürokratischen Denkweisen aufnehmen. Die Eltern sehen sich als Steuerzahler berechtigt, Lehrmethoden anzuzweifeln und Lehrer, die von ihren Steuern bezahlt werden, zu kritisieren. Das Kollegium ist von Harpoles Anweisungen per Rundschreiben selten angetan und weigert sich oftmals diese umzusetzen. Harpole muss lernen diplomatisch vorzugehen, was ihm allerdings nicht immer gelingt. Nur die junge Kollegin und glühende Anhängerin der pädagogischen Reformen, Miss Foxberrow, unterstützt ihn weitestgehend. Vor allem hält sie Harpole vor Augen, dass es in erster Linie um das Wohl der Kinder geht. Ihnen sollte ein guter Start ins Leben ermöglicht werden.

Ein Kapitel betrifft meistens ein Ereignis an der Schule. Dazu gibt es die Tagebucheintragungen von Harpole, die Briefe, die er an seine Verlobte schreibt, die Briefe die Miss Foxberrow an ihre Schwester schreibt und jeweilige Schriftwechsel, welche die zu berichtende Sache wiedergeben. Somit bekommt der Leser ein umfassendes Bild der unterschiedlichen Auffassungen und Perspektiven zu jedem Ereignis.

J.L. Carr versteht es die Unzulänglichkeiten, der Figuren aufzudecken. Immer wieder kommt das „Peter System“ zur Sprache, das besagt, dass jemand solange befördert wird, bis er schlussendlich einen Posten bekleidet, für den er vollkommen inkompetent ist. Tusker, der Schulamtsleiter, ist definitiv ein solcher Fall. Für Harpole ist Tusker wohl die größte Herausforderung. Harpole ist ambitioniert, dennoch möchte er sich keine Feinde machen, da er eine Karriere als Schuldirektor anstrebt. Doch dieses Halbjahr macht Harpole deutlich, dass es ein steiniger Weg sein wird und er viele Kompromisse dafür eingehen muss. Als sich seine vorübergehende Stelle als Rektor dem Ende nähert, ist er sich gar nicht mehr so sicher, ob eine solche Stelle für ihn passend ist.

Ich bin oftmals solidarisch mit Harpole verzweifelt. „Die Lehren des Schuldirektors George Harpole“ sind teils komisch, teils tragisch, doch eines sind sie immer; herzlich und menschlich. Das Buch ist zwar schon vor 1972 erschienen, doch hat es vom Thema an sich nichts an Aktualität eingebüßt. Das Ende kam für mich etwas überraschend, es ist jedoch stimmig. Ich habe mich von dem Roman ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Vor einiger Zeit habe ich von dem Autor mit großer Begeisterung „ Ein Monat auf dem Land“ gelesen. Das Buch ist ebenfalls im DuMont Buchverlag erschienen und hat eine ähnliche liebevolle Covergestaltung. Beide Romane kann ich mit voller Überzeugung empfehlen.

Fazit

Ein humorvoller Blick auf das Schulsystem. Unterhaltsam und herzlich erzählt die Lektüre vom Kampf gegen Bürokratie und Besserwisserei. Eine Leseempfehlung.

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