Schullektüre II

Schullektüre Cover
Schullektüren Cover

In der 8. Klasse las ich „Das Haus der Treppen“ von William Sleator. Damals mochte ich den Roman nicht. Die Geschichte war mir zu widerlich und grausam. Heute sehe ich das etwas anders. Der Roman erzählt von fünf Jugendlichen, die an einem seltsamen Ort gefangen sind, welcher ausschließlich aus Treppen besteht, die ins Nichts führen. Bestimmtes Verhalten führt zu Belohnung. Wenn einer der Gruppe ausgegrenzt oder misshandelt wird, bekommen die anderen eine Belohnung. Die Jugendlichen durchschauen dieses Muster sehr schnell und sind bereit für ihr eigenes Überleben darauf einzugehen. Nur zwei der Jugendlichen beschließen nicht weiter Teil des unmenschlichen Spiels zu sein und durchbrechen den Teufelskreis.

Ein weiteres Mal war auch ein Roman von Dürrenmatt dabei. „Das Versprechen“ ist ebenfalls ein hinreichend bekannter Roman, welcher mehrmals unter dem Titel „Es geschah am helllichten Tag“ verfilmt wurde. Missbrauch von Kindern bis heute ein hochaktuelles wie schreckliches Thema.

Schillers Liebesdrama um Luise und Ferdinand ist eine der beliebtesten Schullektüren. Ich gebe zu, dass mir das Stück gefällt, es allerdings im Unterricht zu behandeln sehr mühsam war.

Und dann noch ein weltbekannter Roman. J.D. Sailingers „Der Fänger im Roggen“. Das einzige vom Autor veröffentliche Werk. Bisher wurde der Roman weder verfilmt noch als Theaterstück adaptiert. Der Autor verhinderte sämtliche Bemühung dazu dem 16jährigen Holden ein Gesicht oder eine Stimme zu geben. Wer Holden Caulfields dreitägiges Abenteuer erleben will, muss bis heute zum Buch greifen.

Das waren meine Schullektüren, die ihren Platz in meinem Bücherregal haben. Nicht jede hat mich als Schüler begeistern können, doch zu einem späteren Zeitpunkt, konnte ich sehr wohl etwas mit den Romanen anfangen.

Der Beitrag ist ein großes Dankeschön an meine Deutschlehrer!

Teil I:https://lesepartie.de/schullektuere-teil-i/

Links zu den vorgesstellten Büchern

Das Haus der Treppen: https://www.dtv.de/buch/william-sleator-das-haus-der-treppen-7859/

Der Fänger im Roggen: https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-faenger-im-roggen/978-3-462-03218-5/

Das Versprechen:https://www.dtv.de/buch/friedrich-duerrenmatt-das-versprechen-1390/

Kabale und Liebe: https://www.kabale-und-liebe.de/kabale-und-liebe/

Schullektüre Teil I

Schullektüre, welche ich während der Schulzeit gelesen habe
Cover Schullektüre Teil I

Die Erinnerung an den Deutschunterricht zur Schulzeit löst bei vielen ehemaligen Schülern eher einen genervten Seufzer aus als das ein freudiges Lächeln übers Gesicht huscht. Neben Diktaten und Grammatik ist ab den höheren Schulklassen eine jährliche Schullektüre Pflicht.

Ich hatte tatsächlich das große Glück während meiner Schulzeit durchweg fantastische Deutschlehrer zu haben, denen auch die Meinung ihrer Schüler wichtig war. So konnte wir ein wenig mitbestimmen, welche Lektüre im Unterricht durchgenommen werden sollte.

Wenn ich mir die Bücher heute so anschaue, na ja, manchmal muss mir auch langweilig gewesen sein. Denn ich war sowohl im Innenteil als auch auf den Covern zeichnerisch sehr kreativ unterwegs. Eines dieser Bücher ist sogar bis heute eines meiner Lieblingsromane. „Er hieß Jan“ von der Autorin Irina Korschunow. Es handelt von der 17jährigen Regine, die eine glühende Verehrerin der Nationalsozialisten ist. Bis zu dem Tag als sie den polnischen Zwangsarbeiter Jan kennenlernt. Es ist eine eindringliche Geschichte, an deren Ende dennoch Hoffnung steht. Ich habe dieses Büchlein (meine Ausgabe ist vom dtv Verlag, 1993 und hat 117 Seiten) öfters gelesen und jedes Mal packt mich die Erzählung aufs Neue. https://lesepartie.de/erstes-mal-zweites-mal/

Dieser Jugendroman ist heute noch erhältlich, als Taschenbuch, als e-book oder als Hörbuch. Und diese Werbung mache ich unentgeltlich, doch mit voller Überzeugung, für diesen zeitlosen und wichtigen Roman.

Selbstverständlich sind da noch die Klassiker, die gelesen werden müssen. Dürrenmatt, Zweig, Schiller (zu Goethe habe ich nur verschiedene Gedichte im Unterricht durchgenommen). Im Fach Englisch habe ich „Dead Poets Society“ gelesen. Der Film „Club der Toten Dichter“ mit Robin Williams und Ethan Hawke war in den 90igern sehr beliebt, auch bei Lehrern. Die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ist empfehlenswert. Manche Dinge bekommen mit einem anderen Blickwinkel auch eine andere Bedeutung. Sich einfach mal auf den Tisch stellen oder auf den Boden setzen kann helfen, seine Sicht der Dinge zu ändern. Ein ganz wunderbarer Roman darüber, wie Literatur das Leben beeinflussen und den Horizont erweitern kann.

Die Erzählung von Stefan Zweig ist ebenfalls bis heute ein großer Roman und ebenso zeitlos. Eine psychologische Studie über Wahn und Können. Eine hervorragende Erzählung.

Vielmehr muss ich wohl zu Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ auch nicht schreiben. Zahlreich verfilmt und immer noch ein Dauerbrenner auf den Theaterbühnen. Ein Stück über Rachsucht, Gier und menschliche Schwäche. Vor allem über die menschliche Breitschaft, unmenschliches zu akzeptieren. Der Zweck heiligt die Mittel.

Teil II folgt….

Links zu den vorgestellten Büchern (unbezahlte Werbung)

Er hieß Jan: https://www.dtv.de/buch/irina-korschunow-er-hiess-jan-78284/

Besuch der alten Dame: https://www.frustfrei-lernen.de/deutsch/der-besuch-der-alten-dame-duerrenmatt.html

Die Schachnovelle: https://www.buecher.de/shop/wien/schachnovelle/zweig-stefan/products_products/detail/prod_id/00836545/

Dead poets society: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/sonstige-belletristik/der-club-der-toten-dichter/id_3222022

Teil II: https://www.lesepartie.de/schullektuere-teil-ii

LBM 2019/2

Freitag, 22. März 2019

Auch am Freitag morgen waren die Bahnen total überfüll. Außerdem gab es wieder jede Menge fantasievollste Kostüme zu bewundern.

Kostüme

Diesmal staute es sich kaum vor den Eingängen. Diesmal blieb ich gleich in der Glashalle und hörte zu wie der Ex Innenminister Thomas de Maizière über politische Entscheidungsprozesse redete. Gleich im Anschluss wurde eine Etage höher Dirk von Lowtzow – vielen als Sänger von Tocotronic bekannt – zu seinem Debütroman „Aus dem Dachsbau“ befragt.

verschiedene Interviews

Danach streifte ich durch die Hallen, die ich am Vortag vernachlässigt hatte. Ich entdeckte die musikalische Abteilung, in der auch unterschiedliche Musikinstrumente ausgestellt waren und begegnete dem Räuber Hotzenplotz.

Gegen Mittag fand ich mich in der Autorenarena der Volkszeitung Leipzig ein. Dort gab es sehr viele interessante Gespräche.

Den Auftakt machte Ina Geipel, deren aktuelles Buch „ Umkämpfte Zone“, sich mit den Differenzen zwischen Ost und West auseinandersetzt. Daniela Krien sprach darauf über ihren Roman „Liebe im Ernstfall“ und las eine Episode daraus vor. Wie groß sind unsere Erwartungen an den perfekten Partner und inwieweit sind wir bereit Kompromisse zu machen?

Rocko Schamoni erzählt über seine Begegnungen mit der Hamburger Kiezlegende Wolli Köhler, der Pate für den neuen Roman „Große Freiheit“ steht. Schamoni liest ein Kapitel vor und kündigt schon mal eine Trilogie an.

Autorenarena (interessantes Wort!!!)

Dann kam mit dem Kabarettist Konrad Beikircher rheinischer Humor auf die Bühne. Unterhaltsam erzählte er von Beethovens Alltag in Bonn und Wien. „Der Ludwig jetzt mal so gesehen“ wirft sicher ein anderes Bild auf den berühmten Komponisten, der im kommenden Jahr 250 Jahre alt wird.

Das auch Rockmusiker gute Autoren sind, bestätigt zur Zeit Bela. B. Der Ärzte Drummer hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht. „Scharnow“, ein Kaff bei Berlin, dessen Einwohner dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung verspricht. An einem Mittwochnachmittag passieren in Schwarnow die absurdesten Dinge. Es gibt einen toten, der Supermarkt wird überfallen und ein Hund wird erschossen…. Mehr dazu gibt es von mir, wenn ich das Buch gelesen habe. Momentan meine aktuelle Lektüre!

Nach dem ich so vielen unterschiedlichen und interessanten Gesprächen zugehört habe, brauche ich eine Stärkung! Kaffee und Kuchen in der Sonne. Herrlich warm ist es im Innenhof der Hallen. Auch hier tummeln sich die verschiedensten Menschen!

Ich stöbere weiter in den Hallen, an den den Ständen. Bis ich wieder zum Stand der ARD zurückkehre, den ich schon am Vortag besucht habe. Dort spricht Heinrich Breloer über seinen zweiteiligen Dokumentarspielfilm „Brecht“, der in der ARD läuft. Was verbindet ihn mit Brecht? Schon in den 70iger Jahren hatte er eine Dokumentation mit Zeitzeugen über Brecht gemacht. Brecht, ein Mensch, der schwer zu ergründen ist.

Damit endet mein letzter Tag auf der Messe. Ich nehme unzählige Eindrücke mit und freue mich auf das nächste Jahr! (12-15. März 2020)

Hier noch einige Links rund um die Messe:

http://www.leipziger-buchmesse.de

https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/event/lesefestival-leipzig-liest-2019/

Weitere Beiträge über die Messe

viele, viele Fotos natürlich auf Instagram: www.instagram.com/lesepartie_lit.blog

https://lesepartie.de/lbm-2019/

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/

literarische Fußnoten

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

[unbezahlte Werbung!!!]

LBM 2019

Glashalle
Donnerstag, 21. März

Donnerstag, die Messe beginnt. Schon die Bahnen zum Messegelände sind heillos überfüllt. Umkippen kann man in den Wagons jedenfalls nicht. Auch am Eingang haben sich endlose Schlangen gebildet. Die Sonne scheint. Nach 35 Minuten bin ich drin, Eingang West.

Denis Scheck

Als erstes bleibe ich beim ARD Stand stehen, denn da redet Denis Scheck in einer Sonderausgabe von „druckfrisch“ über seine favorisierten Autoren. Am Schluss betont er, dass jeder für sich herausfinden muss, welche Literatur ihn beeinflusst. Womit er sicher Recht hat. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden und wirklich objektiv kann man bei jeglicher Art von Kunst nicht sein.

Link zu einem Interview mit Denis Scheck bzgl. der LBM https://magazin.audible.de/denis-scheck-hoerbuchtipps/?source_code=GAWFAPSH072816908P&ef_id=XKCsKQAABYfFCQ2a:20190331120145:s

Ich streife durch die Hallen 3 und 5. Im taz Studio beginnt das Gespräch mit Frank Bösch und Jan Feddersen über das von Buch „Zeitenwende 1979“ von Bösch. In dem Buch geht Bösch der These nach, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, in diesem Jahr ihren Anfang nahm. In dem Jahr öffnete sich China ökonomisch zum Westen, der Iran wurde ein islamischer Staat, Cap Anamur beginnt mit der Rettung von „Boat People“ und die sowjetische Armee marschiert in Afghanistan ein. Nur einige Fakten, die Bösch in dem Gespräch nennt.

Link zum Buch: https://www.chbeck.de/boesch-zeitenwende-1979/product/26071725

Auf einer der Lesebühnen liest Brigitte Glaser aus ihrem kürzlich erschienen Roman „Rheinblick“und erzählt zusammen mit ihrer Lektorin über die Entstehung des Buches. Es handelt von der Bonner Republik und dem Bonner Gasthaus „Rheinblick“, das von Hilde Kessler geführt wird. Im „Rheinblick“ kommen täglich die Bonner Politiker zum Essen, zum Trinken und um Politik zu machen. 1972, Willy Brandt hat gerade einen fulminanten Wahlsieg errungen und muss sich einer Stimmband OP unterziehen, d.h. 2 Wochen Redeverbot. Ein spannender Roman, der auf meiner Leseliste weit oben steht!

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rheinblick-9783471351802.html

Nach all den Eindrücken, einer kurzen Pause im sonnigen Innenhof mit Pommes und Cola und etlich gelaufenen Kilometern (so fühlen sich meine Füße an), mache ich mich auf den Weg in die Leipziger Innenstadt und später zurück zum Hotel.

[unbezahlte Werbung, unbezahlte Produktnennung]

Weitere Berichte über meinen Messeaufenthalt in Leipzig findet ihr hier

literarischer Stadtrundgang https://lesepartie.de/literarisches-leipzig/

Gedichte von Käster und Fontane aus ihrer Leipziger Zeit

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Literarisches Leipzig

literarisches Leipzig

Beitrag zur Leipziger Buchmesse Teil 1

Meine literarische Zeit in Leipzig beginnt am Mittwochnachmittag. Punkt 16 Uhr startete der literarischen Stadtrundgang vor der Touristeninformation in Leipzig ( https://leipzig-erleben.com/oeffentliche-touren/stadtrundgang-leipzig/ ). Zwei Stunden lang leitet uns, eine Gruppe von etwa 10 Leuten, die sehr auskunftsfreudige und kompetente Stadtführerin zu den herausragendsten Punkten des literarischen Stadtgeschehens. Leipzig war die Stadt der Bücher und es wohnten zahlreiche bekannte Literaten in der Stadt.

Vorneweg ist natürlich der junge Goethe zu nennen. Er kommt nach Leipzig, um Jura zu studieren. Die moderne Stadt mit ihren hohen Häusern beeindruckt Goethe. Er, der die mittelalterlichen Bauten aus Frankfurt gewöhnt ist, erfährt in Leipzig das Gefühl der Großstadt. Auch wird ihm schnell klar, dass sein Kleidungsstil keinesfalls mehr der gängigen Mode entspricht.

Die Liebe wird in Leipzig zu einem Desaster für den jungen Mann. Krank vor Kummer, abgemagert und des Lebens müde, lässt er sich von seiner Mutter in Frankfurt wieder aufpäppeln.

„Die Leiden des jungen Werthers“, basiert auf seine Liebelei mit einer Frau, die mit einem anderem Mann verlobt ist. Der Werther macht Goethe europaweit bekannt.

Eingang Auerbachs Keller

Eine Szene, des wesentlich später verfassten „Faust“, spielt in Auerbachs Keller. Zusammen mit seinen Studentenfreunden feiert er in der Kellergastwirtschaft und hört dort von dem berühmten Ritt auf dem Fass, den er später im „Faust“ verarbeitet. https://www.auerbachs-keller-leipzig.de/

Auch der zehn Jahre jüngere Schiller, finanziell total abgebrannt, verlebt auf Einladung seines Freund Körner im Leipziger Vorort Gohlis die Sommermonate des Jahres 1785. Dort schreibt er, voller Euphorie, die „Ode an die Freude“.

Theodor Fontane von Beruf Apotheker, arbeitet in der Leipziger Innenstadt in einer solchen und verfasst nebenher Gedichte. Als der Kult um Schiller beginnt, macht er sich in Gedichtform darüber lustig. „Shakespears Strümpfe“ nennt er das Gedicht. Nach dem Erscheinen bekommt es viel Aufmerksamkeit und macht ihn als Dichter in Leipzig bekannt.

Zum Gedicht von T. Fontane https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Der in Dresden aufgewachsene Erich Kästner schreibt schon während seiner Leipziger Studienzeit für die Neue Leipziger Zeitung Theaterkritiken und Artikel. Doch als Kästner 1927 ein, von Erich Oser illustriertes, frivol schlüpfriges Gedicht über Beethoven, „Nachtgesang des Kammervirtuosen“, verfasst, wird er von der Zeitung gefeuert.

Zum Gedicht von Kästner: https://lesepartie.de/nachtgesang/

Auf dem Marktplatz in Leipzig gibt es eine Stelle, über die zu laufen Unglück bringt. Jahrhunderte lang wird diese Stelle als Hinrichtungsort genutzt. Die letzte Hinrichtung findet 1824 statt. Zum Tode verurteilt ist der Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, welcher aus Eifersucht seine Geliebte getötet haben soll. Später dient Woyzeck als Vorlage für Georg Büchner, welcher vor hat, daraus ein Drama für die Theaterbühne zu entwickeln. Büchner stirbt bevor er das Stück beenden kann.

Die Reihe der bedeutenden Schriftsteller, die in Leipzig ihre Spuren hinterlassen haben, ist lang. Alle aufzuzählen würde einen langen Text oder mehrere Beiträge bedeuten. Doch da dieser literarische Rundgang der Auftakt zur Buchmesse ist, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, das die Buchbinderei, das Verlagswesen und die Buchmesse in Leipzig eine lange Tradition haben. Schon im 16 Jahrhundert ist Leipzig als Druckort bekannt, die Buchmesse entwickelt ab dem 17 Jahrhundert große Bedeutung und ab dem 19. Jahrhundert kommt niemand aus dem Buchgewerbe um diese Stadt herum. Leipzig ist die Bücherstadt. Große, angesehene Verlage siedeln sich in Leipzig an; darunter Baedecker, Brockhaus, Kiepenheuer, der Insel Verlag, Reclam und noch viele, viele mehr. Daraus resultieren unzählige Zulieferfirmen; Drucker, Bindereien, Grafiker etc. Selbst im Ausland ist Leipzig für das Buchgewerbe bekannt.

Das „Graphische Viertel“ wird durch die Bomben im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Nach dem Krieg folgt die Teilung Deutschlands, sodass die Verlage abwanderten und die Geltung Leipzigs als Hauptstadt des Buches verliert sich.

Frauengeschichten

Frauengeschichten Buchcover
ein Abend mit Hubertus Meyer-Burckhardt

Am 13. März war TV Produzent, Gastgeber der NDR Talkshow und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt zu Gast am Bielefelder Theater.

An diesem Abend stellte er seinen neuen Roman „Frauengeschichten“ mit dem augenzwickernden Untertitel „was ich von starken Frauen gelernt habe“ vor. Nach seiner Aussage, hätte er sich lieber einen anderen Untertitel gewünscht.

Dem Buch liegen Gespräche aus der Radiosendung „Meyer-Buckhardts Frauengeschichten“ auf NDR Info zugrunde. Mit dabei sind Elke Heidenreich, Marianne Sägebrecht oder Ina Müller.

Bielefelder Stadttheater Lesung H. Meyer-Burckhardt
Bühne des Bielefelder Theaters

Hubertus Meyer-Burckhardt selbst in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, liest nur wenige Auszüge aus dem Buch. Frei und mit ausholenden Gesten erzählt er von beeindruckenden Begegnungen bzw. Gesprächen mit interessanten Frauen. So erfährt das Publikum, dass Barbara Schöneberger, auf seinen Einfluss hin, die Liebe zu Gedichten entdeckte. Zwar dauerte es einige Jahre, doch nun kauft sie ihre eigenen Gedichtbände.

Auch an diesem Abend hat Meyer-Burckhardt einige Gedichte parat, welche er zum Besten gibt. Darunter Erich Kästners berühmtes Gedicht „Sachliche Romanze“oder Bert Brechts poetische Schilderung vom Morgen dannach. Zudem gibt es auch noch eine Reihe jüdischer Witze.

Es war ein unterhaltsamer Abend, voller wunderbarer Lebensweisheiten und herrlichen Geschichten aus dem Leben. Manches sollte man beherzigen. Sowie Barbara Schönebergers Aussage: „Ich empfehle zu Leben“

Vielen Dank für diesen kurzweiligen Abend!

https://www.randomhouse.de/Autor/Hubertus-Meyer-Burckhardt/p527012.rhd

Warum ist es am Rhein so schön

Ein Abend mit Elke Heidenreich und Marc-Aurel Floros

Am 15. Februar war Elke Heidenreich begleitet von Marc-Aurel Floros am Klavier zu Gast am Bielefelder Theater. Sie las aus und sprach über ihr Buch „Alles fließt“, das sie dem Rhein gewidmet hat.

Zusammen mit dem Fotografen Tom Krausz bereiste sie auf unterschiedliche Weise den Rhein, vom Ursprung bis zur Mündung.
Es war ein sehr gelungener, unterhaltsamer und lachender Abend.

Sowohl im geschriebenen und vorgetragenen Wort als auch in musikalischer Hinsicht, verstanden die beiden Akteure es wunderbar, das Publikum mit auf die Reise am Rhein entlang zu nehmen.

Warum es am Rhein so schön ist (sein kann), wurde jedenfalls geklärt.

Bericht der Neuen Westfälischen http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22379976_Elke-Heidenreich-zeigt-sich-in-bielefeld-von-ihrer-stillen-seite.html

Juliet nacked – das Buch als Film

Gleich vorausgeschickt – Nick Hornby ist einer meiner favorisierten Autoren. Ich mag die charakteristische Durchschnittlichkeit seiner Figuren, die stets bemüht sind sich dem Leben zu stellen. Als ich„Julliet naked“ vor gut acht Jahren gelesen habe, machte ich gerade einen Kurzurlaub in einer beschaulichen, wenig lärmenden Ecke auf Mallorca. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Ducan, ein Mitvierziger, der eine Webseite betreibt, um seinem musikalischen Idol Tucker Crowe zu huldigen. Ein Idol, das während eines Auftritts 1986 einfach verschwand und seit dem nie wieder gesehen wurde. Im Internet versammeln sich eine Reihe von Fans, um die seltsamsten Theorien über das Leben und Lieben und die Musik des Singer Songwriters auszutauschen. Crowes bekanntestes Album „Juliet“ wird von der Plattenfirma mit den Songs in der Rohversion als „Juliet nacked“ veröffentlicht. Ducans Lebensgefährtin Annie kann seine Begeisterung über diese Version des Albums nicht teilen und verfasst einen Beitrag dazu auf der Website.

Tucker Crowe, verschollener Rockstar, lebt in einer amerikanischen Kleinstadt und verfolgt amüsiert die Ergüsse seiner treuen Anhänger. Von Annie fühlt er sich das erste Mal verstanden und nimmt Kontakt zu ihr auf. Es beginnt ein reger E-Mail Austausch.

Das zu der Geschichte des Buches. Nun läuft seit einigen Wochen der Film dazu in den Kinos. Gäbe es einen besseren Darsteller als Ethan Hawke für die Rolle des Tucker Crowe? Sicher nicht. Den Roman, der mich damals so begeistert hat, den ich aber in den vergangenen acht Jahren kein zweites Mal gelesen habe, wollte ich natürlich auch in der Kinoversion erleben.

Der Film hielt sich bis auf kleine, meist der Zeit geschuldete Abweichungen ziemlich genau an die Buchvorlage. Dennoch verspürte ich nicht die gleiche Faszination wie bei dem Roman. Natürlich bin auch ich acht Jahre älter geworden und manche Situation veranlasst mich nur zu einem wohlwollenden Lächeln. Ethan Hawke ist absolut sehenswert, doch konnte mich die Geschichte nicht mehr so für sich einnehmen wie sie es im September 2010 während der Lektüre im Ausspannungsurlaub auf Mallorca getan hatte.

Eigentlich bin ich dem Alter der Figuren nun wesentlich näher als beim Lesen. Trotzdem konnte ich kaum Gemeinsamkeiten mit deren Leben feststellen.

Literaturtage in Bielefeld

Teil 2

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

„Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Die zweite Lesung, bei der ich im Publikum saß, war begleitet von italienischer Musik. Die Darbietung unter der Leitung von Harald Kießlich, passte sich stimmungsvoll der Romanerzählung an. Es handelt sich nämlich um den Roman „Töchter“ von Lucy Fricke.

Der Roman ist ein literarischer Roadtrip, der die beiden Hauptfiguren, Martha und Betty, in einem alten Golf erst Richtung Schweiz, dann nach Italien und schlussendlich nach Griechenland führt. Auf der Rückbank Marthas todkranker Vater, welcher selbstbestimmt in der Schweiz sterben möchte. Doch alles kommt anders.

Für diesen Roman erhielt Lucy Fricke vor kurzem den Bayrischen Buchpreis. Herzlichen Glückwunsch!

An diesem Abend liest die Autorin einige Passagen aus ihrem Roman und gibt damit einen humorvollen Einblick in die Handlung. Trotz aller Heiterkeit, die im Publikum aufkommt, bleibt die Verletzbarkeit und Traurigkeit der Figuren nicht verborgen. Auf diesem Trip fährt die Vergangenheit mit.

Auch das spätere Gespräch handelt von Vätern, deren Abwesenheit Spuren hinterlassen hat. Aber auch über Freundschaften und wie sehr es manchmal hilft zusammen über das ausbleibende Glück zu lachen. Den selten laufen die Dinge wie geplant.

Es war ein charmanter Vorleseabend, der neugierig auf den Roman machte. „Töchter“ liegt ebenfalls noch auf meinem Stapel der nochzulesendenbücher.

 

 

Bielefelder Literaturtage

Teil 1

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen in der Stadtbibliothek an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Den Auftakt machte Karen Duve mit ihrem historischen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. Der Roman spinnt sich rund um die Sommerliebe von Anette zu Droste Hülshoff. Die 23jährige wird von ihrer Umgebung für eine Nervensäge gehalten, vorlaut und wenig damenhaft. Ungefragt mischt sie sich als Frau in Gespräche über das Weltgeschehen ein. Wenn sich auf dem Bökerhof die poetischen Freunde ihres Onkels treffen, finden sich darunter bekannte Romantiker wie die Gebrüder Grimm. Heinrich Straube, ebenfalls ein sehr guter Freund von Anettes Onkel August, lässt sich von ihrer eigenwilligen Art nicht einschüchtern. Er versucht sich der jungen Dame zu nähern, was von ihrer Seite keinesfalls auf Ablehnung stößt. Doch ist der verarmte Heinrich Straube der Familie der Freifrau nicht ausreichend standesgemäß.

Mit viel Witz und Charme trägt Karen Duve einige Passagen daraus vor. Im nachfolgendem Gespräch mit Prof. Huber (Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, welcher die Literaturtage mit organisiert) spürt man bis in die letzte Reihe die Begeisterung der Autorin für die Schriftstellerkollegin aus einem vergangenen Jahrhundert. Mit viel Liebe zum Detail hat Karen Duve die Geschichte dieser Liebe und dieses Sommers recherchiert. Den Roman habe ich bisher noch nicht gelesen, aber es fest vor.

Die stimmungsvolle, musikalische Untermalung an diesem Abend gastaltete Matthias Klause – Gauster am Flügel.