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Die Bücherweltsaga – Verliebt

Stefanie Straßburger

Belanglose Geschichte – naiv und oberflächlich, einfach gestrickt

Thilda Hummel arbeitet in einer Werbeagentur als Empfangssekretärin, hat eine Bettgeschichte mit Leon und ist mit ihrer Kollegin Mia dick befreundet. Eines Tages entdeckt die junge Frau ein Buch in ihrer Handtasche, das nicht ihres ist. Ihr fällt keine plausible Erklärung dafür ein, wie das Buch in ihre Tasche gekommen ist. Als sie darin herumblättert, bemerkt sie, dass der Inhalt von ihrem eigenen Leben handelt.

Thilda führt das normale Leben einer jungen Frau Anfang zwanzig. Bis sie das Buch in ihrer Tasche findet, welches sich als ihr Lebensbuch herausstellt. Titus, ein Wesen aus der Bücherwelt, tritt in ihr Leben und wirbelt damit einiges durcheinander. Auch ihre Kollegin und beste Freundin Mia scheint etwas über diese geheime Welt der Bücherwesen zu wissen. Als das Buch Thilda die Begegnung mit ihrer großen Liebe voraussagt, gerät Thilda immer tiefer in die Verstrickungen rund um die sagenhafte Bücherwelt. Sie muss entscheiden, wer Freund und wer Feind ist, und sie muss erst in die Bücherwelt reisen, um die Liebe zu finden. Doch was ist, wenn der Schein trügt?

„Die Bücherweltsaga – Verliebt“ ist der erste Band einer voraussichtlichen Trilogie. Die Zusammenfassung hat mich interessiert. Allerdings hat sich die Geschichte schnell als oberflächlich und trivial herausgestellt. Die Schreibweise ist sehr einfach gehalten und es fehlt jegliche Spannung. Die Figuren sind belanglos konzipiert und ohne jeden Charme. Selbst Thilda ist mir zumeist eher unsympathisch gewesen. Ich halte sie für naiv, albern und dumm.

Schon zu Beginn störte mich die Musikempfehlung der Autorin. Der Roman hat keinen Bezug zur Musik, auch wenn an einigen Stellen Musikstücke genannt werden, was ich übrigens für völlig deplatziert halte. Musikgeschmäcker sind zum Glück verschieden, darum sollten Autoren Titel oder Musiker nur nennen, wenn sie für die Erzählung relevant sind, alles andere wirkt kindisch. Weiterhin haben mich die vielen Produktnennungen genervt. Ich habe mich gefragt, ob die Autorin Werbeverträge mit Apple oder BMW abgeschlossen hat?!

Ich habe den Großteil des Romans mehr überflogen als gelesen, denn das lohnt sich meines Erachtens nicht sonderlich. Ich werde es bei dem ersten Teil belassen.

4321 – Paul Auster

Ein guter Roman, aber für mein Empfinden oftmals viel zu ausufernd, so dass ich irgendwann nur noch fertig lesen wollte.

Archibald Fergusen ist in dem über 1.000 Seiten starken Roman „4321“ von Paul Auster der Protagonist und zwar gleich 4 Mal. Denn Auster geht der Frage nach, wie kleinste Entscheidungen ein ganzes Leben beeinflussen.

Zu Beginn des Romans lernt der Leser etwas über die Familiengeschichte. Der Großvater verlässt 1900 seine Heimatstadt Minsk und wandert in die USA aus. Dort gründet er eine Familie. Ende der 20iger Jahre wird er erschossen. Zurück bleibt seine dominante Frau mit den drei Söhnen. Stanley ist der ehrgeizigste von den dreien und macht sich mit einem Geschäft für Haushaltswaren selbstständig. Er lernt Rose kennen und lieben und die beiden heiraten. Die beiden sind die Eltern von Archibald Ferguson, dessen Leben der Leser nun in vier unterschiedlichen Varianten verfolgt.

Archi ist in jedem Leben ein aufgeweckter, kluger Junge, der einen Faible für das geschriebene Wort hat. Als Leser begleiten wir ihm viermal beim Aufwachsen, durch seine Schul- und auch Collegezeit.

Archi wächst in einer Vorstadt unweit von New York in einer bewegten Zeit auf. Die amerikanische Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Die dunkelhäutige Bevölkerung beginnt sich gegen die Diskriminierung zu wehren. J. F. Kennedy wird erschossen, der erste Mann landet auf dem Mond, der Vietnamkrieg beginnt und die Proteste in der Heimat werden lauter. Das Buch enthält viele spannende Details zur amerikanische Geschichte und gibt Einblicke in die zwiegespaltene Gesellschaft.

Die philosophische Grundidee des Romans ist zwar nicht neu, dennoch durchaus interessant. Es sind vier Romane in einem. In jeder Version verläuft Archis Leben anders. Doch nicht nur seines, sondern auch das seiner Eltern, Großeltern, Tanten, Onkeln, Freunde etc. Alles greift ineinander.

Bis zum ersten Drittel war ich begeistert von diesem Roman. Leider ebbte diese Begeisterung stetig ab, da nach meinem Empfinden kein Ende in Sicht war. Die Erzählung ufert meines Erachtens viel zu sehr aus. Auch wenn die beschriebenen Umstände interessant sind, zieht es sich zu oft unverhältnismäßig in die Länge, so dass ich gestehen muss, einige Seiten nur überflogen zu haben. Trotz des Vorblätterns habe ich nichts wesentliches verpasst.

Es sind vier gutgeschriebene Versionen von ein und demselben Leben. Doch in Anbetracht dieser Idee, hätten die einzelnen Erzählungen knapper ausfallen können, um für den Leser den Spannungsbogen zu erhalten. Ich war auf alle Fälle froh, als ich das Buch endlich zuklappen konnte. Es ist ein gutes Buch und ich habe einiges für mich mitgenommen. Bedauerlicherweise begann es mich aufgrund der Länge irgendwann zu nerven. Ich wollte es einfach nur noch beenden.

Juliet nacked – das Buch als Film

Gleich vorausgeschickt – Nick Hornby ist einer meiner favorisierten Autoren. Ich mag die charakteristische Durchschnittlichkeit seiner Figuren, die stets bemüht sind sich dem Leben zu stellen. Als ich„Julliet naked“ vor gut acht Jahren gelesen habe, machte ich gerade einen Kurzurlaub in einer beschaulichen, wenig lärmenden Ecke auf Mallorca. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Ducan, ein Mitvierziger, der eine Webseite betreibt, um seinem musikalischen Idol Tucker Crowe zu huldigen. Ein Idol, das während eines Auftritts 1986 einfach verschwand und seit dem nie wieder gesehen wurde. Im Internet versammeln sich eine Reihe von Fans, um die seltsamsten Theorien über das Leben und Lieben und die Musik des Singer Songwriters auszutauschen. Crowes bekanntestes Album „Juliet“ wird von der Plattenfirma mit den Songs in der Rohversion als „Juliet nacked“ veröffentlicht. Ducans Lebensgefährtin Annie kann seine Begeisterung über diese Version des Albums nicht teilen und verfasst einen Beitrag dazu auf der Website.

Tucker Crowe, verschollener Rockstar, lebt in einer amerikanischen Kleinstadt und verfolgt amüsiert die Ergüsse seiner treuen Anhänger. Von Annie fühlt er sich das erste Mal verstanden und nimmt Kontakt zu ihr auf. Es beginnt ein reger E-Mail Austausch.

Das zu der Geschichte des Buches. Nun läuft seit einigen Wochen der Film dazu in den Kinos. Gäbe es einen besseren Darsteller als Ethan Hawke für die Rolle des Tucker Crowe? Sicher nicht. Den Roman, der mich damals so begeistert hat, den ich aber in den vergangenen acht Jahren kein zweites Mal gelesen habe, wollte ich natürlich auch in der Kinoversion erleben.

Der Film hielt sich bis auf kleine, meist der Zeit geschuldete Abweichungen ziemlich genau an die Buchvorlage. Dennoch verspürte ich nicht die gleiche Faszination wie bei dem Roman. Natürlich bin auch ich acht Jahre älter geworden und manche Situation veranlasst mich nur zu einem wohlwollenden Lächeln. Ethan Hawke ist absolut sehenswert, doch konnte mich die Geschichte nicht mehr so für sich einnehmen wie sie es im September 2010 während der Lektüre im Ausspannungsurlaub auf Mallorca getan hatte.

Eigentlich bin ich dem Alter der Figuren nun wesentlich näher als beim Lesen. Trotzdem konnte ich kaum Gemeinsamkeiten mit deren Leben feststellen.

Literaturtage in Bielefeld

Teil 2

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

„Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Die zweite Lesung, bei der ich im Publikum saß, war begleitet von italienischer Musik. Die Darbietung unter der Leitung von Harald Kießlich, passte sich stimmungsvoll der Romanerzählung an. Es handelt sich nämlich um den Roman „Töchter“ von Lucy Fricke.

Der Roman ist ein literarischer Roadtrip, der die beiden Hauptfiguren, Martha und Betty, in einem alten Golf erst Richtung Schweiz, dann nach Italien und schlussendlich nach Griechenland führt. Auf der Rückbank Marthas todkranker Vater, welcher selbstbestimmt in der Schweiz sterben möchte. Doch alles kommt anders.

Für diesen Roman erhielt Lucy Fricke vor kurzem den Bayrischen Buchpreis. Herzlichen Glückwunsch!

An diesem Abend liest die Autorin einige Passagen aus ihrem Roman und gibt damit einen humorvollen Einblick in die Handlung. Trotz aller Heiterkeit, die im Publikum aufkommt, bleibt die Verletzbarkeit und Traurigkeit der Figuren nicht verborgen. Auf diesem Trip fährt die Vergangenheit mit.

Auch das spätere Gespräch handelt von Vätern, deren Abwesenheit Spuren hinterlassen hat. Aber auch über Freundschaften und wie sehr es manchmal hilft zusammen über das ausbleibende Glück zu lachen. Den selten laufen die Dinge wie geplant.

Es war ein charmanter Vorleseabend, der neugierig auf den Roman machte. „Töchter“ liegt ebenfalls noch auf meinem Stapel der nochzulesendenbücher.

 

 

Was wäre ich ohne dich

Guillaume Musso

Ich habe immer auf eine Wendung im Roman gewartet, die der Geschichte einen Sinn gibt – leider vergeblich. Aber die Ortsbeschreibungen sind toll.

Mitte der 1990iger Jahre verbringt Martin seine Semesterferien in den USA, um sein Englisch zu verbessern. Der junge Mann stammt aus Frankreich und wuchs in sozial schwachen Verhältnissen auf. Bei einem seiner zahlreichen Jobs lernt er in San Francisco Gabrielle kennen und lieben. Doch Martin muss zurück nach Frankreich. Über zehn Jahre später verfolgt Martin als Polizist einen Meisterdieb. Er verfolgt ihn bis San Francisco, die Stadt, in der auch Gabrielle immer noch lebt. Ist das alles nur Zufall?

Gleich zu Beginn möchte ich erwähnen, dass mich die meisten Romane von Musso begeistert haben. Doch auch schon „Das Atelier in Paris“ hat mich nur bedingt überzeugt. Daher war ich gespannt auf diesen Roman, der schon 2009 in Frankreich erschienen ist und erst vor knapp einer Woche in Deutschland.

Der Beginn der Geschichte ist vielversprechend. Martin, ein französischer Polizist, jagt einen Meisterdieb. Leider wird ganz schnell klar, dass die Geschichte sich in Kleinigkeiten verliert, keine Tiefe besitzt, Handlungen wahllos aneinandergereiht werden. Es fehlt die Spannung. Die Geschichte ist durchschaubar und beliebig erzählt. Ganz absurd wird es im letzten Drittel. Ich habe ernsthaft überlegt, das Buch nicht weiter zu lesen – Zeitverschwendung. Dennoch habe ich bis zum Ende durchgehalten und ich kann nun behaupten: Das hat sich nicht gelohnt! Ich kann nicht mal sagen, dass es wenigstens eine schöne Liebesgeschichte war.

Ich bin maßlos enttäuscht und hoffe, dass der Autor zu seiner Art fesselnde Geschichten zu erzählen zurückfindet.

 

Bielefelder Literaturtage

Teil 1

Das diesjährige Motto der 23. Bielefelder Literaturtage ist ein Zitat von Jean Paul.

Entwirf bei Wein und exekutiere bei Kaffee“

Zwischen dem 04. Oktober und 02. November 2018 lasen in der Stadtbibliothek an zwölf Abenden Autoren aus ihren aktuellen Werken vor. Gerne hätte ich alle Lesungen besucht, doch leider war es dieses Jahr nicht möglich.

Den Auftakt machte Karen Duve mit ihrem historischen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. Der Roman spinnt sich rund um die Sommerliebe von Anette zu Droste Hülshoff. Die 23jährige wird von ihrer Umgebung für eine Nervensäge gehalten, vorlaut und wenig damenhaft. Ungefragt mischt sie sich als Frau in Gespräche über das Weltgeschehen ein. Wenn sich auf dem Bökerhof die poetischen Freunde ihres Onkels treffen, finden sich darunter bekannte Romantiker wie die Gebrüder Grimm. Heinrich Straube, ebenfalls ein sehr guter Freund von Anettes Onkel August, lässt sich von ihrer eigenwilligen Art nicht einschüchtern. Er versucht sich der jungen Dame zu nähern, was von ihrer Seite keinesfalls auf Ablehnung stößt. Doch ist der verarmte Heinrich Straube der Familie der Freifrau nicht ausreichend standesgemäß.

Mit viel Witz und Charme trägt Karen Duve einige Passagen daraus vor. Im nachfolgendem Gespräch mit Prof. Huber (Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Bielefeld, welcher die Literaturtage mit organisiert) spürt man bis in die letzte Reihe die Begeisterung der Autorin für die Schriftstellerkollegin aus einem vergangenen Jahrhundert. Mit viel Liebe zum Detail hat Karen Duve die Geschichte dieser Liebe und dieses Sommers recherchiert. Den Roman habe ich bisher noch nicht gelesen, aber es fest vor.

Die stimmungsvolle, musikalische Untermalung an diesem Abend gastaltete Matthias Klause – Gauster am Flügel.

Die Erinnerung des Felsens

Mauricio Lyrio

Ein Roman der leisen, melancholischen Töne.

Philosophieprofessor Eduardo lebt in Rio de Janeiro und Unterrichtet an der Universität. Er lebt mit der Malerin Laura zusammen. Eines morgens, als er sich durch den dichten Stadtverkehr kämpft, fällt Eduardo an einer Ampelkreuzung ein Straßenjunge auf. Der Junge verkauft mit viel Geschick Limetten. Der Junge geht Eduardo nicht mehr aus dem Kopf. Bei der nächsten Gelegenheit lädt er ihn zu sich nach Hause ein. Er lässt den Jungen im Gästezimmer schlafen, kauft ihm neue Kleidung und kümmert sich um ihn. Seine Lebensgefährtin Laura stellt Eduardo mit dieser Entscheidung vor vollendete Tatsachen.
Ist das Vertrauen, das der Professor in den Straßenjunge setzt, gerechtfertigt? Was sieht Eduardo, der als Kind seine Eltern verlor, in dem Jungen?

Eines Morgens, im täglichen Verkehrsstau auf Rios Straßen, beobachtet der Philosophieprofessor Eduardo einen Straßenjungen. Etwas fasziniert ihn an der direkten Art des Jungen. So lädt er eines Tages den Jungen zu sich nach Hause ein und bietet ihm das Gästezimmer an. Seine Lebensgefährtin Laura übergeht er bei der Entscheidung. Als Kind verlor Eduardo seine Eltern bei einem schweren Unfall. Dieses tragische Ereignis veränderte sein Leben. War es tatsächlich ein Unfall oder Selbstmord? Bisher konnte ihm niemand diese Frage beantworten.

Romário, der Straßenjunge, der seine 13 Lebensjahre auf der Straße und in einem Versteck im Tunnel zugebrachte, täglich um sein Überleben kämpfte, steht im Gegensatz zu den Problemen von Eduardo, Laura und deren Freundeskreis. Trotz des Luxus, in dem sie leben, wird jeder von ihnen von den Schatten der Vergangenheit verfolgt. Wird es gelingen ihre Vergangenheit eines Tages hinter sich zu lassen?

Der Roman „Die Erinnerung des Felsens“ beschreibt das Leben in den Straßen Rios. Die Armut, die dort allgegenwärtig ist. Romàrio schildert seine Erlebnisse schnörkellos und direkt. In Rückblenden erzählt der Roman von Eduardos Suche nach Antworten zu dem Tod seiner Eltern, von der Freundschaft zu dem Arzt Gilberto und dessen Frau Marina. Die Geschichte erzählt in teils poetischer Weise, teils in melancholischer Stimmung von der Sehnsucht die Einsamkeit zu überwinden.

Der Roman von Mauricio Lyrio handelt von der Frage, die wir uns alle irgendwann stellen; wo kommen wir her, wo gehen wir hin und wie leben wir dazwischen. Auf sensible Weise beschreibt der Autor die Vergangenheitsbewältigung der Hauptfiguren. Als Gegenpol agiert Romàrio, welcher im Hier und Jetzt lebt und die Chance auf ein besseres Leben ergreift. Seine Sprache setzt sich auch im geschriebenen Wort von den Figuren ab. Romàrios direkte und pragmatische Art steht im Gegensatz zu den gedankenschwer agierenden Erwachsenen, die zwar nie das Leid der Straße, aber anderes Leid erfahren mussten.

Es ist ein poetischer Roman der eher leisen Zwischentöne, auf die man sich als Leser einlassen muss.

Den Roman habe ich am Verlagsstand „Arara“ auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt gekauft. Ich möchte mich nochmals herzlich für die Empfehlung und das freundliche Gespräch bedanken.

Das Feld

Robert Seethaler

Wenn Tote zu uns sprechen…ein eindringlicher, berührender, skurriler, menschlicher, wahrhaftiger Roman.

Das Feld, so nennen die Paulstädter ihren alten Friedhof. Täglich sitzt Harry Stevens dort auf der Holzbank unter der krumgewachsenen Birke. Er sinniert über die Toten und fragt sich, was sie wohl erzählen würden, hätten sie noch ein einziges Mal die Gelegenheit ihre Stimme zu erheben.

Und sie reden. Über ihre verpassten Chancen, über ihr Unglück oder glückliche Zeiten, über Begegnungen und Liebe, wie sie die Welt verlassen haben und über das Alter und den Tod. Der Roman ist voller Leben, auch wenn die Charaktere allesamt unter der Erde liegen. Sie erzählen von ihrer Stadt, von ihren Schicksalen und geben damit einen umfassenden Einblick hinter die Fassaden einer Kleinstadt.

Robert Seethaler nimmt uns mit in die Welt der Menschen, die ihr Leben hinter sich haben.Was ist nach dem Tod noch wichtig? Manche Geschichten berühren, manche lassen den Leser schmunzeln, doch alle sind wahrhaftig. Robert Seethaler versteht es das facettenreiche Leben mit all den kleinen Unzulänglichkeiten, Hoffnungen und Enttäuschungen in wundersame Worte zu verpacken. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es hat mich sehr bewegt und ich kann es nur empfehlen.

Hippie

Paulo Coelho (erschienen im Diogenes Verlag)

Unterhaltsame Einblicke in die Hippie Zeit, ohne WOW Effekt. Doch das Buchcover ist ein Hingucker!

Es ist 1969. Die Hippie Bewegung ist auf ihrem Höhepunkt. Karla, eine junge Niederländerin sitzt täglich am Amsterdamer Dam, dem Treffpunkt der Hippies. Sie sucht nach einer männlichen Reisebegleitung für den Trip mit dem ‚Magic Bus‘ nach Kathmandu. Als sie den Brasilianer Paulo kennenlernt, weiß sie sofort, dass er der Mensch ist, auf den sie gewartet hat. Gemeinsam treten sie die abenteuerliche Reise an.

Karla und Paulo lernen sich in Amsterdam kennen. Karla will unbedingt nach Kathmandu reisen und braucht dafür einen männlichen Reisebegleiter. Paulo ist fasziniert von der Niederländerin. Er ist schon durch Südamerika gereist und hat dabei gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht.
Die beiden brechen als Teil einer kleinen Reisegruppe mit dem ‚Magic Bus‘ auf. Die Reise führt sie durch Deutschland und Österreich, dann durch die Balkanstaaten. Der erste längere Stopp ist Istanbul. Bis dahin hat die Gruppe einiges erlebt und genießt nun das Flair der zwei Kontinente. Doch nicht jeder wird die Reise fortsetzen.

Paulo Coelho erzählt von seiner Jugend und von einer jungen Frau, die er damals kennengelernte. Der Roman steckt voller Lebensweisheiten. Er beschreibt die spirituelle Suche der Hippies nach dem Sinn des Lebens. Die Freiheit für unbestimmte Zeit eine solche Reise anzutreten, macht sicherlich die Faszination des Romans aus. Zudem berichtet Coelho auch von den Schwierigkeiten der „Gammler“ mit den „normalen“ Bürgern. Der Leser bekommt wesentliche Einblicke in den gesellschaftlichen Umgang mit der Hippie Kultur sowohl in Europa als auch in Südamerika.

Leider bleibt die Erzählung rund um die Hauptakteure ziemlich farblos und langweilig. Diesen Umstand gleichen die wesentlich spannenderen Geschichten der Nebencharakteren aus. Jeder Reisende geht dieses Abenteuer im Magic Bus aus einer persönlichen Intention heraus ein.

Eine unterhaltsame Erzählung, deren flüssiger Schreibstil eine Freude beim Lesen ist, doch ohne erwähnenswerte Höhepunkte auskommt.

Ich habe den Roman im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Herzlichen Dank an den Verlag für das liebevoll gepackte Päckchen!

 

Unterwegs auf der FBM 2018

Es ist der 14. Oktober 2018 gegen Mittag, als ich aus dem Shuttlebus vor der Frankfurter Messehalle 3 aussteige. Es ist sommerlich warm. Die Temperaturen liegen bei 25 Grad und der Himmel ist wolkenlos blau.

Nach einer kurzen Taschenkontrolle, trete ich in die menschenvolle Halle. Ich beginne meine Runde auf der Frankfurter Buchmesse 2018. Auf dem Weg treffe ich alte Bekannte wie Räuber Hotzenplotz, die kleine Hexe (ich denke, dass sie es war) und Harry Potter. Besonders stechen die bunt gekleideten Gruppen ins Auge, die Teile eines Fantasie Romans darstellen sollen. Es ist wirklich faszinierend wie viel Mühe sich einige Besucher mit ihren Outfits gegeben haben. Ich kenne mich im Fantasie Sektor nicht aus, so dass ich die Kleidervariationen nur bewundert habe ohne sie zuordnen zu können.

Der Sonntag ist der Tag auf der Messe, an dem Bücher verkauft werden. Bei diesem riesengroßen Angebot an Büchern ist das für jemanden wie mich eine harte Prüfung. Glücklicherweise kann man an den wenigsten Ständen per Karte bezahlen. Schlussendlich haben drei Büchern mit mir die Messe verlassen.

„Die Erinnerung des Felsens“ von Mauricio Lyrio aus dem Arara Verlag. Dieser Roman spielt in Brasilien und handelt von einem Philosophieprofessor, der einen Straßenjungen bei sich aufnimmt. Bei dem aufgeschlossenen und freundlichen Gespräch am Stand, haben mich die zwei Verlagsführerinnen mit ihrer Begeisterung für das Buch angesteckt. Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre.

„Ein Monat auf dem Land“ von J. L. Carr aus dem Programm des DUMONT Verlages. In diesem Roman ist es ein Weltkriegsveteran, der seinen Frieden in einem Dorf in Yorkshire sucht.

„Deutsches Haus“ von Annette Hess verlegt vom Ullstein Verlag. Die Autorin ist keine Unbekannte. Sie entwickelte einige erfolgreiche Fernsehreihen, beispielsweise „Weissensee“ und „Ku’damm 56/59“. Dieser Roman ist in dem Jahr 1963 angesiedelt und erzählt von einer jungen Dolmetscherin, welche im ersten Ausschwitzprozess als Übersetzerin tätig ist. Ihre Familie ist davon wenig begeistert, doch die junge Frau nimmt an dem Prozess teil, denn bisher ist ihr dieses Ausschwitz völlig unbekannt.

Die Auswahl habe ich spontan getroffen. Es hätten noch so viele Bücher mehr werden können. Doch zum einen ist so ein Messetag recht lang und zum anderen kann ich gar nicht so viel lesen, wie ich kaufen möchte. Das ist bei der Fülle an Büchern eine erschreckende Erkenntnis; ich werde es wahrscheinlich niemals schaffen alle Bücher – und sei es nur die, die wirklich mein Interesse wecken – zu lesen.

Neben Buchverlagen präsentierten sich auch diverse Fernsehsender in den Messehallen. Am arte Stand folgte ich einem interessanten Gespräch bzgl. einer Sendereihe über den 30jährigen Krieg. Darauf folgte eine Gesprächsrunde über den Bauhausstil. Die großen historischen Buchthemen in diesem Jahr sind die 68iger Generation ebenso wie der 30jährige Krieg und das Ende des 1. Weltkrieges. Etliche Autoren signierten fleißig Bücher und beantworteten Fragen. Im Programmverlauf war für jeden etwas dabei.

Meine Pause habe ich dieses Jahr draußen verbracht. Bei dem herrlichen Wetter habe ich entspannt mein Eis genossen und dem bunten Treiben auf dem Außenplatz zugesehen.

Um 17:30 Uhr schlossen sich die Tore der Messe. Es ist eine kleine Branche, die vieles zu bieten hat. Mit viel Freude habe ich auf den einzelnen Ständen gestöbert und einige interessante Gespräche geführt. Ziemlich geschafft bin ich dann wieder in den Shuttlebus gestiegen, um nach Hause zu fahren.

Nun bin ich voller Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse, vom 21.-24. März 2019. Die Frankfurter Buchmesse findet vom 16.-20. Oktober 2019 statt.

Fotos von der Buchmesse findet ihr auf meinem Instagram Profil und auf der Facebookseite.

http://www.instagram.com/lesepartie_lit.blog