A. S. Tory und die verlorene Geschichte

S. Sagenroth

Der Roman erzählt seine Geschichte mit einer guten Mischung aus Spannung und Leichtigkeit. Doch am Ende ist man nachdenklich, denn der Inhalt ist erschreckend aktuell.

Kurz vor den Herbstferien bekommen Chiara und Sid eine E-Mail von Tory, ein hochbetagter, reicher Engländer, den die jungen Leute im vergangenen Jahr auf einer Reise kennengelernt haben.

Er schickt ihnen eine Adresse in Venedig, eine Geburtstagsanzeige und ein altes Foto. Dazu die Bitte sich auf die Spuren seiner Vergangenheit zu begeben. Eine jüdische Vergangenheit in den 1930iger Jahre in Deutschland. Herauszufinden, wer Tory wirklich ist, spornt Chiara und Sid an.

Neugierig machen sich die jungen Leute auf den Weg nach Venedig. Schnell erhalten sie weitere Anhaltspunkte, die sie nach Wien führen. Auch dort treffen Chiara und Sid auf Menschen, die ihnen helfen Puzzleteile zusammenzutragen. Spätestens jetzt wird den beiden allerdings bewusst, dass nicht jeder erfreut darüber ist, dass sie in der Vergangenheit stochern.

Chiara und Sid reisen weiter nach Berlin. Werden sie dort die letzten Informationen über die wahre Identität Torys erhalten oder ist die Geschichte zu lange her, um noch Spuren zu finden?

Der Roman erzählt in einer gelungenen Mischung aus jugendlicher Leichtigkeit, Spannung und Realitätssinn. Die Hauptfiguren Chiara und Sid sind jung und abenteuerlustig. Sie bewegen sich auf den Spuren der Vergangenheit und schärfen dabei ihren Blick für die Gegenwart. Die Gegenüberstellung von Gestern und Heute hat mir richtig gut gefallen. Da ist kein erhobener Zeigefinger, sondern alles fügt sich in die Geschichte ein. Gerade die Betrachtungsweise aus den Augen eines 17jährigen und einer 20jährigen ermöglicht dem Roman die leichtfüßige Erzählweise.

Zum anderen entzückten mich die Ortsbeschreibungen. Als Leser ist man drin in der Geschichte und bei den Entdeckungstouren der Figuren dabei. Ich bekam direkt Lust zu reisen.

Was die Autorin sich sicher nicht so gewünscht hat, ist wahrscheinlich die seit letzter Woche hochaktuelle Brisanz dieses Themas. Es wäre gut, wenn gerade jüngere Leute diesen Roman lesen. Meiner Meinung nach hat die Autorin sehr geschickt ein wichtiges Thema in einen lebendig geschriebenen Roman verpackt. Sehr gelungen!

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar im e-Book Format.

Links zum Buch:

www.instagram.com/s.sage2018

sagenroth.wordpress.com

https://www.lovelybooks.de/autor/S.-Sagenroth/

NSA – Nationale Sicherheitsamt

Andreas Eschenbach

Gut durchdachte Charaktere machen deutlich, wie gefährlich es wird, wenn die falschen Menschen Zugriff auf unsere Daten bekommen.

Was wäre, wenn… wenn es im Dritten Reich Komputer gegeben hätte? Komputer die je nach Abfrage beliebige Auswerten auswerfen? Emotionslos, präzise im Dienste des Volkes. Was wäre, wenn es mobile Telephone im Dritten Reich gegeben hätte, die sich abhören lassen und an deren Bewegungsprofil sich nachvollziehen lässt, wo sein Besitzer sich rumtreibt?

Das NSA ist das Nationale Sicherheitsamt, gegründet im Kaiserreich, als die Komputer noch mit Lochkarten funktionierten. Die zahlreichen Datensilos im Amt sammeln alle möglichen Daten über die deutschen Bürger. Seit die Regierung das Bargeld abgeschafft hat, zahlen die Bürger mit den Telephonen, einfach und verfolgbar.

Komputerprogramme für Abfragen zu stricken ist absolute Frauensache. Schon in der Schulzeit belegt die unscheinbare Helene Bodenkamp einen Programmstrickerinnen Kurs. Sie gewinnt sogar einen nationalen Preis. Weil Helenes Talent dadurch aufgefallen ist, bietet man ihr nach ihrem Schulabschluss eine Stelle im NSA an.

Helene ist keine glühende Anhängerin der Nazis. Als sie ihre Arbeit im NSA aufnimmt, sieht sie es als normale Tätigkeit. Eine Arbeit, die ihr aufgrund ihres analytischen Denkens liegt. Erst mit der Zeit wird ihr bewusst, welche Macht diese vielen gesammelten Daten haben. Spätestens als sie an der Aufspürung von versteckten Juden beteiligt ist, erkennt Helene, dass sie zu einem wesentlichen Teil des Systems geworden ist. Um ihr eigenes Geheimnis zu schützen, versucht sie die Programme zu manipulieren.

Eugen Lettke ist ein Vorzeigearier und Sohn eines Kriegshelden. Allerdings zieht es ihn nicht an die Front, so eine Art Held möchte er nicht werden. Er ist Analyst im NSA und hofft, die Anstellung schützt ihn vor dem Einberufungsbefehl. Als Analyst durchforstet er die vielen Meinungsforen im Weltnetz. In erster Linie manipuliert er das US amerikanische Forum. Doch nebenher verfolgt er noch private Interessen. Eugen befindet sich auf einem persönlichen Rachefeldzug. Grund dafür ist ein demütigender Nachmittag in seiner Jugendzeit, den er nicht vergessen kann. Niemand demütigt den Sohn eines Kriegshelden.

Durch seine privaten Recherchen macht Eugen eine brisante Entdeckung von nationalem Interesse. Zusammen mit Helene versucht er dieser Entdeckung nachzugehen. Die beiden schaffen es, sich in ein amerikanisches Komputersystem zu haken. Beide sind überwältigt von der Bedeutung ihrer Entdeckung. Als sie ihre Ergebnisse an die Regierung weitergeben, werden Eugen und Helene erst gefeiert, doch nur wenige Tage später kommt alles anders. Die Leben der beiden ändern sich schlagartig.

Andreas Eschenbach greift mit seinem Roman in die Geschichte ein, in dem er die modernen, technischen Errungenschaften ins Dritte Reich überträgt. Eine schreckliche Vorstellung, welche Möglichkeiten Hitler damit gehabt hätte. Genau diese Möglichkeiten greift der Roman auf. Dem Volk ist nicht bewusst, in welchem Umfang ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden. Jeder Kauf, jede Bewegung und vieles mehr ist nachvollziehbar. Dennoch kann sich niemand dem entziehen. Was will man machen, wenn es kein Bargeld gibt?

Die Geschichte rund um das NSA macht nachdenklich. Ich hatte oft China vor Augen. Das chinesische Punktesystem für Bürger oder die Gesichtserkennung. Der Autor wirft etliche ethische und philosophische Fragen auf. Im letzten Drittel schneidet er sogar das Thema manipuliertes Denken an. Wird es möglich sein, das Gehirn eines Menschen zu steuern?

Die Geschichte führt dem Leser vor Augen, wie Daten genutzt werden können. Das ist Realität. Glücklicherweise leben wir noch in einem Land, in dem wir einigermaßen geschützt sind.

Hin und wieder hatte die Erzählung so ihre Schwachstellen, über die ich aufgrund des großen Ganzen hinweg gelesen habe. Die Geschichte der Hauptfiguren wird abwechselnd im Rückblick erzählt. So habe ich als Leser einen guten Zugang zu den beiden bekommen.Eugen Lettke ist als Charakter sehr ambivalent. Trotz seines oftmals widerlichen Verhaltens, ist er mir nie gänzlich unsympathisch geworden. Das Ende kommt völlig anders daher, als ich es erwartet habe. Meine erste Reaktion war leichte Enttäuschung, bis mir klar wurde, dass ein anderes Ende den Roman völlig verfälscht hätte.

Links zum Buch

https://www.lovelybooks.de/autor/Andreas-Eschbach/NSA-Nationales-Sicherheits-Amt-1569360209-w/rezension/2322477092/

http://www.andreaseschbach.de/werke/romane/nsa/nsa.html

Die Physikerin

Moritz Hirche

Spannendes Thema. Allerdings viel zu langatmig, um die Spannung bis zum Ende halten zu können. Schade!

Dr. Helena Bartsch ist Physikerin am Kaiser Wilhelm Institut und forscht in Sachen Uran. Aufgrund dieser Forschung gerät sie in den Fokus des nationalsozialistischen Regimes. Im Sommer 1944 steht das Deutsche Reich unter Druck. Eine Uranbombe könnte den Krieg entscheiden.Auch die Amerikaner tüfteln an einer ähnlichen Bombe und sie sind nah am Ziel.

Helena Bartsch erkennt schnell, dass sie sich dem Regime nicht entziehen kann ohne ihr eigenes Todesurteil zu unterschreiben. Doch nicht nur die Nazis bekunden Interesse an ihr, sondern auch eine Widerstandsgruppe. Die Gruppe verlangt von ihr Informationen über das geheime Projekt. Unvermittelt gerät die junge Wissenschaftlerin zwischen die Fronten. Eine Situation, in der die Physikerin über sich hinaus wachsen muss, um zu überleben.

Die nuklearen Tests sind vom britischen Geheimdienst MI 6 nicht unbemerkt geblieben. Um mehr herauszufinden starten der MI 6 zusammen mit dem amerikanische Geheimdienst eine Aufklärungsoperation. Frederik Mercer, amerikanischer Spion, wird nach Deutschland geschleust. Als der Spion herausfindet, weshalb gerade er für diese Mission ausgewählt wurde, erkennt er seine Rolle als unbedeutende Figur in einem großen Spiel. Dennoch setzt er alles auf eine Karte, dass schlimmste zu verhindern.

Ein spannendes Thema für einen Agententhriller. Die erste Romanhälfte ist unterhaltsam und fesselnd geschrieben. Leider verliert sich die Geschichte dann in allzu detailreichen Beschreibungen. Die Entwicklung der Hauptfigur Helena Bartsch ist sehr oberflächlich ausgefallen. Als Leser fiel es mir manchmal schwer ihrer Taten nachzuvollziehen. Manche Handlungsstränge verwirren mehr, als dass sie der Erzählung gut tun. Bei einigen Ereignissen ist mir der Sinn nicht deutlich geworden.

Dem Roman hätten mindestens 100 Seiten weniger gut getan. Insbesondere das Ende zieht sich wie Kaugummi. Das letzte Kapitel ist meiner Meinung völlig unnötig und überzogen. Für den Roman hat es keinerlei Bedeutung. Alles in allem handelt der Roman über ein spannendes Thema. Eine Spannung, die der Roman leider nicht bis zum Ende beibehalten kann.

Die junge Frau und die Nacht

Guillaume Musso

Bis zur letzten Seite ein spannendes Buch, dessen Geschichte immer neue Wendungen nimmt.

Anlässlich eines Schuljubiläums reist Thomas in seine Heimat an die Côte d’Azur. Seit Jahren lebt er als Schriftsteller in New York und besucht den Süden Frankreichs und seine Familie nur, wenn er sich auf Lesereise befindet. Diesmal hat eine E-Mail seines ehemaligen besten Freundes Maxime Thomas dazu bewogen zu kommen. Die beiden Männer teilen seit Jahrzehnten ein dunkles Geheimnis, dass im Zuge dieses Jubiläums ans Licht kommen könnte.

Um das zu verhindern beginnen die beide Freunde das Geschehen von damals noch einmal neu zu betrachten. Alles begann mit dem spurlosen Verschwinden einer Mitschülerin. Die 19jährige Vinca war Thomas unerfüllte Jugendliebe, deren plötzliches Verschwinden eine noch immer tiefe Wunde bei ihm hinterlassen hat. Tatsächlich entdecken Thomas und Maxim neue Hinweise und haben durch den Abstand der Jahre eine andere Sichtweise auf die Dinge entwickeln. Es stellt sich heraus, dass der schicksalhafte Tag vor 25 Jahren bis in die jetzige Zeit hineinreicht und mehr Menschen betrifft, als Thomas und Maxim bisher angenommen haben.

In seinem neuen Roman läuft Guillaume Musso wieder zur Höchstform auf. Geschickt kombiniert er ein undurchsichtiges Gewirr von Verstrickungen rund um das Verschwinden der jungen Frau. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. In einem gewohnt flüssigen, gut lesbaren Schreibstil, entwickelt sich die Geschichte zu einem spannenden Krimi, welcher bis zur letzten Seite seine Intensität nicht verliert. Und natürlich lernt man ganz nebenbei auch einiges über die Gegend rund um Antibes. Ein wirklich gelungener Krimi, perfekt für den Sommerurlaub.

VOX

Christina Dalcher

Ein aufrüttelnder Roman, spannend erzählt, dessen Ende leider etwas konfus daherkommt.

Seit gut einem Jahr haben in den USA christliche Fundamentalisten, mehrheitlich gewählt, die Macht übernommen. Die Regierung legt besonderen Wert auf das traditionelle Rollenverständnis von Mann und Frau. Dementsprechend müssen alle Frauen ihre Arbeitsplätze räumen, um für ihre Familie zu sorgen. Damit die Frauen ihren neuen gesellschaftlichen Platz anerkennen, dürfen sie nur noch 100 Wörter pro Tag sprechen. Jede Frau und jedes Mädchen bekommt ein Armband angelegt, welches die Wörter zählt. Jede Überschreitung wird mit Stromstößen geahndet.

Dr. Jean McClellan, Wissenschaftlerin, lebt mit ihrem Mann und den 4 Kindern in einem Vorort von Washington. Jean leidet unter dem Regime und denkt täglich darüber nach, dass sie sich nie sonderlich für Politik begeistert hat. Zu ihrer Studentenzeit hat sie nie an Demonstrationen teilgenommen. Sie ist seit Ewigkeiten nicht mehr zur Wahl gegangen. Sie hat niemals geglaubt, sich jemals in solch einer Situation wiederzufinden. Nun ist sie wortlos gemacht. Ihr besonderes Augenmerk liegt auf ihrer sechsjährigen Tochter, die ebenfalls das Kontingent von 100 Wörtern nicht überschreiten darf.

Als der Bruder des Präsidenten schwer verunglückt und Teile seines Gehirns in Mitleidenschaft gezogen sind, kommt die Regierung auf Jean zu. Ein Jahr zuvor gehörte Jean dem Team zur Erforschung eines Serums an, welches die Sprachfähigkeit nach schwerwiegender Gehirnschädigung wieder herstellt. Jean stimmt zu weiter zu forschen und bekommt im Gegenzug für diese Zeit ihre Stimme wieder. Doch schnell erkennt Jean, dass es der Regierung um viel mehr geht, als um ihr Serum. Auch den angeblichen Unfall zweifelt Jean an. Ihr bleibt nicht viel Zeit, um den Kampf für ihre Freiheit endlich aufzunehmen.

Christina Dalcher beschreibt in ihrem Roman eine rückwärtsgewandte Regierung, welche Frauen, Homosexuelle und anders Denkende mit allen Konsequenzen aussortiert. Die Schikane der Wortzähler ist nur eine von vielen. Frauen haben keinen Zugang zu Büchern, PCs, Mobiltelefonen, es gibt Arbeitslager und Kameras, auch auf Privatgrundstücken. Eindringlich schildert der Roman zu Beginn wie schleichend es zu den Veränderungen gekommen ist. Das Buch hat eine deutliche Aussage

„Das Böse triumphiert allein dadurch, dass gute Menschen nichts unternehmen“

Schon nach den ersten Seiten hat mich der Roman gefesselt. Am meisten hat mich allerdings die Tatsache erschreckt, dass mir das dort aufgezeigte Szenario überhaupt nicht absurd vorkam. Bis ungefähr zur Buchmitte ist die Geschichte schlüssig erzählt. Ab dem Zeitpunkt, als Jean beginnt im Institut zu arbeiten, wird die Handlung stellenweise konfus. Vielfach fiel es mir schwer zu folgen, da mir z.B. teils das wissenschaftliche Wissen fehlt, um alles nachvollziehen zu können. Hinzu kommt, dass im letzten Drittel viele Handlungsstränge zusammenkommen. Für mich ist das Ende ein wenig verwirrend und es kommen zu viele Figuren zusammen, dadurch wirkt es teilweise konstruiert.

Alles in allem ist es ein lesenswerter Roman, der dem Leser vor Augen hält, was passiert, wenn man den Geschehnissen um sich herum mit Gleichgültigkeit begegnet. Was würdest du tun, um frei zu sein? Eine zentrale Frage im Buch!

Nacht im Central Park

Musso
Nacht im Central Park

Guillaume Musso

Spannende Geschichte, deren Ende aber enttäuscht

Als Alice früh morgens auf einer Parkbank erwacht, ist sie mit Handschellen an einen fremden Mann gekettet, hat Blut auf ihrer Bluse und eine unbekannte Waffe in der Tasche. Sie erinnert sich an den vorherigen alkoholreichen Abend mit ihren Freundinnen auf dem Champs Elysee und wie sie in die Tiefgarage zu ihrem Auto ging – danach Blackout. Der Mann neben ihr stellt sich als Gabriel, Jazzmusiker, vor. Den Abend zuvor hatte er einen Auftritt in Dublin. Als beide die Parkbank hinter sich lassen, entdecken sie, dass sie sich im Central Park in New York befinden. Wie sind sie in nur einer Nacht dorthin gekommen, wer hat sie aneinander gekettet, wieso ist Blut auf Alice Bluse? Auf all diese Fragen haben sie keine Antworten, sind aber entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Roman beginnt spannend. Als Leser fragt man sich, wie sich die Geschichte entwickeln wird und welche Geheimnisse gelüftet werden. In Rückblenden erfährt man viel über Alice‘ Schicksal, dennoch ist mir die Figur mit keiner Seite sympathisch geworden. Auch die Figur des Gabriels blieb mir fremd. Oftmals habe ich den überaus hektischen Handlungsbedarf der Figuren nicht nachvollziehen können, ebenso ist mir Gabriels Wandel in der Erzählung unverständlich.

Es ist ein sehr spannend erzähltes Buch, wunderbar geschrieben, so dass man es kaum aus der Hand legen will. Umso enttäuschender sind dann die letzten Seiten. Das Ende wirkt einfach nur konstruiert, die Spannung geht von einer auf die andere Seite völlig verloren. Es wirkt wie ein zwanghaft erschaffendes „Happy End“ und ich habe mich gefragt, wo die tolle Geschichte so plötzlich hin ist und was das Ende soll.

Ich lese die Bücher von Musso sehr gerne, aber dieses hat mich am Ende sehr enttäuscht zurückgelassen.

Das Atelier in Paris

Musso
Das Atelier in Paris

Guillaume Musso

Kurz vor Weihnachten in Paris. Madeline hat sich mitten in der Stadt, dennoch ruhig gelegen eine großzügige Wohnung gemietet. Sie möchte während ihres Parisaufenthaltes abschalten und ihre Gedanken ordnen. Gaspard, Autor von Theaterstücken, zieht sich alljährlich für einige Woche nach Paris, um ein neues Stück zu Papier zu bringen. Er hasst die Stadt, daher hat ihm seine Agentin eine Wohnung fernab vom Trubel gemietet. Durch einen Systemfehler wurde das ehemalige Atelier eines bekannten Malers doppelt gebucht; von Madeline und Gaspard. Beide spüren die besondere Atmosphäre, die in der Wohnung herrscht. Es wirkt, als käme der Maler jeden Moment zur Tür herein. Keiner ist bereit die Wohnung zu räumen. Ihre eigenen Prioritäten rücken in den Hintergrund, als sie von der tragischen Geschichte des Malers, der vor fast genau einem Jahr starb, erfahren. Davon tief berührt, wird den beiden bewusst, dass es immer noch eine unvollendete Geschichte ist. In den letzten Wochen seines Lebens sollen drei neue Werke entstanden sein, die verschollen sind. Madeline und Gaspard begeben sich auf die Suche nach den Gemälden und kommen dabei einem entsetzlichen Verbrechen auf die Spur.

Einige Tage vor Weihnachten. In Paris regnet es und es wird gestreikt. Gaspard, Theaterautor hasst die Stadt, die Menschen und vor allem die neumodische Elektronik. Jedes Jahr zieht er sich einige Wochen zurück, um sein neues Stück zu schreiben. Da er das Getümmel auf den Straßen hasst, ist Paris dafür der perfekte Ort. Denn er verlässt so gut wie nie die Wohnung und kann konzentriert schreiben. Diesmal hat seine Agentin ihm eine großzügig geschnittene Wohnung gebucht, ein ehemaliges Atelier. Als er dort nach einer anstrengenden Reise ankommt, ist er noch mürrischer als sonst und trifft zu seinem großen Verdruss auf Madeline. Auch sie hat die Wohnung gemietet. Madeline, eine ehemalige Polizistin aus Manchester, ist nach Paris gekommen, um abzuschalten. Keiner der beiden ist bereit die Wohnung freiwillig wieder zu verlassen. Madeline fährt persönlich zu dem Vermieter, um sich zu beschweren. Es ist ein Galerist, welcher den Nachlass des Künstlers verwaltet, dem die Wohnung einst als Atelier diente.

Sean Lorenz war ein bekannter Maler. Er starb ein Jahr zuvor an einem Herzinfakt. Der Galerist erzählt Madeline, dass es angeblich noch drei Gemälde geben soll, allerdings wisse niemand, wo Lorenz diese untergebracht hat. Zeitgleich kommt Gaspard mit der Nachbarin ins Gespräch, die ihm ebenfalls von Sean Lorenz erzählt.

Sowohl Madeline als auch Gaspard sind davon überzeugt, dass es diese Gemälde geben muss. Plötzlich rücken ihre eigenen Belange in den Hintergrund und sie beginnen mit der Recherche nach den verschwundenen Bildern. Ihre Suche offenbart ihnen eine tragische Geschichte und je mehr sie erfahren, desto näher kommen sie der Wahrheit eines schrecklichen Verbrechens.

Guillaume Mussos neuer Roman hält keine Überraschungen bereit. Mit Madeline stößt man auf eine alte Bekannte aus dem Roman „Nachricht von Dir“. Die aktuelle Geschichte ist zwar einigermaßen spannend und die Wendungen gut durchdacht, aber die unbestreitbare Ähnlichkeit zu seinen anderen Romanen, lässt bei mir Langeweile aufkommen. Auch die Charaktere sind diesmal schwer zugänglich und auch an einigen Stellen kaum nachzuvollziehen. Die endlosen Wegbeschreibungen von Straßenzügen in Paris oder New York, wecken in mir mittlerweile den Eindruck von Lückenfüllern. Diese Details nehmen einfach zu viel Raum ein.

An den Haaren herbeigezogen ist das Ende. Viel kitschiger und unrealistischer geht’s nicht. Ich habe alle Mussos Romane gelesen, allerdings denke ich, er sollte sich für den nächsten Roman Zeit nehmen, um einen neuen Impuls zu setzen und nicht nur auf altbewährtes zurückzugreifen.

Nachtrag: Der neue Roman von G. Musso erscheint am 02. November. In der Hoffnung, dass er sich beim nächsten Roman nicht wieder selbst kopiert, habe ich das Buch vorbestellt.