Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße ist eie unterhaltsame Ost West Heldengeschichte
Maxim Leo

Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2021

Rezension

Kurzmeinung

„Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ ist eine etwas andere Heldengeschichte, die mit Ost-West-Klischees spielt, leider ein unglaubwürdiges, in Richtung Kitsch abdriftendes Ende hat.

Inhalt

Eine der letzten Videotheken Berlins gehört Michael Hartung. Selten verirrt sich ein Kunde in seinen Laden und die Kosten sind höher als die Einnahmen. Kurz bevor sich der Mauerfall zum 30. Mal jährt, kommt ein Hamburger Journalist in die Videothek, der Hartung mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Damals, 1983, als Hartung noch Weichenwärter bei der Reichsbahn der DDR war, fuhr eine S-Bahn unplanmäßig vom Osten in den Westen. Eine Überraschende Massenflucht, die damals Schlagzeilen machte. In dieser Nacht hatte Hartung am Bahnhof Friedrichstraße Dienst. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und durch Hartungs Schusseligkeit, konnte die S-Bahn in den Westen gelangen.

Zum Mauerfall Jubiläum hat der Journalist diese vergessene Geschichte ausgegraben und wittert die ganz große Story. Ehe Hartung sich versieht ist er ein gesamtdeutscher, gefeierter Held. Sämtliche Medien und sogar der Bundespräsident reißen sich plötzlich um ein Gespräch mit ihm. Die Sache wird zum Selbstläufer und Hartung spielt das Spiel mit. Als Hartung der ganze Rummel dann zu viel wird und er aussteigen will, wird ihm bewusst, dass er es nicht mehr in der Hand hat, die Heldenrolle abzulegen.

Handlung

Der Movie Star ist eine der letzten Videotheken Berlins, die kaum noch Kunden hat. Michael Hartung ist mittlerweile mit seiner Miete im Rückstand und auch sonst läuft es nicht gerade gut für ihn.

Kurz vor dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls, betritt der Journalist Landmann von einer Hamburger Zeitung den Movie Star und stellt Hartung Fragen über ein längst vergessenes Ereignis. 1983 fuhr eine S-Bahn über den Bahnhof Friedrichstraße vom Osten in den Westen. Eine spektakuläre Massenflucht, deren Hintergründe nie aufgeklärt wurden. Es war Michael Hartung, der damals als Weichensteller der Reichsbahn der DDR in dieser Nacht Dienst hatte und kurz darauf verhaftet wurde. Nach einer Gefängnisstrafe wurde er in ein brandenburgisches Dorf abgeschoben, wo er eine Arbeit im Tagebau bekam.

Diese Fakten reichen dem Journalisten aus, um einen Artikel über Hartung zu schreiben, der ihn als strahlenden Helden darstellt. Dass die ganze Geschichte eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände war und Hartung damit im Prinzip gar nichts zu tun hatte, blendet Landmann aus. Seine oberflächlichen Recherchen reichen ihm aus.

Die Resonanz des Artikels ist dermaßen überwältigend, dass sowohl Hartung als auch Landmann davon überrollt werden. Bevor er sich versieht ist Hartung der strahlende Held des leisen Widerstandes. Beide wollen ihr Gesicht wahren und spielen das Spiel mit, fest davon überzeugt alles in der Hand zu haben. Die ganze Sache zahlt sich auch aus. Hartung verdient an den Interviews und Fernsehauftritten genug, um seine Schulden zu begleichen. Auch meldet sich nach langer Zeit der Funkstille seine Tochter wieder bei ihm und Vater und Tochter nähern sich wieder an. Für Landmann ist es die Chance in seinem Beruf die Karriereleiter höher zu kommen.

Als Hartung eingeladen wird, bei der offiziellen Feier des Mauerfalls im Bundestag eine Rede zu halten, wird es ihm zu viel. Er möchte aussteigen, was aber weder Landmann noch die Organisatorin der Feierstunde zu lassen wollen. Sie setzen Hartung unter Druck. Erst gibt Hartung nach, doch dann fasst er einen Plan, wie er dem Ganzen ein Ende setzen wird.

Meinung

Michael Hartung ist mir gleich sympathisch gewesen. Er ist jemand, der das Leben nimmt wie es kommt, auch wenn es ihm meistens Probleme beschert. Sein Movie Star, vormals eine Goldgrube, ist heute ein Relikt einer vergangenen Zeit. Er vertreibt sich die Zeit mit Luis de Funes Filmen und wartet auf bessere Zeiten.

Wenn Landmann, der wesentlich ambitionierter ist, nicht auf diese alte Geschichte gestoßen wäre, hätte Hartung aus eigenem Antrieb nie etwas geändert. Irgendwann wären seine Schulden zu hoch gewesen, er hätte die Videothek aufgeben müssen und hätte immer mehr getrunken. Niemals hätte er sich in eine Anwältin verliebt und er hätte auch den Kontakt zu seiner Tochter nicht wieder aufgenommen. Durch die ganzen Ereignisse, die nach dem Erscheinen des Artikels über die S-Bahn Flucht, auf Hartung hereinbrechen, ist er gezwungen sein Leben zu überdenken. Natürlich ändert er sich nicht gänzlich, aber er ändert seine Perspektive.

Auch Landmann verändert sich im Laufe des Romans. Er ist ehrgeizig, er möchte sich als Journalist profilieren und versteht erst viel später, dass er etwas losgetreten hat, was er nicht mehr steuern kann.

Es ist eine Erzählung über zwei Staaten, die es auch nach 30 Jahren nicht geschafft haben eins zu werden. Der Roman macht deutlich, dass es vor allem am gegenseitigen Verständnis fehlt, und dass Vorurteile weiter bestand haben. Natürlich spielt der Roman auch mit genau diesen Klischees und Vorurteilen.

Leider ist das Ende für meinen Geschmack zu pathetisch geraten. Meiner Ansicht nach, ist es für einen Charakter wie Hartung nicht glaubhaft.

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman über das deutsche Ost-West Verhältnis, mit einem pathetischen Ende, das nicht so recht zum Rest des Romans passen will.

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