Shakespears Strümpfe

Theodor Fontane

Laut gesungen, hoch gesprungen,
Ob verschimmelt auch und dumpf,
Seht, wir haben ihn errungen,
William Shakespeares wollnen Strumpf.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Haben jetzt das heil’ge Ding,
Drinnen er durch Moor und Sümpfe
Sicher vor Erkältung ging.


Und wir huldigen jetzt dem Strumpfe,
Der der Strümpfe Shakespeare ist,
Denn er reicht uns bis zum Rumpfe,
Weil er fast zwei Ellen mißt.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Dran er putzte, wischte, rieb
Ungezählte Federstümpfe,
Als er seinen Hamlet schrieb.


Drum herbei, was Arm und Beine,
Eurer harret schon Triumph,
Und dem »Shakespeare-Strumpfvereine«
Helft vielleicht ihr auf den Strumpf.

Nachtgesang

Erich Kästner
Nachtgesang des Kammervirtuosen

Du meine neunte letzte Sinfonie!
Wenn du das Hemd anhast mit rosa Streifen…
Komm wie ein Cello zwischen meine Knie,
Und lass mich zart in deine Seiten greifen.

Laß mich in deinen Partituren blättern.
(Sie sind voll Händel, Graun und Tremolo) –
Ich möchte dich in alle Winde schmettern,
Du meiner Sehnsucht dreigestrichnes Oh!

Komm lass uns durch Oktavengänge schreiten!
(Das Furioso, bitte, noch einmal!)
Darf ich dich mit der linken Hand begleiten?
Doch beim Crescendo etwas mehr Pedal!!

Oh deine Klangfigur! Oh die Akkorde!
Und der Synkopen rhythmischer Kontrast!
Nun senkst du deine Lider ohne Worte…
Sag einen Ton, falls du noch Töne hast!

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