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Buch vs. eBook Reader

Es gibt auch etwas dazwischen…

Es ist Sommer und somit auch Beginn der Urlaubszeit. Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Am Badesee liegen, es sich im Liegestuhl bequem machen und dazu ein gutes Buch in der Hand halten. In Ruhe zu schmöckern, für viele die pure Entspannung. Die Welt um einen herum verschwindet beim Blick ins Buch.

Doch wenn man für zwei Wochen in den Urlaub fährt, reicht meist ein Buch nicht aus, also legt man eins griffbereit ins Handgepäck und ein weiteres (zur Sicherheit vielleicht noch eins) in den Koffer.

Und so ein Buch, je nach Größe und Umfang hat sein Gewicht und kann sperrig sein. Ich kenne mich damit gut aus, denn ich gehe selten ohne Buch aus dem Haus. Ob in meinen Arbeitspausen oder im Wartezimmer, ich nutze jede sich bietende Gelegenheit, mein Buch zu zücken. So auch auf Reisen. Von vielen Seiten bekam ich den Rat, mir endlich einen ebook Reader anzuschaffen. So bequem, so leicht….

Meine Argumente dagegen waren stets die gleichen; ein echtes Buch ist für mich nicht zu toppen, ich möchte in den Seiten vor- und zurückblättern, Papier fühlt sich echt an, der Geruch, die Covergestaltung… Hinzu kam noch meine Aversion gegen das Lesen am PC, das meine Augen anstrengt. Ich war bis dahin der Meinung, dass ebook Reader und PC gleichzusetzen sind.

Bis mir eine Kollegin ihren Reader mit den Worten in die Hand drückte, guck es dir wenigsten einmal richtig an. Sie erklärte mir die Funktionen, das sie zig Bücher darauf geladen hat und sie immer nur diesen leichten, handlichen Reader dabei haben muss. Schlussendlich überzeugte mich ihre Vorführung dann doch. Mein Urlaub stand bevor und ich kaufte mir kurz entschlossen einen ebook Reader. Das ist nun über ein Jahr her und ich habe es wirklich nicht bereut.

Für Vielleser wie mich, ist es, trotz aller berechtigten Argumente für ein „echtes“ Buch, eine großartige Erfindung. Ich sehe in dem Reader den MP3 Player für Bücher. Sowie es mir möglich ist, meine persönliche Musikplaylist stets bei mir zu haben, habe ich nun ebenfalls einen Teil meiner Bücher dabei.

Ich habe mich sehr bewusst für einen Reader entschieden, der mich unabhängig vom Anbieter sein lässt. Das ist für mich ein wichtiges Kriterium. So bin ich frei in der Wahl des Buchladens, bei dem ich kaufe und das müssen nicht unbedingt die großen Ketten sein. Am meisten begeistert mich allerdings die Ausleihe meiner Stadtbibliothek völlig problemlos in Anspruch nehmen zu können. Inzwischen leihe ich Bücher wann ich will, bei Wlan Zugang obendrein, wo ich will und wenn ich das Buch gelesen habe, kann ich es mit einem Klick zurückgeben.

In Wahrheit handelt es sich bei dem Für und Wieder von Buch oder Reader um Zeichen der Zeit. Die gemütlichen, kleinen Buchhandlungen weichen den allgegenwärtigen Ketten. Oftmals erinnere ich mich an die romantische Komödie aus den 1990igern „E-Mail für dich“. Ich war Kunde einer Buchhandlung, in der das Stöbern Freude machte und in dem die Verkäuferinnen über jedes Buch, jeden Autor etwas zu sagen hatten. Doch leider rentierte sich das Geschäft nicht mehr und die Türen wurden eines Tages geschlossen. Natürlich ist die Atmosphäre eines Ladens kaum vergleichbar. Dort erwarten einen Tische voll mit Buchvorschlägen, ausgefallene oder bunte oder aufwendige Cover, endlos scheinende Regalwände, an dem ein Buch neben dem nächsten steht, unterteilt nach Genre.

Heutzutage hole ich mir Buchempfehlungen auf einschlägigen Seiten im Internet, konzipiert und zugeschnitten auf die Lesegemeinschaft. Dieser Austausch ist für mich die Alternative zu den Gesprächen in meiner verschwundenen Buchhandlung.

Der Ebook Reader ist für mich ein unentbehrlicher Alltagsbegleiter geworden, auf den ich keinesfalls mehr verzichten möchte. Manche Bücher kaufe ich weiterhin in Buchform, beispielsweise, die von meinen Lieblingsautoren oder Antiquariate, Bücher mit aufwendigen Covern. Dennoch ich gebe zu, dass es weniger werden. Andererseits trenne ich mich nicht von Büchern, so gesehen tut der ebook Reader auch meinen überlasteten Regalen gut.

 

 

Weil ich dich liebe

Guillaume Musso

Nicole und Mark führen ein glückliches Familienleben. Connor und Mark verbindet seit ihrer Kindheit im Armenviertel Chicagos eine tiefe Freundschaft. Durch einen Schicksalsschlag gerät Marks Leben aus der Bahn und gefährdet sowohl seine Liebe zu Nicole als auch seine Freundschaft zu Connor. Evie, ein 15jähriger Teenager, aufgewachsen in einem Wohnwagenpark am Rande von Las Vegas und Allyson, Milliardenerbin, welche die Klatschpresse mit Skandalen versorgt, treffen in einem Flugzeug nach New York auf Mark. Ihre Geschichten sind miteinander verwoben, doch um das herauszufinden, müssen sie sich gegenseitig vertrauen, um sich einander gänzlich öffnen zu können.

Es ist Weihnachten als Nicole unverhofft auf ihren Mann Mark trifft, der sich seit einem hartem Schicksalsschlag von ihr entfernt hat. Zwei Jahre lang haben sie sich nicht gesehen und auch jetzt ist Mark nicht bereit zu bleiben. Evie, ein junges Mädchen, irrt an diesem Abend alleine, ohne Geld, ohne Unterkunft in New York herum. Zufällig trifft sie auf Connor, Marks besten Freund aus Kindertagen. Allyson, eine junge Frau Mitte zwanzig, Milliardenerbin, hat alles, dennoch fällt es ihr schwer ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Mark, Evie und Allyson lernen sich auf einem Flug von Los Angeles nach New York kennen. Gegenseitig geben sie sich Einblick in ihre dunkelsten Tiefen ihrer Seelen, offenbaren wohlgehütete Geheimnisse und erkennen, dass ihre Geschichten miteinander verwoben sind und alle Fäden laufen zu einem Menschen.

Wie so oft in den Büchern von Guillaume Musso, wird man in die Erzählung hineingestoßen ohne eine Ahnung davon zu haben, worum es geht. Schritt für Schritt erklären sich die Figuren und Situationen. Musso arbeitet mit Rückblenden, in denen der Leser in die prägenden Erinnerungen jeder Figur mitgenommen wird. Die Geschichte hält einige traurige und tragische Momente bereit, erzählt doch vor allem von Mut, Vergebung und Hoffnung.

An manchen Stellen verwirren die Handlungsstränge etwas. Mir war beispielsweise lange nicht klar, welche Rolle Allyson in diesem Buch einnimmt. Sie ist auch für mich die Figur, die kaum Tiefgang besitzt. Ihr Charakter stellt den absoluten Gegensatz zu allen anderen Figuren dar. Dieser Roman ist trotz kleiner Schwächen lesenswert. Musso schreibt einfach wunderbar. Seine Beschreibungen von Umgebungen oder Stimmungen gelingen ihm – wie meistens – so gut, dass man als Leser alles genau vor sich sieht und miterlebt.

Die Geschichte erzählt von Startschwierigkeiten, Brüchen im Leben und Schicksalsschlägen, hält aber an der Devise fest, wenn man etwas ändern will, dann wird es gelingen.

 

 

Alle sieben Wellen

Daniel Glatthauer

Die Geschichte von Emmi und Leo aus „Gut gegen Nordwind“ findet in dem Roman „Alle sieben Wellen“ ihre Fortsetzung.

Die Geschichte von Emmi und Leo aus „Gut gegen Nordwind“ findet in dem Roman „Alle sieben Wellen“ ihre Fortsetzung. Aus dem E-Mailverkehr der beiden Hauptprotagonisten erfährt der Leser das wichtigste über die jeweilige Lebenssituation und den jeweiligen Seelenzustand. Werden sie es diesmal schaffen sich zu treffen?

Leo ist nach Boston geflogen, Emmi ist bei Bernhard geblieben. Ihre E-Mails an Leo beantwortet der Systemadministrator des Mailprogrammes. Ungeachtet dessen schreibt Emmi weiter bis Leo, nach einem halben Jahr aus Boston zurückgekehrt, wieder antwortet. Die beiden bringen sich auf den Stand der Dinge und versuchen zu klären, was schief gelaufen ist. Leo hat sich während seines Aufenthaltes in Boston in Pamela verliebt, die bereit ist ihm nach Deutschland zu folgen. Emmi hat sich mit Bernhard arrangiert. So gehen die E-Mails hin und her, manchmal im Minutentakt, manchmal im Tagestakt. Ein reales Treffen wird vereinbart, welches sogar stattfindet. Nicht nur zwischen den Buchstaben, sondern auch in der direkten Begegnung verbindet die beiden ein Zauber. Dann Leos Offenbarung, er erzählt Emmi von Bernhards Mail, die ihn dazu veranlasste Abstand von ihr zu nehmen. Bei Emmi brechen nun alle Emotionen heraus und es kommt zum Rundumschlag.

Die Fortsetzung von Emmi und Leo beginnt vielversprechend, zieht sich jedoch nach dem ersten Drittel zäh in die Länge. Ebenso wurde ich der gewählten Textform des E-Mailverkehrs irgendwann überdrüssig. Dies liegt vor allem an den Handlungen, die außerhalb des Mailverkehrs stattfinden, worüber der Leser zwar in den Mails erfährt, dennoch sich ausgeschlossen fühlt. Als Leser verliert man dabei die Nähe zu den Figuren und manches lässt sich nur schwer nachvollziehen. Dieses Hin und Her, bei dem keiner der beiden klare Worte findet, beginnt irgendwann zu langweilen.

Dieses Buch kann man lesen, jedoch ist es, wie bei vielen Fortsetzungen, an das Niveau des ersten Teils anzuknüpfen ist schwierig. Dem Roman fehlt einfach der Charme und der Esprit von „Gut gegen Nordwind“.

 

Wolkenrath Teil 4

Elke Vesper

Eine wundervolle, realistische Erzählung, die sich leider am Ende zu sehr im historischen Detail verliert

Die Familiensaga der Wolkenraths in den politischen Wirrungen des 20. Jahrhunderts geht weiter. Der vierte Teil beginnt mit den Beerdigungen der Tante, welche mit ihren über 100 Jahren Lebenserfahrung eine wertvolle Stütze der Familie war, und dem Vater, Alexander Wolkenrath. Beide starben binnen weniger Tage. Von nun an sind Eckhardt, Lysbeth, Dritter und Stella in diesen schwierigen Zeiten auf sich selbst gestellt. Hamburg wird von den Alliierten nicht verschont und die Bombennächte verlangen ihnen einiges ab. Doch nicht nur die Alliierten, sondern auch die Nazis, beeinträchtigen das Leben der Familie. Lysbeths Mann Aaron ist Jude und sie versucht mit der Unterstützung der ganzen Familie alles, um ihn zu beschützen. Trotz politisch unterschiedlichen Einstellungen schweißen die Geschehnisse die Wolkenraths zusammen.

Das Buch beginnt 1941, mitten im zweiten Weltkrieg. Im Haus in der Kippingstraße wohnen Lysbeth und Aron, Eckhardt und Cynthia sowie Stella und Kapitän Jonny Maukesch. Als Kapitän der Marine befindet er im Kriegseinsatz auf einem Schiff. Eckhardt und vor allem seine Frau Cynthia sind begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus. Derweil versucht Lysbeth alles ihr Mögliche, um ihren jüdischen Mann vor der Deportation zu bewahren. Dennoch kann sie nicht verhindern, dass Aron in Hamburg einer Arbeiterkolone zugewiesen wird und unter unmenschlichen Bedingungen schuften muss. Dritter verlässt mit seiner jungen Frau Marthe Hamburg, als diese schwanger ist und kommt in einem Hotel in Scharbeutz an der Ostsee unter. Dort verbringt er mit seiner wachsenden Familie die Dauer des Krieges und bleibt auch danach dort, um sich etwas aufzubauen.

Kurz vor ihrem Tod hat die Tante Lysbeth und Stella eindringlich mit auf den Weg gegeben, dass die beiden den Krieg unter allen Umständen überleben müssen und keine leichtsinnigen Gefahren eingehen sollen. Auch wenn dies die Schwestern oftmals in Gewissenskonflikte bringt, versuchen sie sich dementsprechend zu verhalten.

Die gemeinsamen Bombennächte im Kohlenkeller und die Angst das Dach über den Kopf zu verlieren eint die Geschwister in der Kippingstraße. Selbst Stellas Verhältnis zu ihrem verhassten Mann nimmt freundschaftliche Züge an. Sie ist sich der Bedeutung von Jonnys Einfluss als NSDAP Mitglied und Marinekapitän bewusst, welchen die Familie mehrmals für Aron nutzen muss. Häufig kreisen Stellas Gedanken um ihren britischen Geliebten Anthony sowie ihrer Tochter und Enkelin, welche sich in England aufhalten. Die jahrelange Trennung von den drei wichtigsten Menschen ihres Lebens und die Ungewissheit, wie es ihnen geht, ist für Stella eine schwere persönliche Prüfung.

Nach dem Krieg liegt Hamburg in Schutt und Asche. Viele Menschen sind traumatisiert. Es folgt der Einzug der britischen Besatzer, die Neuregelung des gesellschaftlichen Lebens und die Hoffnung auf einen neuen Anfang.

Der Leser wird in das Leben der Familie Wolkenrath mitgenommen. Der Roman erzählt von den Sorgen und Nöten der Menschen in der Kippingstraße, von den Entbehrungen, von schlimmen Bombennächten während der Operation Gomorrha, der Angst, den morgigen Tag nicht mehr zu erleben, keine Wohnung mehr zu haben, aber auch von Hoffnung und Liebe und dem Vertrauen den Krieg zu Überleben. Jeder der Wolkenraths meistert die Zeit auf seine Weise. Der Leser erlebt emotionale Höhen und Tiefen der Protagonisten. Über den Großteil des Buches hinweg nimmt die  Erzählung einen gefangen. Hervorzuheben sind die vielfältigen historischen Details, welche die Autorin geschickt in die Geschichte verwebt.

Allerdings treten diese detaillierten, historischen Begebenheiten ab dem Ende des Krieges zu stark in den Vordergrund. Beispielsweise ist die ausführliche Beschreibung der Entnazifizierung der Hamburger Ärzteschaft meiner Meinung nach in dieser Form für einen Roman zu umfangreich. Es sollte bekannt sein, dass viele Nazis wieder auf ihre Posten zurückgekehrt sind. Auch wenn es gerade bei Ärzten, welche Euthanasie befürworteten, heute noch empörend ist, hätte es dennoch gereicht diese Tatsache zu erwähnen, jedoch nicht wiederholt und in vielen Einzelheiten. Leider rücken die Figuren und folglich auch die ganze Erzählung dadurch Zusehens in die zweite Reihe. Die letzten Kapitel behandeln die Jahre nach dem Krieg bis 1950. Doch diese Zeitspanne wird zügig abgehandelt, so dass für mich viele Handlungen nicht nachvollziehbar bzw. unverständlich sind. Bedauerlicherweise verlieren dabei auch die Figuren an Tiefe.

Die vorherigen Teile der Reihe sind ebenfalls politisch und historisch sehr ausgearbeitet, dennoch fügen sich die Informationen unauffälliger in die Geschichte hinein als in dieser Erzählung. Dem Ende des Romans nach zu urteilen wird die Geschichte der Wolkenraths weitergehen. Ich freue mich darauf.

 

https://www.lovelybooks.de/autor/Elke-Vesper/reihe/Die-Wolkenrath-Saga-in-Reihenfolge-1139794749/

Das Mädchen aus Brooklyn

Musso
Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso

Kurz vor der geplanten Hochzeit verbringen Raphaël und Anna ein romantisches Wochenende an der der Cote d’Azur. Sie sind verliebt und eigentlich könnten es wunderschöne Tage werden, wenn Raphaël nicht seiner Intuition folgend Anna drängt ihm von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Er spürt, dass sie ihm etwas verheimlicht. Was sie ihm allerdings dann offenbart löst bei ihm im ersten Moment völliges Entsetzen aus. Fassungslos verlässt er wortlos das Ferienhaus. Schon nach kurzer Zeit wird ihm bewusst, dass er der Frau, die er liebt, die Chance geben muss, ihm die Dinge zu erklären. Doch als er zwanzig Minuten später in das Haus zurückkommt, ist es verwüstet und Anna ist verschwunden.

Damit beginnt Raphaëls Suche nach Anna und nach der Wahrheit. Unterstützung bekommt er von seinem Nachbarn Marc, ein ehemaliger Polizist, der in Frühruhestand geschickt wurde. Gemeinsam arbeiten sie sich Stück für Stück vor. Anna heißt eigentlich Claire und kommt aus New York.

Die Geschichte nimmt den Leser sofort gefangen. Zu Beginn ist es kaum möglich sich ein Bild von den Figuren zu machen,  sind sie sympathisch oder nicht? Doch mit jedem neuen Detail wächst das Verständnis für die Figuren und der Leser nähert sich ihnen an, bis man bemerkt, dass die Erzählung einen völlig gefangen nimmt. Nach dem ersten Drittel fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen. Durch die Erzählung aus Sicht verschiedener Figuren durchlebt man ihre Angst, ihren Kummer und ihre Verzweiflung. Am Ende denkt man, dass alles hätte auch anders verlaufen können, wenn Menschen nicht ihren Dämonen nachgegeben und zu ihren Fehlern gestanden hätten.

Das Buch ist ein unaufgeregter Krimi, der in die Abgründe des menschlichen Lebens schaut. Bei den Figuren handelt es sich um den netten Uni Professor, den Polizisten vom Lande und um unschuldige Teenager, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Eine fesselnde Geschichte, die am Ende noch einmal überrascht.

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon
Die Farbe von Milch

Nell Leyshon

Eine einfache Geschichte über ein junges Bauernmädchen, in einfachen Worten erzählt, die tief berührt.

Marys Haare haben die Farbe von Milch. Sie ist die jüngste von vier Schwestern. Ihr zu Hause ist ein Bauernhof, auf dem sie mit ihren Schwestern, den Eltern und dem Großvater lebt. Marys Leben ist geprägt von der harten Arbeit auf dem Hof. Das ändert sich, als sie in das Haus des Dorfpfarrers zieht, um dessen herzkranke Frau zu pflegen. Für Mary eröffnet sich eine andere Welt, an die sie sich nur schwer gewöhnen kann und die ihr kein Glück bringt.

Der Roman spielt 1830/31 in England. Mary ist eine aufgeweckte junge Frau, die oftmals kein Blatt vor den Mund nimmt. Trotz der Arbeit auf dem Bauernhof, schafft sie sich Freiräume, in denen sie, wenn auch nur für einen kurzen Moment, ihren Gedanken freien Lauf lassen kann. Mary ist zwar ohne jegliche Schulbildung, dennoch kann man sie als klug bezeichnen. Sie begreift sehr schnell. Als jüngste von vier Schwestern, zudem noch mit einer Beinbehinderung, hat sie gelernt sich durchzubeißen. Ihr Großvater ist ihr engster Vertrauter.

Als sie in das Pfarrhaus ziehen muss, verlässt sie ihn nur ungern. Im Allgemeinen kann Mary sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen. Fürsorglich kümmert sie sich um die kranke Frau des Pfarrers. Zwischen den beiden Frauen beginnt eine Annäherung, in dem sie sich jeweils von ihrem Leben berichten. Daher trifft Mary ihr Tod sehr. Obwohl Marys eigentliche Aufgabe nun beendet ist, bleibt sie als Haushaltshilfe im Pfarrhaus. Der anstehende Winter wird Marys Leben für immer verändern.

Die Erzählweise ist einfach und schlicht, denn Mary erzählt uns ihre Geschichte mit ihren Worten. Es beginnt im Frühjahr 1830 und endet im Frühjahr 1831. Die Kapitel orientieren sich an den Jahreszeiten, so wie sich auch die Arbeit des Bauern nach diesen Zeiten richtet. Der Roman erzählt vom harten Leben auf dem Land. Jeder Charakter ist durchweg authentisch gezeichnet, so als ob die Figuren wirklich existiert haben. Gerade die unaufgeregten, realen Schilderungen lassen den Leser intensiv in die Geschichte eintauchen. Man leidet mit Mary, lächelt über sie und wünscht ihr einfach nur das bestmögliche Leben.

Es ist ein außergewöhnlicher Roman über ein eigenwilliges, furchtloses vierzehnjähriges Bauernmädchen, welches am Ende den gesellschaftlichen Zuständen ihrer Zeit nicht trotzen kann. LESENSWERT!

https://eisele-verlag.de/8-2/

Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan

Ein sehr oberflächlicher und weichgespülter Roman, der mehr langweilt als Interesse weckt.

1940, die letzten Männer verlassen das englischen Dorf Chilbury, um in den Krieg zu ziehen. Die Frauen müssen ihren Alltag neu organisieren und auch der Chor muss nun nur noch mit den Frauenstimmen auskommen. In diesem einem Jahr überschatten einige Ereignisse das kleine Dorf. Ein unvorhergesehener Bombenangriff zerstört Teile der kleinen Gemeinde. Es gibt Tote und Verletzte zu beklagen. Fremde müssen einquartiert werden. Und alle diese Ereignisse lassen die Frauen erstarken und geben ihnen neues Selbstbewusstsein.

Die vorwiegend positive Resonanz auf den Roman kann ich leider absolut nicht teilen. Der im Titel des Buches genannte Chor spielt in der gesamten Erzählung nur eine nebensächliche Rolle. Es wird wenig deutlich, welche Bedeutung dieser Chor eigentlich für die Frauen haben soll. Weite Teile der Geschichte versinken im oberflächlichem Bla Bla. Weder jegliche Beschreibungen vom Krieg oder den Folgen noch einzelne Geschehnisse weisen wirkliche Tiefe auf. Ebenso bleiben die Figuren dem Leser im wesentlichen fremd. Im historischem Bezug fehlt die Liebe zum Detail. Gerade eingezogen, aber sofort sind die Soldaten wieder auf Urlaub zu Hause – schwer vorstellbar. Solche Ungereimtheiten finden sich viele – für mich zu viele – in dem Roman.

Auch die ganze Erzählweise wirkt wenig durchdacht. Sowohl die Tagebucheintragungen als auch die Briefe wirken keineswegs authentisch. Ein Eintrag in ein Tagebuch liest sich nicht wie ein Roman, mit detaillierter Beschreibung der Situation und wörtlicher Rede. Auf die Vielzahl der Briefe kommt anscheinend auch nie Antwort von den Adressaten. Die Briefeschreiberinnen treten nie in den Dialog oder beziehen sich auf ein Antwortschreiben. Sehr seltsam!
Die ganzen Handlungsstränge sind klinisch und ohne jede Spannung erzählt und wirken auf mich oftmals sehr konstruiert. Es fehlt Tiefe, historisches Hintergrundwissen und vor allem lebendige Figuren, die den Leser berühren.

Mein Fazit des Romans, den ich nur mit großer Disziplin zu Ende gelesen habe, ist, eine vielversprechende Geschichte, die bedauerlicherweise unzählige Schwachstellen aufweist und dadurch sehr weit hinter meinen Erwartungen zurück.

 

https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-frauenchor-von-chilbury/978-3-462-04884-1/

 

Salzige Sommerküsse

 

Leila Howard

Das Schuljahr ist beendet und die Ferien stehen vor der Tür. Cricket wird in wenigen Wochen 18 Jahre alt und freut sich darauf mit der Familie ihrer besten Freundin Jules den Sommer auf Nantucket zu verbringen. Sie träumt von Partys und von ihrem Schwarm Jay, dem sie in diesem Sommer näher kommen möchte. Es soll der beste Sommer werden, doch ein Ereignis verändert alles.

Die 17jährige Cricket hat den perfekten Sommer vor sich, bis ein schreckliches Ereignis ihren Traum platzen lässt. Denn aufgrund des Ereignisses, lädt ihre Freundin Jules Cricket unter einem Vorwand vom geplanten Familienurlaub wieder aus. Dennoch beschließt Cricket auf die Insel zu fahren und sich dort einen Ferienjob zu suchen. Allerdings entwickelt sich ihr Aufenthalt anders als gedacht. Jules ist abweisend ebenso wie Crickets Schwarm Jay und auch die Sache mit ihrem Ferienjob verläuft nicht so wie geplant. Trotz allem ist Cricket fest entschlossen einen wundervollen Sommer zu verleben. Sie schließt neue Freundschaften, sie verliebt sich unerwartet und entdeckt ein kleines Geheimnis. Im Laufe der Erzählung entwickelt sich Crickets Selbstbewusstsein, welches allerdings zum Ende hin noch einmal auf eine harte Probe gestellt wird.

Der Roman ist eine wunderbare Sommerlektüre für heranwachsende Mädchen, denn die Erzählung enthält alles, womit sich Teenager identifizieren können. Es geht um Verlust und Freundschaft, um Schein und Sein, um das Verliebtsein und die Lust den Sommer auszukosten, es handelt vom Erwachsen werden und von Familie. Durch den flüssigen, unkomplizierten Schreibstil, liest sich der Roman sehr kurzweilig. Der Leser wird mitgenommen auf eine schöne Insel, die anscheinend ein Feriendomizil der Reichen ist. Die Inselbeschreibungen regen die Fantasie des Lesers an und wecken das Gefühl von unbeschwerter Leichtigkeit des Sommers.

Mir hat der Roman mit seinen Figuren gut gefallen. Der Schluss lässt verschiedene Interpretationen zu, die der Fantasie des Lesers überlassen werden, was ich ebenfalls mag. Cricket befindet sich auf dem Weg und wie und mit wem dieser weitergeht, kann meines Erachtens das Buch an dieser Stelle, an der die Geschichte endet, nicht vorausnehmen. Der Roman ist empfehlenswert für Jugendliche, aber auch für Erwachsene, die auf der Suche nach einer leichten Lektüre für den Sommerurlaub sind.

https://www.ravensburger.de/produkte/jugendbuecher/liebesromane/salzige-sommerkuesse-58502/index.html

Ein Himmel voller Bücher

Amy Meyerson

Miranda, Ende zwanzig, Geschichtslehrerin in Philadelphia und kürzlich bei ihrem Freund Jay eingezogen. Die Sommerferien stehen vor der Tür und Miranda freut sich viel Zeit mit Jay zu verbringen. Da erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Onkel Billy. Sie fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles, obwohl sie ihren Onkel seit ihrem zwölften Lebensjahr nicht mehr gesehen hat. Billy und Mirandas Eltern haben nach einem Streit jeglichen Kontakt abgebrochen und auch jetzt ist Miranda das einzige Familienmitglied auf der Beerdigung. Alle Versuche mehr über den damaligen Streit herauszufinden, führen zu nichts. Mirandas Eltern bilden eine Wand des Schweigens. Billy hinterlässt Miranda seinen Buchladen „Prospero Books“ und hat vor seinem Tod dafür gesorgt, dass Miranda verschiedene Hinweise erreichen. Diese Hinweise führen Miranda in die Vergangenheit und lassen sie nach all den Jahren die Wahrheit über ihre Familie erkennen.

Mirandas Leben könnte nicht besser laufen. Gerade ist sie mit ihrem Kollegen Jay zusammengezogen, sie liebt ihren Job als Lehrerin von amerikanischer Geschichte und sie fühlt sich an der Ostküste pudelwohl. Aus heiterem Himmel bekommt sie ein Päckchen mit einer alten Ausgabe von Shakespears „Der Sturm“. In dem Buch wurden Passagen markiert. Das Stück steht in Bezug zu Miranda, da eine der Hauptfiguren des Stücks ihre Namensgeberin ist. Kurz darauf erhält sie die Nachricht vom Tod ihres Onkels Billy, den sie schon fast vergessen hatte. Als Miranda gerade zwölf Jahre alt war, ist Billy, der Held ihrer Kindheit, nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter, aus ihrem Leben verschwunden. Billy reiste beruflich viel in der Welt umher. Doch wenn er zu Hause war, verbrachte er seine Zeit mit Miranda. Oftmals hat er sich Schnitzeljagden für Miranda ausgedacht. Nachdem sie alle Rätsel gelöst hatte, durfte sie sich ein Buch aus Billys Buchladen aussuchen. Miranda liebte den Laden, in dem Billy Teilhaber war.

Gerade haben die Sommerferien begonnen und Miranda fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles. Ihre Mutter weigert sich sie zu begleiten, um ihrem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Miranda versucht zwar den Grund herauszufinden, warum der Streit die Geschwister selbst über den Tod hinaus noch entzweit, stößt jedoch auf eisernes Schweigen.

Billy hat Miranda die Buchhandlung vererbt, dessen alleiniger Eigentümer er war. Gegründet wurde die Buchhandlung von Billys verstorbener Frau Evelyn, von der Miranda bisher nicht einmal wusste, dass sie existierte. Weiterhin erhält sie auch versteckte Hinweise, die Billy für sie hinterlassen hat. Mit diesen Rätseln schickt er sie zurück in die Vergangenheit von ihm, Evelyn und die ihrer Eltern. Ihre Eltern schweigen beharrlich zu dem Thema. Immer häufiger überkommt Miranda das Gefühl, dass die ganze Geschichte mehr mit ihr zu tun hat, mehr als ihr bisher bewusst war.

Sie beschließt den Sommer über in L.A. zu bleiben und kümmert sich um den Buchladen, der sich tief in den rote Zahlen befindet. Und dann ist da noch Malcolm, der den Buchladen seit Jahren leitet und ein guter Freund Billys war. Miranda fragt sich, wie viel er über die Vergangenheit weiß und ob sie ihm vertrauen kann. Als der Sommer sich dem Ende neigt, steht Miranda vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird. Können die Geschehnisse der Vergangenheit ihr den richtigen Weg weisen?

„Ein Himmel voller Bücher“ ist eine kurzweilige, aber farblose Erzählung, deren Hintergrund man schnell durchschaut. Für mich bleiben einige der wichtigen Charaktere zu oberflächlich in ihren Handlungen. Aus meiner Sicht sind die Passagen, in den Miranda etwas über die Vergangenheit erfährt, sehr anstrengend zu lesen und zu verstehen. Es beginnt meistens mit der Sicht der Figur, welche Miranda etwas erzählt, dann schwenkt es um und Miranda schildert, was ihr erzählt wird. Darauf folgt die Sicht des jeweiligen Protagonisten, der die Situation damals erlebt. Dieses ständige Hin und Her macht es schwierig dem Erzählten zu folgen. Der Roman ist eine gute Sommerlektüre mit einer vorhersehbaren Geschichte, die wenige Überraschungen birgt. Kann man lesen, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man es nicht tut.

https://www.lovelybooks.de/autor/Amy-Meyerson/Ein-Himmel-voller-B%C3%BCcher-1441734335-w/

 

WILD – Der große Trip

Cheryl Strayed
Der große Trip

Ein aufrichtiges Buch über die wahre Geschichte einer starken Frau, die sich auf die Suche nach sich selbst begibt

Als Cheryl Strayed, 26 Jahre alt, beschließt alleine den Pacific Crest Trail zu wandern, sieht sie darin ihre letzte Chance ihr völlig aus der Bahn geratenes Leben zu retten. Sie hat zu viele Drogen konsumiert, zu viel Sex gehabt, ihre Ehe ist gescheitert und nun steht sie vor der Herausforderung über 1.000 Meilen auf dem PCT zu überstehen. Schnell wird klar, dass es für sie ein völlig unbekanntes Terrain ist, auf das sie sich wagt.

Zu Beginn fragt man sich als Leser, warum tut die unerfahrene, junge Frau sich das alleine an. Doch schnell wird klar, dass dahinter ein seelischer Kampf und ein Überlebenswille stecken.

Der Roman ist autobiografisch und die Autorin nimmt den Leser mit auf ihre Wanderung. Zum einen erlebt der Leser die Schönheiten der Natur auf dem Weg, die unvorhersehbare Hindernisse und Gefahren, zum anderen ist jeder Schritt auch eine Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, in welche der Leser Stück für Stück Einsicht bekommt. Mit jeder Seite wächst das Verständnis für die Protagonistin und man hofft für sie, dass sie durchhält und ihren Weg – in doppelter Hinsicht – findet.

Das Buch macht Mut und zeigt, dass man aus dem allertiefsten Tal herausfinden kann, wenn man die Courage hat sich seinen Problemen wahrhaftig zu stellen. Es ist kein klassisches Pilgerbuch, es geht darin um mehr als nur um Selbstfindung und man muss nicht 1.000 Meilen wandern, um nachvollziehen zu können, wie tief der Schmerz bei Cheryl Strayed saß. Die Erkenntnis aus dieser Erzählung ist, dass jeder seinen eigenen Weg finden und ihn selbst gehen muss – und manchmal auch ein Stück alleine zurücklegen muss

http://www.cherylstrayed.com/