Unsere glücklichen Tage

Unsere glücklichen Tage Buchcover
Julia Holbe

Eine Geschichte über Jugend, Freundschaft und einen unvergesslichen Sommer. Leise und behutsam mit einer Prise Melancholie erzählt.

Zufällig läuft Elsa ihre Jugendfreundin Marie über den Weg. Eine Begegnung, die die Vergangenheit wieder an die Oberfläche spült und die Erinnerung an den letzten gemeinsamen Sommer wach werden lässt. Die glücklichsten Tage in Elsas Leben. Sommertage, die die Freundinnen, Elsa, Fanny, Marie und Lenica, in dem Ferienhaus von Elsas Eltern an der französischen Küste verbrachten. Aber auch der Sommer, in dem Elsa Sean traf, ihre große Liebe, die sie bis heute nicht vergessen hat. Es war ein magischer Sommer, dessen Ende eine Wendung nahm, die sie alle nicht kommen sahen. Es sollte der letzte Sommer sein, den sie gemeinsam verbrachten.

Über viele Jahre hinweg hatten die Freundinnen keinen Kontakt zueinander. Nun scheint es an der Zeit, sich endlich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Elsa, Marie und Fanny fahren zusammen in das Haus an der Küste, um die verlorenen Jahre nachzuholen. Doch dann steht auch Sean unerwartet vor der Tür und stellt, wie damals, alles auf den Kopf.

Unsere glücklichen Tage erzählt von einem unvergesslichen Sommer, den die Freundinnen auf ihrem Felsen am Meer verbringen. Lenica wohnt in dem französischen Küstenort und erwartet Elsa, Marie und Fanny wie jedes Jahr in den Ferien. Die jungen Frauen nehmen das Haus in Beschlag, trinken, essen und faulenzen in der Sonne. Bis Lenica eines abends ihren Freund aus Kindheitstagen, Sean, mitbringt. Zwischen ihm und Elsa gibt es sofort eine magische Anziehungskraft. Doch was verbindet Sean und Lenica?

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Elsa ist mittlerweile geschieden und hat zwei erwachsene Kinder. Seit diesem Sommer hat sie keine ihrer Freundinnen oder Sean wiedergesehen. Doch nun ist sie bereit sich ihrer Geschichte zu stellen, die an dem besagten Abend ihren Anfang genommen hat.

Julia Holbes Debütroman handelt einerseits von der Zerbrechlichkeit, jedoch andererseits von dem starken Band der Freundschaft. Obwohl Elsa, Fanny und Marie Jahrzehnte keinen Kontakt zueinander haben, knüpfen sie fast nahtlos an ihre früher Verbindung an. Da sie sich durch Zufall wiedergefunden haben, wollen sie endlich mit der Vergangenheit aufräumen, um sich nicht wieder zu verlieren.

In einer sehr poetischen Sprache erzählt die Autorin abwechseln von dem vergangenen Sommer, der alles veränderte, und der Gegenwart, in der sich die Freundinnen jetzt befinden. Wir lernen die Charaktere in ihrer Jugend kennen, in der sie glaubten, alle Zeit der Welt zu haben. Dem gegenüber stehen die gleichen Figuren nur in der Mitte ihres Lebens, in der sie ihre jugendliche Leichtigkeit abgestreift haben. In dem Roman steckt viel Lebenserkenntnis, in der man sich selbst wieder findet. Den Moment zu nutzen und es nicht auf später zu verschieben, ist eine wichtige Botschaft, die der Roman uns mit auf den Weg gibt. Nicht immer hat man die Chance, unausgesprochen Worte irgendwann doch noch zu sagen.

Obwohl die Geschichte hoffnungsvoll endet, hat der Roman mich in melancholischer, vielleicht auch etwas wehmütiger Stimmung zurückgelassen. Auf jeden Fall hat er mich zum Nachdenken gebracht. Die Geschichte dieses letzten gemeinsamen Sommers und des Wiederauflebens ihrer Freundschaft ist anrührend. Ein besonderer Roman, perfekt für laue Sommernächte.

Ich bedanke mich beim Penguin Verlag für das Rezessionsexemplar.

Links zum Buch:

Verlag: https://www.randomhouse.de/Buch/Unsere-gluecklichen-Tage/Julia-Holbe/Penguin/e560393.rhd

https://www.lesejury.de/julia-holbe/buecher/unsere-gluecklichen-tage/9783328601104

Rendezvous in zehn Jahren

Rendevous in zehn Jahren Buchcover
Judith Pinnow

Trotz etlicher eingebauter Hürden eine sehr vorhersehbare Liebesgeschichte. Es fehlen die überraschenden Wendepunkte.

Valerie verbringt mit ihrer Schwester Anne ein Wochenende in Amsterdam. Da sie früher als Anne in der Stadt ankommt, lässt sie sich allein durch die Stadt treiben und landet in einem Café. Dort setzt sie sich zu einem Mann an den Tisch. Valerie und ihr Gegenüber kommen ins Gespräch. Es ist kein Gespräch über das Wetter oder ähnliche Belanglosigkeiten, sondern über ihre Träume und Wünsche ans Leben. Valerie und Ted, wie der Mann heißt, sind sich sympathisch. Bevor Valerie geht, schlägt Ted vor, sich in zehn Jahren in diesem Café wiederzutreffen, um davon zu berichten, wie ihr Leben verlaufen ist. Valerie ist von dieser Idee begeistert und willigt sofort ein. Erst als sie das Café verlassen hat, wird Ted klar, dass er keine zehn Jahre warten will, sondern Valerie schnellstmöglich wiedersehen möchte. Auch Valerie wird viel zu spät bewusst, welche Chance sie vertan hat. Beide begeben sich auf die Suche nach dem anderen. Doch sie haben weder Adressen noch Telefonnummern ausgetauscht. Müssen sie wirklich zehn Jahre auf das nächste Treffen warten?

Die Idee des Romans verspricht einige Irrungen und Wirrungen, die tatsächlich auch eintreffen. Immer wieder kommen sich die beiden Hauptcharaktere sehr nah, um sich dann doch wieder zu verpassen. Allerdings fehlt das gewisse Etwas. Die Wendungen sind alle sehr vorhersehbar und wenig überraschend. Die Geschichte plätschert ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin. Zudem gibt es in dem Roman schwarz und weiß, keinerlei Grauzonen. Der Ex von Valerie ist unsympathisch, er manipuliert und geht fremd. Ebenso wird Franka als kühl, skupellos und kinderfeindlich dargestellt. Das ein sehr einfaches Schema und es langweilt. Den meisten Figuren fehlt es an Ecken und Kanten. Vor allem Ted ist meiner Ansicht nach viel zu nichtssagend. Er hat keine eigene Meinung und richtet sich im Prinzip nur nach anderen. Ich hatte den Eindruck, dass er gar nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Valerie scheint mir ziemlich naiv und auch ohne wirkliches Ziel im Leben. Beide lassen andere entscheiden, wie sie leben. Gerade den beiden Charakteren hätte etwas mehr Format gutgetan. Es hätte die Geschichte interessanter gemacht.

Ich habe mir mehr Wendungen gewünscht, die man nicht sofort ahnt. Außerdem sind mir die meisten Figuren zu stark in gut und böse eingeteilt. Es ist ein anspruchsloser Roman, den man schnell durchlesen kann. Das Ende ist mehr oder weniger klar, doch der Weg dorthin ist einfach zu vorhersehbar.

Links zum Buch:

https://www.vorablesen.de/buecher/rendezvous-in-zehn-jahren

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rendezvous-in-zehn-jahren-9783548062594.html

Alles, was vielleicht für immer ist

Alles, was vielleicht für immer ist Buchbover
Laura Tait und Jimmy Rice

Die Geschichte zieht sich zu sehr, ohne das es voran geht

Rebecca und Ben lernen sich in der Bar ihres gemeinsamen Freundes Jamie kennen. Sie werden ein Paar und ergänzen sich augenscheinlich perfekt, das perfekte Paar. Über ein Jahr lang ist alles wunderbar, sie ziehen zusammen und Ben plant einen romantischen Heiratsantrag. Doch an Bens Geburtstag kommt zufällig ein Geheimnis ans Licht, dass die glückliche Beziehung in Frage stellt. Ob es für Rebecca und Ben eine zweite Chance geben kann und welche Rolle dabei ihre beiden beste Freunde Jamie und Danielle spielen können, muss sich erst noch beweisen.

Zu Beginn ist es eine romantische Liebesgeschichte. Eine arbeitswütige junge Frau, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen schwer tut, trifft auf charmanten Mann, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Sie verlieben sich, kommen zusammen und alles könnte so schön sein, bis zu dem Moment, in dem eine Bombe platz. Danach zieht sich die Geschichte wie Kaugummi. Es beginnt ein Hin und Her, ohne das es tatsächlich voran geht. Die Kapitel wechseln zwischen Rebeccas und Bens Sicht der Dinge.

Der Roman hat seine unterhaltsamen Höhepunkte, auch wenn es nicht viele sind. Schlussendlich hatte ich allerdings den Eindruck, dass die Geschichte herum eiert ohne zu wissen, was sie dem Leser eigentlich sagen will. Ist es nun eine Liebesgeschichte oder eine Geschichte über Freundschaft oder beides? Geht es um die Schwierigkeit seinen Platz im Leben zu finden? Manche Entwicklungen in der Erzählung sind mir etwas zu weit hergeholt. Es werden zu viele Nebenstränge eröffnet, die dazu beitragen, dass ich das Gefühl bekam, das Buch nimmt kein Ende. Im Vergleich zu dem Roman „Das Beste, was mir nie passiert ist“, ist dieser Roman langweilig. Auch konnte mich der Schreibstil der beiden Autoren diesmal leider nicht mitreißen.

Links zum Buch:

https://lesepartie.de/das-beste-was-mir-nie-passiert-ist/

https://www.dumont-buchverlag.de/buch/tait-rice-alles-was-vielleicht-9783832189365/

Nach Mattias

Nach Mattias Roman Cover
Peter Zantingh

Gute Idee, jedoch ist die Umsetzung zu oberflächlich, um dem Thema gerecht zu werde. Der rote Faden ist kaum erkennbar.

Mattias ist tot. Ein lebenslustiger Mittdreißiger, der plötzlich aus dem Leben gerissen wird, hinterlässt Beziehungen zu unterschiedlichsten Menschen. Es sind die familiären und freundschaftlichen Bindungen, in denen Mattias eine spürbare Lücke hinterlässt. Daneben gibt es auch die Menschen, deren Leben Mattias nur flüchtig streifte. Auf welche Weise lebt Mattias in den Gedanken all dieser Menschen weiter? Was bleibt von ihm?

Der Ansatz des Autors Peter Zantingh, aufzugreifen, wie sich das Fehlen eines Menschen auf das Weiterleben der Anderen auswirkt, macht neugierig. Jedes Kapitel handelt von einer Person, die auf verschiedenartige Weise eine Beziehungen zu Mattias hatte.

Den Anfang macht Mattias‘ Lebensgefährtin Amber. Es folgen Familie, enge Freunde ebenso wie flüchtige Kontakte. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte und seinen Berührungspunkt mit Mattias. Das Bild, das wir als Leser von Mattias gewinnen, wird aus diesen unterschiedlichen Perspektiven zusammengesetzt sowie auch die Trauer viele Gesichter hat.

Die Buchidee hat mich sofort angesprochen, daher wollte ich den Roman unbedingt lesen. Leider konnte er meine Erwartungen nur bedingt erfüllen. Der Roman beginnt vielversprechend. Die ersten beiden Kapitel greifen ineinander, wie beim Staffellauf wird der Stab zwischen Amber und Quentin weitergereicht. Doch mit jedem weiteren Kapitel verliert sich der Zusammenhang. Nathans Kapitel beispielsweise, ist für sich genommen eine intensive, kurze Momentaufnahme seines einsamen Lebens. Gut und eindringlich beschrieben. Allerdings ist Nathan keine Person, die relevant für den Roman ist. Gerade diese Figur ist für mich ein großes Fragezeichen. Ob er nun seine Ferienwohnung vermietet oder nicht, ob Amber nun vor seiner Tür steht oder nicht, hat für mich keinerlei Bezug zum eigentlichen Thema des Romans. Im Gegenteil; das Kapitel unterbricht den roten Faden, welcher sich ohnehin kaum sichtbar durch das Buch zieht. Am eindrucksvollsten gelungen sind meiner Meinung nach die Kapitel über Issam und jenes über Tirra.

Am Ende bleibt der Roman hinter meinen Erwartungen zurück. Aus meiner Sicht fehlt das Ineinandergreifen der einzelnen Geschichten. Mir ist Mattias als verbindende Komponente zu wage geblieben. Die Geschichte ebenso wie ihre Charaktere bleiben für mich als Leser zu sehr auf Distanz, sodass ich kaum Zugang zu den Figuren finden konnte. Teils ist der Schreibstil sehr eindringlich, teils jedoch zu sachlich und emotionslos. Dadurch kann sich die Idee des Romans nur bedingt entfalten. Ich hätte mir mehr Verbindungspunkte zwischen den Figuren gewünscht. Jedes Kapitel steht als Einzelkämpfer da, ohne eindeutigen Zusammenhang. Aufgrund dessen hat der Roman mich nicht ganz überzeugen können.

Ich bedanke mich beim Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!

Links zum Buch

https://www.vorablesen.de/buecher/nach-mattias

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Romancover Nick Hornby Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst

Eine Ehe in zehn Sitzungen

Nick Hornby

Schlagfertige Dialoge. Eheprobleme amüsant und erfrischend angepackt.

In der Ehe von Lousie und Tom steht es gerade nicht zum Besten. Tom ist arbeitslos und Louise ist fremdgegangen. Sie reden aneinander vorbei und stecken fest. Für Louise ist mit Mitte vierzig das Leben nicht vorbei. Um herauszufinden, wie sie ihre Ehe wieder auf Kurs bringen können, machen sie eine Paartherapie.

Jede Woche treffen sich die Eheleute vor der Therapie im gegenüberliegenden Pub. Während sie im Pub sitzen und warten, diskutieren sie über ihre Beziehung.

Voller Humor und schlagfertigen Dialogen lässt Nick Hornby seine Protagonisten auf einander los. Zehn Mal treffen sich Louise und Tom im Pub und sagen freiheraus, was sie an ihrer Ehe und dem anderen stört. Dabei geht nicht um die große Liebe oder Romantik, es geht um das alltägliche Leben. Sie erörtern Fragen, wieso sie überhaupt zusammen gekommen sind, warum sie keinen Sex mehr haben und warum wer wie für bzw. gegen den Brexit gestimmt hat.

Die Dialoge, aus denen das Buch hauptsächlich besteht, sind witzig und dennoch gibt es auch viel Tiefgang. Bis zum Schluss war mir nicht klar, wie es ausgeht. Aber auch das Ende ist weder romantisch noch tragisch, sondern ein aufmunterndes Augenzwinkern. Eine lange Beziehung funktioniert nicht ohne Humor und den hat Nick Hornby auf seine unvergleichliche Weise wieder fabelhaft gezeigt.

Es hat mir richtig Spaß gemacht die Treffen im Pub zu begleiten. Ja, ich hatte Spaß beim Lesen und habe manches Mal lachen müssen. Nick Hornby findet den richtigen Ton und das richtige Maß von dem, was er uns Lesern mitteilt. Die 158 Seiten erzählen kurz und knackig alles, was relevant ist. Der Rest obliegt dem Leser. Bis zur letzten Seite ist es eine amüsante und erfrischende Erzählung. Einfach großartig.

Links zum Buch:

https://www.kiwi-verlag.de/buch/nick-hornby-keiner-hat-gesagt-dass-du-ausziehen-sollst-9783462054101

https://www.deutschlandfunkkultur.de/nick-hornby-keiner-hat-gesagt-dass-du-ausziehen-sollst-der.950.de.html?dram:article_id=471739

https://lesepartie.de/juliet-naked/

Sweet Sorrow

Buchcover Sweet Sorrow
David Nicholls

Ein Coming-Age Roman. Langatmig, ausufernd und zäh, sodass die Geschichte sich ständig selbst ausbremst. Kein Liebesroman. Eher langweilig als fesselnd.

Charlie Lewis ist 16 Jahre alt. Die Abschlussprüfungen liegen hinter ihm und der Sommer vor ihm. Allerdings sind seine Aussichten auf dem Sommer zwiegespalten, denn seine Freunde haben kaum Zeit für ihn, sein Nebenjob an der Tankstelle beschäftigt ihn nur 12 Stunden die Woche und seine Familie ist vor kurzem auseinandergebrochen. Seither wohnt er mit seinem arbeitslosen und depressiven Vater zusammen, dem Charlie lieber aus dem Weg geht.

Durch Zufall lernt Charlie Fran kennen, die bei einem Sommertheaterkurs mit macht und ihn überredet ebenfalls einzusteigen. Da Charlie keine anderen Pläne hat, lässt er sich darauf ein. Das Stück, das am Ende des Sommers zur Aufführung kommen soll, ist Shakespeares Romeo und Julia. Für Charlie wird es ein Sommer voller neuer Erfahrungen und neuer Freundschaften. Er verlässt seine vertrauten Gewohnheiten und entdeckt dabei neue Seiten an sich.

Der Klappentext des Romans von David Nicholls verspricht eine Erzählung von der ersten Liebe, die der Protagonist nach fast 20 Jahren vielleicht wiedertreffen wird. Wer nun einen Liebesroman wie „Zwei an einem Tag“ erwartet, ebenfalls von Nicholls, der wird enttäuscht. „Sweet Sorrow“ ist ein Coming-Age Roman, welcher sich von der Handlung her vor allem mit dem 16-jährigen Charlie Lewis beschäftigt. Ein Junge in der Pubertät, der erleben muss wie seine Eltern nach der Geschäftsinsolvenz des Vaters sich in immer heftiger werdenden Streits auseinanderleben. Kurz vor seinen Abschlussprüfungen verlässt die Mutter mit der jüngeren Schwester die Familie, um zu ihrem neuen Lebenspartner zu ziehen. Sie lässt den völlig überforderten Jugendlichen mit seinem depressiven Vater zurück.

Der Sommer liegt endlos öde vor Charlie. Zu Hause fühlt er sich nicht wohl, seine Freunde haben lukrative Ferienjobs angenommen und so verbringt Charlie viel Zeit allein. Als er zufällig auf die Theatertruppe trifft, ist es für ihn die Möglichkeit der Tristesse des Sommers zu entkommen. Zudem findet er an Fran Fisher gefallen. Allerdings hat sich mir im Laufe des Romans nicht erschlossen warum.

Der Roman beschreibt total unwichtige Vorkommnisse in endloser Länge. Häufig erwartet man als Leser einen Sinn hinter diesen präzisen Schilderungen, der sich leider selten bis gar nicht zeigt. Die einzig spannenden Passagen betreffen Charlies Familiengeschichte. Wie konnte es zu diesem Bruch in der Familie kommen und wieso bürdet die Mutter ihrem Sohn diese Verantwortung auf? Sie Szenen mit dem Vater und die Wandlung, die Charlie im Bezug auf die Vater-Sohn-Beziehung durchmacht, ist für mich das einzig lesenswerte in dem Buch.

Ansonsten habe ich kaum Zugang zu den sehr farblos angelegten Figuren gefunden. Auch die viel beworbene erste Liebe, konnte ich nicht herauslesen. Meiner Ansicht nach handelt es sich in erster Linie um das erste Mal Sex. Die angedeuteten Parallelen zu Romeo und Julia wirken dadurch oftmals nur lächerlich.

Völlig deplatziert habe ich die Sprünge in die Gegenwart empfunden. Zwanzig Jahre später steht Charlie kurz vor der Hochzeit. Wieso das erzählt wird, ergibt gar keinen Sinn. Genauso wenig wie dieses Wiedersehenstreffen der Theatertruppe von vor zwanzig Jahren einen Sinn ergibt. Es war ein Sommerkurs, einige Wochen in den Ferien und danach gingen alle ihrer Wege. Aus welchem Grund organisiert da jemand ein Treffen??? Für den Roman ist es absolut nicht notwendig die Geschichte in der Gegenwart weiterzuerzählen. Nur damit Fran und Charlie noch ein weiteres Mal aufeinandertreffen? Der Funke zwischen den beiden springt eh nicht über. Das hätte man sich sparen können.

Der Roman weiß nicht, was er sein will oder welche Geschichte er tatsächlich erzählen will. Er ist keinesfalls ein Liebesroman. Meiner Ansicht nach fehlt dem Roman die Fokussierung. Den Anspruch ein Roman über die erste Liebe zu sein, verfehlt die Geschichte komplett. Es werden zahlreiche Schauplätze eröffnet, aber wenige haben Bezug zu der eigentlichen Handlung bzw. bringen die Handlung in irgendeiner Weise voran. Die Erzählung holpert vor sich hin. Die Hälfte der Seiten sowie der Fokus auf Charlies Erwachsenwerden, hätte die Romanhandlung in Fahrt gebracht und einen Spannungsbogen aufgebaut. So ist der Roman einfach nur viel zu langatmig und am Ende habe ich mich gefragt, welchen Sinn die Geschichte verfolgt. Von dem Roman wird bei mir nichts hängen bleiben. Ich habe mich fast durchweg gelangweilt.

Links zum Buch

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/sweet-sorrow-9783550200571.html

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/buecher/lesefruechte/sweet-sorrow-100.html

Und über uns das Nichts

Buchcover Und über uns das Nichts von Sibylle Baillon
Sibylle Baillon

Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte, die zwei Menschen in einer Lebenskrise vereint. Aber auch eine Erzählung über soziale Missstände, Vorurteile und Gegensätze. Bemerkenswerte Geschichte, brillant erzählt.

Durch einen schweren Autounfall verliert Sarah nicht nur ihren Lebensgefährten, sondern auch ihr Gehvermögen. Seit sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, lebt sie zurückgezogen von Freunden und Familie. Ihre Pariser Wohnung verlässt sie nur selten. Auch ihre Physiotherapie hat sie abgebrochen. Als sich am Weihnachtsabend eine Tüte in ihren Speichen verfängt und Sarah versteckt, hilft ihr ein freundlicher junger Mann aus der Klemme. Michel ist ein Obdachloser. Aus einer spontanen Intuition heraus, lädt Sarah ihn zu sich ein. Der Beginn einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte zweier Menschen, die vom Schicksal einiges aufgebürdet bekommen haben. Gegenseitig geben sie sich Halt und Hoffnung.

Doch vom ersten Tag an müssen die beiden für ihr Glück kämpfen. Einerseits gegen eine Welle von Vorurteilen, andererseits sind ihre Lebensentwürfe sehr verschieden. Gerade als die Beziehung sich zu festigen scheint, beginnt die Bewegung der Gelbwesten. Michel wird von der Begeisterung für eine neue Revolution gegen sämtliche sozialen Missstände mitgerissen und setzt dabei alles, was er sich in den vergangenen Monaten aufgebaut hat, wieder aufs Spiel. Die Liebe von Sarah und Michel wird wiederholt auf die Probe gestellt. Kann die Liebe dem standhalten?

Im Prolog des Romans tauchen wir in die Gedankenwelt eines Obdachlosen ein. Es ist der Weihnachtsabend und er sieht von ganz unten in die hell erleuchteten Zimmer. Zur selben Zeit fährt Sarah mit ihrem Lebensgefährten nach Hause, dann geschieht der Unfall.

Ein Jahr später treffen Sarah und der Obdachlose aufeinander und es geschieht etwas magisches mit den beiden. Zwei verlorene Seelen finden sich und geben sich Halt. Alles könnte so romantisch sein, wären da nicht Sarahs konservative Eltern, die absolut kein Verständnis dafür haben, dass ihre querschnittsgelähmte Tochter einen Obdachlosen und Ex Sträfling bei sich beherbergt. Doch die beiden Verliebten lassen sich davon nicht beirren. Sarah nimmt ihre Physiotherapie wieder auf und Michel sucht sich einen Job. Sarah blüht während dieser Zeit mit Michel richtig auf und setzt sich Ziele.

Als die Gelbwesten in Paris das erste Mal streiken, sind Sarah und Michel mit dabei. Michel ist fasziniert von der Menge der Menschen, die gegen die soziale Ungerechtigkeit auf die Straße gehen. Sarah steht der ganzen Bewegung kritischer gegenüber, vor allen den Gewaltausbrüchen, die mit den Demonstrationen einhergehen.

Der Roman erzählt chronologisch vom Auf und Ab der Liebesbeziehung zwischen Sarah und Michel und macht deutlich wie schwer es ist, seine gewohnten Verhaltensmuster abzustreifen. Ein wichtiger Aspekt in der Geschichte ist die soziale Ungleichheit. Nicht nur, dass die Autorin gekonnt die Gelbwesten Bewegung in die Erzählung mit einbindet, nein, es sind auch die gegensätzlichen Erfahrungen, welche die Hauptfiguren gemacht haben. Sarah behütet aufgewachsen, hat eine gute Ausbildung genossen, die ihr einen guten Job eingebracht hat. Dem gegenüber steht Michel, der von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht wurde, sich für den Tierschutz einsetzte, es zu weit trieb und die Spirale abwärts ging. Michel hat weder Familie noch einen stabilen Freundeskreis. Niemand, der ihn hätte auffangen können.

In feinen Nuancen zeigen sich diese Unterschiede immer wieder in der Erzählung und machen diese Liebesgeschichte so besonders. Auch ich war mir irgendwann nicht mehr sicher, ob die Liebe Bestand haben würde. Der Roman kann die Spannung bis zum Ende halten. Ein Ende, das von der Handlung her total schlüssig ist.

Für mich ist es eine absolut gelungene, packende Erzählung, die mit einigen Wendungen überrascht. Ich konnte die Geschichte kaum aus der Hand legen, weil meine Neugier darauf, wie es weitergeht groß war. Vielleicht bringt sie den einen oder anderen Leser*in dazu, seinen Umgang mit Obdachlosen zu hinterfragen.

Herzlichen Dank an die Autorin für das Rezensionexemplar.

Buchempfehlung zur Autorin: https://www.lesepartie.de/die-toechter-des-sturms

Links zum Buch:

https://www.lovelybooks.de/autor/Sibylle-Baillon/Und-%C3%BCber-uns-das-Nichts-Eine-ber%C3%BChrende-Geschichte-2433790173-w/leserunde/2433835002/2433835005/#thread

https://www.facebook.com/SibylleBaillonAutorin/

Franziskas Reise

Elke Vesper

Eine Roadtrip Erzählung über eine Frau, die erst spät den Mut aufbringt ihr Leben zu leben. Leider findet der Schluss kein Ende.

Franziska kauft sich einen gebrauchten Rolls Royce und fährt darin nach Monaco. Sie ist 57 Jahre alt, konservativ erzogen, früh verwitwet, die Beziehung zu ihrer Erwachsenen Tochter ist distanziert und ihre Mutter, die sie bis zum Ende gepflegt hat, ist kürzlich verstorben. Franziska ist niemanden mehr verpflichtet. Somit ist es an der Zeit ihr farbloses Leben hinter sich zu lassen. Als großer Grace Kelly Fan möchte sie endlich die Dächer über Nizza zu bewundern und sich den Ort der Reichen und Berühmten ansehen. Auslöser für diesen Bruch mit ihrem stillen, gleichförmigen Leben ist eine Krebsdiagnose, die ihr eine Lebenserwartung von einer Fußballsaison in Aussicht stellt. Also ist es ihre letzte Chance Träume zu leben. Für Franziska ein unfassbares Abenteuer.

Eines Abends taucht aus der Dunkelheit eine panische, junge Frau vor Franziskas Wagen auf. Mehr oder weniger freiwillig nimmt Franziska sie mit. Amira heißt die junge Frau und mit ihr bekommt Franziska eine ungeplante und anfangs ungewollte Reisebegleiterin. Durch ihre junge, unkonventionelle Begleiterin lernt Franziska den Reiz des Glücksspiels und die Kunst, den Moment zu leben, kennen. Die beiden Frauen reisen zuerst durch Frankreich und nach Monaco, dann weiter nach Venedig.

Doch wie lange dauert eine Fußballsaison? Wann kommt der Zeitpunkt, der Franziska zur Heimkehr zwingen wird? Fragen, die Franziska auf Schritt und Tritt begleiten.

Die Hauptfigur Franziska ist geprägt von der typisch konservativen Erziehung ihrer Generation. Für Frauen lohnt sich keine teure Ausbildung, da sie heiraten und dann für ihre Familie da sein müssen. Eine Frau fügt sich in die Gesellschaft und gibt keinen Grund für Gerede. Das sind die Maßstäbe, die Franziska seit Kindheitstagen zu hören bekommt. So fällt es Franziska schwer sich ihre eigenen Wünsche zu erfüllen, denn im Hinterkopf hört sie immer die Ermahnungen der Eltern. Ihr vor 15 Jahren verstorbener Mann ist immer noch ihre engste Bezugsperson, weil sie es nicht wagt, sich neu zu binden. Stundenlang sitzt sie an seinem Grab und führt endlose Monologe. Die Beziehung zu ihrer Tochter ist angespannt. Durch den fehlenden Vater, den Franziska nicht ersetzen konnte, haben sich Mutter und Tochter entfremdet.

Als Franziska bewusst wird, dass ihre Zeit abläuft, lässt sie ihr Leben Revue passieren, dabei stellt sie fest, dass sie ihr eigenes Glück immer hinten an gestellt hat. Diese Erkenntnis ist ihr Antrieb, endlich an sich selbst zu denken.

Amira ist in dieser Geschichte der Gegenpol. Sie ist jung, frei, unkonventionell und ungebunden. Mit ihrer Art reißt sie Franziska mit. Auch wenn die beiden Frauen hin und wieder aneinander geraten, erleben sie einen wunderbaren Sommer voller Leben.

Der Roman startet kraftvoll. Die zwei unterschiedlichen Frauen raufen sich mit der Zeit zusammen. Es ist herrlich mit ihnen gemütlich durch Südfrankreich zu fahren. Als Leser ist man der unsichtbare dritte Mitfahrer. Im regelmäßigen Turnus wechselt die Gegenwart sich mit der Vergangenheit ab. Die anachronistischen Rückschauen erzählen aus Franziskas Vergangenheit. Der Roman ist in keine Kapitel unterteilt, sondern besteht aus einem Gesamttext, der durch Absätze unterbrochen wird.

Die Hauptfigur Franziska fällt stets zurück in ihre alten Verhaltensmuster. Wenn man sich ein Leben lang in gewohnten Mustern bewegt, streift niemand diese von heute auf morgen ab, dessen bin ich mir bewusst. Jedoch empfand ich die ständigen Rückfälle in alte Verhaltensweisen irgendwann als zu viel. Franziskas Denkweise war für mich längst etabliert. Es nahm der Erzählung den Schwung und bremste die Weiterentwicklung aus. Ich hatte den Eindruck, die Erzählung kommt nicht recht voran und dreht sich im Kreis.

Der Charakter Amira blieb mir weitestgehend fremd. Ich fand keinen Zugang zu der Figur und empfand Amira häufig als unglaubwürdig und kindisch. Überhaupt nicht sympathisch waren mir die Charaktere Elena, Franziskas Tochter, und ihr Freund Tom. Beide verhielten sich oberflächlich und arrogant, auch sich selbst gegenüber. Im Bezug auf die beiden ist das Romanende schwer nachzuvollziehen. Der Schluss zeigt meiner Meinung nach etliche Schwächen. Ein Aspekt ist die fehlende ehrliche Auseinandersetzung von Mutter und Tochter. Plötzlich scheint alles gut.

Hinzu kommt, dass die Geschichte im letzten Drittel den roten Faden verliert. Anstatt auf einen Abschluss hinzusteuern, werden neue Handlungsstränge, die in erster Linie Amira betreffen, eröffnet. Die Erzählung konzentriert sich zum Ende hin nicht mehr auf Franziskas Geschichte, den eigentlichen Hauptcharakter, stattdessen rückt Amira in den Mittelpunkt, Dadurch wirkt der Schluss völlig überladen und zieht sich endlos und unnötig in die Länge.

Nach der wirklich wunderbaren und unterhaltsamen ersten Hälfte, verknäult sich die Geschichte auf den letzten 50 Seiten in sich selbst. Das ist sehr schade, denn die Botschaft des Buches ist wichtig. Seine Träume sollte man im Leben nie aufschieben, weil niemand weiß, wie viel Zeit bleibt. Darüber hinaus gibt es diese Frauengeneration, die nie gelernt hat, ihre eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Gerade deshalb bin ich Franziska auf ihre Reise mit diesem wahnsinnigen Auto gerne gefolgt und habe beobachtet, wie sie sich immer weiter von diesen Dogmen entfernt und sie selbst geworden ist. Leider konnte die Geschichte meine Begeisterung nicht bis zum Ende halten.

Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar.

Links zum Buch:

https://www.youtube.com/watch?v=CbrzdeTApJg

https://www.978-3.com/verlagsveroeffentlichungen/franziskas-reise

Das Beste, das mir nie passiert ist

Laura Tait und Jimmy Rice

Ein launiger Roman über verpasste Chancen. Frisch, ehrlich, unterhaltsam.

Holly und Alex sind seit Teenager Tagen beste Freunde. Als Holly auf die Uni wechselt, bricht der Kontakt abrupt ab. 11 Jahre später nimmt Alex, inzwischen Lehrer, eine Stelle an einer Londoner Schule an. Auch Holly wohnt mittlerweile in der Stadt. Sie ist Sekretärin in einer Marketing Agentur und hat ein Verhältnis mit ihrem Chef.

Angestoßen von ihren Eltern, nehmen die beiden wieder Kontakt auf, treffen sich und bemerkten, dass ihr Vertrauensverhältnis immer noch da ist. Sie werden wieder Freunde. Was beide allerdings nicht von einander wissen, sie waren damals heimlich in den jeweils anderen verliebt, verpassten jedoch den richtigen Zeitpunkt, es auszusprechen. Die Frage ist, ist die Gelegenheit vorüber oder gibt es noch eine zweite Chance für ihre Liebe?

Laura Tait und Jimmy Rice haben diesen Roman, der im Dumont Verlag erschienen ist, zusammen verfasst. Es ist ein launige Geschichte über ehemals beste Freunde, deren Lebenswege sich mit Ende 20 wieder treffen. Sowohl Holly als auch Alex haben ihre eigene Version, weshalb die Freundschaft damals so abrupt endete. Leider sprechen sie sich 11 Jahre später nicht aus, sondern halten an ihren alten Mustern fest. Das führt wieder zu einer Menge Missverständnissen, die ein Happy End in weite Ferne rücken lassen. Alex unerwartetes Auftauchen in Holly Leben, bringt sie dazu, sich an ihre Träume zu erinnern. Schnell wird Holly klar, dass sie keineswegs das Leben führt, das sie führen wollte. Beide Charaktere sind frisch und echt, sodass man gerne mit ihnen befreundet wäre. Meiner Meinung nach ist es ein tolles, sehr unterhaltsames Buch, das sich in die Tradition von Bridget Jones oder die Romane von Alex Shearer einreiht. In dem Buch steckt spürbar viel Freude am Schreiben drin. Die beiden Autoren sind ein wunderbares Team.

Links zum Buch:

https://www.dumont-buchverlag.de/buch/rice-tait-das-beste-das-mir-nie-passiert-ist-9783832188269/

https://www.lovelybooks.de/autor/Jimmy-Rice/Das-Beste-das-mir-nie-passiert-ist-1114757515-w/

Und jeden Morgen das Meer

Buchcover Und jeden Morgen das Meer



Und jeden Morgen liegt es wieder da, das Meer, in seiner unendlichen Gleichgültigkeit.“
Karl-Heinz Ott

Eine starke Erzählung über Erfolg und über das Scheitern. Was bleibt vom Leben übrig?

Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den walisischen Klippen und schaut auf das ungestüme Meer. Einst führte sie mit ihrem Mann Bruno den Lindenhof, ein angesehenes Sternerestaurant am Bodensee. Doch vom einstigen Erfolg ist nichts mehr übrig. Nachdem ihr Mann den Stern verlor ging es bergab mit dem Restaurant und dem Hotel und vor allem mit ihm selbst. Nun ist er Tod und sie war allein mit dem heruntergewirtschafteten Gastronomiebetrieb und den Schulden. Ihr Schwager Arno übernimmt alles, auch die Schulden, dafür muss sie auf alles verzichten. In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, ist Sonja Bräuninger gezwungen von vorne anzufangen. Ein Hostel in Wales bietet ihr die Einsamkeit, die sie braucht, um ihr Leben zu verstehen.

Der Roman ist beim Hanser Verlag erschienen. Auf seinen knapp über 100 Seiten erzählt der Autor Karl-Heinz Ott von einer Frau, die für ihren Gastronomiebetrieb gelebt hat und nach dem Tod ihres Mannes vor einem Scherbenhaufen steht. Alles was sie sich ein Leben lang aufgebaut hat, ist verloren.

In Wales, weit ab von allem, versucht sie Frieden zu finden. Aus der gegenwärtigen Perspektive schaut sie zurück auf bewegte Jahre. Der Roman erzählt das Leben seiner Hauptfigur in kurzen Rückschauen. Es sind Sonjas Gedanken, in die wir, als Leser, eintauchen. Mal erinnert sie sich an ihre Kindheit, mal an ihre erfolgreiche Zeit, als der Lindenhof zu den ersten Adressen gehörte, dann wieder an ihre Ausbildung in der Schweiz.

Ohne Mitleid, dafür gnadenlos ehrlich erzählt der Roman vom Scheitern und vom Weitermachen. Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den Klippen und schaut auf das Meer, nur ein Schritt, wäre ein Schritt zu weit. Sie hat einen weiten Weg zurückgelegt und ist sich darüber bewusst, dass sie ihr Schicksal immer noch selbst in den Händen hält. Ein starker Roman, der mir sicher im Gedächtnis bleiben wird.

Links zum Buch:

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/und-jeden-morgen-das-meer/978-3-446-25995-9/

https://www.deutschlandfunkkultur.de/karl-heinz-ott-und-jeden-morgen-das-meer-detailreich-und.1270.de.html?dram:article_id=427234

Bielefelder Literaturtage https://lesepartie.de/und-jeden-morgen-das-meer/