A. S. Tory

Roadmovie um die Suche nach einer alten Single

A. S. Tory Roadmovie um die Suche nach einer alten Single Buchcover
Der Weg ist das Ziel
S. Sagenroth

Eine spannende Geschichte mit unerwarteter Wendung.

Vor dem fünfzehnjährigen Sid liegen zwei öde Wochen Herbstferien. Seine Freunde sind imUrlaub und ihm bleiben nur die Nachhilfestunden in Latein. Frustriert über seine Lage klickt er durch seine Mails. Dabei fällt ihm eine E-Mail von einem unbekannten Adressaten auf. Dieser Unbekannte verspricht Sid ein Abenteuer, wenn er sich entschließt eine Reise anzutreten. Die Kosten werden übernommen. Kurzentschlossen sagt Sid zu. Zuerst reist er nach London, wo er den mysteriösen Auftraggeber, A. S. Tory, ein älterer Herr im Rollstuhl, persönlich kennenlernt.

Sein Auftrag; Sid soll sich auf die Suche nach einer alten, französischen Single aus den 70igern machen. Sids erster Stopp auf seiner Suche ist die Toskana. Dort lernt er Chiara kennen, die sich ihm spontan anschließt. Zusammen reisen sie weiter nach Frankreich, Marrakesch und in die Niederlande. Auf ihrer Suche erleben sie abenteuerliche Geschichten und viele interessante Menschen kreuzen ihren Weg. Doch die Suche nach der Single entpuppt sich plötzlich als nicht so ungefährlich wie angenommen.

Der Roadmovie Roman über die Suche nach einer alten Single LP ist der erste von bislang zwei erschienen Teilen rund um die Abenteuer des Teenagers Siegmund Sagenroth, der sich lieber Sid nennt. In diesem Buch nimmt seine Bekanntschaft mit einem alten, augenscheinlich reichen Herren aus London, A. S. Tory, ihren Anfang. Aus purer Langeweile und in der Hoffnung auf etwas Urlaub nimmt Sid das mysteriöse Angebot an. Auf seiner Reise trifft er verschiedene Menschen. Vor allem zu Chiara entwickelt sich eine echte Freundschaft, obwohl sie vier Jahre älter ist. Es ist herrlich zu erleben, wie Sid, der zu Beginn eher introvertiert wirkt, richtig aufblüht und aus sich herauskommt. Seine Wandlung hat er in erster Linie der lebensfrohen und unkonventionellen Chiara zu verdanken.

Die Plätze und Orte, an denen sich Sid aufhält sind vollkommen authentisch beschrieben. Das belebte Soho, die italienische Winzergemeinschaft ebenso wie das farbenfrohe Marrakesch. Als Leser reist man mit Sid durch diese Orte und es fühlt sich an, als ob man tatsächlich mit dabei wäre.

Die Bedenken, dass der junge Sid einfach so einem Fremden vertraut, zerstreuen sich recht schnell, denn es wird klar, dass Sid zwar auf Abenteuerreise geht, trotzdem hat der alte Herr Tory ein Auge auf seinen Schützling. Was jedoch anfänglich recht harmlos wirkt, bekommt durch die nicht vorhersehbare Wendung am Ende, einen zusätzlichen Spannungskick. Die Geschichte reißt einen förmlich mit und es macht Freude zu sehen, wie sich der Hauptcharakter Sid während der Erzählung entwickelt.

Neben der spannenden Geschichte, möchte ich das grandios gestaltete Cover nicht unerwähnt lassen genauso wie die herrliche Idee eine Schallplatte als Lesezeichen hinzuzufügen. (Auch wenn es tatsächlich „nur“ ein Lesezeichen ist. Ich hatte den Drang sie auf den Plattenspieler zu legen, wovon die Autorin mir abgeraten hat ;-))

Ich bedanke mich bei der Autorin ganz herzlich für das Rezensionsexemplar!

Link zum Buch:

Teil II: https://lesepartie.de/a-s-tory-und-die-verlorene-geschichte/

Verlag: https://tredition.de/autoren/s-sagenroth-28630/a-s-tory-paperback-130769/

Neun Tage und ein Jahr

Taylor Jenkins Reid
Neun Tage und ein Jahr Buchcover
Wenn das Schicksal dir nur eine kurze Zeit Glück gewährt

Gefühlvolle Erzählung über den Verlust eines Menschen und das Loslassen, um weiterzuleben.

Die Liebe erwischt Elsie und Ben unerwartet, aber heftig. Ziemlich schnell ist beiden klar, dass sie zusammen gehören. Keine sechs Monate nach dem Kennenlernen sind sie zusammengezogen und heiraten. Vor ihnen liegt ihr gemeinsames Leben. Sie schmieden Pläne und sind glücklich sich gefunden zu haben.

Doch dann wird Ben durch einen Unfall aus dem Leben gerissen. Elsie ist fassungslos vor Schock und Trauer. Sie ist Witwe, nach nur neun Tagen Ehe. Ist sie überhaupt eine richtige Witwe nach einer so kurzen Ehe? Hinzu kommt eine Schwiegermutter, die nichts von ihrer Existenz weiß. Kann Elsie es schaffen ohne Ben zu leben?

„Neun Tage und ein Jahr“ schildert abwechselnd die Geschichte vom Kennenlernen bis zur Hochzeit, und Elsies Leben nach Bens Tod. Der Roman erzählt von den sechs Monaten mit Ben und den sechs Monaten ohne Ben. Ein Jahr, das Elsie zur Hälfte im Liebesrausch und zur anderen Hälfte in völliger Trauer verbringt.

Es beginnt mit dem Abend, an dem Ben stirbt. Neun Tage sind sie verheiratet. Elsie und Ben sind perfekt füreinander, dessen wird man sich beim Lesen ihrer sechsmonatigen Beziehung bewusst. Umso mehr trifft einen die Trauer, in der Elsie gefangen ist. Ihre Zweifel, dass sie nach der Kürze der Zeit gar keine „richtige“ Ehefrau ist. Ihre Schuldgefühle, weil Ben nur für sie noch einmal losgefahren ist. Hinzu kommt ihre Schwiegermutter, die erst vor wenigen Jahren ihren Mann verloren hat und keine Ahnung von der Ehe ihres Sohnes hatte. Ben hatte nie den richtigen Zeitpunkt gefunden, seiner immer noch trauernden Mutter von seinem Glück zu erzählen. Dennoch überwinden die beiden Frauen diese Hürde und versuchen sich gegenseitig in ihrer Trauer zu unterstützen.

Das Buch ist berührend und gefühlvoll geschrieben. Es nimmt sich dem Thema Trauer auf eine pragmatische und reale Weise an. Elsie, die nur eine kurze Zeit vollkommen glücklich war und jäh aus ihrer Liebesblase herausgerissen wird. Susan, Bens Mutter, die nach dem Tod ihres Sohns plötzlich ohne Familie dasteht. Das Leben muss für beide weitergehen, aber wie das gehen soll, ist die Frage mit der sich der Roman auseinandersetzt. Der Schreibstil ist trotz des schweren Themas leicht und unterhaltsam und es gibt durchaus humorvolle Abschnitte, Es ist eine Liebesgeschichte der anderen Art, die zeigt, dass es nicht wichtig ist, wie lange man sich geliebt hat, sondern nur das man sich geliebt hat.

Links zum Buch:

https://www.randomhouse.de/Hoerbuch-Download/Neun-Tage-und-ein-Jahr/Taylor-Jenkins-Reid/Random-House-Audio/e470047.rhd

https://reading-books.de/neun-tage-und-ein-jahr/

Mädelsabend

Anne Gesthuysen
Mädelsabend Buchcover

Großmutter und Enkelin, Vertreterinnen zweier Frauengenerationen, zwischen patriarchaler Macht und Selbstbestimmtheit. Ich bin mit der Geschichte nicht warm geworden.

Seit kurzer Zeit wohnen Ruth und Walter van Rennings auf Burg Winnenthal im betreuten Wohnen. Wo Ruth in ihrem hohen Alter nochmal richtig aufblüht, fühlt sich Walter fremd. Zunehmend klammert er sich an seine Frau, die wiederum endlich ein wenig Freiheit genießen will. Sie blickt zurück auf 65 Ehejahre, die für Ruth mehr von Verzicht als von Glück geprägt waren.

Ihre Enkelin Sara kümmert sich, sooft es ihre Zeit zulässt, um die beiden alten Herrschaften. Sara hat ein inniges Verhältnis zu ihren Großeltern, nimmt jedoch deren Spannung befremdlich zur Kenntnis. Als sie selbst vor der Entscheidung steht, sich beruflich zu profilieren oder bei ihrer Familie zu bleiben, muss sie entscheiden, welchen Preis sie für ihre Selbstverwirklichung zu zahlen bereit ist.

Anne Gesthuysens Roman spielt wieder am Niederrhein. Er erzählt vornehmlich die Geschichte von Ruth, die im hohen Alter mit ihrem Mann ins betreute Wohnen zieht. Endlich kann sie ungezwungen soziale Kontakte knüpfen und tritt dem Singkreis der Senioren bei. Ihr Mann Walter beäugt ihr Tun argwöhnisch und versucht seiner Frau den Umgang zu verbieten. In Rückblenden erfahren wir einiges über das Eheleben der beiden. Ruth kommt aus einer angesehenen Familie. Von Beginn an steht ihre Ehe unter keinem guten Stern. Schon beim ersten Treffen erscheint Walter nicht. Das sie dennoch zusammenkommen, bleibt für mich wenig nachvollziehbar. Meiner Meinung nach haben sie wenig gemeinsam, zudem hatte ich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als wäre einer der beiden in den anderen verliebt. Gerade Ruth, die als hübsch beschrieben wird, zudem auch gut situiert, hätte sicher jemand anderen finden können. Warum sie den erst Besten nimmt, ist mit nicht deutlich geworden. Die Ehe ist lieblos und Ruth leidet unter dem patriarchalischen Schwiegervater, der ein strenges Regiment führt, dem sich jeder unterzuordnen hat. Die Jahre vergehen und Ruth wird Zusehens zu einer folgsamen Frau. Bis sie in das Seniorenheim kommt und Freunde findet.

Auf der anderen Seite steht ihre Enkelin Sara, die als Ärztin in der Welt herumgekommen ist. Nun lebt sie mit ihrem Lebensgefährten und ihrem einjährigen Sohn zusammen, Ihre Karriere liegt zur Zeit auf Eis. Bis sie das Angebot erhält an einer Studie teilzunehmen. Sie ist unsicher, wie sie sich entscheiden soll, denn wenn sie annimmt, würde ihr Familienleben darunter leiden.

Leider konnte ich mit den Figuren im Roman sowie mit der gesamten Geschichte nicht warm werden. Mir fehlte gerade bei Ruth der Hintergrund, warum sie so handelt und sich alles gefallen lässt, obwohl sie scheinbar viel selbstbewusster erzogen wurde. Mir ist bewusst, dass es diese Art von Ehen häufig gab, dennoch passt es nicht zu der Figur der Ruth. Ebenso verhält es sich mit Sara. Sie blieb für mich nichtssagend. Zudem hatte ich auch bei ihr das Gefühl, sie ordnet sich schnell unter. Mir fehlten die Argumente, die Debatten. Ihr Lebensgefährte findet ihre Karriereambitionen nicht gut, aber es findet keine Diskussion oder klärendes Gespräch statt. Er sagt seine Meinung und basta. Auch zwischen Ruth und ihrer Enkelin kommt es zu keinem bedeutenden Gespräch. Jeder bleibt für sich. Das ist mir alles zu einfach gestrickt und nimmt den Figuren meiner Ansicht nach jegliche Spannung.

Schon am Anfang des Buches fand ich nur schwerlich in die Geschichte hinein. Die Erzählung konnte mich nicht packen. Ich habe auf etwas gewartet, was mich in die Geschichte zieht. Da kam leider nichts. Es ist definitiv kein Buch über starke Frauen oder Selbstbestimmtheit. Die Figuren bleiben blass. Ich hätte mir mehr Auseinandersetzungen gewünscht, nicht nur Hinnahme.

Ich bedanke mich herzlich beim KiWi Verlag für das Rezensionsexemplar.

Links zum Buch:

https://www.kiwi-verlag.de/buch/anne-gesthuysen-maedelsabend-9783462054149

https://www.lesejury.de/anne-gesthuysen/buecher/maedelsabend/9783462051506

Baba Dunjas letzte Liebe

Alina Bronsky
Baba Dunjas letzte Liebe Buchcover
Buchcover

Schnörkellos, mit viel Empathie wird die Geschichte einer mutigen alten Frau erzählt, die der Gesellschaft trotz, um selbstbestimmt zu leben.

Baba Dunja ist in ihre Heimat zurückgekehrt, wohl wissend, welche Auswirkungen es haben würde. Denn ihre Heimat liegt in der Todeszone von Tschernobyl. Dort hat sie ihr Leben verbracht, ihre Kinder groß gezogen und nun möchte sie an diesem Ort ihre letzten Jahre verbringen. Im Garten hinter ihrem Haus baut sie Obst und Gemüse an. Nur selten nimmt sie den beschwerlichen Weg in die nächstgelegene Großstadt auf sich, um einzukaufen. Mit ihr kamen auch andere Bewohner zurück, um in aller Ruhe, fernab der Welt, ihren Lebensabend zu genießen. An einem Sommertag versetzt die Ankunft von zwei Fremden die beschauliche Gemeinde in Aufruhr. In dieser heiklen Situation trifft Baba Dunja abermals eine mutige Entscheidung, damit alle Bewohner weiterhin an diesem Ort leben können.

Voller Feingefühl und mit einfachen, aber wirkungsvollen Worten beschreibt die Autorin Alina Bronsky das Leben der Bewohner in der Todeszone, in die sich kaum ein Mensch ohne Schutzausrüstung wagt. Alle eint der Wille eines selbstbestimmten Lebens, auch wenn sie damit auf Kontakte zur Außenwelt, ja sogar zu ihren Kindern, verzichten müssen. Die meisten haben schon vor 1986, dem Jahr des Reaktorunglücks, in Tschernobyl gewohnt und kehren nun als alte Leute zurück. Abgeschnitten vom Weltgeschehen führen sie ein beschauliches Leben. Baba Dunja war die erste, die zurückkehrte und hat dadurch eine gewisse Bekanntheit erlangt. Von den anderen Bewohnern wird sie als eine Art Bürgermeisterin betrachtet. Sie selbst hält sich für unbedeutend. Wir erfahren einiges aus Baba Dunjas Leben, über ihre Arbeit, ihren Mann und ihre beiden Kinder.

Es ist ein berührendes Buch über eine starke Frau, die auch im hohen Alter mutig und unbeirrt ihren Weg geht. Ich habe jede Seite genossen, denn der Roman ist voller Poesie und Lebensklugheit. Meinen Lesegeschmack hat diese Geschichte vollends getroffen. Absolute Leseempfehlung!

Links zum Buch:

https://www.kiwi-verlag.de/buch/alina-bronsky-baba-dunjas-letzte-liebe-9783462054729

https://www.dieterwunderlich.de/Bronsky-Baba-Dunjas-letzte-liebe.htm

https://frau-hemingway.de/alina-bronsky-und-baba-dunjas-letzte-liebe/

Heisses Pflaster

Heisses Pflaster Buchcover
Alex Pohl

Spannung bis zum Schluss. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Eine bunte Mischung aus allem, was ein guter Krimi braucht. Ein heisses Pflaster, auf das sich die Ermittler begeben.

Mord oder ein tragischer Unfall. Der Tod des Leiters des Liegenschaftsamtes polarisiert Leipzigs Bürger. Der beliebter Politiker war ein Verfechter eines bunten Stadtbildes. Im Stadtteil Connewitz hielt er die Hand über besetzte Häuser, die nach seinem Tod auffallend schnell an Bauunternehmer Wenger verkauft werden. Dieser zeigt offen seine Sympathie für rechte Gesinnung. Obwohl alles auf einen tragischen Unfall hindeutet, bleibt Kommissar Milo Novic skeptisch und ermittelt gegen die Anweisung seines Vorgesetztes weiter. Das bringt ihn und seine Kollegin Hanna Seiler zeitweise in Schwierigkeiten. Zu stark scheinen die Amtsträger miteinander vernetzt und es gibt einige, die vom Tod des Amtsleiters profitieren. Als ein Polizist bei einem Einsatz im Connewitzer Brennpunkt schwer verletzt wird, führen alle Hinweise zur linken Szene. Für die Beamten wird es ein heisses Pfaster, auf dem sie ihre Ermittlungen weiterführen. Bis ein Video auftaucht, das ein völlig anderes Licht auf den Fall wirft.

Hanna Seiler und Milo Novic ermitteln im Fall Guido Ehrlich und decken dabei etliche Seilschaften in Leipzigs Behörden auf. Aus diesem Grund werden die Kommissare von ihrem Vorgesetzten zurückgepfiffen. Die Verwicklungen der kommunalen Politiker sind jedoch nur oberflächlich. Um was es wirklich geht, erkennen die Kommissare erst in allerletzter Minute.

Seiler und Novic sind völlig unterschiedliche Charaktere, als Kollegen sind sie jedoch ein eingespieltes Team, das trotz starkem Gegenwind weiter ermittelt. Die Zusammenhänge innerhalb der Behörden machen den Fall interessant und die Geschichte lässt dem Leser viel Raum für Spekulationen. Jeder Charakter ist ausgesprochen feinsinnig erdacht. Bauunternehmer Wenger ist beispielsweise eine facettenreiche Figur, die mir zwar nicht sympathisch ist, dennoch mehr zu bieten hat, als nur den skrupellosen, rechten Typen zu geben. Das Ausmaß der Verwicklungen entwirrt sich tatsächlich erst zum Schluss. Meistens wissen wir als Leser nicht wesentlich mehr als die Kommissare.

Im Nebenstrang beginnt Hanna Seiler an dem Selbstmord ihres Mannes zu zweifeln und findet erste Indizien dafür. Hanna erkennt, dass es Parallelen zwischen dem jetzigen Fall und dem Tod ihres Mannes gibt. Die Geschichte ist der Cliffhanger zum nächsten Band, denn bisher hat Hanna keine Ahnung, was tatsächlich mit ihrem Mann geschehen ist.

Bis zur letzten Seite konnte mich die Geschichte fesseln. Mit viel Realitätssinn erzählt der Autor Alex Pohl von den Auseinandersetzungen zwischen den gesellschaftlichen Gegensätzen und wie leicht es sein kann, diese Kontroversen zu beeinflussen. Mich hat der Roman auf seinen über 450 Seiten vollends überzeugt, weil er bis zum Ende die Spannung aufrecht erhalten hat. Empfehlenswert.

Außerdem möchte ich das tolle, außergewöhnliche Buchcover hervorheben, das mich sehr begeistert hat!!!

Ich bedanke mich herzlich beim Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar.

Links zum Buch:

https://alex-pohl.de/

https://www.lesejury.de/alex-pohl/buecher/heisses-pflaster/9783328103240

Haarmann

Haarmann Buchcover

Ein Kriminalroman

Dirk Kurbjuweit

Ein gut durchdachter und hervorragend erzählter Kriminalroman aus Sicht des Ermittlers. Absolut überzeugend.

Kommissar Robert Lahnstein wird aus dem Ruhrgebiet nach Hannover versetzt, weil die dortigen Beamten in einem mysteriösen Fall keinerlei Fortschritte machen. Seit geraumer Zeit verschwinden in der Stadt regelmäßig Jungs, ohne eine verfolgbare Spur zu hinterlassen. Anfang der 1920iger Jahre herrscht noch verheerende Armut und traumatisierte Männer, die die grausamen Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges überstanden, prägen das Stadtbild.

Immer wieder sitzen verzweifelte Eltern in Lahnsteins Büro, um ihren Sohn als vermisst zu melden. Der Kommissar beginnt zu resignieren, da alle Anhaltspunkte, jede Ermittlung ins Leere laufen. Seinen Instinkt folgend vermutet er, dass die Taten mit der Verrohung im Krieg und dem 175. Milieu zusammenhängen. Ständig kommen Lahnstein Gerüchte zu Ohren, dass jemand mit Menschenfleisch handle. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Vermissten und dem Fleischhandel? Der Kommissar kämpft sowohl gegen die Zeit als auch gegen Kollegen aus den eigenen Reihen. Schnell bemerkt Lahnstein, dass er niemanden vertrauen kann. Verschwundene Akten oder Aussagen von Zeugen, denen nicht nachgegangen wurde. Und immer wieder verschwindet ein Junge. Als überzeugter Demokrat sieht sich Lahnstein besonders gefordert. Viele Bürger glauben nicht an die neue Republik. Es ist auch an Lahnstein zu beweisen, dass diese demokratische Gesellschaft für Recht und Ordnung sorgen kann. Doch je länger er ohne Ergebnis bleibt, desto größer werden seine Zweifel, den Fall aufklären zu können. Auch die Bevölkerung von Hannover lässt ihn ihre steigende Wut spüren. Doch dann folgt er einer glaubhaften Spur, die ihn vielleicht endlich zum Täter führt.

Der Autor Dirk Kurbjuweit erzählt den Kriminalfall des Massenmörders Haarmann aus der Sicht des ermittelnden Kommissars. Aufgrund der Kriegsfolgen leben viele Deutsche 1923/24 in großer Armut. Lebensmittel sind teuer. Die neue Republik hat es schwer sich gegen die Monarchisten und rechte Strömungen zu behaupten. Um das Vertrauen der Bevölkerung nicht gänzlich zu verspielen, müssen in Hannover Ermittlungsergebnisse her. Seit Monaten gibt es keinerlei Hinweise auf den Verbleib der verschwundenen Jungs. Die 175. Szene in Hannover ist bekannt und in den letzten Jahren gewachsen. Immer wieder führen die wenigen Spuren in dieses Milieu, ohne Ergebnis. Lahnstein, im Krieg Flieger gewesen und dann in britische Gefangenschaft geraten, ist SPD Mitglied und von der Demokratie überzeugt. Auf dem Polizeipräsidium ist er mit dieser Einstellung nicht willkommen, was wiederum die Zusammenarbeit mit Kollegen erschwert.

Manche Passagen im Buch, in kursiver Schrift gedruckt, schildern die Geschehnisse aus Sicht des Täters sowie aus Sicht eines der Opfer. Zudem gibt es Zeitsprünge in Lahnsteins Geschichte. So erzählt der Roman von seiner Faszination für die ersten Flugzeuge, von seiner Familie, die er verlor, und von seiner Gefangenschaft. Für den Leser entsteht somit ein umfassende Biografie des Charakters Lahnstein. Dadurch fiel es mir leicht eine Verbindung zu der Hauptfigur aufzubauen und seine Handlungen nachzuvollziehen. Auch wirft der Roman die Frage auf, wo die moralischen Grenzen liegen, um einen dermaßen bestialischen Serienmörder zu überführen. Gerade Haarmanns Schilderungen, wie er die Jungs gesucht, gefunden, mitgenommen und am Ende „verarbeitet“ hat, geben Einblick in seine gestörte Wahrnehmung. Jemanden, der solche Morde verübt, muss man stoppen. Doch welche Mittel rechtfertigen am Ende das Ergebnis? Eine Frage, die sich Lahnstein im Verlauf des Romans stellen muss.

Der Fall des Serienmörders Haarmann ist in der Vergangenheit einige Male künstlerisch aufgegriffen worden. Am eindringlichsten und erschreckendsten wahrscheinlich im Film „Der Totmacher“ aus dem Jahr 1995, in dem Götz George Fritz Haarmann sehr authentisch spielt. Dieser Roman fokussiert sich eher auf die moralische Ebene, in einem stark gebeutelten Land, dass schwer an den Repressalien des Krieges zu tragen hat. In einer Demokratie, die jeden Tag ums Überleben kämpft. Die Sichtweise des Buches hat mich gänzlich überzeugt. Dirk Kurbjuweit erzählt eine fesselnde Geschichte ohne Partei zu ergreifen oder den Zeigefinger zu erheben. Die moralische Frage ist heute genauso aktuell wie damals. Angesichts solch grausamer Morde, ist die Versuchung groß, Mittel und Maß anders abzuwägen, als es die Vorschriften zulassen.

Mich hat der Roman vollends überzeugt. Eine durchweg stimmige Erzählung. Außerordentlich gut geschrieben und durchdacht. Die Geschichte Haarmanns ist mir bekannt, vor allem durch den erwähnten Film. Dieser Kriminalroman wirft ein anderes, sehr interessantes Licht auf die Geschehnisse. Ich bin begeistert und kann das Buch nur empfehlen!

Ich bedanke mich herzlich beim Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar.

Links zum Buch:

https://www.randomhouse.de/Buch/Haarmann/Dirk-Kurbjuweit/Penguin/e547613.rhd

https://whatchareadin.de/buecher/haarmann-kriminalroman

Unsere glücklichen Tage

Unsere glücklichen Tage Buchcover
Julia Holbe

Eine Geschichte über Jugend, Freundschaft und einen unvergesslichen Sommer. Leise und behutsam mit einer Prise Melancholie erzählt.

Zufällig läuft Elsa ihre Jugendfreundin Marie über den Weg. Eine Begegnung, die die Vergangenheit wieder an die Oberfläche spült und die Erinnerung an den letzten gemeinsamen Sommer wach werden lässt. Die glücklichsten Tage in Elsas Leben. Sommertage, die die Freundinnen, Elsa, Fanny, Marie und Lenica, in dem Ferienhaus von Elsas Eltern an der französischen Küste verbrachten. Aber auch der Sommer, in dem Elsa Sean traf, ihre große Liebe, die sie bis heute nicht vergessen hat. Es war ein magischer Sommer, dessen Ende eine Wendung nahm, die sie alle nicht kommen sahen. Es sollte der letzte Sommer sein, den sie gemeinsam verbrachten.

Über viele Jahre hinweg hatten die Freundinnen keinen Kontakt zueinander. Nun scheint es an der Zeit, sich endlich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Elsa, Marie und Fanny fahren zusammen in das Haus an der Küste, um die verlorenen Jahre nachzuholen. Doch dann steht auch Sean unerwartet vor der Tür und stellt, wie damals, alles auf den Kopf.

Unsere glücklichen Tage erzählt von einem unvergesslichen Sommer, den die Freundinnen auf ihrem Felsen am Meer verbringen. Lenica wohnt in dem französischen Küstenort und erwartet Elsa, Marie und Fanny wie jedes Jahr in den Ferien. Die jungen Frauen nehmen das Haus in Beschlag, trinken, essen und faulenzen in der Sonne. Bis Lenica eines abends ihren Freund aus Kindheitstagen, Sean, mitbringt. Zwischen ihm und Elsa gibt es sofort eine magische Anziehungskraft. Doch was verbindet Sean und Lenica?

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Elsa ist mittlerweile geschieden und hat zwei erwachsene Kinder. Seit diesem Sommer hat sie keine ihrer Freundinnen oder Sean wiedergesehen. Doch nun ist sie bereit sich ihrer Geschichte zu stellen, die an dem besagten Abend ihren Anfang genommen hat.

Julia Holbes Debütroman handelt einerseits von der Zerbrechlichkeit, jedoch andererseits von dem starken Band der Freundschaft. Obwohl Elsa, Fanny und Marie Jahrzehnte keinen Kontakt zueinander haben, knüpfen sie fast nahtlos an ihre früher Verbindung an. Da sie sich durch Zufall wiedergefunden haben, wollen sie endlich mit der Vergangenheit aufräumen, um sich nicht wieder zu verlieren.

In einer sehr poetischen Sprache erzählt die Autorin abwechseln von dem vergangenen Sommer, der alles veränderte, und der Gegenwart, in der sich die Freundinnen jetzt befinden. Wir lernen die Charaktere in ihrer Jugend kennen, in der sie glaubten, alle Zeit der Welt zu haben. Dem gegenüber stehen die gleichen Figuren nur in der Mitte ihres Lebens, in der sie ihre jugendliche Leichtigkeit abgestreift haben. In dem Roman steckt viel Lebenserkenntnis, in der man sich selbst wieder findet. Den Moment zu nutzen und es nicht auf später zu verschieben, ist eine wichtige Botschaft, die der Roman uns mit auf den Weg gibt. Nicht immer hat man die Chance, unausgesprochen Worte irgendwann doch noch zu sagen.

Obwohl die Geschichte hoffnungsvoll endet, hat der Roman mich in melancholischer, vielleicht auch etwas wehmütiger Stimmung zurückgelassen. Auf jeden Fall hat er mich zum Nachdenken gebracht. Die Geschichte dieses letzten gemeinsamen Sommers und des Wiederauflebens ihrer Freundschaft ist anrührend. Ein besonderer Roman, perfekt für laue Sommernächte.

Ich bedanke mich beim Penguin Verlag für das Rezessionsexemplar.

Links zum Buch:

Verlag: https://www.randomhouse.de/Buch/Unsere-gluecklichen-Tage/Julia-Holbe/Penguin/e560393.rhd

https://www.lesejury.de/julia-holbe/buecher/unsere-gluecklichen-tage/9783328601104

Rendezvous in zehn Jahren

Rendevous in zehn Jahren Buchcover
Judith Pinnow

Trotz etlicher eingebauter Hürden eine sehr vorhersehbare Liebesgeschichte. Es fehlen die überraschenden Wendepunkte.

Valerie verbringt mit ihrer Schwester Anne ein Wochenende in Amsterdam. Da sie früher als Anne in der Stadt ankommt, lässt sie sich allein durch die Stadt treiben und landet in einem Café. Dort setzt sie sich zu einem Mann an den Tisch. Valerie und ihr Gegenüber kommen ins Gespräch. Es ist kein Gespräch über das Wetter oder ähnliche Belanglosigkeiten, sondern über ihre Träume und Wünsche ans Leben. Valerie und Ted, wie der Mann heißt, sind sich sympathisch. Bevor Valerie geht, schlägt Ted vor, sich in zehn Jahren in diesem Café wiederzutreffen, um davon zu berichten, wie ihr Leben verlaufen ist. Valerie ist von dieser Idee begeistert und willigt sofort ein. Erst als sie das Café verlassen hat, wird Ted klar, dass er keine zehn Jahre warten will, sondern Valerie schnellstmöglich wiedersehen möchte. Auch Valerie wird viel zu spät bewusst, welche Chance sie vertan hat. Beide begeben sich auf die Suche nach dem anderen. Doch sie haben weder Adressen noch Telefonnummern ausgetauscht. Müssen sie wirklich zehn Jahre auf das nächste Treffen warten?

Die Idee des Romans verspricht einige Irrungen und Wirrungen, die tatsächlich auch eintreffen. Immer wieder kommen sich die beiden Hauptcharaktere sehr nah, um sich dann doch wieder zu verpassen. Allerdings fehlt das gewisse Etwas. Die Wendungen sind alle sehr vorhersehbar und wenig überraschend. Die Geschichte plätschert ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin. Zudem gibt es in dem Roman schwarz und weiß, keinerlei Grauzonen. Der Ex von Valerie ist unsympathisch, er manipuliert und geht fremd. Ebenso wird Franka als kühl, skupellos und kinderfeindlich dargestellt. Das ein sehr einfaches Schema und es langweilt. Den meisten Figuren fehlt es an Ecken und Kanten. Vor allem Ted ist meiner Ansicht nach viel zu nichtssagend. Er hat keine eigene Meinung und richtet sich im Prinzip nur nach anderen. Ich hatte den Eindruck, dass er gar nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Valerie scheint mir ziemlich naiv und auch ohne wirkliches Ziel im Leben. Beide lassen andere entscheiden, wie sie leben. Gerade den beiden Charakteren hätte etwas mehr Format gutgetan. Es hätte die Geschichte interessanter gemacht.

Ich habe mir mehr Wendungen gewünscht, die man nicht sofort ahnt. Außerdem sind mir die meisten Figuren zu stark in gut und böse eingeteilt. Es ist ein anspruchsloser Roman, den man schnell durchlesen kann. Das Ende ist mehr oder weniger klar, doch der Weg dorthin ist einfach zu vorhersehbar.

Links zum Buch:

https://www.vorablesen.de/buecher/rendezvous-in-zehn-jahren

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rendezvous-in-zehn-jahren-9783548062594.html

Alles, was vielleicht für immer ist

Alles, was vielleicht für immer ist Buchbover
Laura Tait und Jimmy Rice

Die Geschichte zieht sich zu sehr, ohne das es voran geht

Rebecca und Ben lernen sich in der Bar ihres gemeinsamen Freundes Jamie kennen. Sie werden ein Paar und ergänzen sich augenscheinlich perfekt, das perfekte Paar. Über ein Jahr lang ist alles wunderbar, sie ziehen zusammen und Ben plant einen romantischen Heiratsantrag. Doch an Bens Geburtstag kommt zufällig ein Geheimnis ans Licht, dass die glückliche Beziehung in Frage stellt. Ob es für Rebecca und Ben eine zweite Chance geben kann und welche Rolle dabei ihre beiden beste Freunde Jamie und Danielle spielen können, muss sich erst noch beweisen.

Zu Beginn ist es eine romantische Liebesgeschichte. Eine arbeitswütige junge Frau, die sich mit zwischenmenschlichen Beziehungen schwer tut, trifft auf charmanten Mann, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Sie verlieben sich, kommen zusammen und alles könnte so schön sein, bis zu dem Moment, in dem eine Bombe platz. Danach zieht sich die Geschichte wie Kaugummi. Es beginnt ein Hin und Her, ohne das es tatsächlich voran geht. Die Kapitel wechseln zwischen Rebeccas und Bens Sicht der Dinge.

Der Roman hat seine unterhaltsamen Höhepunkte, auch wenn es nicht viele sind. Schlussendlich hatte ich allerdings den Eindruck, dass die Geschichte herum eiert ohne zu wissen, was sie dem Leser eigentlich sagen will. Ist es nun eine Liebesgeschichte oder eine Geschichte über Freundschaft oder beides? Geht es um die Schwierigkeit seinen Platz im Leben zu finden? Manche Entwicklungen in der Erzählung sind mir etwas zu weit hergeholt. Es werden zu viele Nebenstränge eröffnet, die dazu beitragen, dass ich das Gefühl bekam, das Buch nimmt kein Ende. Im Vergleich zu dem Roman „Das Beste, was mir nie passiert ist“, ist dieser Roman langweilig. Auch konnte mich der Schreibstil der beiden Autoren diesmal leider nicht mitreißen.

Links zum Buch:

https://lesepartie.de/das-beste-was-mir-nie-passiert-ist/

https://www.dumont-buchverlag.de/buch/tait-rice-alles-was-vielleicht-9783832189365/

Neuleben

Katharina Fuchs

Zwei Frauen, die ihren eigenen Weg trotz Schwierigkeiten unbeirrt verfolgen. Die Fortsetzung der Familiengeschichte in den frühen 1950iger Jahren ist unterhaltsam verpackt.

Der zweite Teil der Familiengeschichte beginnt im Frühjahr 1953. Gisela und Felix stehen kurz vor ihrer Hochzeit. Therese, Felix Schwester, studiert als eine von zwei Frauen an der Freien Universität Berlin Jura. Während der Vorlesungen ist Therese oftmals der Häme ihrer Kommilitonen und der Professoren ausgesetzt. Nun steht sie kurz vor ihrem ersten Staatsexamen, das sie mit Prädikat bestehen muss, um ihren Traum, eines Tages Richterin zu werden, verwirklichen zu können. Dafür muss sie wesentlich mehr als die männlichen Mitstudenten leisten. Ein schlechter Zeitpunkt, um sich zu verlieben.

Auch Gisela strebt eine berufliche Karriere an, so wie ihre Mutter Anna es vorgelebt hat. Am liebsten würde sie sofort als Näherin bei einem modernen, angesagten Modelabel anfangen, doch zunächst nimmt sie eine Stelle bei der sehr konservativen Marke Engelmann an. Schon bald keimt in der jungen Frau ein Plan, wie sie es schaffen kann, der konservativen Linie mehr modernen Chic einzuhauchen. Dabei hilft ihr der gute Draht zur Tochter vom Chef.

Nach der Hochzeit überschlagen sich die Ereignisse. Felix und Thereses Großmutter Lisbeth stirbt. Das einst prächtige Gut Feltin ist heruntergekommen. Großvater Richard haust in einem ehemaligen Arbeiterkotten und wird von der LPG Leitung aufgefordert, das Gut einen Tag nach der Beerdigung zu verlassen. Felix hat sich auf eine undurchsichtige Schmuggelaktion eingelassen, die ihn auf der Rückreise nach West Berlin in große Schwierigkeiten bringt. Welche Rolle sein Bruder Klaus, ein überzeugter Sozialist, dabei spielt, wird er erst später erfahren.

Anna wird von der Vergangenheit eingeholt. Sie kehrt wieder an den Platz zurück, an dem ihre Karriere vor so vielen Jahren begann; das KaDeWe!

Ob sich wirklich alle Träume erfüllen? Wohin wird die neue Zeit die Familien Liedke und Trotha treiben, nachdem Feltin verloren und West Berlin von der DDR umschlossen ist?

Die Fortsetzung des Romans „Eine handvoll Leben“, welcher im vergangenen Jahr im DroemerKnaur Verlag erschienen ist, stellt nun die junge Generation in den Vordergrund. Wieder sind es zwei starke Frauen, die diesen Roman prägen. Therese, welche sich als Frau in ihrem Jura Studium einiges gefallen lassen muss und dennoch ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Ebenso wie sie gegen ihre eigenen Dämonen ankämpfen muss. Ihr Trauma, das sie kurz vor Kriegsende durchleben musste, hat sie noch nicht überwunden. Ihre Schwägerin Gisela ist ganz die Tochter ihrer Mutter. Sie hat den Sinn für Schnitte und Stoffe von Anna geerbt und möchte sich, wie ihre Mutter, beruflich verwirklichen. Die lebensfrohe, positiv denkende Gisela hat eine ganze Menge Schwung, der ihr hilft das Leben anzupacken. Für beide jungen Frauen ist ihr beruflicher Erfolg wichtig. Eine Einstellung, die für die 1950iger Jahre fast revolutionär ist. In den Jahren blieben Frauen zu Hause und sorgten sich um den Haushalt, die Kinder und das Wohlergehen des Mannes, ohne dessen schriftliche Einwilligung sie auch keine Arbeitsstelle annehmen durften.

Doch auch politische Themen kommen in diesem Roman nicht zu kurz. Der Aufstand der Arbeiter der DDR am 17. Juni 1953 wird in die Geschichte verwoben. Felix und seine Freunde lassen sich auf ein gefährliches Unternehmen ein, um der westlichen Welt zu zeigen, welches Unrecht in der DDR geschieht. Dabei lernen die Freunde, vor allem Felix, die neu gegründete Behörde der Staatssicherheit kennen, deren lange Arme auch bis nach West Berlin reichen.

Anschaulich schildert die Autorin Katharina Fuchs den Gegensatz von Zerstörung und Neuaufbau in den Städten. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die sich als erstes in den vollen Auslagen der Schaufenster widerspiegelt. Vorbei ist es mit dem Hunger und der Improvisation. Der Roman ist ein Wiedersehen mit den Protagonisten des letzten Teils, dennoch ist der Übergang zur jungen Generation wunderbar gelungen. Die Kapitel wechseln zwischen den jeweiligen Charakteren. Es fiel mir leicht mich in die Geschichte einzufinden. Durch die fabelhafte Beschreibung der Begebenheiten, hatte ich sogleich ein Bild der Szene vor Augen. Auf den ca. 400 Seiten verbirgt sich eine Mischung aus Aufbruch und Vergangenheitsbewältigung. Die Figuren sind keineswegs glattgebügelt, sondern haben ihre Narben, mit denen sie versuchen Frieden zu schließen.

Es ist eine Stück Zeitgeschichte, die der unterhaltsam geschriebene Roman seinen Lesern auf sehr bildhafte Weise näher bringt.

Links zum Buch:

https://lesepartie.de/zwei-handvoll-leben/

https://www.lesejury.de/katharina-fuchs/ebooks/neuleben/9783426453902