LBM 2019/2

Freitag, 22. März 2019

Auch am Freitag morgen waren die Bahnen total überfüll. Außerdem gab es wieder jede Menge fantasievollste Kostüme zu bewundern.

Kostüme

Diesmal staute es sich kaum vor den Eingängen. Diesmal blieb ich gleich in der Glashalle und hörte zu wie der Ex Innenminister Thomas de Maizière über politische Entscheidungsprozesse redete. Gleich im Anschluss wurde eine Etage höher Dirk von Lowtzow – vielen als Sänger von Tocotronic bekannt – zu seinem Debütroman „Aus dem Dachsbau“ befragt.

verschiedene Interviews

Danach streifte ich durch die Hallen, die ich am Vortag vernachlässigt hatte. Ich entdeckte die musikalische Abteilung, in der auch unterschiedliche Musikinstrumente ausgestellt waren und begegnete dem Räuber Hotzenplotz.

Gegen Mittag fand ich mich in der Autorenarena der Volkszeitung Leipzig ein. Dort gab es sehr viele interessante Gespräche.

Den Auftakt machte Ina Geipel, deren aktuelles Buch „ Umkämpfte Zone“, sich mit den Differenzen zwischen Ost und West auseinandersetzt. Daniela Krien sprach darauf über ihren Roman „Liebe im Ernstfall“ und las eine Episode daraus vor. Wie groß sind unsere Erwartungen an den perfekten Partner und inwieweit sind wir bereit Kompromisse zu machen?

Rocko Schamoni erzählt über seine Begegnungen mit der Hamburger Kiezlegende Wolli Köhler, der Pate für den neuen Roman „Große Freiheit“ steht. Schamoni liest ein Kapitel vor und kündigt schon mal eine Trilogie an.

Autorenarena (interessantes Wort!!!)

Dann kam mit dem Kabarettist Konrad Beikircher rheinischer Humor auf die Bühne. Unterhaltsam erzählte er von Beethovens Alltag in Bonn und Wien. „Der Ludwig jetzt mal so gesehen“ wirft sicher ein anderes Bild auf den berühmten Komponisten, der im kommenden Jahr 250 Jahre alt wird.

Das auch Rockmusiker gute Autoren sind, bestätigt zur Zeit Bela. B. Der Ärzte Drummer hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht. „Scharnow“, ein Kaff bei Berlin, dessen Einwohner dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung verspricht. An einem Mittwochnachmittag passieren in Schwarnow die absurdesten Dinge. Es gibt einen toten, der Supermarkt wird überfallen und ein Hund wird erschossen…. Mehr dazu gibt es von mir, wenn ich das Buch gelesen habe. Momentan meine aktuelle Lektüre!

Nach dem ich so vielen unterschiedlichen und interessanten Gesprächen zugehört habe, brauche ich eine Stärkung! Kaffee und Kuchen in der Sonne. Herrlich warm ist es im Innenhof der Hallen. Auch hier tummeln sich die verschiedensten Menschen!

Ich stöbere weiter in den Hallen, an den den Ständen. Bis ich wieder zum Stand der ARD zurückkehre, den ich schon am Vortag besucht habe. Dort spricht Heinrich Breloer über seinen zweiteiligen Dokumentarspielfilm „Brecht“, der in der ARD läuft. Was verbindet ihn mit Brecht? Schon in den 70iger Jahren hatte er eine Dokumentation mit Zeitzeugen über Brecht gemacht. Brecht, ein Mensch, der schwer zu ergründen ist.

Damit endet mein letzter Tag auf der Messe. Ich nehme unzählige Eindrücke mit und freue mich auf das nächste Jahr! (12-15. März 2020)

Hier noch einige Links rund um die Messe:

http://www.leipziger-buchmesse.de

https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/event/lesefestival-leipzig-liest-2019/

Weitere Beiträge über die Messe

viele, viele Fotos natürlich auf Instagram: www.instagram.com/lesepartie_lit.blog

https://lesepartie.de/lbm-2019/

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/

literarische Fußnoten

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

[unbezahlte Werbung!!!]

LBM 2019

Glashalle
Donnerstag, 21. März

Donnerstag, die Messe beginnt. Schon die Bahnen zum Messegelände sind heillos überfüllt. Umkippen kann man in den Wagons jedenfalls nicht. Auch am Eingang haben sich endlose Schlangen gebildet. Die Sonne scheint. Nach 35 Minuten bin ich drin, Eingang West.

Denis Scheck

Als erstes bleibe ich beim ARD Stand stehen, denn da redet Denis Scheck in einer Sonderausgabe von „druckfrisch“ über seine favorisierten Autoren. Am Schluss betont er, dass jeder für sich herausfinden muss, welche Literatur ihn beeinflusst. Womit er sicher Recht hat. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden und wirklich objektiv kann man bei jeglicher Art von Kunst nicht sein.

Link zu einem Interview mit Denis Scheck bzgl. der LBM https://magazin.audible.de/denis-scheck-hoerbuchtipps/?source_code=GAWFAPSH072816908P&ef_id=XKCsKQAABYfFCQ2a:20190331120145:s

Ich streife durch die Hallen 3 und 5. Im taz Studio beginnt das Gespräch mit Frank Bösch und Jan Feddersen über das von Buch „Zeitenwende 1979“ von Bösch. In dem Buch geht Bösch der These nach, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, in diesem Jahr ihren Anfang nahm. In dem Jahr öffnete sich China ökonomisch zum Westen, der Iran wurde ein islamischer Staat, Cap Anamur beginnt mit der Rettung von „Boat People“ und die sowjetische Armee marschiert in Afghanistan ein. Nur einige Fakten, die Bösch in dem Gespräch nennt.

Link zum Buch: https://www.chbeck.de/boesch-zeitenwende-1979/product/26071725

Auf einer der Lesebühnen liest Brigitte Glaser aus ihrem kürzlich erschienen Roman „Rheinblick“und erzählt zusammen mit ihrer Lektorin über die Entstehung des Buches. Es handelt von der Bonner Republik und dem Bonner Gasthaus „Rheinblick“, das von Hilde Kessler geführt wird. Im „Rheinblick“ kommen täglich die Bonner Politiker zum Essen, zum Trinken und um Politik zu machen. 1972, Willy Brandt hat gerade einen fulminanten Wahlsieg errungen und muss sich einer Stimmband OP unterziehen, d.h. 2 Wochen Redeverbot. Ein spannender Roman, der auf meiner Leseliste weit oben steht!

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rheinblick-9783471351802.html

Nach all den Eindrücken, einer kurzen Pause im sonnigen Innenhof mit Pommes und Cola und etlich gelaufenen Kilometern (so fühlen sich meine Füße an), mache ich mich auf den Weg in die Leipziger Innenstadt und später zurück zum Hotel.

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Weitere Berichte über meinen Messeaufenthalt in Leipzig findet ihr hier

literarischer Stadtrundgang https://lesepartie.de/literarisches-leipzig/

Gedichte von Käster und Fontane aus ihrer Leipziger Zeit

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Literarisches Leipzig

literarisches Leipzig

Beitrag zur Leipziger Buchmesse Teil 1

Meine literarische Zeit in Leipzig beginnt am Mittwochnachmittag. Punkt 16 Uhr startete der literarischen Stadtrundgang vor der Touristeninformation in Leipzig ( https://leipzig-erleben.com/oeffentliche-touren/stadtrundgang-leipzig/ ). Zwei Stunden lang leitet uns, eine Gruppe von etwa 10 Leuten, die sehr auskunftsfreudige und kompetente Stadtführerin zu den herausragendsten Punkten des literarischen Stadtgeschehens. Leipzig war die Stadt der Bücher und es wohnten zahlreiche bekannte Literaten in der Stadt.

Vorneweg ist natürlich der junge Goethe zu nennen. Er kommt nach Leipzig, um Jura zu studieren. Die moderne Stadt mit ihren hohen Häusern beeindruckt Goethe. Er, der die mittelalterlichen Bauten aus Frankfurt gewöhnt ist, erfährt in Leipzig das Gefühl der Großstadt. Auch wird ihm schnell klar, dass sein Kleidungsstil keinesfalls mehr der gängigen Mode entspricht.

Die Liebe wird in Leipzig zu einem Desaster für den jungen Mann. Krank vor Kummer, abgemagert und des Lebens müde, lässt er sich von seiner Mutter in Frankfurt wieder aufpäppeln.

„Die Leiden des jungen Werthers“, basiert auf seine Liebelei mit einer Frau, die mit einem anderem Mann verlobt ist. Der Werther macht Goethe europaweit bekannt.

Eingang Auerbachs Keller

Eine Szene, des wesentlich später verfassten „Faust“, spielt in Auerbachs Keller. Zusammen mit seinen Studentenfreunden feiert er in der Kellergastwirtschaft und hört dort von dem berühmten Ritt auf dem Fass, den er später im „Faust“ verarbeitet. https://www.auerbachs-keller-leipzig.de/

Auch der zehn Jahre jüngere Schiller, finanziell total abgebrannt, verlebt auf Einladung seines Freund Körner im Leipziger Vorort Gohlis die Sommermonate des Jahres 1785. Dort schreibt er, voller Euphorie, die „Ode an die Freude“.

Theodor Fontane von Beruf Apotheker, arbeitet in der Leipziger Innenstadt in einer solchen und verfasst nebenher Gedichte. Als der Kult um Schiller beginnt, macht er sich in Gedichtform darüber lustig. „Shakespears Strümpfe“ nennt er das Gedicht. Nach dem Erscheinen bekommt es viel Aufmerksamkeit und macht ihn als Dichter in Leipzig bekannt.

Zum Gedicht von T. Fontane https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Der in Dresden aufgewachsene Erich Kästner schreibt schon während seiner Leipziger Studienzeit für die Neue Leipziger Zeitung Theaterkritiken und Artikel. Doch als Kästner 1927 ein, von Erich Oser illustriertes, frivol schlüpfriges Gedicht über Beethoven, „Nachtgesang des Kammervirtuosen“, verfasst, wird er von der Zeitung gefeuert.

Zum Gedicht von Kästner: https://lesepartie.de/nachtgesang/

Auf dem Marktplatz in Leipzig gibt es eine Stelle, über die zu laufen Unglück bringt. Jahrhunderte lang wird diese Stelle als Hinrichtungsort genutzt. Die letzte Hinrichtung findet 1824 statt. Zum Tode verurteilt ist der Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, welcher aus Eifersucht seine Geliebte getötet haben soll. Später dient Woyzeck als Vorlage für Georg Büchner, welcher vor hat, daraus ein Drama für die Theaterbühne zu entwickeln. Büchner stirbt bevor er das Stück beenden kann.

Die Reihe der bedeutenden Schriftsteller, die in Leipzig ihre Spuren hinterlassen haben, ist lang. Alle aufzuzählen würde einen langen Text oder mehrere Beiträge bedeuten. Doch da dieser literarische Rundgang der Auftakt zur Buchmesse ist, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, das die Buchbinderei, das Verlagswesen und die Buchmesse in Leipzig eine lange Tradition haben. Schon im 16 Jahrhundert ist Leipzig als Druckort bekannt, die Buchmesse entwickelt ab dem 17 Jahrhundert große Bedeutung und ab dem 19. Jahrhundert kommt niemand aus dem Buchgewerbe um diese Stadt herum. Leipzig ist die Bücherstadt. Große, angesehene Verlage siedeln sich in Leipzig an; darunter Baedecker, Brockhaus, Kiepenheuer, der Insel Verlag, Reclam und noch viele, viele mehr. Daraus resultieren unzählige Zulieferfirmen; Drucker, Bindereien, Grafiker etc. Selbst im Ausland ist Leipzig für das Buchgewerbe bekannt.

Das „Graphische Viertel“ wird durch die Bomben im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Nach dem Krieg folgt die Teilung Deutschlands, sodass die Verlage abwanderten und die Geltung Leipzigs als Hauptstadt des Buches verliert sich.

Frauengeschichten

Frauengeschichten Buchcover
ein Abend mit Hubertus Meyer-Burckhardt

Am 13. März war TV Produzent, Gastgeber der NDR Talkshow und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt zu Gast am Bielefelder Theater.

An diesem Abend stellte er seinen neuen Roman „Frauengeschichten“ mit dem augenzwickernden Untertitel „was ich von starken Frauen gelernt habe“ vor. Nach seiner Aussage, hätte er sich lieber einen anderen Untertitel gewünscht.

Dem Buch liegen Gespräche aus der Radiosendung „Meyer-Buckhardts Frauengeschichten“ auf NDR Info zugrunde. Mit dabei sind Elke Heidenreich, Marianne Sägebrecht oder Ina Müller.

Bielefelder Stadttheater Lesung H. Meyer-Burckhardt
Bühne des Bielefelder Theaters

Hubertus Meyer-Burckhardt selbst in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, liest nur wenige Auszüge aus dem Buch. Frei und mit ausholenden Gesten erzählt er von beeindruckenden Begegnungen bzw. Gesprächen mit interessanten Frauen. So erfährt das Publikum, dass Barbara Schöneberger, auf seinen Einfluss hin, die Liebe zu Gedichten entdeckte. Zwar dauerte es einige Jahre, doch nun kauft sie ihre eigenen Gedichtbände.

Auch an diesem Abend hat Meyer-Burckhardt einige Gedichte parat, welche er zum Besten gibt. Darunter Erich Kästners berühmtes Gedicht „Sachliche Romanze“oder Bert Brechts poetische Schilderung vom Morgen dannach. Zudem gibt es auch noch eine Reihe jüdischer Witze.

Es war ein unterhaltsamer Abend, voller wunderbarer Lebensweisheiten und herrlichen Geschichten aus dem Leben. Manches sollte man beherzigen. Sowie Barbara Schönebergers Aussage: „Ich empfehle zu Leben“

Vielen Dank für diesen kurzweiligen Abend!

https://www.randomhouse.de/Autor/Hubertus-Meyer-Burckhardt/p527012.rhd

Warum ist es am Rhein so schön

Ein Abend mit Elke Heidenreich und Marc-Aurel Floros

Am 15. Februar war Elke Heidenreich begleitet von Marc-Aurel Floros am Klavier zu Gast am Bielefelder Theater. Sie las aus und sprach über ihr Buch „Alles fließt“, das sie dem Rhein gewidmet hat.

Zusammen mit dem Fotografen Tom Krausz bereiste sie auf unterschiedliche Weise den Rhein, vom Ursprung bis zur Mündung.
Es war ein sehr gelungener, unterhaltsamer und lachender Abend.

Sowohl im geschriebenen und vorgetragenen Wort als auch in musikalischer Hinsicht, verstanden die beiden Akteure es wunderbar, das Publikum mit auf die Reise am Rhein entlang zu nehmen.

Warum es am Rhein so schön ist (sein kann), wurde jedenfalls geklärt.

Bericht der Neuen Westfälischen http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22379976_Elke-Heidenreich-zeigt-sich-in-bielefeld-von-ihrer-stillen-seite.html

Literaturtage in Bielefeld

Teil 2

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

„Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Die zweite Lesung, bei der ich im Publikum saß, war begleitet von italienischer Musik. Die Darbietung unter der Leitung von Harald Kießlich, passte sich stimmungsvoll der Romanerzählung an. Es handelt sich nämlich um den Roman „Töchter“ von Lucy Fricke.

Der Roman ist ein literarischer Roadtrip, der die beiden Hauptfiguren, Martha und Betty, in einem alten Golf erst Richtung Schweiz, dann nach Italien und schlussendlich nach Griechenland führt. Auf der Rückbank Marthas todkranker Vater, welcher selbstbestimmt in der Schweiz sterben möchte. Doch alles kommt anders.

Für diesen Roman erhielt Lucy Fricke vor kurzem den Bayrischen Buchpreis. Herzlichen Glückwunsch!

An diesem Abend liest die Autorin einige Passagen aus ihrem Roman und gibt damit einen humorvollen Einblick in die Handlung. Trotz aller Heiterkeit, die im Publikum aufkommt, bleibt die Verletzbarkeit und Traurigkeit der Figuren nicht verborgen. Auf diesem Trip fährt die Vergangenheit mit.

Auch das spätere Gespräch handelt von Vätern, deren Abwesenheit Spuren hinterlassen hat. Aber auch über Freundschaften und wie sehr es manchmal hilft zusammen über das ausbleibende Glück zu lachen. Den selten laufen die Dinge wie geplant.

Es war ein charmanter Vorleseabend, der neugierig auf den Roman machte. „Töchter“ liegt ebenfalls noch auf meinem Stapel der nochzulesendenbücher.

 

 

Bielefelder Literaturtage

Teil 1

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen in der Stadtbibliothek an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Den Auftakt machte Karen Duve mit ihrem historischen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. Der Roman spinnt sich rund um die Sommerliebe von Anette zu Droste Hülshoff. Die 23jährige wird von ihrer Umgebung für eine Nervensäge gehalten, vorlaut und wenig damenhaft. Ungefragt mischt sie sich als Frau in Gespräche über das Weltgeschehen ein. Wenn sich auf dem Bökerhof die poetischen Freunde ihres Onkels treffen, finden sich darunter bekannte Romantiker wie die Gebrüder Grimm. Heinrich Straube, ebenfalls ein sehr guter Freund von Anettes Onkel August, lässt sich von ihrer eigenwilligen Art nicht einschüchtern. Er versucht sich der jungen Dame zu nähern, was von ihrer Seite keinesfalls auf Ablehnung stößt. Doch ist der verarmte Heinrich Straube der Familie der Freifrau nicht ausreichend standesgemäß.

Mit viel Witz und Charme trägt Karen Duve einige Passagen daraus vor. Im nachfolgendem Gespräch mit Prof. Huber (Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, welcher die Literaturtage mit organisiert) spürt man bis in die letzte Reihe die Begeisterung der Autorin für die Schriftstellerkollegin aus einem vergangenen Jahrhundert. Mit viel Liebe zum Detail hat Karen Duve die Geschichte dieser Liebe und dieses Sommers recherchiert. Den Roman habe ich bisher noch nicht gelesen, aber es fest vor.

Die stimmungsvolle, musikalische Untermalung an diesem Abend gastaltete Matthias Klause – Gauster am Flügel.

Unterwegs auf der FBM 2018

Es ist der 14. Oktober 2018 gegen Mittag, als ich aus dem Shuttlebus vor der Frankfurter Messehalle 3 aussteige. Es ist sommerlich warm. Die Temperaturen liegen bei 25 Grad und der Himmel ist wolkenlos blau.

Nach einer kurzen Taschenkontrolle, trete ich in die menschenvolle Halle. Ich beginne meine Runde auf der Frankfurter Buchmesse 2018. Auf dem Weg treffe ich alte Bekannte wie Räuber Hotzenplotz, die kleine Hexe (ich denke, dass sie es war) und Harry Potter. Besonders stechen die bunt gekleideten Gruppen ins Auge, die Teile eines Fantasie Romans darstellen sollen. Es ist wirklich faszinierend wie viel Mühe sich einige Besucher mit ihren Outfits gegeben haben. Ich kenne mich im Fantasie Sektor nicht aus, so dass ich die Kleidervariationen nur bewundert habe ohne sie zuordnen zu können.

Der Sonntag ist der Tag auf der Messe, an dem Bücher verkauft werden. Bei diesem riesengroßen Angebot an Büchern ist das für jemanden wie mich eine harte Prüfung. Glücklicherweise kann man an den wenigsten Ständen per Karte bezahlen. Schlussendlich haben drei Büchern mit mir die Messe verlassen.

„Die Erinnerung des Felsens“ von Mauricio Lyrio aus dem Arara Verlag. Dieser Roman spielt in Brasilien und handelt von einem Philosophieprofessor, der einen Straßenjungen bei sich aufnimmt. Bei dem aufgeschlossenen und freundlichen Gespräch am Stand, haben mich die zwei Verlagsführerinnen mit ihrer Begeisterung für das Buch angesteckt. Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre.

„Ein Monat auf dem Land“ von J. L. Carr aus dem Programm des DUMONT Verlages. In diesem Roman ist es ein Weltkriegsveteran, der seinen Frieden in einem Dorf in Yorkshire sucht.

„Deutsches Haus“ von Annette Hess verlegt vom Ullstein Verlag. Die Autorin ist keine Unbekannte. Sie entwickelte einige erfolgreiche Fernsehreihen, beispielsweise „Weissensee“ und „Ku’damm 56/59“. Dieser Roman ist in dem Jahr 1963 angesiedelt und erzählt von einer jungen Dolmetscherin, welche im ersten Ausschwitzprozess als Übersetzerin tätig ist. Ihre Familie ist davon wenig begeistert, doch die junge Frau nimmt an dem Prozess teil, denn bisher ist ihr dieses Ausschwitz völlig unbekannt.

Die Auswahl habe ich spontan getroffen. Es hätten noch so viele Bücher mehr werden können. Doch zum einen ist so ein Messetag recht lang und zum anderen kann ich gar nicht so viel lesen, wie ich kaufen möchte. Das ist bei der Fülle an Büchern eine erschreckende Erkenntnis; ich werde es wahrscheinlich niemals schaffen alle Bücher – und sei es nur die, die wirklich mein Interesse wecken – zu lesen.

Neben Buchverlagen präsentierten sich auch diverse Fernsehsender in den Messehallen. Am arte Stand folgte ich einem interessanten Gespräch bzgl. einer Sendereihe über den 30jährigen Krieg. Darauf folgte eine Gesprächsrunde über den Bauhausstil. Die großen historischen Buchthemen in diesem Jahr sind die 68iger Generation ebenso wie der 30jährige Krieg und das Ende des 1. Weltkrieges. Etliche Autoren signierten fleißig Bücher und beantworteten Fragen. Im Programmverlauf war für jeden etwas dabei.

Meine Pause habe ich dieses Jahr draußen verbracht. Bei dem herrlichen Wetter habe ich entspannt mein Eis genossen und dem bunten Treiben auf dem Außenplatz zugesehen.

Um 17:30 Uhr schlossen sich die Tore der Messe. Es ist eine kleine Branche, die vieles zu bieten hat. Mit viel Freude habe ich auf den einzelnen Ständen gestöbert und einige interessante Gespräche geführt. Ziemlich geschafft bin ich dann wieder in den Shuttlebus gestiegen, um nach Hause zu fahren.

Nun bin ich voller Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse, vom 21.-24. März 2019. Die Frankfurter Buchmesse findet vom 16.-20. Oktober 2019 statt.

Fotos von der Buchmesse findet ihr auf meinem Instagram Profil und auf der Facebookseite.

http://www.instagram.com/lesepartie_lit.blog

Bücher für Toleranz

Aus dem aktuellen, politischen Anlass ist es mir wichtig Stellung für Toleranz zu beziehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Bücher – ob nun Sachbücher als auch Romane – dazu betragen können, Menschen zu beeinflussen. Es ist einerlei, welches Büchergenre man als Leser bevorzugt. Es finden sich unzählige Geschichten, die von Toleranz und Miteinander erzählen oder mahnend von Tatsachen berichten. Ich habe mein Bücherregal durchgesehen und spontan die Bücher herausgenommen, die mir persönlich zu diesem Thema wichtig sind.

„Regeln für einen Ritter“ von Ethan Hawke ist ein Regelwerk für den Alltag, sowohl für den Umgang mit sich selbst als auch mit anderen. Es widmet sich der Frage, worauf es im Leben wirklich ankommt. Wie soll man leben? Eigenschaften wie beispielsweise Mut, Dankbarkeit und Ehrlichkeit sind in dem Buch aufgeführt. All die wichtigen Lebensweisheiten, die jeder versuchen sollte zu beherzigen.

Zu Haltung steht dort: „Haltung ist die Fähigkeit, Veränderungen hinzunehmen. Bleibe offen und beweglich; die Spröden zerbrechen.“ *

„Er hieß Jan“ ist eine Schullektüre gewesen. Seit dem habe ich das Buch mehrmals gelesen und es packt mich jedes Mal aufs Neue. Erzählt wird von einer Teenagerliebe im zweiten Weltkrieg. Regine ist eine überzeugte Anhängerin des Hitler Regimes, bis sie sich in den polnischen Zwangsarbeiter Jan verliebt. Eine bewegende Geschichte über Mut und stillen Widerstand.

Uwe Timm beschreibt im autobiografischen Roman „Am Beispiel meines Bruders“ den Umgang mit der Vergangenheit in der Nachkriegszeit. Sein wesentlich älterer Bruder ist während eines SS Einsatzes an der Ostfront verwundet worden und wenig später verstorben. Als Grundlage des Romans dient das Tagebuch seines Bruders, welches dieser verbotener Weise geführt hat.

Einer der bekanntesten Romane der letzten Jahre ist „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Plötzlich erwacht Hitler wieder in Berlin und wird zum Medienstar. Zu Beginn ist alles noch ein großer Spaß, aber recht schnell wird deutlich, wie anfällig die deutsche Demokratie für den Meister der Propaganda ist.

In „Jetzt wird alles besser – eine Jugend in Krieg und Nachkriegszeit“ beschreibt Klas E. Everwyn seine Erfahrungen als Heranwachsender, der zum letzten Aufgebot Hitlers zählte, um das am bodenliegende Vaterland zu verteidigen. Dann das böse Erwachen, das Chaos, der Hunger, der Aufbau. Aber trotz alldem verspürt die Jugend den Willen nach Leben und nach Zukunft. Ein beeindruckender Jugendroman, auch für Erwachsene.

„Altes Land“ habe ich vor allem ausgewählt, weil es auch den Umgang mit Geflüchteten thematisiert. Es ist die Geschichte von Vera, die mit ihrer Mutter aus Ostpreußen fliehen muss und im alten Land auf dem Bauernhof von Ida Eckhoff landet. Die Bäuerin zeigt den beiden Ankömmlingen täglich, dass sie nicht willkommen sind. Als der Erbe Karl aus der Gefangenschaft nach Hause kommt, wird schnell deutlich, das er nicht mehr der alte ist. In seinem Kopf findet der Krieg kein Ende. In erster Linie handelt der Roman natürlich von der Lebensgeschichte Veras, die sich im alten Land eine Existenz aufbaut. Jedoch ist es dieser Part des Buches, den ich in diesem Fall herausstellen möchte.

Es gibt zahlreiche Bücher, die sich zu diesen Themen finden lassen. Dies ist meine persönliche, kleine Auswahl als Statement. Auch Bücher tragen ihren Teil dazu bei, dass Menschen ihr Verhalten hinterfragen und nicht vergessen, wie es mal war.

 

 

Zeitsprünge in Romanen

Rückblende
Zeitsprung

 

 

 

 

 

 

Rückblenden, Zeitsprünge. Lässt sich mit diesem Stilmittel die Geschichte eines Romans interessanter gestalten oder verwirrt es den Leser? Welche Varianten gibt es?

In zahlreichen Romanen wird mit Rückblenden gearbeitet. Auf diese Weise kann man einen Roman interessant und spannend gestalten. Jedoch birgt es auch die Gefahr, dass die Geschichte dadurch unübersichtlich wird. Für den Einbau von Zeitsprüngen in die Geschichte stehen dem Autor verschiedene Varianten zur Verfügung und seiner Kreativität steht nichts im Weg.

Vor einigen Wochen las ich den Roman „Das rote Adressbuch“. Das Erstlingswerk der Autorin Sofia Lundberg. Die Autorin hat sich für eine sehr einfache, übersichtliche Fassung entschieden. Die vergangenen Ereignisse waren von der Gegenwart durch jeweilige Kapitel unterteilt. Der Roman beginnt in der Gegenwart und führt dann chronologisch geordnet immer wieder zurück in die Vergangenheit. Die chronologische Anordnung der Rückblenden macht es dem Leser leicht, dem Wechsel der zeitlichen Handlungssträngen zu folgen. Der Roman ist durch seinen Schreibstil ebenfalls sehr einfach gehalten, so dass auch das verwendete Stilmittel der Zeitsprünge zu dem Buch passen.

Anders präsentiert sich da schon der Roman von Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwestern“. Zwar sind auch in diesem Roman die Rückblenden von den Gegenwartsbeschreibungen durch Kapitel getrennt, jedoch nicht chronologisch geordnet. Des weiteren steht nicht nur eine Figur im Fokus der Erzählung, sondern die drei Schwestern. Der 100. Geburtstag der Ältesten holt den Leser in die Jetztzeit. Erleichtert wird die Einordnung der Zeitsprünge durch den Zusatz der Kapitelüberschriften, die das jeweilige Datum angeben. Trotz allem verlangt Anne Gesthuysens Roman im Vergleich wesentlich mehr Leseraufmerksamkeit, denn nur langsam reihen sich die vergangenen Ereignisse zu einem Bild zusammen. Ein Vorteil dieser Erzählweise ist ganz klar, der Spannungsbogen, welcher dabei besser aufgebaut und gehalten wird.

Komplizierter wird es dann schon in „Neuland“, einem Roman von Eskhol Nevo. Die Erzählung hat zwar nur zwei Hauptfiguren, dennoch sind diese eng verbunden mit der Vergangenheit der Nebenfiguren. Somit beziehen sich Zeitsprünge nicht nur auf Haupt-, sondern auch auf Nebenfiguren. Weiterhin sind nicht alle Sprünge chronologisch angeordnet. Dies Stilmittel setzt die hundertprozentige Konzentration des Lesers voraus. Die Romanerzählung basiert auf der jeweiligen Familiengeschichte der beiden Protagonisten Ingbar und Dori. Ohne die Lebensgeschichte ihrer direkten Vorfahren, gäbe es nichts zu erzählen. Das klingt schon in der Buchwidmung des Autors wieder, die lautet

Wäre sie nicht dort nicht weggegangen, wäre ich nicht hier“

Der Autor springt nicht nur in der Zeit, sondern ändert auch die Person, die gerade erzählt und somit den Blickwinkel. Dadurch wirkt der Roman sehr lebendig. Der Leser muss seine volle Aufmerksamkeit dem Buch widmen. Dafür wird er am Ende mit einer gut erzählten, facettenreichen Geschichte belohnt.

Je nach dem, welche Geschichte man wiedergeben möchte, sollte ein Autor das passende Stilmittel für seinen Roman finden, um Rückblenden oder Zeitsprünge einzubauen. Beispiele hierfür gibt es zahlreiche. Manche sind mehr, manche weniger gelungen. In Matt Haigs Roman „Wie man die Zeit anhält“, lebt der ganze Roman nur von Zeitsprüngen. Erst das Hin und Her zwischen den Jahrhunderten gibt dem Buch den besonderen Reiz.

Die für diesem Beitrag ausgewählte Romane setzten ihre Rückblenden meiner Ansicht nach gelungen ein. Die Art und Weise gestaltet die Geschichten interessant und passt zum jeweiligen Stil des Buches. Ob Zeitsprünge gelungen, nachvollziehbar und schlüssig sind, muss jeder Leser individuell für sich entscheiden. Ich lese gerne Geschichten, welche mit Zeitsprüngen arbeiten und sich langsam alles zu einem Ganzen fügt.