Blog

Die Schwestern von Sherwood

Claire Winter

Ein schwieriges Thema eingebettet in eine spannende und romantische Geschichte

Amalia und Cathleen sind unzertrennliche Schwestern. Sie wachsen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem ansehnlichen Manor in der wilden Dartmoor Landschaft auf. Nach einer Erkrankung verliert Amalia ihr Gehör. Ein tragischer Schlag für die Familie, die wenige Jahre später daran zu zerbrechen droht.
Melinda lebt in dem zerbombten Berlin. Nach dem Krieg versucht sie endlich als Journalistin beruflich Fuß fassen zu können. Aufgrund ihrer englischen Wurzeln, bekommt sie die Möglichkeit an einer Fortbildung in London teilzunehmen. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie anonym ein Paket mit Hinweisen, die auf ihre längst verstorbene Großmutter hindeuten. Melinda nutzt die Reise, um auch etwas über ihre eigenen Wurzeln herauszufinden und stößt dabei auf ein immer noch sehr gut gehütetes Geheimnis.

Elisabeth und John Sherwood haben es weit gebracht. Aus dem Nichts haben sie einen großen Reichtum angehäuft. Doch für die englische Gesellschaft sind sie trotz ihres Geldes nur „Emporkömmlinge“, die ihren Platz nicht kennen. Ihre beiden hübschen Töchter, Amalia und Cathleen, erhalten eine ausgezeichnete Ausbildung, damit sie, wenn sie erwachsen sind, eine gute Partie machen. Für ihre Eltern sind die beiden die Eintrittskarten in die bessere Gesellschaft. Die Schwestern sind eng miteinander verbunden. Das zeigt sich besonders, als Amalia nach einer Krankheit ihr Gehör verliert und für immer taub bleibt. Nur Cathleen steht ihr treu und liebevoll zur Seite. Vor allem für die ehrgeizigen Pläne von Amalias Mutter ist die Gehörlosigkeit ihrer Tochter ein schwerer Schlag. All ihre Hoffnungen, welche sie in Amalia gesetzt hat, sind zerstört. Nun konzentrieren sich die Eltern ausschließlich auf Cathleen und Amalia wird zur familiären Außenseiterin. Dass Amalia von ihren Eltern vernachlässigt wird, ja, dass sie sich für ihre Tochter schämen, führt zur Entfremdung der Familienmitglieder. Als die erwachsene Amalia zufällig auf einen Mann trifft, der sich nicht an ihrer Behinderung stört, sondern aufrichtiges Interesse an der intelligenten Frau hat, stellt es die Familie Sherwood vor eine schwere Prüfung, die unweigerlich ein tragisches Ende nimmt.

Sechs Jahrzehnte später bemüht sich Melinda im kriegszerstörten Berlin um ihr berufliches Fortkommen. Ihre Mutter ist gestorben. Ihr Verlobter und sie sind sich durch die Kriegsjahre fremd geworden. Sie ist auf sich gestellt. Ihre englischen Wurzeln haben verhindert, dass sie unter Hitler journalistisch arbeiten konnte. Nun bewirbt sie sich bei verschiedenen Zeitungen. Diesmal sind Melinda ihr englisches Erbe und ihre Sprachkenntnisse nützlich, denn sie kann an einer Fortbildung für Journalisten in London teilnehmen.
Vor ihrer Abreise wird anonym ein Päckchen für Melinda abgegeben. Das Paket enthält englisch sprachige Liebesbriefe aus dem letzten Jahrhundert, welche auf eine große Liebe hindeuten, Zeichnungen von einer mysteriösen Moorlandschaft und eine Schachfigur. Es scheint ein Hinweis auf ihre Großmutter zu sein, eine gebürtige Engländerin. Melinda beschließt ihre freie Zeit in England dazu zu nutzen, mehr über den Inhalt des Päckchens und ihre Wurzeln in Erfahrung zu bringen. Bei ihren Recherchen stößt Melinda unerwartet auf Wiederstand, denn sie ist dabei ein jahrzehntelang gut gehütetes Geheimnis zu lüften. In welcher Verbindung Melinda selbst in Bezug auf die damaligen Geschehnisse steht, wird ihre erst nach und nach deutlich.

Eigentlich ist es Claire Winters erster Roman, den ich nun nach den zwei anderen „Die verbotene Zeit“ und „ Die geliehene Schuld“ gelesen habe. Auch die „Schwestern von Sherwood“ ist ein fesselnder Roman, den man nur ungern aus der Hand legt und dessen Erzählung einen zu tiefst berührt.

Das Schicksal von Amalia gibt einem zu denken. Natürlich war die Medizin um 1880 noch nicht auf dem heutigen Stand, dass allerdings gehörlose Menschen als „zurückgeblieben“ eingestuft werden, da sich das Denken nur zusammen mit der Sprache entwickeln kann, erscheint heute völlig absurd.

Dennoch ist auch unsere Gesellschaft nicht frei von Vorurteilen gegenüber behinderten Menschen. Ein offenerer und toleranterer Umgang mit ihrer tauben Tochter und weniger Ehrgeiz, um jeden Preis in der Gesellschaft anerkannt zu werden, hätte der Familie viel Leid erspart. Man mag nicht daran denken, wie viele behinderte Menschen auch heute noch, unter dem Deckmantel der Fürsorge, der Willkür anderer ausgesetzt sind. Und wie vielen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abgesprochen wird. Diese doch schwierige Thematik verwebt die Autorin in einer großartig erzählten Geschichte, in der auch Themen wie Liebe und Intrigen nicht zu kurz kommen.
Ein sehr gelungener Roman, der nachhallt.

 

Nacht im Central Park

Musso
Nacht im Central Park

Guillaume Musso

Spannende Geschichte, deren Ende aber enttäuscht

Als Alice früh morgens auf einer Parkbank erwacht, ist sie mit Handschellen an einen fremden Mann gekettet, hat Blut auf ihrer Bluse und eine unbekannte Waffe in der Tasche. Sie erinnert sich an den vorherigen alkoholreichen Abend mit ihren Freundinnen auf dem Champs Elysee und wie sie in die Tiefgarage zu ihrem Auto ging – danach Blackout. Der Mann neben ihr stellt sich als Gabriel, Jazzmusiker, vor. Den Abend zuvor hatte er einen Auftritt in Dublin. Als beide die Parkbank hinter sich lassen, entdecken sie, dass sie sich im Central Park in New York befinden. Wie sind sie in nur einer Nacht dorthin gekommen, wer hat sie aneinander gekettet, wieso ist Blut auf Alice Bluse? Auf all diese Fragen haben sie keine Antworten, sind aber entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Roman beginnt spannend. Als Leser fragt man sich, wie sich die Geschichte entwickeln wird und welche Geheimnisse gelüftet werden. In Rückblenden erfährt man viel über Alice‘ Schicksal, dennoch ist mir die Figur mit keiner Seite sympathisch geworden. Auch die Figur des Gabriels blieb mir fremd. Oftmals habe ich den überaus hektischen Handlungsbedarf der Figuren nicht nachvollziehen können, ebenso ist mir Gabriels Wandel in der Erzählung unverständlich.

Es ist ein sehr spannend erzähltes Buch, wunderbar geschrieben, so dass man es kaum aus der Hand legen will. Umso enttäuschender sind dann die letzten Seiten. Das Ende wirkt einfach nur konstruiert, die Spannung geht von einer auf die andere Seite völlig verloren. Es wirkt wie ein zwanghaft erschaffendes „Happy End“ und ich habe mich gefragt, wo die tolle Geschichte so plötzlich hin ist und was das Ende soll.

Ich lese die Bücher von Musso sehr gerne, aber dieses hat mich am Ende sehr enttäuscht zurückgelassen.

Das Mädchen aus dem Savoy

Hazel Gaynor
Das Mädchen aus dem Savoy
Hazel Gaynor
Ein unterhaltsamer Roman über die Generation des 1. Weltkrieges, dessen Geschichte leider ein zuckersüßes, unrealistisches Ende findet.
Ein unterhaltsamer Roman, dessen Geschichte am Ende leider schwächelt

London, Herbst 1923, Dorothy Lane tritt ihre neue Stelle als Zimmermädchen im Hotel Savoy an. Dolly, wie sie lieber genannt wird, ist voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Der erste Schritt dahin soll ihre neue Stelle im Luxushotel sein, welche sie in die Nähe der Reichen und Berühmten bringt.
Auf dem Weg zu ihrem neuen Arbeitsort wird sie nicht nur vom Londoner Dauerregen durchweicht, sie stößt auch heftig mit einem Mann zusammen, dessen Notenblätter sich auf dem nassen Gehsteig verteilen. Obwohl er diese im Mülleimer entsorgt, nimmt Dolly die Blätter an sich und bewahrt sie auf. Eine spontane Entscheidung, die, wie sich später herausstellt, für beide zum Glücksfall wird
.

Dorothy Lane ist eine junge Frau voller Träume, deren Herzschlag im Takt eines Schmetterlingsflügels schlägt. Durch den ersten Weltkrieg hat sie schmerzhafte Verluste erlitten und sucht nun nach ihrem Weg, der sie aus der Unsichtbarkeit heraustreten lässt. Dolly strebt nach einem besseren Leben. Daher ergreift sie die Chance als Zimmermädchen im Londoner Luxushotel Savoy zu arbeiten. Dort, wo berühmte Persönlichkeiten der Zeit ein- und ausgehen, hofft sie auf Begegnungen, welche sie ihrem Ziel von einer Bühnenkarriere näher bringen.

Auf dem Weg ins Savoy stößt sie unglücklich mit einem Komponisten zusammen, dessen Notenblätter sich auf dem regennassen Gehsteig verteilen. Er wirft die aufgesammelten Blätter in den Mülleimer. Einem Impuls folgend nimmt Dolly die Blätter an sich. Eine schicksalshafte Entscheidung für beide Beteiligten. Doch erst einmal muss Dolly den Alltag im Hotel meistern, denn als Zimmermädchen hat sie sich nicht nur allerlei zu merken, sondern muss für die Gäste unsichtbar sein. Nach vielen Enttäuschungen und Verlusten während und nach den Kriegsjahren, ist Dolly entschlossen sich nicht unterkriegen zu lassen. Doch immer wieder wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt, die Dolly selbst auch noch nicht loslassen kann.

Dolly trifft im Hotel auf den Broadway Agenten Snyder. Er ist ihr zwar unsympathisch, dennoch bittet sie um eine Gelegenheit zum Vortanzen. Wird er ihr die Chance geben, auf die sie hofft? Auch die Wege vom Komponisten Perry, dessen Notenblätter Dolly vor der Vernichtung bewahrt hat, und Dolly kreuzen sich abermals. Was Dolly nicht weiß, Perry ist der Bruder der berühmten Schauspielerin Loretta May. Dolly kommt ihren Träume vom Leben im Rampenlicht sehr nah, doch kann sie die Vergangenheit hinter sich lassen und zu neuen Ufern aufbrechen?

Dolly ist eine Träumerin und ein wenig chaotisch, allerdings vom ersten Moment an liebenswert. Deshalb leidet man als Leser direkt mit, wenn ihr Unrecht widerfährt oder sie zum wiederholten Male scheitert. Dolly ist eine mutige junge Frau, die einfach nicht aufgibt und ihre Kraft aus der Vergangenheit schöpft. Der Roman erzählt nicht nur von der lebenshungrigen Dolly, sondern auch von kriegsversehrten Soldaten, die das Trauma des ersten Weltkrieges nicht verarbeitet haben und von einer Generation, die versucht die Kriegsjahre abzuschütteln, um vorwärts gehen zu können. Mit viel Feingefühl wird der Leser an die Figuren herangeführt. Jedes Kapitel enthüllt Neues aus dem Leben der Protagonisten.

Wie es für Dolly, und auch die anderen, beruflich und privat endet, bleibt fast bis zum Ende undurchschaubar. Doch auch, wenn das Ende unvorhersehbar ist, fällt es für meinen Geschmack etwas zu zuckersüß aus. Auf den letzten 50 Seiten häufen sich die Zufälle und erscheinen mir, wie Dollys Werdegang zum Schluss, realitätsfremd. Damit verliert das Buch zum Ende hin leider an Nachdenklichkeit und auch an Tiefe, was schade ist. „Das Mädchen aus dem Savoy“ ist ein unterhaltsamer Roman, der von einer Generation erzählt, die durch den ersten Weltkrieg verwundet wurde und von deren Träumen und Hoffnungen.

Das bin doch ich

Thomas Glavinic

Ein nichtssagendes Buch

Die Handlung des Romans „Das bin doch ich“ ist schnell erzählt. Ein Schriftsteller hat einen Roman beendet und wartet darauf, dass seine Agentin einen Verlag dafür findet. Die Zeit des Wartens verbringt er mit Computer spielen, essen gehen und Alkohol trinken. Seine Frau und er leben nicht mit, sondern nebeneinander her. Auch mit seinem kleinen Sohn beschäftigt er sich selten. So etwas wie Familienleben findet in dem Roman nicht statt und man fragt sich, was die Eheleute verbindet oder je verbunden hat.

Im Prinzip lebt der Erzähler in den Tag hinein, gibt Geld aus, das er nicht hat und verfolgt die Erfolgsgeschichte, die dem Roman seines Freundes Daniel Kehlmann wiederfährt.
Manch eine Situation ist in dem Roman charmant erzählt, wer allerdings auf spannende Einblicke in den Literaturbetrieb oder andere Höhepunkte wartet, wird enttäuscht. Der Roman plätschert so vor sich hin. Spätestens ab der Hälfte des Buches war ich genervt von der Oberflächlichkeit des Erzählers ebenso wie von seinen ständigen Trinkgelagen, seinem Hypochonder Getue und seinem verantwortungslosen Umgang mit Geld. Ich habe auch nicht verstanden, warum er ständig Essen gehen muss und seine Zeit nicht seiner Familie widmet.
Für mich ein langweiliges, zumeist überflüssiges Buch. Meine Erwartungen wurden enttäuscht.

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Schimmelpfennig
An einem klaren, eiskalten Januarmorgen

Roland Schimmelpfennig

Hatte mehr erwartet

Es ist Januar. Schnee und Kälte beherrschen Deutschland. Ein einsamer Wolf kommt von Osten her und sein Weg führt ihn Richtung Berlin.

Der Weg des Wolfs verknüpft sich mit Momentaufnahmen verschiedener Personen. Ein Junge und ein Mädchen beschließen von zu Hause wegzulaufen, weil das Mädchen von ihrer Mutter geschlagen wird. Ein junger polnischer Mann wohnt mit seiner Freundin in Berlin und sehnt sich nach Polen. Ihr Leben in Berlin besteht vor allem aus Arbeit. Ein Kioskbesitzer begibt sich auf die Suche nach dem Wolf. Eine Volontärin eines Zeitungsverlages soll über den Wolf berichten. Der Vater des Jungen ist alkoholkrank. Er verfolgt die Spur der beiden Jugendlichen bis Berlin. Auch die Mutter des Mädchens macht sich auf den Weg nach Berlin, um ihre Tochter zu suchen. Einige Male kreuzen sich die Wege der Figuren.

Der Roman ist minimalistisch und nüchtern erzählt. Emotionen werden kaum und wenn, nur aus einer Distanz heraus geschildert. Aufgrund dessen ist es schwierig einen Zugang zu den Figuren und ihren Geschichten zu finden.
Für mich ist die Erzählung zu unterkühlt. Ich bekam auch kein Gefühl für Figuren, denen es meiner Ansicht nach an Tiefe fehlt. Manche Handlungen blieben für mich schwer nachvollziehbar. Die letzten Seiten habe ich mehr oder weniger nur noch überflogen. Ich hatte anderes erwartet.

Die Töchter des Sturms

Baillon
Töchter des Sturms

Sibylle Baillon

Ein gelungener Roman überdas Schicksal dreier Frauen im revolutionären Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts

Der Romans „Töchter des Sturms“ beginnt wenige Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution. Eine bretonische Bauernfamilie sieht sich aufgrund der großen Hungersnot dazu gezwungen, ihre drei Töchter nach Paris zu schicken. Dort treten sie verschiedenartige Anstellungen an. Marianne, mit 14 Jahren die älteste, wird Gesellschafterin der etwa gleichaltrigen Tochter einer angesehenen französischen Familie. Madeleine wird Schneiderin im Atelier der Modeministerin und die 10jährige Jeanne soll in einem Krämerladen arbeiten. Die Eltern geben den Schwestern beim Anschied nicht preis, wo sich die jeweils Anderen befinden. Somit sind die Schwestern gezwungen, sich in ihrem neuen Leben einzurichten ohne Kontakt zu ihrer Familie halten zu können. Die beiden Älteren haben es im Gegensatz zu Jeanne gut getroffen. Die jüngste ist innerhalb kurzer Zeit ganz auf sich gestellt. Trotz der Umstände geben die drei ihre Hoffnung, die anderen so bald wie möglich wieder zu finden, nicht auf. Auch als die Jahre vergehen und die Revolution in Paris um sich greift, bleiben die Schwestern sich gedanklich in dem Wunsch, sich irgendwann wieder in die Arme schließen zu können, verbunden.

Marianne, Madeleine und Jeanne werden von ihren Eltern nach Paris gebracht. Dort treten sie werden sie in unterschiedlichen Anstellungen untergebracht, die sie vor dem Hungertod auf dem Land bewahren sollen.Die Eltern geben den Schwestern keine Auskunft über den Verbleib der anderen, so dass die Mädchen keinen Kontakt zueinander halten können. Gerade für die 10 jährige Jeanne ist die Trennung von ihrer Familie ein schwerer Schlag. Denn im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern, hat sie es nicht gut getroffen. Der Krämer will sie an ein Bordell verkaufen. Die aufgeweckte Jeanne erkennt schnell die Bedrohung und flieht. Sie findet Unterschlupf bei der Prostituierten Claire. Auf sich allein gestellt entdeckt Jeanne ihren Geschäftssinn. Mit Raffinesse, Verkaufstalent und einem Ziel vor Augen strebt sie ihr eigenes Geschäft an.

Ihre Schwestern indessen müssen sich an das herrschaftliche Umfeld anpassen, in das sie geraten sind. Marianne, als Gesellschafterin der Tochter des französischen Finanzministers, befindet sich in einer vollkommen anderen, privilegierten Welt. Eine Welt des Überflusses, der intellektuellen Debatten und der Ausschweifungen.

Madeleine hingegen muss sich in kürzester Zeit Wissen über Stoffe und Nähweisen aneignen, um den Ansprüchen der Atelierbesitzerin zu genügen. Madame Bertin ist eng mit dem Königshaus verbunden und wurde zur Modeministerin ernannt. Zudem beliefert sie auch den Adel über Frankreichs Grenzen hinaus.

Durch Jeannes Verschwinden verliert der Krämer seine Existenz. Sein Hass auf das Mädchen ist groß und wird dadurch geschürt, dass er sie sucht, immer wieder entdeckt, doch sie ihm jedes Mal wieder entwischt. Er will sie unbedingt in seine Gewalt bekommen. Wie ein böser Geist taucht er kontinuierlich in der Handlung auf. Ob Jeanne auf ihr Glück vertrauen kann, das sie vor seiner Rache bewahrt?

Die Jahre vergehen und die Schwestern haben sich in ihre Lebenssituationen eingefunden. Alle drei entdecken auch die Liebe für sich. Doch als die Revolution ausbricht, bringt diese auch ihre Leben gehörig durcheinander. Ob sie sich jemals wiedersehen werden, bleibt fraglich. Zu unterschiedlichen sind ihre Lebenswege verlaufen.

Der Roman umfasst eine Zeitspanne von etwa 10 Jahren. Jeanne, die sich nur auf ihren Verstand verlassen kann, ergreift jede sich ihr bietende Chance, um ihre Situation zu verbessern. Marianne, eher ruhig, lässt sich vom Überfluss und Reichtum nicht blenden. Sie bleibt ihrem inneren Wesen immer treu. Madeleine hingegen ist eine Träumerin, die in dem Modeatelier ihr kreatives Talent entdeckt. Allerdings bleibt die mittlere Schwester nach meiner Auffassung etwas zu blass im Vergleich zu den anderen.

Alle drei Mädchen sind nicht sonderlich an dem politischen Geschehen interessiert, auch wenn der gesellschaftliche Umbruch auch ihre Leben verändert.

In den Nebenrollen des Romans tauchen oftmals bekannte Persönlichkeiten auf. So ist Marianne die Gesellschafterin der späteren Madame de Staël, Tochter des Finanzministers Neckar. Jeanne trifft auf den Marquis de Sade. Und sowohl Madeleine als auch Marianne lernen Talleyrand kennen. Ein Charakter, welcher in der Erzählung mehrfach eine Rolle spielt, ist der junge Napoleon. Diese Persönlichkeiten sind von der Autorin auf wunderbare Weise in die Geschichte eingeflochten und gewähren Einblicke in politische Entwicklungen. Die unterschiedlichen Romanfiguren bewegen sich in allen Ständen; von der Aristokratie, den Soldaten, Kaufleuten bis zu den unteren Bevölkerungsschichten wie Bauern und Prostituierte. Somit erfährt der Leser vieles über die Lebensumstände dieser Zeit. Die Schicksale der Protagonisten sind fabelhaft mit einander verwoben. Durch die detaillierten Beschreibungen fühlt man sich in das Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts versetzt. Ich möchte zudem noch erwähnen, dass die Autorin zur Erläuterung der historischen Personen und Begebenheiten, einen informativen Anhang erstellt hat.

Die regelmäßigen Wechsel innerhalb der drei Erzählstränge – für jede Schwester einen – halten die Spannung aufrecht, so dass man wissen will, wie es weitergeht. Vor allem Jeannes Schicksal ist mir nah gegangen. Für mich ist sie die sympathischste Figur des Romans.

Meiner Meinung nach ist der Roman „Die Töchter des Sturms“ eine gelungene und teils aufwühlende Erzählung über drei Mädchen, die gezwungen sind, sich den Umständen ihrer Zeit anzupassen und dabei ihre Stärken entdecken. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

 

Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams
Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams

Ein Roman über Lebenspläne, Freundschaft und das man nicht immer das bekommt, was man sich erträumt.

Eva, Benedict, Lucien und Sylvie lernen sich Mitte der 1990igern Jahre an der Universität kennen. Bis zum Studienabschluss sind die vier unzertrennlich, doch dann trennen sich ihre Wege. Voller Hoffnung stolpern sie in ihre Leben, müssen aber nach einigen Jahren erkennen, dass das Leben oftmals anders verläuft, als sie es sich vorgestellt haben. Auch wenn die vier Freunde ganz unterschiedliche Wege einschlagen, halten sie den Kontakt zueinander. Es ist die jahrelange Freundschaft, die jedem einzelnen schlussendlich den Halt und die Zuversicht gibt, das Leben so anzunehmen, wie es ist.

Obwohl die vier Freunde Eva, Benedict, Lucien und Sylvie während des Studiums unzertrennlich sind, geht jeder von ihnen nach dem Universitätsabschluss seinen eigenen Weg. Eva entscheidet sich für eine Karriere in der Londoner Finanzwelt, Benedict träumt als Physiker am CERN zu arbeiten und das Geschwisterpaar Sylvie und Lucien reist erst einmal um die Welt.

Eva wird schnell zur hart arbeitenden Karrierefrau, die sehr viel Geld verdient. Auch bei Benedict läuft es gut. Er kann seinen Traum wahr machen und geht mit seiner schwangeren Frau in die Schweiz ans CERN. Der Frauenheld Lucien organisiert derweil Partys in Londoner Clubs. Nebenbei dealt er mit Drogen, was ihm eines Tages zum Verhängnis wird. Seine Schwester Sylvie hingegen möchte eine gefragte Künstlerin werden, schlägt sich nun mit schlecht bezahlten Jobs durch und trinkt zu viel Alkohol.

Diese ungleichen Lebensweisen sorgen für Schwierigkeiten innerhalb der Freundschaft, denn sie führen zu Neid und Vorwürfen. Vor allem die Freundschaft zwischen dem Familienvater Benedict und den anderen gestaltet sich kompliziert, ebenso wie zwischen der karrierebewussten Eva und der desillusionierten Sylvie.

Doch in den ca. 10 Jahren, in denen wir Leser die vier Freunde begleiten, muss jeder von ihnen einen Rückschlag hinnehmen. Schlussendlich können sich die Freunde aufeinander verlassen und geben einander den nötigen Halt.

Der Roman erzählt beginnend in den 1990igern Jahren die Geschichte von vier Freunden, die unterschiedlicher nicht sein können und doch eine unzertrennliche Gemeinschaft bilden. Sie starten mit den verschiedensten Erwartungen in das Leben nach der Universität. Manche Träume erfüllen sich, manche Gefühle werden nicht erwidert, aber ihre Freundschaft übersteht einige Höhen und Tiefen.

Der Roman handelt von den Erwartungen, die man ans Leben stellt und was davon übrigbleibt, wenn man die erste Strecke hinter sich hat. Es ist eine wahrhaftige Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Leben, welches sich nie an Pläne hält. Die Charakteren sind unterschiedlich gezeichnet. Lucien und Sylvie erscheinen zunächst sehr oberflächlich, doch nach einigen Kapiteln erfährt man mehr über die beiden und versteht sie besser.

Ich konnte mich gut mit den Figuren identifizieren. Eine Freundschaft über Jahre und auch über Ländergrenzen hinweg aufrecht zu erhalten, ist schwierig. Wenn zudem auch die Lebensplanungen weit auseinander driften, wird es häufig unmöglich. Ich denke, die Zielgruppe des Romans beginnt ab 35 Jahren, da es auch ums Scheitern von Lebensentwürfen geht. Die Geschichte dieser Vier ist toll erzählt und ich konnte mich darin wieder finden.

Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth
Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth

Der Roman dümpelt oberflächlich vor sich hin

London, ein Jahr vor den Olympischen Spielen. Jennifer läuft früh morgens im Park ihre gewohnte Strecke. Mit sich und der Welt nicht im Reinen, versagt sie im Stadion, wenn es darauf ankommt im Wettkampf ihre Strecke von 10.000 m vor Publikum zu laufen, immer wieder. Eines morgens trifft sie Gregory O’Reilly. Er spricht sie an, weiß wer sie ist und möchte ihr neuer Trainer werden. Zudem scheint er mehr über ihre fast 100jährige Urgroßmutter zu wissen, als sie selbst.

Um Jennifers Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen wahr werden zu lassen, besucht sie, auf Gregorys Drängen hin, ihre Urgroßmutter Alberta. Alberta nahm an den Spielen 1936 teil und gewann Gold im Bogenschießen. Kann die Geschichte der alten Dame Jennifer helfen ihr Leben zu ordnen und ihre Panik zu überwinden?

Jennifer ist eine eine begabte Läuferin, doch bei jedem Wettkampf strauchelt sie im wahrsten Sinne des Wortes und läuft nicht ins Ziel ein. Ihr Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in ihrer Heimatstadt London. Doch der Traum liegt in weiter Ferne, da sie sich in Wettkämpfen qualifizieren muss. Eines morgens spricht sie ein Mann an, Gregory O’Reilly. Er möchte sie trainieren. Schroff weist sie ihn ab. Doch er taucht immer wieder an ihrer Trainingsstrecke auf. Als Jennifer sein Schicksal herausfindet, macht es sie neugierig. Außerdem weiß er einiges von ihrer Urgroßmutter Alberta, das nicht mal sie selbst bisher wusste. Gregory ist davon überzeugt, dass ein Gespräch mit Alberta Jennifer helfen würde. Somit fahren sie beide die alte Dame besuchen.

Alberta, kurz vor ihrem 100jährigen Geburtstag, erweist sich als rüstig und mental immer noch auf der Höhe. Sie erzählt Jennifer nach und nach ihre eigene Geschichte. Geboren und mit ihrer Zwillingsschwester Auguste in Berlin aufgewachsen, begeistert sie sich früh für den Sport. Ihr Vater, Magnus, ein bekannter Sportmoderator beim Radio fördert sie.

Zum Geburtstag schenkt ihr Vater den Mädchen eine Reise nach Los Angeles, wo 1932 die Olympischen Spiele stattfinden. Er als Sportmoderator wird von seinen Sender dorthin geschickt. Auguste ist frisch verliebt und würde lieber in Berlin bleiben, doch Alberta, die mit der Wahl des Verehrers nicht einverstanden ist, sieht die Chance ihre Schwester noch einmal für sich zu haben.

Auf dem Schiff lernt Alberta den Springreiter Hans von der Weydt kennen. Ein gutaussehender, aber unsicherer Mann. Im olympischen Dorf freundet sich Hans mit dem Engländer James an. Auch gutaussehend, aber vor Selbstbewusstsein strotzend. Für Hans, James, Alberta und Auguste werden es wunderbarer olympischer Sommerwochen, die sie noch verlängern, da sie James nach England begleiten. Durch unüberlegtes Handeln schlagen Alberta und James die beiden anderen vor dem Kopf und der Sommer endet jäh.

Immer wieder werden sich die Wege der vier kreuzen. So auch bei den Spielen 1936 in Berlin, bei denen Alberta eine Goldmedaille im Bogenschießen gewinnt. Längst sind Alberta und Hans Hitlers Vorzeigepaar des Sports. Auch privat muss sich Alberta 1936 entscheiden; James oder Hans.

Wird Albertas Geschichte Jennifer wirklich helfen können, mit sich ins Reine zu kommen, um ihren Traum zu verwirklichen, den olympischen Traum?

Ich habe schon andere Romane von Charlotte Roth gelesen und war immer begeistert, doch leider ist der Roman „Als der Himmel uns gehörte“ eine Enttäuschung. Die Figuren sind mir allesamt fremd geblieben. Sowohl Jennifer als auch Alberta sind mir von Beginn an unsympathisch gewesen und das hat sich durch das Buch durchgezogen. Die Geschichte wird oberflächlich abgehandelt, es gibt kaum Tiefe. Dafür gibt es wahrscheinlich auch zu viele Figuren an sich. Albertas Handeln habe ich selten nachvollziehen können. Einerseits ist sie modern, temperamentvoll und bestimmend, anderseits verhält sie sich total oberflächlich, dumm und untergeben. Ganz schlimm finde ich die Figur der Auguste. Angeblich hält die Familie doch so zusammen. Wie kann man so ein junges Mädchen einfach sich selbst überlassen, wenn sie monatelang nicht aus dem Zimmer kommt????? Und die Gesprächsversuche sind lächerlich.

Genauso verhält es sich bei der Handlung in der „Jetzt – Zeit“. Jennifers Familiengeschichte wird angerissen, ebenso wie Gregorys Schicksal, aber Tiefe ist da Fehlanzeige.

Die Erzählung springt immer zwischen heute und der Vergangenheit hin und her, aber es entsteht keine wirklich Beziehung zwischen den zeitlichen Ebenen. Die einzige Figur die halbwegs gut entwickelt ist, ist der charmante James. Seine Wesenszüge, seinen Hintergrund und seine Entwicklung kann man sehr gut nachvollziehen. Wirklich gelungen ist die Herausarbeitung des olympischen Gedankens, der auch die Paralymics miteinbezieht.

Auch das Ende hat mich nicht vom Hocker gerissen. Zwischenzeitlich hatte ich wenig Lust noch weiter zu lesen. Der Roman plätschert vor sich hin, zündet aber nicht.

Eine andere Vorstellung vom Glück

Marc Levy
Eine andere Vorstellung vom Glück

Marc Levy

Zwei außergewöhnliche Frauen auf einem Roadtrip der besonderen Art

Dreißig Jahre hat Agatha im Gefängnis verbracht und noch fünf Jahre bleiben ihr bis zur vollständigen Verbüßung ihrer Haftstrafe. Doch sie flieht aus der Vollzugsanstalt. An einer Tankstelle in Philadelphia steigt sie zu einer jungen Frau ins Auto und zwingt diese mit ihrem Oldtimer Richtung San Francisco zu fahren. Die anfänglich sehr verunsicherte Milly Greenberg, deren Leben einer unumstößlichen Routine folgt, findet im Laufe der Fahrt Gefallen an diesem Abenteuer.
Die beiden ungleichen Frauen fahren quer durch die USA und bei jedem Stopp treffen sie auf alte Bekannte aus Agathas früherem Leben. Viel Zeit für Wiedersehensfreude bleibt allerdings nicht. Agathas Ausbruch blieb nicht unbemerkt. Ein US Marshall und das FBI sind ihnen dicht auf den Fersen. Agatha erzählt Milly ihre Geschichte und je länger die Fahrt dauert, desto deutlicher wird, dass es kein Zufall war, der Agatha in Millys Wagen einstiegen ließ.

Der neue Roman von Marc Levy entpuppt sich als ein Roadtrip besonderer Art. Zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, führt das Schicksal zusammen. Agatha hat die letzten dreißig Jahre im Gefängnis gesessen und Milly, die knapp 30 Jahre alt ist, führt ein durch und durch strukturiertes Leben, ohne sich auch nur gelegentliche Ausbrüche ihrer Routine zu erlauben. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Agatha ein Geheimnis hat, welches die Frauen stärker mit einander verbindet, als es zuerst vermuten lässt.

Agatha gehörte in den wilden 1970iger Jahren zu den Studenten, die gegen die Doppelmoral und den Rassismus demonstrierten. Marc Levy greift einen wichtigen historischen Abschnitt der USA auf, dessen Brutalität gegenüber der eigenen Jugend kaum zu überbieten ist. Das Thema Rassismus, heutzutage aktueller den je, wird eingebettet in die bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die den Großteil ihres Lebens hinter Gittern verbrachte, ohne weitere Mittäter zu verraten. Ganz wunderbar lässt Levy die Fäden zusammen laufen bis sie am Ende ein Ganzes ergeben. Wie in fast jedem seiner Romane ist es ein Appell an unsere Werte und an das, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Einziger Kritikpunkt ist das Cover, das so gar nicht zu der Geschichte passt.

Leseempfehlung!!!

Das Atelier in Paris

Musso
Das Atelier in Paris

Guillaume Musso

Kurz vor Weihnachten in Paris. Madeline hat sich mitten in der Stadt, dennoch ruhig gelegen eine großzügige Wohnung gemietet. Sie möchte während ihres Parisaufenthaltes abschalten und ihre Gedanken ordnen. Gaspard, Autor von Theaterstücken, zieht sich alljährlich für einige Woche nach Paris, um ein neues Stück zu Papier zu bringen. Er hasst die Stadt, daher hat ihm seine Agentin eine Wohnung fernab vom Trubel gemietet. Durch einen Systemfehler wurde das ehemalige Atelier eines bekannten Malers doppelt gebucht; von Madeline und Gaspard. Beide spüren die besondere Atmosphäre, die in der Wohnung herrscht. Es wirkt, als käme der Maler jeden Moment zur Tür herein. Keiner ist bereit die Wohnung zu räumen. Ihre eigenen Prioritäten rücken in den Hintergrund, als sie von der tragischen Geschichte des Malers, der vor fast genau einem Jahr starb, erfahren. Davon tief berührt, wird den beiden bewusst, dass es immer noch eine unvollendete Geschichte ist. In den letzten Wochen seines Lebens sollen drei neue Werke entstanden sein, die verschollen sind. Madeline und Gaspard begeben sich auf die Suche nach den Gemälden und kommen dabei einem entsetzlichen Verbrechen auf die Spur.

Einige Tage vor Weihnachten. In Paris regnet es und es wird gestreikt. Gaspard, Theaterautor hasst die Stadt, die Menschen und vor allem die neumodische Elektronik. Jedes Jahr zieht er sich einige Wochen zurück, um sein neues Stück zu schreiben. Da er das Getümmel auf den Straßen hasst, ist Paris dafür der perfekte Ort. Denn er verlässt so gut wie nie die Wohnung und kann konzentriert schreiben. Diesmal hat seine Agentin ihm eine großzügig geschnittene Wohnung gebucht, ein ehemaliges Atelier. Als er dort nach einer anstrengenden Reise ankommt, ist er noch mürrischer als sonst und trifft zu seinem großen Verdruss auf Madeline. Auch sie hat die Wohnung gemietet. Madeline, eine ehemalige Polizistin aus Manchester, ist nach Paris gekommen, um abzuschalten. Keiner der beiden ist bereit die Wohnung freiwillig wieder zu verlassen. Madeline fährt persönlich zu dem Vermieter, um sich zu beschweren. Es ist ein Galerist, welcher den Nachlass des Künstlers verwaltet, dem die Wohnung einst als Atelier diente.

Sean Lorenz war ein bekannter Maler. Er starb ein Jahr zuvor an einem Herzinfakt. Der Galerist erzählt Madeline, dass es angeblich noch drei Gemälde geben soll, allerdings wisse niemand, wo Lorenz diese untergebracht hat. Zeitgleich kommt Gaspard mit der Nachbarin ins Gespräch, die ihm ebenfalls von Sean Lorenz erzählt.

Sowohl Madeline als auch Gaspard sind davon überzeugt, dass es diese Gemälde geben muss. Plötzlich rücken ihre eigenen Belange in den Hintergrund und sie beginnen mit der Recherche nach den verschwundenen Bildern. Ihre Suche offenbart ihnen eine tragische Geschichte und je mehr sie erfahren, desto näher kommen sie der Wahrheit eines schrecklichen Verbrechens.

Guillaume Mussos neuer Roman hält keine Überraschungen bereit. Mit Madeline stößt man auf eine alte Bekannte aus dem Roman „Nachricht von Dir“. Die aktuelle Geschichte ist zwar einigermaßen spannend und die Wendungen gut durchdacht, aber die unbestreitbare Ähnlichkeit zu seinen anderen Romanen, lässt bei mir Langeweile aufkommen. Auch die Charaktere sind diesmal schwer zugänglich und auch an einigen Stellen kaum nachzuvollziehen. Die endlosen Wegbeschreibungen von Straßenzügen in Paris oder New York, wecken in mir mittlerweile den Eindruck von Lückenfüllern. Diese Details nehmen einfach zu viel Raum ein.

An den Haaren herbeigezogen ist das Ende. Viel kitschiger und unrealistischer geht’s nicht. Ich habe alle Mussos Romane gelesen, allerdings denke ich, er sollte sich für den nächsten Roman Zeit nehmen, um einen neuen Impuls zu setzen und nicht nur auf altbewährtes zurückzugreifen.

Nachtrag: Der neue Roman von G. Musso erscheint am 02. November. In der Hoffnung, dass er sich beim nächsten Roman nicht wieder selbst kopiert, habe ich das Buch vorbestellt.