Die Toten Hosen

Buchcover die Toten Hosen aus der Reihe KIWI Musikbibliothek
Thees Uhlmann

Beste Unterhaltung! Wahrhaftig und komisch, aus dem Leben erzählt.

Autoren schreiben über ihre Lieblingsmusik. Das ist das Konzept der KiWi Musikbibliothek. Im Fall von Thees Uhlmann schreibt ein Autor und Musiker über seine Lieblingsband; Die Toten Hosen.

Wer nun eine Art Bandbiografie oder zahlreiche Insider Anekdoten in diesem Buch erwartet, liegt falsch. Es ist ein, wie ich finde, höchst persönliches Buch vom Autor.

Alles beginnt mit einem Zettel am Schwarzen Brett der Schule. Wer Lust hat zum Toten Hosen Konzert nach Hamburg mitzukommen, soll sich in die Liste eintragen. Es ist 1988 und der 14-jährige Thees Uhlmann trägt sich ein. Es wird sein aller erstes Konzert werden.

In dem Buch erzählt Thees Uhlmann von Erlebnissen, die auf vielfältige Weise mit den Toten Hosen zu tun haben. Es handelt von Begegnungen mit Menschen, von besuchten oder eigenen Konzerten, von der Jugend und vom Fan sein. Die Mitglieder der Toten Hosen an sich tauchen wie Alfred Hitchcock in seinen Filmen, nur am Rande des Geschehens auf. Sie laufen kurz durch die Szene und sind schon wieder weg.

Manche Passagen sind herrlich ehrlich. Ich habe beim Lesen zahlreiche Male sehr lachen müssen. Kein Auslachen, sondern ein Mitlachen. Ich muss zugeben, dass ich das deutsche Projekt Band Aid völlig verdrängt hatte. Manchmal zählt das große Ganze eben mehr als alles andere. Auch ist es jedem mindestens schon einmal passiert, dass er eine Textstelle im Lied jahrelang total falsch verstanden und jedes Mal voller Überzeugung falsch mitgesungen hat. Die Erklärung, warum der Autor Hausboot herausgehört hat, finde ich großartig. Es sind diese fast alltäglichen Geschichten, die das Buch so unterhaltsam machen.

Ganz nebenbei zeigt das kleine, handlich Buch, was die Band Die Toten Hosen über die Musik hinaus auszeichnet. Sie sind nett und auch ich meine damit nicht die kleine Schwester von…, sondern tatsächlich nett. Ein gutes Beispiel hierfür ist der freundschaftliche Umgang mit ihren Musikerkollegen, die als Vorgruppen auftreten. Genau das überträgt sich auf das Publikum. Es wird nur eine gute Party, wenn man sie zusammen feiert. Und wenn die Toten Hosen eins wirklich meisterhaft können, dann ist es eine Party feiern, egal ob im kleinen Rahmen (SO36) oder im Stadion (Köln).

Genauso wie bei seinem vorherigen Roman schafft es Thees Uhlmann mit seiner klaren, wahrhaftigen Art seine Leser bestens zu unterhalten. Man muss kein Hosen Fan sein (mehr sein), um es zu lesen. Thees Uhlmann gibt Einblicke ins Musikerdasein, in sein Leben als Vater, Freund und Fan. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen und es hat mich begeistert.

PS: Am 09.11.2008 spielten die Hosen im Ringlokschuppen (mittlerweile hat der Laden das „Ring“ gestrichen) ihr erstes Konzert der Mach Mal Lauter Tour. Und genau in dem Laden werde ich auch am 19.12.2019 sein und ich freue mich wahnsinnig auf den Abend!!!

Links zum Buch:

https://www.kiwi-verlag.de/buch/thees-uhlmann-thees-uhlmann-ueber-die-toten-hosen-9783462053692

https://www.kiwi-verlag.de/musikbibliothek

http://www.ghvc.de/index.php?id=theesuhlmann

https://www.dietotenhosen.de/magazin/thees-uhlmann

95 Anschläge – Thesen für die Zukunft

Thesen für die Zukunft
95 Anschläge

Die Herausgeber, Friederike von Bünau (EKHN Stiftung, evgl. Kirche) und Hauke Hückstädt(Literaturhaus Frankfurt) haben das Lutherjahr zum Anlass genommen, um 95 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Theologie und Politik zu bitten einen Beitrag über gesellschaftlich relevante Themen zu schreiben. So vielfältig wie die Autoren, sind auch die Themen. Was beschäftigt unsere Gesellschaft im Hier und Jetzt, was sollte gesagt, verändert oder bewahrt werden?

Die Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus verschiedenen Generationen und haben vielfältige Lebenshintergründe. So treibt jeden ein anderes Thema um, zu dem er Stellung nehmen möchte. Dieses Buch enthält 95 Meinungen über unsere heutige Gesellschaft. Was soll sich verändern? Was soll möglichst bewahrt bleiben? Welche Lösungen könnte es für bestehende Probleme geben? Die Themen sind vielfältig. So handelt es sich in den 95 Beiträgen um Bildung, um Fluchtursachen, um den Umgang mit Nutztieren, um Wohlstand, Umwelt, um Gott, um ethische Fragen im medizinischen Bereich und um Kulturverständnis.

Diesen 95 Thesen wird keine gesellschaftliche Umwälzung wie vor 500 Jahren folgen, dennoch sind alle Beiträge es wert gelesen zu werden. Sie kommen weder belehrend noch mit erhobenem Zeigefinger daher. Die Frage, die über allem steht ist „Wie wollen wir leben“. Das Buch bietet keine universelle Lösung, jedoch etliche Denkansätze für die Zukunft.

Wenn man sich gerne mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt, ist dieses Buch zu empfehlen. Die Stärke des Buches ist die Vielfältigkeit seiner Beitragsschreiber. Es stimmt nachdenklich, dennoch lässt es einem mit dem möglichen Ausblick auf eine positive Zukunft zurück.

Manchmal ist es federleicht

von kleinen und großen Abschieden
Manchmal ist es federleicht

Christine Westermann

In „Manchmal ist es federleicht“ berichtet Christine Westermann von kleinen und großen Abschieden. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben verschiedene Arten des Abschieds. Manche werden uns aufgezwungen, manche bestimmen wir selbst.

Genau davon erzählt Christine Westermann; von ihren Vater, der gezwungen war, Erfurt und somit die DDR zu verlassen. Seine Flucht ist im Gegensatz zu einem freigewählten Umzug sicher kein Vergleich. Was lässt man zurück und ist das, was man zurücklässt, später noch wichtig? Um etwas Neues zu wagen, muss man meist das Alte hinter sich lassen. Es ist ein sehr persönliches Buch, denn Christine Westermann schreibt nicht nur über ihre erlebten Abschiede, sondern gibt Einblicke in private Momente und Gedanken.

Es ist ein Buch, in dem sich jeder wiederfinden kann, denn Abschiede gehören zum Leben dazu. Christine Westermann versteht es hervorragend die nötigen Zwischentöne zu finden, um ihren Erlebnissen Lebendigkeit zu verleihen. Ohne viel Pathos schreibt sie über altersbedingte Einschränkungen körperlicher Beweglichkeit, über das Ende einer grandiosen Fernsehsendung und über den Umgang mit dem Tod. Ich habe das Lesen des Buches sehr genossen. Manche Stellen haben mich zum Lachen gebracht, andere wiederum haben mich nachdenklich werden lassen. Wenn man wirklich ein Maßband, als sichtbares Zeichen für Lebenszeit, zu Grunde legt, sollte man Abschiede als ein Teil des Lebens betrachten und die Furcht davor ablegen.

Ein absolut empfehlenswertes, lesenswertes Buch, geschrieben von einer ganz tollen Frau.

https://www.christine-westermann.de/