Das Albtraumschiff

Das Albtraumschiff ist eine Satire auf das Film und Fernsehbusiness

Christoph Fromm

Primero Verlag, 2020

Rezension

Kurzmeinung

Das Schiff nimmt leider kaum Fahrt. Zu wenig Handlung, zu viel Klischee.

Inhalt

Max Grohl ist im Prinzip ein guter Drehbuchautor und dennoch nur mäßig erfolgreich in seinem Job. Obwohl seine Drehbücher qualitativ hochwertig sind, wird er von Fernsehredaktionen gegängelt und ständig zum Umschreiben gezwungen, bis am Ende kaum etwas von seiner ursprünglichen Idee übrig ist.


Grohl bekommt in dieser Hinsicht weder von seiner Agentin noch von den Produzenten Rückendeckung. Es ist ganz offensichtlich, dass sich innerhalb des Film- und Fernsehbetriebs jeder selbst der nächste ist. Hinter den Kulissen herrschen Intrigen und Machtgehabe. Es geht um Ruhm und natürlich ums Geld. Auch Grohl möchte wenigstens einmal ein Stück vom Kuchen und die Anerkennung für seine Arbeit bekommen, die ihm zusteht. Doch ob es jemals gelingen wird, eines seiner Drehbücher nach seinen Vorstellung umzusetzen, bleibt fraglich. Zu viele Personen haben in Sachen Drehbuch ein Mitspracherecht. Da wird das beliebte Traumschiff schnell zum Albtraumschiff.

Meinung

Das Albtraumschiff ist eine Satire auf das Film – und Fernsehbusiness, hinter dessen Fassade es in erster Linie um die Eitelkeiten der Beteiligten geht. Bei diesem Thema fällt einem natürlich Helmut Dietls Film „Rossini“ ein, in dem die Münchner Filmschickaria gekonnt vorgeführt wird.

Bei der Hauptfigur des Romans „Das Albtraumschiff“ handelt es sich um Max Grohl, ein durchaus begabter Drehbuchautor. Trotzdem ist er gezwungen sich der Meinung von Produzenten, Redakteuren, Regisseuren und sogar Schauspielern unterzuordnen. Seinem Frust kompensiert er durch Süßigkeiten. Dementsprechend ist sein Körper außer Form geraten. Natürlich kommen in dem Roman auch überspannte Darstellerinnen und alkoholsüchtige Autoren vor. Auch sonst spart das Buch kaum ein Klischee aus, das für dieses Business immer wieder hervorgeholt wird.

Der Beginn der Geschichte gestaltet sich interessant, doch nach ungefähr dem ersten Drittel zerfasert der rote Faden und löst sich rasant auf. Es kommen Figuren dazu und verschwinden dann wieder. Nach den ersten 150 Seiten hatte ich den Überblick über diese ganzen Charaktere vollends verloren. Zudem werden ständig neue Nebenschauplätze eröffnet. Für den Leser entsteht ein großes Wirrwarr an Figuren und Handlungssträngen, von denen die meisten den Erzählfluss unterbrechen, anstatt ihn voranzubringen Vieles verläuft sich im Nichts. Ich hatte Schwierigkeiten, der Geschichte weiterhin noch aufmerksam zu folgen.

Darin liegt wohl auch die Tatsache begründet, dass ich zu keinem der Charaktere Zugang gefunden habe. Auf mich wirkten die Figuren belanglos und ohne nennenswerten Tiefgang. Besonders Grohls Freundin Lisa, ging mir wahnsinnig auf die Nerven. Sie war beispielsweise eine der Figuren, auf die ich in der Form hätte verzichten können.

Fazit

„Das Albtraumschiff“ enthält für mich von allem zu viel; zu viele Klischees, zu viele Personen, zu viele unzusammenhängende Erzählstränge. Dem zu viel stehen ein sehr dünner, kaum zu verfolgender roter Faden, zu wenig Struktur und ein gänzlich fehlender Spannungsbogen gegenüber. Erwartet hatte ich in etwa eine Satire wie „Rossini“. Einen Blick hinter die Kulissen, etwas überzeichnet und böse, aber dennoch unterhaltsam und nachvollziehbar. Leider findet sich davon nichts in dem Buch wieder. Aus meiner Sicht wurde da sehr viel Potential verschenkt.

Ich bedanke mich beim Primero Verlag für das EPUB.

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