Der Liebesbrief

Der Liebesbrief erzählt Liebe und Verlust. Chloe hat ihren Mann verloren und entdeckt durch Zufall ein hundertjähriges Geheimnis einer Liebe, die durch den Ersten Weltkrieg beendet wurde.
Ruth Saberton

aus dem Englischen von Uta Hege

erschienen im Aufbau Taschenbuch Verlag, 2021

Rezension

Kurzmeinung

Tragisch, emotional und hoffnungsvoll erzählt der Roman „Der Liebesbrief“ von Liebe und Verlust. Wohlfühllektüre für ein verregnetes Wochenende.

Inhalt

Um über den Tod ihres Mannes hinweg zu kommen, zieht Chloe ins alte Pfarrhaus nach Rosecraddick, ein Dorf an der Küste Cornwalls. Fernab von London will sie versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Sie beginnt sich für die Geschichte des berühmten Sohnes der Gemeinde, dem Dichter Kit Rivers zu interessieren, der als junger Soldat im Ersten Weltkrieg fiel. Ihm zu ehren wurde ein Kirchenfenster gestaltet, dem nachträglich ein Gänseblümchen hinzugefügt wurde. Ein Detail, das Chloe als Malerin sofort ins Auge fällt. Auch in der vordersten Kirchenbank entdeckt sie ein eingeritztes Gänseblümchen. Sie wird neugierig und versucht dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Hilfe findet sie bei dem Historiker und Kit Rivers Experten Matt.

Als sie bei Aufräumarbeiten im Pfarrhaus ein verstecktes Tagebuch findet, rücken die Gänseblümchen in ein völlig neues Licht. Das Tagebuch gehörte einer jungen Frau namens Daisy, die darin ihre Erlebnisse ab Mai 1914 schildert. Kit Rivers und Daisy verband damals ein besonderes Geheimnis, dem Chloe nun auf die Spur kommt. Dieser Fund verändert nicht nur den Blick auf den jungen Dichter, sondern auch Chloes Leben nimmt eine neue Wendung.

Handlung

„Der Liebesbrief“ erzählt die Geschichte von Chloe, eine aufstrebenden Malerin, die einen schweren Schicksalsschlag verkraften muss. Nach nur wenigen gemeinsamen Jahren stirbt ihr Mann Neil an Krebs. Seitdem ist Chloe in ihrer Trauer gefangen. Nun sucht sie Zuflucht in Rosecraddick, einem kleinen Dorf in Cornwall. Dort bezieht sie das alte Pfarrhaus mit Blick auf das Meer. Das alte Haus bietet wenig Komfort, doch Chloe genießt vor allem die Aussicht auf die Klippen. Sie hofft, dass die Gegend sie wieder zum Malen inspiriert.

Als sie zufällig etwas über den berühmten Sohn der Stadt, den jungen Dichter Kit Rivers, erfährt, wird sie auf ein Geheimnis aufmerksam. Kit Rivers ist 1916 im Ersten Weltkrieg gefallen. Nur wenige Gedichte sind von ihm erhalten. Der Historiker Matt bemüht sich das verfallene Herrenhaus, in dem Kit aufwuchs, wieder herzurichten, um ein Museum daraus zu machen. Chloe schließt sich seinem Team an und hilft das Haus zu entrümpeln. Dabei taucht sie immer tiefer in die Geschichte ein. Ein großes Rätsel geben die Gänseblümchen auf, die immer wieder in Verbindung mit dem Dichter auftauchen.

Erst als Chloe den Dachboden des Pfarrhauses als Atelier nutzen möchte, entdeckt sie ein Versteck und darin ein Tagebuch, das der damals sechzehnjährigen Daisy gehörte, die im Mai 1914 nach Rosecraddick kam, um sich von einer Polio Erkrankung zu erholen. Nach und Nach fügen sich die Puzzleteile zusammen. Daisy und Kit lernten sich kennen und lieben und verbrachten einen wundervollen Sommer, der vom Krieg jäh beendet wurde.

Gemeinsam mit Matt begibt sich Chloe in die Zeit kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Während ihrer Recherchen über Daisy und Kit, kommen sich auch Matt und Chloe näher. Doch Chloe kann ihre Gefühle für Matt noch nicht zulassen, zu sehr hält sie die Trauer um Neil gefangen. Inspiriert von dem Ort und Daisys Geschichte beginnt Chloe wieder zu malen. Langsam tastet sie sich zurück ins Leben und beginnt zaghaft ihre Zukunft ohne Neil zu planen.

Meinung

Der Roman „Der Liebesbrief“ besteht aus drei Teilen. Der erste beschäftigt sich mit Chloes Umzug nach Rosecraddick und ihrer langsamen Rückkehr ins Leben. Durch die Entdeckung der Gänseblümchen und dem Tagebuch ebnet dieser Teil den Weg zu der jungen Daisy.

Im zweiten Teil springt die Geschichte hundert Jahre zurück in den Mai 1914, in dem Daisy in Rosecraddick ankommt und dort Kit Rivers kennen und lieben lernt. Ebenso wie Chloe kommt Daisy aus London in das beschauliche Dorf an der Küste und wohnt im alten Pfarrhaus. Zusammen mit Daisy erleben wir einen herrlichen Sommer und verfolgen ihre Liebesbeziehung mit Kit. Der zweite Teil endet im August 1916 nachdem Kit Rivers als vermisst gemeldet wird und Daisy Rosecraddick verlässt.

Der letzte Abschnitt spielt wieder in der Gegenwart, in der Chloe mit Matts Unterstützung herausfinden will, was aus Daisy und Kit geworden ist. Der Liebesbrief, der ihnen bei ihrer Suche in die Hände fällt, gibt Auskunft über die schreckliche Wendung, die Kits und Daisys Schicksal genommen hat.

Ruth Saberton hat einen wunderbaren Schreibstil, mit dem sie Orte und Situationen beschreibt ohne zu viel preiszugeben. Auf diese Weise kann sich die Fantasie des Lesers entfalten und ein eigenes Bild kreieren. Chloes Trauer wird unterstrichen von ihren Erinnerungen an Kleinigkeiten, die Neils Charakter ausgemacht haben. Behutsam schildert die Autorin Chloes Zeit der Trauer und das sich langsam wieder zurück ins Leben tasten.

Die Charaktere des Romans „Der Liebesbrief“ wirken lebendig und authentisch. Ich habe mich in Rosecraddick mit seinen Figuren gleich zu Hause gefühlt. Nur im alten Pfarrhaus würde mir der Komfort fehlen. Durch die klare Abgrenzung des Zeitsprungs entstehen keinerlei Verständnisprobleme. Ich bin völlig in die Geschichte eingetaucht und war gespannt auf ihren Ausgang.

Doch im letzten Drittel verzettelt sich der Roman an einigen Stellen zu sehr. Es tauchen Ungereimtheiten auf und manches wird angedeutet, aber dann vergessen. Ich hätte mir für das Gänseblümchen im Kirchenfenster sowie für das Schicksal von Daisy und Kit eine andere Auflösung gewünscht. Auf mich wirkt beides sehr konstruiert und teils zu weit hergeholt. Außerdem wird zum Schluss sehr auf die Tränendrüse gedrückt, was für mich nicht im Einklang mit den ersten zwei Teilen des Buches steht. Mir war das zu viel des Guten, aber das ist natürlich nur mein persönliches Empfinden.

Fazit

Alles in allem ist es ein sehr unterhaltsamer, größtenteils gut geschriebener Roman über Liebe, Verlust und Hoffnung, perfekt für ein regnerisches Wochenende.

Ich bedanke mich beim Aufbau Taschenbuch Verlag und der Internetplattform Lovelybooks für das Leseexemplar.

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