Der Brand

In dem Roman "Der Brand" versuchen Rahel und Peter in ihren drei Wochen Sommerurlaub ihre Ehekrise zu beenden.
Daniela Krien

erschienen im Diogenes Verlag, 2021

Rezension

Kurzmeinung

„Der Brand“ ist eine wahrhaftige Erzählung über eine Ehe in der Krise, die sich jedoch zu vielen Themen annimmt und somit das Wesentliche aus dem Blick verliert. Es brennt an zu vielen Stellen

Inhalt

Seit über dreißig Jahren sind Rahel und Peter ein Paar. In ihrer Ehe sind sie durch einige Höhen und Tiefen gegangen. Seit einiger Zeit befinden sich wieder in einem Tief. Nun liegen drei Wochen Sommerurlaub vor ihnen, die sie nicht wie geplant verbringen, sondern auf dem ländlichen Hof eines befreundeten Paares in der Uckermark.

Peter gewöhnt sich schnell an den Rhythmus des Landlebens und genießt es, sich um die Tiere zu kümmern, Rahel hingegen streift planlos im Haus umher. Die wenigen Gespräche finden meist beim Essen statt, doch von einer Annäherung ist wenig zu spüren. Jeder geht seiner Wege. Werden diese drei Wochen Zweisamkeit sie wieder zusammenbringen oder der Lack nach dreißig Ehejahren einfach ab?

Handlung

Es ist Sommer. Drei Wochen Urlaub liegen vor Rahel und Peter, doch das seit Monaten gebuchte Ferienhaus fällt einen Brand zum Opfer. Wie das Schicksal spielt, bittet eine gute Freundin sie um Hilfe. Nach einem Schlaganfall muss ihr Mann Viktor in die Reha und Rahel und Peter sollen solange den Hof in der Uckermark hüten.

Seit ihrer Kindheit war Rahel häufig zu Gast auf dem Hof. Zusammen mit ihrer Mutter und Schwester haben sie viel Zeit dort verbracht. Deshalb birgt der Ort eine Fülle an Erinnerungen. Zudem hofft Rahel, in der ländlichen Abgeschiedenheit ihr Ehekrise zu überwinden. Doch Peter, der sich den Tieren auf dem Hof annimmt, geht lieber seiner eigenen Wege. Nur bei den Mahlzeiten laufen sie sich über den Weg.

Da ist es auch nicht hilfreich, dass gleich am ersten Wochenende ihre Tochter Selma mit den zwei Enkeln zu Besuch kommt. Schnell wird klar, das Mutter-Tochter-Verhältnis ist angespannt. Hinzu kommt noch eine Entdeckung, die Rahel im Haus macht. Ein möglicher Hinweis auf ihren Vater, den sie nie kennengelernt hat.

In der zweiten Woche, nachdem Selma abgereist ist, kommt es zwischen Rahel und Peter zu einer zarten Annäherung. Sie versuchen über ihre Probleme zu sprechen und einen gemeinsamen Konzens zu finden. Doch in der dritten Woche überschlagen sich die Ereignisse und ihre ruhige Zweisamkeit ist dahin.

Meinung

Auf nüchterne Weise beschreibt Daniela Krien aus Rahels Sicht den Verlauf dieser drei Sommerwochen. Wir tauchen ein in Rahels Gedankenwelt und erfahren einiges über ihre Ehe und Kindheit, aber auch über das Verhältnis zu ihren eigenen Kindern. In kleinen Schritten nähern wir uns den tief sitzenden Problemen, die nie ausgesprochen werden.

Sehr gelungen sind die Ortsbeschreibungen der ruhigen Landschaft der Uckermark. Die Tiere, die sich schnell an die Urlauber gewöhnen und in erster Linie zu Peter eine innige Bindung aufbauen. Diese Idylle steht ganz im Gegensatz zu den emotionalen Stürmen, welche die Charaktere durchlaufen.

Die Ehekrise als Thema des Buches wird allzu schnell von schwierigen Eltern-Kind-Beziehungen überholt, die Rahel und Peter sowohl zu ihren eigenen Eltern hatten als auch jetzt mit ihren Kindern durchleben. Hinzu kommen weitere zahlreiche Themen, die angerissen und wieder verworfen werden. Die Krise zwischen Peter und Rahel, ihre Annäherung werden dadurch aus meiner Sicht unverhältnismäßig zurückgedrängt. Viele dieser Themen, die von außen kommen, beeinflussen Rahel und Peter, doch hätte ich mir gewünscht, dass die Erzählung näher an den Figuren bleibt.

Rahel, Ende 40, Peter, Mitte 50, kommen mir aufgrund ihrer Denkweise und der immer wiederkehrenden Auflistung ihres körperlichen Verfalls um mindestens zehn Jahre älter vor. Ich hatte große Schwierigkeiten mir die Zwei in ihrem angegeben Alter vorzustellen. Natürlich habe ich berücksichtigt, dass sie sehr früh Eltern geworden sind und somit in einer Lebensphase sind, in die andere erst später eintreten. Dennoch passte es für mich nicht.

Der Roman „Der Brand“ verstrickt sich in allerlei gesellschaftskritischen Themen und verliert dabei die wesentliche Handlung aus dem Blick. Anders als „Liebe im Ernstfall“ wird mir dieses Buch mit all den extrem anstrengenden Charakteren, zu denen ich keinen Bezug gefunden habe, nicht lange im Gedächtnis bleiben. Dabei ist der schnörkellose Schreibstil überzeugend und kurzweilig, nur der Inhalt konnte mich nicht überzeugen.

Fazit

Vom Thema abgekommen, will „Der Brand“ zu viele gesellschaftliche Punkte ansprechen, ohne diese überhaupt vertiefen zu können. Aus dem Grund bleibt vieles angerissen, unverfolgt und oberflächlich, dabei tritt die eigentliche Problematik der Ehekrise in den Hintergrund. Mich hat das Buch ratlos und ein wenig unzufrieden zurückgelassen.

Ich bedanke mich beim Diogenes Verlag und der Internetplattform für Lesebegeisterte „Lovelybooks“ für das Rezensionsexemplar.

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