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Leninplatz

Mark Scheppert

Erzählungen aus dem Leben eines ganz normalen Ostberliner Teenagers in den 1980iger Jahren.

Mark ist ein Teenager in Ost Berlin und lebt mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Benny in einem Neubau in Friedrichshain nahe des Leninplatzes.

Sein Teenager Alltag ist bestimmt von Schultagen, die nur durch Freunde erträglich sind, gute und schlechte Lehrer, erster Alkoholrausch, erste Liebeleien, Ferienlager, ein Kurzurlaub im westlich wirkenden Budapest und vor allem durch seine feste Clique.

Charmant und authentisch erzählt Mark Scheppert Geschichten über sein Heranwachsen in der DDR in den 80iger Jahren. Die Schilderungen von Familientreffen sind herrlich komisch. Doch am aller wichtigsten sind seine Freunde. Die Hand voll Jungs halten zusammen. Dabei geht es manchmal um ganz banale Dummheiten, mal um wirklich lebensentscheidende Momente.

Wer wissen möchte, wie dieser ganz normale Alltag in Ostberlin aussah, ohne Schnörkel, ohne die große Politik, der sollte zu diesem Buch greifen. In kurzweiligen Episoden erzählt Mark Scheppert über seine Teenager Zeit, wie er diese erlebte. Er berichtet glaubhaft, komisch und nachdenklich, sodass der Leser nachvollziehen kann, wie sich das Leben vor 30 Jahren im Stadtteil Friedrichshain abspielte.

Nochmals ein großes Dankeschön für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar an den Autor Mark Scheppert!

Mark Scheppert online: http://www.markscheppert.de

LBM 2019/2

Freitag, 22. März 2019

Auch am Freitag morgen waren die Bahnen total überfüll. Außerdem gab es wieder jede Menge fantasievollste Kostüme zu bewundern.

Kostüme

Diesmal staute es sich kaum vor den Eingängen. Diesmal blieb ich gleich in der Glashalle und hörte zu wie der Ex Innenminister Thomas de Maizière über politische Entscheidungsprozesse redete. Gleich im Anschluss wurde eine Etage höher Dirk von Lowtzow – vielen als Sänger von Tocotronic bekannt – zu seinem Debütroman „Aus dem Dachsbau“ befragt.

verschiedene Interviews

Danach streifte ich durch die Hallen, die ich am Vortag vernachlässigt hatte. Ich entdeckte die musikalische Abteilung, in der auch unterschiedliche Musikinstrumente ausgestellt waren und begegnete dem Räuber Hotzenplotz.

Gegen Mittag fand ich mich in der Autorenarena der Volkszeitung Leipzig ein. Dort gab es sehr viele interessante Gespräche.

Den Auftakt machte Ina Geipel, deren aktuelles Buch „ Umkämpfte Zone“, sich mit den Differenzen zwischen Ost und West auseinandersetzt. Daniela Krien sprach darauf über ihren Roman „Liebe im Ernstfall“ und las eine Episode daraus vor. Wie groß sind unsere Erwartungen an den perfekten Partner und inwieweit sind wir bereit Kompromisse zu machen?

Rocko Schamoni erzählt über seine Begegnungen mit der Hamburger Kiezlegende Wolli Köhler, der Pate für den neuen Roman „Große Freiheit“ steht. Schamoni liest ein Kapitel vor und kündigt schon mal eine Trilogie an.

Autorenarena (interessantes Wort!!!)

Dann kam mit dem Kabarettist Konrad Beikircher rheinischer Humor auf die Bühne. Unterhaltsam erzählte er von Beethovens Alltag in Bonn und Wien. „Der Ludwig jetzt mal so gesehen“ wirft sicher ein anderes Bild auf den berühmten Komponisten, der im kommenden Jahr 250 Jahre alt wird.

Das auch Rockmusiker gute Autoren sind, bestätigt zur Zeit Bela. B. Der Ärzte Drummer hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht. „Scharnow“, ein Kaff bei Berlin, dessen Einwohner dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung verspricht. An einem Mittwochnachmittag passieren in Schwarnow die absurdesten Dinge. Es gibt einen toten, der Supermarkt wird überfallen und ein Hund wird erschossen…. Mehr dazu gibt es von mir, wenn ich das Buch gelesen habe. Momentan meine aktuelle Lektüre!

Nach dem ich so vielen unterschiedlichen und interessanten Gesprächen zugehört habe, brauche ich eine Stärkung! Kaffee und Kuchen in der Sonne. Herrlich warm ist es im Innenhof der Hallen. Auch hier tummeln sich die verschiedensten Menschen!

Ich stöbere weiter in den Hallen, an den den Ständen. Bis ich wieder zum Stand der ARD zurückkehre, den ich schon am Vortag besucht habe. Dort spricht Heinrich Breloer über seinen zweiteiligen Dokumentarspielfilm „Brecht“, der in der ARD läuft. Was verbindet ihn mit Brecht? Schon in den 70iger Jahren hatte er eine Dokumentation mit Zeitzeugen über Brecht gemacht. Brecht, ein Mensch, der schwer zu ergründen ist.

Damit endet mein letzter Tag auf der Messe. Ich nehme unzählige Eindrücke mit und freue mich auf das nächste Jahr! (12-15. März 2020)

Hier noch einige Links rund um die Messe:

http://www.leipziger-buchmesse.de

https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/event/lesefestival-leipzig-liest-2019/

Weitere Beiträge über die Messe

viele, viele Fotos natürlich auf Instagram: www.instagram.com/lesepartie_lit.blog

https://lesepartie.de/lbm-2019/

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/

literarische Fußnoten

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

[unbezahlte Werbung!!!]

LBM 2019

Glashalle
Donnerstag, 21. März

Donnerstag, die Messe beginnt. Schon die Bahnen zum Messegelände sind heillos überfüllt. Umkippen kann man in den Wagons jedenfalls nicht. Auch am Eingang haben sich endlose Schlangen gebildet. Die Sonne scheint. Nach 35 Minuten bin ich drin, Eingang West.

Denis Scheck

Als erstes bleibe ich beim ARD Stand stehen, denn da redet Denis Scheck in einer Sonderausgabe von „druckfrisch“ über seine favorisierten Autoren. Am Schluss betont er, dass jeder für sich herausfinden muss, welche Literatur ihn beeinflusst. Womit er sicher Recht hat. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden und wirklich objektiv kann man bei jeglicher Art von Kunst nicht sein.

Link zu einem Interview mit Denis Scheck bzgl. der LBM https://magazin.audible.de/denis-scheck-hoerbuchtipps/?source_code=GAWFAPSH072816908P&ef_id=XKCsKQAABYfFCQ2a:20190331120145:s

Ich streife durch die Hallen 3 und 5. Im taz Studio beginnt das Gespräch mit Frank Bösch und Jan Feddersen über das von Buch „Zeitenwende 1979“ von Bösch. In dem Buch geht Bösch der These nach, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, in diesem Jahr ihren Anfang nahm. In dem Jahr öffnete sich China ökonomisch zum Westen, der Iran wurde ein islamischer Staat, Cap Anamur beginnt mit der Rettung von „Boat People“ und die sowjetische Armee marschiert in Afghanistan ein. Nur einige Fakten, die Bösch in dem Gespräch nennt.

Link zum Buch: https://www.chbeck.de/boesch-zeitenwende-1979/product/26071725

Auf einer der Lesebühnen liest Brigitte Glaser aus ihrem kürzlich erschienen Roman „Rheinblick“und erzählt zusammen mit ihrer Lektorin über die Entstehung des Buches. Es handelt von der Bonner Republik und dem Bonner Gasthaus „Rheinblick“, das von Hilde Kessler geführt wird. Im „Rheinblick“ kommen täglich die Bonner Politiker zum Essen, zum Trinken und um Politik zu machen. 1972, Willy Brandt hat gerade einen fulminanten Wahlsieg errungen und muss sich einer Stimmband OP unterziehen, d.h. 2 Wochen Redeverbot. Ein spannender Roman, der auf meiner Leseliste weit oben steht!

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rheinblick-9783471351802.html

Nach all den Eindrücken, einer kurzen Pause im sonnigen Innenhof mit Pommes und Cola und etlich gelaufenen Kilometern (so fühlen sich meine Füße an), mache ich mich auf den Weg in die Leipziger Innenstadt und später zurück zum Hotel.

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Weitere Berichte über meinen Messeaufenthalt in Leipzig findet ihr hier

literarischer Stadtrundgang https://lesepartie.de/literarisches-leipzig/

Gedichte von Käster und Fontane aus ihrer Leipziger Zeit

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Shakespears Strümpfe

Theodor Fontane

Laut gesungen, hoch gesprungen,
Ob verschimmelt auch und dumpf,
Seht, wir haben ihn errungen,
William Shakespeares wollnen Strumpf.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Haben jetzt das heil’ge Ding,
Drinnen er durch Moor und Sümpfe
Sicher vor Erkältung ging.


Und wir huldigen jetzt dem Strumpfe,
Der der Strümpfe Shakespeare ist,
Denn er reicht uns bis zum Rumpfe,
Weil er fast zwei Ellen mißt.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Dran er putzte, wischte, rieb
Ungezählte Federstümpfe,
Als er seinen Hamlet schrieb.


Drum herbei, was Arm und Beine,
Eurer harret schon Triumph,
Und dem »Shakespeare-Strumpfvereine«
Helft vielleicht ihr auf den Strumpf.

Nachtgesang

Erich Kästner
Nachtgesang des Kammervirtuosen

Du meine neunte letzte Sinfonie!
Wenn du das Hemd anhast mit rosa Streifen…
Komm wie ein Cello zwischen meine Knie,
Und lass mich zart in deine Seiten greifen.

Laß mich in deinen Partituren blättern.
(Sie sind voll Händel, Graun und Tremolo) –
Ich möchte dich in alle Winde schmettern,
Du meiner Sehnsucht dreigestrichnes Oh!

Komm lass uns durch Oktavengänge schreiten!
(Das Furioso, bitte, noch einmal!)
Darf ich dich mit der linken Hand begleiten?
Doch beim Crescendo etwas mehr Pedal!!

Oh deine Klangfigur! Oh die Akkorde!
Und der Synkopen rhythmischer Kontrast!
Nun senkst du deine Lider ohne Worte…
Sag einen Ton, falls du noch Töne hast!

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/

Literarisches Leipzig

literarisches Leipzig

Beitrag zur Leipziger Buchmesse Teil 1

Meine literarische Zeit in Leipzig beginnt am Mittwochnachmittag. Punkt 16 Uhr startete der literarischen Stadtrundgang vor der Touristeninformation in Leipzig ( https://leipzig-erleben.com/oeffentliche-touren/stadtrundgang-leipzig/ ). Zwei Stunden lang leitet uns, eine Gruppe von etwa 10 Leuten, die sehr auskunftsfreudige und kompetente Stadtführerin zu den herausragendsten Punkten des literarischen Stadtgeschehens. Leipzig war die Stadt der Bücher und es wohnten zahlreiche bekannte Literaten in der Stadt.

Vorneweg ist natürlich der junge Goethe zu nennen. Er kommt nach Leipzig, um Jura zu studieren. Die moderne Stadt mit ihren hohen Häusern beeindruckt Goethe. Er, der die mittelalterlichen Bauten aus Frankfurt gewöhnt ist, erfährt in Leipzig das Gefühl der Großstadt. Auch wird ihm schnell klar, dass sein Kleidungsstil keinesfalls mehr der gängigen Mode entspricht.

Die Liebe wird in Leipzig zu einem Desaster für den jungen Mann. Krank vor Kummer, abgemagert und des Lebens müde, lässt er sich von seiner Mutter in Frankfurt wieder aufpäppeln.

„Die Leiden des jungen Werthers“, basiert auf seine Liebelei mit einer Frau, die mit einem anderem Mann verlobt ist. Der Werther macht Goethe europaweit bekannt.

Eingang Auerbachs Keller

Eine Szene, des wesentlich später verfassten „Faust“, spielt in Auerbachs Keller. Zusammen mit seinen Studentenfreunden feiert er in der Kellergastwirtschaft und hört dort von dem berühmten Ritt auf dem Fass, den er später im „Faust“ verarbeitet. https://www.auerbachs-keller-leipzig.de/

Auch der zehn Jahre jüngere Schiller, finanziell total abgebrannt, verlebt auf Einladung seines Freund Körner im Leipziger Vorort Gohlis die Sommermonate des Jahres 1785. Dort schreibt er, voller Euphorie, die „Ode an die Freude“.

Theodor Fontane von Beruf Apotheker, arbeitet in der Leipziger Innenstadt in einer solchen und verfasst nebenher Gedichte. Als der Kult um Schiller beginnt, macht er sich in Gedichtform darüber lustig. „Shakespears Strümpfe“ nennt er das Gedicht. Nach dem Erscheinen bekommt es viel Aufmerksamkeit und macht ihn als Dichter in Leipzig bekannt.

Zum Gedicht von T. Fontane https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Der in Dresden aufgewachsene Erich Kästner schreibt schon während seiner Leipziger Studienzeit für die Neue Leipziger Zeitung Theaterkritiken und Artikel. Doch als Kästner 1927 ein, von Erich Oser illustriertes, frivol schlüpfriges Gedicht über Beethoven, „Nachtgesang des Kammervirtuosen“, verfasst, wird er von der Zeitung gefeuert.

Zum Gedicht von Kästner: https://lesepartie.de/nachtgesang/

Auf dem Marktplatz in Leipzig gibt es eine Stelle, über die zu laufen Unglück bringt. Jahrhunderte lang wird diese Stelle als Hinrichtungsort genutzt. Die letzte Hinrichtung findet 1824 statt. Zum Tode verurteilt ist der Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, welcher aus Eifersucht seine Geliebte getötet haben soll. Später dient Woyzeck als Vorlage für Georg Büchner, welcher vor hat, daraus ein Drama für die Theaterbühne zu entwickeln. Büchner stirbt bevor er das Stück beenden kann.

Die Reihe der bedeutenden Schriftsteller, die in Leipzig ihre Spuren hinterlassen haben, ist lang. Alle aufzuzählen würde einen langen Text oder mehrere Beiträge bedeuten. Doch da dieser literarische Rundgang der Auftakt zur Buchmesse ist, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, das die Buchbinderei, das Verlagswesen und die Buchmesse in Leipzig eine lange Tradition haben. Schon im 16 Jahrhundert ist Leipzig als Druckort bekannt, die Buchmesse entwickelt ab dem 17 Jahrhundert große Bedeutung und ab dem 19. Jahrhundert kommt niemand aus dem Buchgewerbe um diese Stadt herum. Leipzig ist die Bücherstadt. Große, angesehene Verlage siedeln sich in Leipzig an; darunter Baedecker, Brockhaus, Kiepenheuer, der Insel Verlag, Reclam und noch viele, viele mehr. Daraus resultieren unzählige Zulieferfirmen; Drucker, Bindereien, Grafiker etc. Selbst im Ausland ist Leipzig für das Buchgewerbe bekannt.

Das „Graphische Viertel“ wird durch die Bomben im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Nach dem Krieg folgt die Teilung Deutschlands, sodass die Verlage abwanderten und die Geltung Leipzigs als Hauptstadt des Buches verliert sich.

Frauengeschichten

Frauengeschichten Buchcover
ein Abend mit Hubertus Meyer-Burckhardt

Am 13. März war TV Produzent, Gastgeber der NDR Talkshow und Autor Hubertus Meyer-Burckhardt zu Gast am Bielefelder Theater.

An diesem Abend stellte er seinen neuen Roman „Frauengeschichten“ mit dem augenzwickernden Untertitel „was ich von starken Frauen gelernt habe“ vor. Nach seiner Aussage, hätte er sich lieber einen anderen Untertitel gewünscht.

Dem Buch liegen Gespräche aus der Radiosendung „Meyer-Buckhardts Frauengeschichten“ auf NDR Info zugrunde. Mit dabei sind Elke Heidenreich, Marianne Sägebrecht oder Ina Müller.

Bielefelder Stadttheater Lesung H. Meyer-Burckhardt
Bühne des Bielefelder Theaters

Hubertus Meyer-Burckhardt selbst in einem Frauenhaushalt aufgewachsen, liest nur wenige Auszüge aus dem Buch. Frei und mit ausholenden Gesten erzählt er von beeindruckenden Begegnungen bzw. Gesprächen mit interessanten Frauen. So erfährt das Publikum, dass Barbara Schöneberger, auf seinen Einfluss hin, die Liebe zu Gedichten entdeckte. Zwar dauerte es einige Jahre, doch nun kauft sie ihre eigenen Gedichtbände.

Auch an diesem Abend hat Meyer-Burckhardt einige Gedichte parat, welche er zum Besten gibt. Darunter Erich Kästners berühmtes Gedicht „Sachliche Romanze“oder Bert Brechts poetische Schilderung vom Morgen dannach. Zudem gibt es auch noch eine Reihe jüdischer Witze.

Es war ein unterhaltsamer Abend, voller wunderbarer Lebensweisheiten und herrlichen Geschichten aus dem Leben. Manches sollte man beherzigen. Sowie Barbara Schönebergers Aussage: „Ich empfehle zu Leben“

Vielen Dank für diesen kurzweiligen Abend!

https://www.randomhouse.de/Autor/Hubertus-Meyer-Burckhardt/p527012.rhd

Warum ist es am Rhein so schön

Ein Abend mit Elke Heidenreich und Marc-Aurel Floros

Am 15. Februar war Elke Heidenreich begleitet von Marc-Aurel Floros am Klavier zu Gast am Bielefelder Theater. Sie las aus und sprach über ihr Buch „Alles fließt“, das sie dem Rhein gewidmet hat.

Zusammen mit dem Fotografen Tom Krausz bereiste sie auf unterschiedliche Weise den Rhein, vom Ursprung bis zur Mündung.
Es war ein sehr gelungener, unterhaltsamer und lachender Abend.

Sowohl im geschriebenen und vorgetragenen Wort als auch in musikalischer Hinsicht, verstanden die beiden Akteure es wunderbar, das Publikum mit auf die Reise am Rhein entlang zu nehmen.

Warum es am Rhein so schön ist (sein kann), wurde jedenfalls geklärt.

Bericht der Neuen Westfälischen http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22379976_Elke-Heidenreich-zeigt-sich-in-bielefeld-von-ihrer-stillen-seite.html

Deutsches Haus

Deutsches Haus Buchcover
Annette Hess

Schweigen ist keine Option! 20 Jahre nach dem Krieg beginnt der erste Auschwitz Prozess. Sensibel und detailgetreu schildert der Roman das Unfassbare. Lesen!

Eva Bruhns ist die Tochter von Wirtsleuten aus Frankfurt und verlobt mit dem Besitzer eines Versandhandels. Eva ist Dolmetscherin für polnisch. Eines Tages wird Eva kurzfristig bestellt, um die Aussage eines polnischen KZ Überlebenden ins Deutsche zu übersetzen. Sie ist erschrocken über das Gehörte.

Als Eva von der Staatsanwaltschaft die Anfrage erhält, ob sie als Übersetzerin für die polnischen Zeugen den Auschwitz Prozesses begleiten kann, nimmt sie gegen den Widerstand ihrer Familie das Angebot an. Im Laufe der Verhandlungstage erkennt Eva, dass auch sie eine Verbindung zum Lager hat. Der erste Auschwitz Prozess in Frankfurt ist ein Jahrhundert Prozess und er wird Evas Leben für immer verändern.

Eva eine etwas altbacken wirkende, junge Frau, lebt mit ihren Eltern, der älteren Schwester Annegret und ihrem jüngeren Bruder Stefan in der Wohnung über der Gaststätte. Seit dem Kriegsende betreiben die Eheleute Bruhns die Gaststätte „Deutsches Haus“ in Frankfurt. Eva absolvierte eine Ausbildung zur Dolmetscherin und lernte während eines Übersetzungsauftrags Jürgen kennen. Jürgen Schoormann übernahm vor kurzem die Leitung des Versandhandels von seinem erkrankten Vater. Nachdem Jürgen um ihre Hand angehalten hat, ist das Paar offiziell verlobt.

Evas Schwester Annegret lebt für ihre Arbeit auf der Säuglingsstation und unterhält ab und an eine Affaire, doch ans Heiraten denkt sie nicht.

Als Eva das Angebot bekommt, bei den ersten Auschwitz Prozessen als Dolmetscherin für die polnischsprachigen Zeugen tätig zu sein, ist ihre Familie und auch Jürgen strikt dagegen. Eva, durch die Berichterstattung aufmerksam geworden, nimmt dennoch die Stelle an. Die Aussagen der ehemaligen Häftlinge erschüttern sie. Allerdings ist da noch etwas anderes, dass Eva zu Beginn nicht zu fassen bekommt. Sie erinnert Begebenheiten aus ihrer Kindheit, meint Angeklagte zu kennen und auch der stets im Gerichtssaal präsente Lagerplan scheint ihr ungewöhnlich vertraut. Ihre Nachfragen stoßen bei ihrer Familie auf eine Wand des Schweigens. Auch in Jürgen findet sie bei diesem Thema sehr wenig Verständnis und Rückhalt. Evas Drang hinter das zu kommen, worüber ihre Familie so vehement schweigt, lässt sie mutig nach der Wahrheit suchen.

Annette Hess beschreibt das noch konservative Deutschland der 1960iger Jahre, welches fast 20 Jahre nach Kriegsende gespalten auf den ersten Auschwitz Prozess reagiert. Eine der Nebenfiguren im Buch beschreibt es sehr schön mit einem Bildnis. Diese hat alle schrecklichen Erlebnisse für immer in einer Kammer ihres Herzens weggeschlossen.

Sensibel und feinfühlig erzählt die Autorin die Lebensgeschichte ihrer Figuren. Bis kurz vorm Ende des Buches, bleibt der Ausgang für den Leser unvorhersehbar. Ich habe immer wieder in meiner Meinung geschwankt, welche Rolle Evas Eltern wirklich spielen und inwieweit die ältere Annegret sich erinnert.

In dem Buch bekommt jedes Schicksal seinen Raum. Vor allem erschüttern die Berichte der Häftlinge und die unmenschliche Gleichgültigkeit der Angeklagten. In Zeiten, in den Antisemitismus wieder gesellschaftsfähig zu werden scheint, ist das ein wichtiger Roman gegen das Vergessen.

http://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/deutsches-haus-987-3-550050244

Der Apfelbaum

Der Apfelbaum Buchcover
Christian Berkel

Eine bewegende Geschichte, die es absolut wert ist aufgeschrieben und erzählt zu werden. In einer anschauliche Sprache verpackt.

Die erste Begegnung von Otto und Sala ist sehr kurz, beide sagen kein Wort und dennoch spüren beide sofort eine Verbundenheit.

Otto, ein Berliner Arbeiterkind, im dritten Hinterhof, in beengten Verhältnissen aufgewachsen, verliebt sich in Sala. Sie ist die Tochter eines Freigeistes aus der gehobenen, bürgerlichen Schicht. Otto ist ehrgeizig, macht das Abitur und beginnt ein Medizinstudium. Doch die braunen Wolken ziehen über Deutschland auf. Sala ist Halbjüdin. Als das Leben für sie in Berlin schwierig wird, beginnt für Sala eine Odyssee, die sobald nicht enden wird. Doch die Hoffnung eines Tages mit Otto leben zu können, bewahrt sie vor dem Aufgeben.

Otto und Sala sind ein ungleiches Paar. Er ein typisches Kind des Berliner Arbeitermilieus. Schon vor seiner Geburt fällt sein Vater im Ersten Weltkrieg. Sein Stiefvater kämpft mit den Dämonen des Krieges und lässt es oftmals an dem Stiefsohn aus. Doch Otto ist zäh und ehrgeizig. Er will raus aus dem Hinterhof.

Als er Sala begegnet, ändert sich sein Leben. Jean, Salas Vater, ist ein Freigeist und ein Forscher. Seine Bibliothek steht Otto offen. Salas Eltern sind geschieden. Otto ist auf dem Weg Arzt zu werden, als die Nationalsozialisten an die Macht gelangen. Sala ist Halbjüdin, auch wenn sie mit der mütterlichen, jüdischen Seite keinerlei Verbindung hat und somit auch nicht zu dem Glauben. Als das Leben für Juden gefährlicher wird, schickt ihr Vater sie zu ihrer Mutter nach Madrid. Damit beginnt Salas jahrelange Reise, die sie von Madrid zu ihrer Tante nach Paris, zurück nach Leipzig bis nach Buenos Aires führt. In diesen heimatlosen Jahren hält sie der Gedanke an Otto aufrecht. Irgendwann…ja irgendwann wird ihr Leben kommen.

Christian Berkel erzählt die Geschichte seiner Eltern und Großeltern. Dabei wechselt er zwischen den Zeiten. Er schildert das Vergessen seiner an Demenz erkrankten Mutter, mit welcher er immer wieder Gespräche über die Vergangenheit führt, um mehr über ihre Geschichte zu erfahren. Er erzählt von der Mutter, die sie in seiner Kindheit war und er erzählt von damals, wie seine Eltern aufwuchsen, von seinen Großeltern. Doch der Haupterzählstrang betrifft die Erlebnisse seiner Eltern in der Kriegszeit. Die Wechsel in Situationen der jetzigen Zeit sind für mich manchmal zu abrupt gekommen.

In eine wunderbare Sprache verpackt, versteht der Autor es, dem Leser ein Gefühl für die Protagonisten zu vermitteln, den Zeitgeist, die Ängste und die Hoffnungen. Neben den Hauptcharakteren sind es auch die mutigen, hoffnungsvollen und schimmernden Nebenfiguren, die dem Roman Wirklichkeit verleihen. Es ist ein bewegendes Stück Zeitgeschichte, das in diesem Buch erzählt wird. Und es macht vor allem deutlich wie viel Freiheit die Menschen ab 1933 eingebüßt haben, wie kalt und grausam das Regime war und wie viele Leben darunter leiden mussten. Ich kann diesen Roman nur empfehlen!

http://www.ullstein-buchverlage.de/nc/details/der-apfelbaum-9783550081965