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Salzige Sommerküsse

 

Leila Howard

Das Schuljahr ist beendet und die Ferien stehen vor der Tür. Cricket wird in wenigen Wochen 18 Jahre alt und freut sich darauf mit der Familie ihrer besten Freundin Jules den Sommer auf Nantucket zu verbringen. Sie träumt von Partys und von ihrem Schwarm Jay, dem sie in diesem Sommer näher kommen möchte. Es soll der beste Sommer werden, doch ein Ereignis verändert alles.

Die 17jährige Cricket hat den perfekten Sommer vor sich, bis ein schreckliches Ereignis ihren Traum platzen lässt. Denn aufgrund des Ereignisses, lädt ihre Freundin Jules Cricket unter einem Vorwand vom geplanten Familienurlaub wieder aus. Dennoch beschließt Cricket auf die Insel zu fahren und sich dort einen Ferienjob zu suchen. Allerdings entwickelt sich ihr Aufenthalt anders als gedacht. Jules ist abweisend ebenso wie Crickets Schwarm Jay und auch die Sache mit ihrem Ferienjob verläuft nicht so wie geplant. Trotz allem ist Cricket fest entschlossen einen wundervollen Sommer zu verleben. Sie schließt neue Freundschaften, sie verliebt sich unerwartet und entdeckt ein kleines Geheimnis. Im Laufe der Erzählung entwickelt sich Crickets Selbstbewusstsein, welches allerdings zum Ende hin noch einmal auf eine harte Probe gestellt wird.

Der Roman ist eine wunderbare Sommerlektüre für heranwachsende Mädchen, denn die Erzählung enthält alles, womit sich Teenager identifizieren können. Es geht um Verlust und Freundschaft, um Schein und Sein, um das Verliebtsein und die Lust den Sommer auszukosten, es handelt vom Erwachsen werden und von Familie. Durch den flüssigen, unkomplizierten Schreibstil, liest sich der Roman sehr kurzweilig. Der Leser wird mitgenommen auf eine schöne Insel, die anscheinend ein Feriendomizil der Reichen ist. Die Inselbeschreibungen regen die Fantasie des Lesers an und wecken das Gefühl von unbeschwerter Leichtigkeit des Sommers.

Mir hat der Roman mit seinen Figuren gut gefallen. Der Schluss lässt verschiedene Interpretationen zu, die der Fantasie des Lesers überlassen werden, was ich ebenfalls mag. Cricket befindet sich auf dem Weg und wie und mit wem dieser weitergeht, kann meines Erachtens das Buch an dieser Stelle, an der die Geschichte endet, nicht vorausnehmen. Der Roman ist empfehlenswert für Jugendliche, aber auch für Erwachsene, die auf der Suche nach einer leichten Lektüre für den Sommerurlaub sind.

https://www.ravensburger.de/produkte/jugendbuecher/liebesromane/salzige-sommerkuesse-58502/index.html

Ein Himmel voller Bücher

Amy Meyerson

Miranda, Ende zwanzig, Geschichtslehrerin in Philadelphia und kürzlich bei ihrem Freund Jay eingezogen. Die Sommerferien stehen vor der Tür und Miranda freut sich viel Zeit mit Jay zu verbringen. Da erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Onkel Billy. Sie fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles, obwohl sie ihren Onkel seit ihrem zwölften Lebensjahr nicht mehr gesehen hat. Billy und Mirandas Eltern haben nach einem Streit jeglichen Kontakt abgebrochen und auch jetzt ist Miranda das einzige Familienmitglied auf der Beerdigung. Alle Versuche mehr über den damaligen Streit herauszufinden, führen zu nichts. Mirandas Eltern bilden eine Wand des Schweigens. Billy hinterlässt Miranda seinen Buchladen „Prospero Books“ und hat vor seinem Tod dafür gesorgt, dass Miranda verschiedene Hinweise erreichen. Diese Hinweise führen Miranda in die Vergangenheit und lassen sie nach all den Jahren die Wahrheit über ihre Familie erkennen.

Mirandas Leben könnte nicht besser laufen. Gerade ist sie mit ihrem Kollegen Jay zusammengezogen, sie liebt ihren Job als Lehrerin von amerikanischer Geschichte und sie fühlt sich an der Ostküste pudelwohl. Aus heiterem Himmel bekommt sie ein Päckchen mit einer alten Ausgabe von Shakespears „Der Sturm“. In dem Buch wurden Passagen markiert. Das Stück steht in Bezug zu Miranda, da eine der Hauptfiguren des Stücks ihre Namensgeberin ist. Kurz darauf erhält sie die Nachricht vom Tod ihres Onkels Billy, den sie schon fast vergessen hatte. Als Miranda gerade zwölf Jahre alt war, ist Billy, der Held ihrer Kindheit, nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter, aus ihrem Leben verschwunden. Billy reiste beruflich viel in der Welt umher. Doch wenn er zu Hause war, verbrachte er seine Zeit mit Miranda. Oftmals hat er sich Schnitzeljagden für Miranda ausgedacht. Nachdem sie alle Rätsel gelöst hatte, durfte sie sich ein Buch aus Billys Buchladen aussuchen. Miranda liebte den Laden, in dem Billy Teilhaber war.

Gerade haben die Sommerferien begonnen und Miranda fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles. Ihre Mutter weigert sich sie zu begleiten, um ihrem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Miranda versucht zwar den Grund herauszufinden, warum der Streit die Geschwister selbst über den Tod hinaus noch entzweit, stößt jedoch auf eisernes Schweigen.

Billy hat Miranda die Buchhandlung vererbt, dessen alleiniger Eigentümer er war. Gegründet wurde die Buchhandlung von Billys verstorbener Frau Evelyn, von der Miranda bisher nicht einmal wusste, dass sie existierte. Weiterhin erhält sie auch versteckte Hinweise, die Billy für sie hinterlassen hat. Mit diesen Rätseln schickt er sie zurück in die Vergangenheit von ihm, Evelyn und die ihrer Eltern. Ihre Eltern schweigen beharrlich zu dem Thema. Immer häufiger überkommt Miranda das Gefühl, dass die ganze Geschichte mehr mit ihr zu tun hat, mehr als ihr bisher bewusst war.

Sie beschließt den Sommer über in L.A. zu bleiben und kümmert sich um den Buchladen, der sich tief in den rote Zahlen befindet. Und dann ist da noch Malcolm, der den Buchladen seit Jahren leitet und ein guter Freund Billys war. Miranda fragt sich, wie viel er über die Vergangenheit weiß und ob sie ihm vertrauen kann. Als der Sommer sich dem Ende neigt, steht Miranda vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird. Können die Geschehnisse der Vergangenheit ihr den richtigen Weg weisen?

„Ein Himmel voller Bücher“ ist eine kurzweilige, aber farblose Erzählung, deren Hintergrund man schnell durchschaut. Für mich bleiben einige der wichtigen Charaktere zu oberflächlich in ihren Handlungen. Aus meiner Sicht sind die Passagen, in den Miranda etwas über die Vergangenheit erfährt, sehr anstrengend zu lesen und zu verstehen. Es beginnt meistens mit der Sicht der Figur, welche Miranda etwas erzählt, dann schwenkt es um und Miranda schildert, was ihr erzählt wird. Darauf folgt die Sicht des jeweiligen Protagonisten, der die Situation damals erlebt. Dieses ständige Hin und Her macht es schwierig dem Erzählten zu folgen. Der Roman ist eine gute Sommerlektüre mit einer vorhersehbaren Geschichte, die wenige Überraschungen birgt. Kann man lesen, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man es nicht tut.

https://www.lovelybooks.de/autor/Amy-Meyerson/Ein-Himmel-voller-B%C3%BCcher-1441734335-w/

 

WILD – Der große Trip

Cheryl Strayed
Der große Trip

Ein aufrichtiges Buch über die wahre Geschichte einer starken Frau, die sich auf die Suche nach sich selbst begibt

Als Cheryl Strayed, 26 Jahre alt, beschließt alleine den Pacific Crest Trail zu wandern, sieht sie darin ihre letzte Chance ihr völlig aus der Bahn geratenes Leben zu retten. Sie hat zu viele Drogen konsumiert, zu viel Sex gehabt, ihre Ehe ist gescheitert und nun steht sie vor der Herausforderung über 1.000 Meilen auf dem PCT zu überstehen. Schnell wird klar, dass es für sie ein völlig unbekanntes Terrain ist, auf das sie sich wagt.

Zu Beginn fragt man sich als Leser, warum tut die unerfahrene, junge Frau sich das alleine an. Doch schnell wird klar, dass dahinter ein seelischer Kampf und ein Überlebenswille stecken.

Der Roman ist autobiografisch und die Autorin nimmt den Leser mit auf ihre Wanderung. Zum einen erlebt der Leser die Schönheiten der Natur auf dem Weg, die unvorhersehbare Hindernisse und Gefahren, zum anderen ist jeder Schritt auch eine Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, in welche der Leser Stück für Stück Einsicht bekommt. Mit jeder Seite wächst das Verständnis für die Protagonistin und man hofft für sie, dass sie durchhält und ihren Weg – in doppelter Hinsicht – findet.

Das Buch macht Mut und zeigt, dass man aus dem allertiefsten Tal herausfinden kann, wenn man die Courage hat sich seinen Problemen wahrhaftig zu stellen. Es ist kein klassisches Pilgerbuch, es geht darin um mehr als nur um Selbstfindung und man muss nicht 1.000 Meilen wandern, um nachvollziehen zu können, wie tief der Schmerz bei Cheryl Strayed saß. Die Erkenntnis aus dieser Erzählung ist, dass jeder seinen eigenen Weg finden und ihn selbst gehen muss – und manchmal auch ein Stück alleine zurücklegen muss

http://www.cherylstrayed.com/

95 Anschläge – Thesen für die Zukunft

Thesen für die Zukunft
95 Anschläge

Die Herausgeber, Friederike von Bünau (EKHN Stiftung, evgl. Kirche) und Hauke Hückstädt(Literaturhaus Frankfurt) haben das Lutherjahr zum Anlass genommen, um 95 Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Theologie und Politik zu bitten einen Beitrag über gesellschaftlich relevante Themen zu schreiben. So vielfältig wie die Autoren, sind auch die Themen. Was beschäftigt unsere Gesellschaft im Hier und Jetzt, was sollte gesagt, verändert oder bewahrt werden?

Die Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, aus verschiedenen Generationen und haben vielfältige Lebenshintergründe. So treibt jeden ein anderes Thema um, zu dem er Stellung nehmen möchte. Dieses Buch enthält 95 Meinungen über unsere heutige Gesellschaft. Was soll sich verändern? Was soll möglichst bewahrt bleiben? Welche Lösungen könnte es für bestehende Probleme geben? Die Themen sind vielfältig. So handelt es sich in den 95 Beiträgen um Bildung, um Fluchtursachen, um den Umgang mit Nutztieren, um Wohlstand, Umwelt, um Gott, um ethische Fragen im medizinischen Bereich und um Kulturverständnis.

Diesen 95 Thesen wird keine gesellschaftliche Umwälzung wie vor 500 Jahren folgen, dennoch sind alle Beiträge es wert gelesen zu werden. Sie kommen weder belehrend noch mit erhobenem Zeigefinger daher. Die Frage, die über allem steht ist „Wie wollen wir leben“. Das Buch bietet keine universelle Lösung, jedoch etliche Denkansätze für die Zukunft.

Wenn man sich gerne mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt, ist dieses Buch zu empfehlen. Die Stärke des Buches ist die Vielfältigkeit seiner Beitragsschreiber. Es stimmt nachdenklich, dennoch lässt es einem mit dem möglichen Ausblick auf eine positive Zukunft zurück.

Das Papiermädchen

Guillaume Musso

Tom Boyd ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Seine große Leserschaft wartet gespannt auf den finalen Roman seiner Trilogie. Doch nach dem Aus seiner Beziehung mit einer berühmten Pianistin verfällt Tom Alkohol – und Drogenexzessen,  verliert seinen Führerschein und sieht sich nicht imstande jemals wieder nur eine Zeile zu schreiben. Hinzu kommt, dass sein bester Freund und Manager Milo sich auf riskante Investitionen eingelassen hat und beide alles verlieren können, wenn der dritte Teil nicht erscheint. Eines Tages steht plötzlich eine unbekannte, nackte Frau in Toms Wohnzimmer und stellt sich als Billie vor – eine Protagonistin seines Romans. Sie behauptet aus eines seiner Bücher gefallen zu sein und nur er kann ihr helfen wieder eine Romanfigur zu werden. Sie schließen einen Pakt und damit beginnt eine turbulente Reise, deren Ende ein unerwartetes Ende nimmt.

Tom, Milo und Carole sind seit Jugendtagen Freunde. Aufgewachsen in der schlimmsten Gegend von Los Angeles, haben sie sich ihr gutes Leben erkämpft. Doch nun steht alles auf der Kippe. Tom ist nach dem Bruch mit seiner Verlobten in ein tiefes Loch gefallen und fällt immer tiefer. Sein Leben, sonst erfüllt vom Schreiben, besteht aus Beruhigungspillen, Depressionen und Alkohol. Jeder Versuch seiner Freunde Tom aufzurütteln scheitert. Auch als Milo ihm eröffnet, dass er durch riskante Investitionen auch Toms Vermögen verspielt hat und er Tom in aller Deutlichkeit klar macht, dass nur der dritte Roman den Bankrott aufhalten kann, bleibt Tom in seiner Lethargie gefangen.

Dann steht eines Tages eine junge Frau in Toms Wohnzimmer und behauptet Billie, eine Figur aus seinem Roman zu sein. Durch einen Fehldruck sei sie aus dem Buch gefallen und nur Tom könnte sie wieder hineinschreiben. Nach einigem hin und her glaubt Tom ihr schließlich. Sie schließen eine Vereinbarung. Billie hilft Tom Aurore zurück zu erobern und dafür schreibt Tom seinen Roman zu Ende. Damit beginnt eine lange Reise, die sie von Los Angeles nach Mexiko bis nach Paris führt.

Guillaume Musso aktueller Roman „Das Papiermädchen“ startet mit Klatschspaltennachrichten und führt den Leser damit in die Geschichte ein. Allerdings wirkt schon der Anfang dadurch sehr konstruiert. Im weiteren Verlauf gewinnen die Figuren kaum an Tiefe. Wie in den meisten Romanen von Musso haben sich die Underdogs aus einer miesen Gegend herausgekämpft. Diese Stereotype wirkt in diesem Roman aufgesetzt.

Mir fehlt der Tiefgang bei den Figuren. Warum trauert Tom seiner Verlobten nach, was war so besonders? Diesen doch so wichtigen Punkt habe ich nicht verstanden. Ebenso wirken Erzählstränge der Nebenhandlungen, z.B. die Beziehung zwischen Milo und Carole, konstruiert und es fehlt einfach an Tiefe. Vieles ist zu vorhersehbar oder unpassend. Auch rund um Tom und Billie ist die Erzählung überladen und man findet als Leser keinen Zugang. Es passiert zu viel, manches ist schlichtweg unglaubwürdig und auch das Ende ist zu sehr gewollt.

Ich habe alle Romane von Musso gelesen. Seine Geschichten sind gut erzählt und haben immer Überraschungen parat. Allerdings hat mich „Das Papiermädchen“ leider mehr gelangweilt als unterhalten.

 

Wenn es Frühling wird in Wien

Hartlieb
Wenn es Frühling wird in Wien

Petra Hartlieb

Der Frühling im Jahr 1912 lässt erst mal auf sich warten, denn es wird nicht so richtig warm in Wien. In der Fortsetzung von der Erzählung „Ein Winter in Wien“ rund um das Kindermädchen Marie, erlebt diese viele neue Eindrücke. Das Haus der Schnitzlers ist mittlerweile ein zu Hause für Marie geworden und auch ihre Verbindung zu dem mittellosen Buchhändler Oskar vertieft sich. Doch als Oskar die reiche Buchhändlertochter Fanni kennen lernt, stehen die jungen Leute vor einer wichtigen Entscheidung.

Marie ist nun seit einigen Monaten Kindermädchen im Hause des Schriftstellers Arthur Schnitzlers. Durch ihr herzliches und liebevolles Verhältnis zu der fast dreijährigen Lilli und dem neunjährigen Heini, hat sich ihre Stellung gefestigt. In diesem Frühjahr erlebt Marie vieles zum ersten Mal. Ob es der Besuch einer Aufführung im Theater ist oder das erste Glas Wein, der erste Kuss oder der Ausflug in den Tiergarten Schönbrunn mit den Kindern. Marie entdeckt ihre Möglichkeiten.

Im Haus der Schnitzlers geht es zeitweise turbulent zu, so dass Marie Aufgaben des Hausmädchens übernehmen muss. Dennoch fühlt sie sich bei den Schnitzlers zu Hause. Dazu trägt auch die wachsende Vertrautheit unter den drei Hausangestellten bei. Der junge und mittellose Buchverkäufer Oskar bemüht sich weiterhin sehr um Marie und versteht es ihre Leidenschaft für Bücher zu wecken. Doch dann lernt er Fanni Gold kennen, die Tochter eines reichen Buchhändlers und dessen Alleinerbin. Oskar muss eine Entscheidung für seine Zukunft treffen.

„Wenn es Frühling wird in Wien“ setzt mit viel Liebe zum Detail die wunderbare Erzählung über Marie fort. In diesem Roman erlebt Marie erstmalig die Vorzüge ihres Lebens in der Hauptstadt. Durch die Eindrücke, die sie sammelt, entwickelt sie Selbstbewusstsein und bleibt dennoch zutiefst menschlich und bescheiden in ihrem Wesen.

Petra Hartlieb findet auch in der Fortsetzung die richtigen Töne, um den Leser auf die Reise in die damalige Zeit mitzunehmen. Der Roman lebt von den Figuren, die wunderbar, authentisch erdacht und erzählt sind. Oftmals fühlt man sich als Leser direkt in die Erzählung hineingezogen. Denn genauso kann es sich zugetragen haben, damals im Frühjahr 1912 in Wien.

Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb

Es ist Winter in Wien, das Weihnachtsfest 1911 steht bevor. Die achtzehnjährige Marie hat vor kurzem ihre Stellung als Kindermädchen bei der Familie des Schriftstellers Arthur Schnitzler angetreten. Als sie für Herrn Schnitzler ein Buch abholen soll, trifft sie auf den Buchhändler Oskar. Oskar ist auf den ersten Blick von dem jungen, etwas scheuen Mädchen beeindruckt. Um ihr näher zu kommen, schenkt er ihr ein Buch und somit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Marie ist mit ihren achtzehn Jahren ganz auf sich gestellt. Glücklicherweise hat sie trotz ihrer ärmlich – ländlichen Herkunft Lesen und Schreiben gelernt. Dieses Wissen verhilft ihr zu einer Stelle als Kindermädchen bei der Familie Schnitzler. Die beiden Kinder Heinrich, ein aufgeweckter neunjähriger, und Lilli, das zweijährige Nesthäkchen, haben Marie sofort ins Herz geschlossen ebenso wie die Köchin Anna. Für Marie ist diese Stelle ein Glücksfall. Zum ersten Mal in ihrem Leben bekommt sie genügend zu essen und hat ein Bett für sich allein. Im Buchladen lernt sie den Verkäufer Oskar kennen, welcher auf den ersten Blick von der jungen Frau fasziniert ist. Er schenkt ihr ein Gedichtband von Rilke und versucht Marie näher kennenzulernen. Jedoch ist diese unsicher und zögert. Oskar bleibt hartnäckig und als Marie ihn wirklich braucht, steht Oskar ihr zur Seite.

„Ein Winter in Wien“ erzählt eine unaufgeregte Geschichte, die im Wien des letzten Jahrhunderts spielt. Der Roman erzählt vom Leben einer jungen Frau, die in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land aufgewachsen ist und nun das Leben einer wohlhabenden Familie in Wien kennenlernt. Wien um 1910 war ein Ort für Träume und Hoffnungen, von denen sich manche erfüllten, manche aber verpufften. Der Leser erfährt im Laufe der Erzählung sowohl Maries Werdegang als auch einiges über Oskars Schicksal. Im Kontext zu dem Leben, welches die Schnitzlers führen, wird deutlich wie gegensätzlich die Leben in der Großstadt sind.

Petra Hartlieb findet die richtige Sprache und Töne, um den Leser in diese Zeit zurückzuversetzen. Der Roman lebt von den Figuren, die wunderbar erdacht und erzählt sind. Es braucht nicht viel um die Stimmungen für den Leser spürbar zu machen. Das Buch ist eine kleine, feine Geschichte, die liebevoll niedergeschrieben wurde.

 

 

Warte auf mich

Philipp Andersen und Miriam Bach

Eine Geschichte, die vielversprechend beginnt und dann langweilig vor sich in plätschert.

Auf einer Verlagsparty lernen sich die Autoren Philipp und Miriam näher kennen. Sie verbringen die Nacht, in der kaum etwas zwischen ihnen passiert, miteinander. In den darauffolgenden Wochen bleiben sie per Email in Kontakt, schicken sich gegenseitig ihre Bücher zu und kommen sich durch den regen Austausch näher. Bis die Frage nach einem erneuten, persönlichen Treffen aufkommt. Philipp, ein glücklich verheirateter Mann und Miriam, eine geschiedene Frau, die sich eine Familie wünscht. Eine schlechte Ausgangsposition, dennoch verlieben sich die beiden in einander. Miriam, zwar nicht mit der Rolle der Geliebten einverstanden, gibt schlussendlich Philipps Drängen nach. Für beide beginnt eine glückliche Zeit, die nur selten von der Realität überschattet wird. Wird am Ende der Affäre ein Happy End stehen und wann ja, wie kann es aussehen?

Miriam und Philipp, zwei Autoren, verlieben sich in einander. Philipp, wesentlich älter und glücklich verheiratet, bekennt gleich zu Anfang, dass er seine Frau keinesfalls verlassen wird. Dennoch wirbt er unablässig um Miriam, die sich letztendlich seinem Charme nicht entziehen kann. Sie stolpern in eine monatelange Affäre, obwohl Miriam sich mit ihrer Rolle als Geliebte nur schwer arrangieren kann. Miriam wünscht sich als Enddreißigerin sehnlich eine eigene Familie. Jedes Für und Wieder wägen die beiden hoffnungslos Verliebten ab, jedoch bleibt die Frage, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann, bestehen!

Der Roman beginnt hoffnungsvoll, sowohl für die Figuren als auch für den Leser, doch dann plätschert die Geschichte langweilig vor sich hin. Abwechselnd wird aus Philipps bzw. Miriams Sicht erzählt. Leider fehlt es den Figuren an Tiefe.

Viele Situationen und Handlungen werden für den Leser schlichtweg nicht nachvollziehbar erzählt. Zum Beispiel nimmt Philipps Frau, die er keinesfalls verlassen möchte, eine viel zu kleine Rolle in der gesamten Geschichte ein, so dass der Leser kaum versteht, warum Philipp so vehement an der Ehe festhält. Hin und wieder kommen Hinweise auf depressive Schübe, welche anscheinend beiden Protagonisten zu schaffen machen. Leider bleibt es eine Randinformation, die genauso gut unerwähnt bleiben könnte. Meine Erwartungen an den Roman wurden enttäuscht. Alles in allem schildert der Roman sachlich und gänzlich ohne Witz oder überraschende Wendungen, die Geschichte einer aussichtslosen Affäre, die zum größten Teil in wechselnden Hotelbetten gelebt wird. Nur das Ende stimmte mich als Leser etwas versöhnlich.

https://www.piper.de/buecher/warte-auf-mich-isbn-978-3-492-30510-5

Von Elise

Verena Maria Kalmann

Die Geschichte des Romans hält keine Überraschungen bereit. Den Figuren fehlt es an Ecken und Kanten. Zudem mäßiger Schreibstil. Kann man lesen, muss man nicht.

Als die Violinistin Valerie von der Orchesterprobe zurückkommt, erwischt sie ihren Freund mit ihrer besten Freundin in flagranti. Kurz darauf erhält sie ein Angebot aus Paris. Spontan organisiert sie den Umzug und lässt alles hinter sich. In Paris angekommen entpuppt sich der langersehnte Karrieresprung als Schleudersitz, da die Madame Provka Valerie deutlich zu verstehen gibt, wer in dem Orchester das Sagen hat. Auch ihre Kollegen halten Abstand zu der Neuen. Valerie muss sich behaupten.

Valeries Sofa, ein Erbstück ihrer Großtante, hat den Umzug nicht heil überstanden. Als sie den Schaden begutachtet, findet Valerie im Hohlraum des Sofas das Tagebuch ihrer Großtante Elise. Sie beginnt es zu lesen und erfährt so von der Liebesgeschichte zwischen Elise, einer begabten Pianistin, und Karl, einem ausgezeichnetem Violinisten. Die beiden lernten sich über die Musik kennen und sehr schnell auch lieben. Valerie, ebenfalls eine Vollblutmusikerin, fühlt sich ihren Vorfahren sofort verbunden. Werden Elises Erfahrungen Valerie helfen, sich durchzusetzen und ihren Weg zu finden?

Valeries Vertrag als Violinistin bei einem Münchner Orchester läuft bald aus und ihr Freund betrügt sie mit ihrer Freundin. Da kommt das Angebot aus Paris gerade recht. Spontan packt Valerie ihre Sachen, um die Stelle als 2. Konzertmeisterin anzutreten.

Doch in Paris angekommen beginnen die Schwierigkeiten. Einerseits sind ihre Französischkenntnisse nicht die besten, andererseits spürt sie gleich am ersten Tag die Feindseligkeit der 1. Konzertmeisterin Madame Prokova und des Dirigenten ihr gegenüber. Ebenso reserviert verhält sich der Großteil der Kollegen. Valerie hat keinen guten Start und auch die ersten Wochen werden nicht einfacher für sie. Dauernd ist sie den Schikanen der 1. Konzertmeisterin ausgesetzt. Nur in Jan, Oboist und Vorstandsmitglied im Orchesterrat, findet Valerie einen ehrlichen Freund. Er bemüht sich sehr, sie zu unterstützen. Aber ob es sich nur um Hilfe unter Kollegen handelt?

Als Valerie ihr beim Umzug ramponiertes Sofa, ein Erbstück, genauer untersucht, findet sie das Tagebuch ihrer Großtante Elise. Neugierig beginnt sie das Tagebuch zu lesen. Elise war eine talentierte Pianistin. Durch die Musik lernt sie Anfang 1914 Karl kennen. Er überredet sie mit ihm einige Stücke von Beethoven zu spielen. Er selbst spielt, wie Valerie, Violine. Während der Proben verlieben die beiden sich ineinander und als der Krieg ausbricht, heiraten sie im Schnellverfahren, weil Karl an die Front muss. Das Tagebuch erzählt von Schicksalsschlägen und vom Aufstehen und Weitermachen. Valerie gibt es den Mut, sich in der neuen Situation zurecht zu finden und sich zu behaupten. Überdies erfährt Valerie vieles über die Geschichte ihrer Familie.

Wird Valerie sich in ihrer Stellung, die eine große Chance für sie bedeutet, gegen alle Widrigkeiten behaupten können?

Die Geschichte ist nicht neu. Nach Jahrzehnten taucht ein Tagebuch o.ä. auf, das die heutige Figur in irgendeiner Weise beeinflusst. Doch kommt es immer darauf an, wie die Geschichte aufgebaut wird. Leider wird in diesem Roman schon im ersten Drittel klar, spannender wird es nicht werden. Brav wird Elises Geschichte runter erzählt. Sie muss einige Schicksalsschläge verkraften, doch der Versuch diese Dramatik auch dem Leser näher zu bringen, scheitert meiner Meinung nach kläglich am wenig authentischen Schreibstil. Dieser Schreibstil zieht sich durch den ganzen Roman. Oftmals werden für mein Empfinden auch seltsame Begriffe wie beispielsweise „Dealerei“ benutzt. Für mich wäre in dem Fall „Hehlerei“ der richtige Ausdruck.

Von der Figur der Valerie war ich schon nach den ersten Kapiteln genervt. Sie soll Mitte dreißig sein, verhält sich in den meisten Situationen wie Anfang zwanzig. Sie wirkt brav und bieder und lässt – obwohl ihr die Stelle angeboten worden ist, weil sie eine herausragende Violinistin ist – alles über sich ergehen und hat dauernd Angst, dass sie gekündigt wird. Das ist dermaßen nervig!!!! Sie macht meiner Ansicht auch keine Entwicklung durch. Der ganze Roman ist zu sehr nach dem Schema „da die Guten, da die Bösen“ gezeichnet. Den Figuren fehlt es an Ecken und Kanten, die sind alle zu glatt in ihrer angedachten Rolle.

Zudem verstrickt sich die Autorin zeitweise über die Maßen in musikalischen Fachsimpeleien, die man als Laie nicht versteht und die auch für die Geschichte völlig belanglos sind. Auf der anderen Seite hätte ich mir gerade was die Erwähnung von historischen Ereignissen, die in Elises Tagebuch auftauchen, mehr Genauigkeit gewünscht. Da wäre ein bisschen mehr Recherche und nicht nur Wiedergabe von Schulwissen angebracht gewesen.

Alles in allem nette, anspruchslose Unterhaltung, bei der man gerne mal ein paar Seiten überblättern darf, ohne den Anschluss zu verlieren.

Wie man die Zeit anhält

Matt Haig
Wie man die Zeit anhält

Matt Haig

Ein empfehlenswertes Buch! Es macht deutlich, dass egal wie lange du lebst, es zählt der Moment!

Tom Hazard sieht aus wie ein Mann um die 40, doch ist er weitaus älter. Als Heranwachsender bemerkt er, dass er beginnt langsamer zu altern als die Menschen um ihn herum. In Zeiten der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts eine gefährliche Anomalie.
Im heutigen London hat er gerade eine Stelle als Geschichtslehrer angetreten. Durch die Unterrichtsvorbereitung, kommt viel Erlebtes wieder aus Tom seelischen Tiefen an die Oberfläche. So erzählt Tom von seinem Leben durch die Jahrhunderte hindurch. Er erzählt von den tragischen und glücklichen Momenten, Bekanntschaften und von der Einsamkeit.

Im Hier und Jetzt wird sein Leben durch die Albatros Gesellschaft gelenkt, die ihm alle acht Jahre eine neue Identität verschafft. So kann niemand verdacht schöpfen, weil Tom augenscheinlich nicht älter wird. Tom lernt Camille, eine Kollegin, kennen. Er ist dabei sich in sie zu verlieben, doch einer der Grundsätze der Albatrosse ist, keinesfalls soziale Bindungen einzugehen. Wie wird er sich entscheiden? Tom lässt sein Leben Revue passieren, um am Ende herauszufinden, was ihn wirklich glücklich macht.

Tom Hazard, geboren 1581 als adeliger Spross in einem französischen Chateau, flieht nach dem Tod des Vaters während der Religionskriege mit seiner Mutter nach England. Als er 13 Jahre alt ist, hört er auf zu altern. In 10 Jahren altert er um eins. Nach dem Verlust seiner Mutter, an deren Tod er sich die Schuld gibt, kommt er nach London. Dort lernt er Rose kennen. Rose ist seine große Liebe. Doch ist es möglich diese Liebe zu leben? Im Prinzip sind sie im gleichen Alter, nur Tom sieht man sein wirkliches Alter nun einmal nicht an. Das bringt viele Probleme mit sich.

Tom wird einsam. Er lebt, während die Zeit für alle anderen normal voranschreitet. Er umsegelt die Weltmeere, lebt in verschiedenen Ländern bis er im 19. Jahrhundert sich der Albatross Gesellschaft anschließt. Eine Vereinigung, in der alle Mitglieder die gleiche Anomalie des langsamen Alterns besitzen. Alle acht Jahre muss Tom einen Auftrag erfüllen und dann bekommt er von der Gesellschaft eine neue Identität. Doch ist die Gesellschaft wirklich eine Rettung aus seiner Einsamkeit?
Im heutigen London unterrichtet Tom an einer Schule Geschichte. Eine Tätigkeit, die ihm Freunde bereitet. Zudem ist er dabei sich in seine Kollegin Camille zu verlieben. Laut den Regeln der Albatros Gesellschaft ein absolutes Tabu. Tom hat die Erfahrung gemacht, dass jedem Menschen, der sein Geheimnis kannte, etwas zugestoßen ist. Darum versucht er sich von Camille fernzuhalten. Ob Tom es jemals schaffen wird aus dem Kreislauf aus Schuld, Verlust und Einsamkeit auszubrechen und sein Leben endlich als Geschenk anzunehmen?
„Wie man die Zeit anhält“ ist ein fantastischer Roman, mit unendlich vielen Lebensweisheiten, die den Leser zum Nachdenken bringen. Ein Satz hat sich bei mir besonders eingeprägt:
„Das 21. Jahrhundert droht immer noch, sich zu einer schlechten Coverversion des 20. Jahrhunderts zu entwickeln“
Daneben gibt es auch etliche Dinge, die mit einem Augenzwinkern hinterfragt werden. Wie als Beispiel die Sinnhaftigkeit von Selbstbedienungskassen.
Der Roman wird aus der Sicht des Ich Erzählers Tom geschildert, der unter seinem „Defekt“ leidet. Anstatt das Leben, das er voll ausschöpfen darf, anzunehmen, verbringt er seine Zeit mit Schuldgefühlen und Abschottung. Doch je mehr man über ihn erfährt, desto besser kann man ihn verstehen. Es ist ein unterhaltsames Lesevergnügen, wenn er von seinen Abenteuer berichtet, von bekannten Persönlichkeiten, die zufällig seine Wege kreuzten oder von seiner Liebe zu Rose.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte und das Buch zuschlug, war es wie ein Abschied von einem liebgewonnen Freund. Am Ende klärt sich für Tom glücklicherweise vieles, so dass man ihn guten Gewissens gehen lassen kann.
Ein empfehlenswertes Buch! Es macht deutlich, dass egal wie lange du lebst, es zählt der Moment!