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Willkommen in Lake Success

Gary Shteyngart
Willkommen in Lake Success, Cover

Die Romanerzählung beginnt stark, doch leider kann mich das ideenlose Ende dann nicht überzeugen.

Barry Cohen, ein New Yorker Hedgefond Manager in den vierzigern, ist an der Börse reich geworden. Mit seiner jungen, hübschen Frau und seinem dreijährigen Sohn wohnt er in einem der teuersten Apartments der Stadt. Auf den ersten Blick wirkt Barrys Leben überaus perfekt, doch diese hübsche Fassade ist bei näherer Betrachtungen ziemlich brüchig.

Nach einem Streit mit seiner Ehefrau, packt Barry sein wertvollstes Gut, seine Sammlung von Luxusuhren, in einen Koffer und steigt in den Greyhound Bus nach Richmond. Wie damals als junger Student, will er zu seiner Jugendliebe Layla reisen. Barry hofft auf dieser Reise etwas finden, das er verloren glaubt; den wahren Barry. Doch diese Fahrt im Greyhound Bus verlangt dem Multimillionär einiges ab. Er trifft auf die unterschiedlichsten Menschen und auch sein Bargeld wird knapp. Was wird sein, wenn er Layla nach all den Jahren gegenüber steht? Gibt es für Barry die Chance sein Leben von Grund auf zu ändern?

Von seiner Ehefrau fühlt Barry sich verraten. Sein Sohn hat eine gesundheitliche Beeinträchtigung, die so gar nicht in Barrys perfektes Leben passen will. Außerdem hat er mit seinen Fonds hohe Verluste eingefahren, sodass das FBI ist hinter ihm her. Aus diesem Grund will Barry sein altes Leben hinter sich lassen. Nur seine Sammlung wertvoller Luxusuhren nimmt er mit. Mit dem Greyhound Bus fährt er quer durch die USA. Barry begegnet auf seiner Reise den „normalen“ Menschen, hört die wildesten Geschichten und er denkt über seine Kindheit und Jugend nach.

Barry ist erfolgreich, aber einsam. Als Sohn eines Poolreinigers hat er sich hoch gekämpft. Er studiert in Princeton und treibt danach seine Karriere in der Finanzbranche voran. Er hat es weit gebracht. Doch Barry ist unglücklich. Seine Familie droht zu zerbrechen und er sehnt sich nach einer Zeit zurück, in der für ihn noch alles möglich schien. Wir begleiten Barry auf seinem Weg, der ihn bestenfalls zu sich selbst führen soll. Er reist mit dem Bus durch ein Land kurz vor der Präsidentschaftswahl. Es scheint unsinnig, dass jemand wie Trump diese Wahl gewinnen könnte, dennoch trifft Barry auf seiner Reise immer wieder auf fanatische Befürworter.

Der Roman beginnt stark. Barry ist eine komplexe Figur, über die der Leser nur bruchstückhaft mehr erfährt. Zunächst ist Barry ein selbstgerechter, unsympathischer Fond Manager, für den in erster Linie das Geld zählt. Doch dann kommen hinter seiner glanzvollen Fassade seine Unsicherheiten, seine Einsamkeit hervor. Keiner, der im Roman vorkommenden, Charaktere ist darauf ausgelegt zu gefallen. Daher fällt es beim Lesen oft schwer echte Sympathien zu entwickeln. Jedoch wird die Romanerzählung für mich gerade dadurch interessant.

In der zweiten Hälfte des Romans verliert die Geschichte meiner Ansicht nach an Biss . Die Erzählstränge verlieren sich in einem gewollt wirkenden Konstrukt. Die Figuren werden oberflächlicher, viele Handlungen sind schwer nachzuvollziehen. Die Reaktionen der Charaktere empfand ich oft als völlig emotionslos. Bedauerlicherweise hatte ich den Eindruck, als ob dem Autor die zündende Idee für ein stimmiges Ende fehlte. Stattdessen hat er sich „durchgewurschtelt“.

Der Roman hat sehr starke Momente, der Schreibstil ist hervorragend, doch leider verliert die Geschichte auf den letzten Buchseiten an Kraft und Fantasie. Zu viele Themen werden angerissen, denen der Roman dann nicht gerecht wird. Das ist wirklich bedauerlich.

Ein Monat auf dem Land

J. L. Carr
Ein literarisches Kleinod

Das Buch ist ein Kleinod. Geschrieben mit der Leichtigkeit des Sommers, erzählt es vom Wert des Lebens.

Es ist Sommer 1920, als Tom Birkin seine Arbeit in einem kleinen Ort in Yorkshire antritt. Man hat ihm die Aufgabe anvertraut in der hiesigen Kirche ein mittelalterliches Deckengemälde freizulegen.

Immer noch gezeichnet vom Krieg, von seiner Frau verlassen, versucht der junge Londoner in dieser beschaulichen, ländlichen Idylle seinen inneren Frieden zurückzugewinnen. Voller Eifer und Sorgfalt beginnt er mit der Freilegung des vor ewigen Zeiten übertünchten Bildes hoch oben im Altarraum.

Täglich finden sich neugierige Dorfbewohner ein, die ihm bei der Arbeit zuschauen. Schnell wird Tom Birkin in ihre Gemeinschaft aufgenommen, findet Freunde und Anerkennung. Besonders genießt er die Gespräche mit der jungen Pfarrersfrau.

Es ist ein wundersamer Sommer, voller Licht und Wärme. Als dieser langsam dem ersten Herbsttau weicht, hat auch Tom Birkin seine Arbeit erledigt. Schweren Herzens nimmt er Abschied von diesem Ort, der die Ruhe und die Hoffnung in sein Leben zurückgebracht hat.

J.L. Carr hat mit unendlicher Leichtigkeit und spürbarer Lebensfröhlichkeit eine fast märchenhafte Geschichte komponiert. Man riecht förmlich den Duft des Sommers, spürt die kühle Mauer hoch oben in der Kirche und wird zu einem Teil dieser Geschichte.


Dieses Buch ist ein großer Schatz. Das Cover ist zwar schlicht, aber mit so viel Liebe gestaltet, das es ebenso entzückt, wie die Geschichte im Inneren.

Infos zum Buch

http://www.dumont-buchverlag.de/suche/?q=ein+monat+auf+dem+land

https://www.independent.co.uk/news/people/obituary-j-l-carr-1397014.html

gekauft auf der Frankfurter Buchmesse: http://www.lesepartie.de/unterwegs-auf-der-fbm-2018

Die Liebe im Ernstfall

Daniela Krien
Die Liebe im Ernstfall – Cover- Diogenes Verlag

Fünf Frauen, fünf Geschichten. Authentisch und selbstbewusst erzählt. Bewegend und voll Zuversicht das Leben und die Liebe im Ernstfall zu meistern.

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde, fünf Frauen in ihrer Lebensmitte, deren Wege auf unterschiedliche Weise lose miteinander verbunden sind. Sie erzählen von ihrer Jugend, von ihren Erwartungen ans Leben und von Enttäuschungen und Schicksalsschlägen.

Jede der Frauen hat ihren Weg gewählt, der sie durch Höhen und Tiefen geführt und sie geprägt hat. Jede von ihnen hat sich für einen Beruf entschieden, für oder gegen einen Mann, für oder gegen Kinder. Es ist die Summe der Entscheidungen, welche die Frauen Revue passieren lassen. Die Freiheit Entscheidungen treffen zu können, trifft dabei oftmals auf die vermeintlichen Erwartungen, die sie erfüllen wollen. Teils sind es die eigenen Erwartungen an das eigene Leben, teils sind es die Erwartungen anderer. Und nicht immer wird man diesen Erwartungen gerecht. Es gilt das Leben zu meistern wie es kommt, um das bestmögliche herauszuholen.

Daniela Krien erzählt die Geschichten von fünf Frauen, die voller Zuversicht ihren Weg gewählt haben und an den Umständen gescheitert sind. Jedoch haben sie sich nie geschlagen gegeben. Jede der Frauen vertraut darauf, dass das Leben ihr noch etwas zu bieten hat.

Das Buch offenbart mit der Wucht von Ehrlichkeit, was viele Frauen in der heutigen Gesellschaft umtreibt. Ausgeglichen und liebevoll sollen sie sich um die Erziehung der Kinder kümmern, dabei aber auch ihre eigene Karriere verfolgen und ihrem Partner eine leidenschaftliche Geliebte sein. Auch der Alltag mit Kindern, kann nicht täglich als ein wunderbares Geschenk wahrgenommen werden, so wie es vielfach propagiert wird. Die Freiheit der Wahl, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, erscheint oft vielfältig. Doch genau diese Vielfältigkeit schürt Erwartungen, vor allem an sich selbst, an denen man nur allzu oft scheitert.

Daniela Krien schreibt in einem beinahe emotionslosen Realismus, dennoch mit sensiblen Blick für Details über diese fünf Frauen, die sich dem Leben im Ernstfall stellen. Die fünf Geschichten handeln von losgelassenem und verpassten Glück, von Liebesbeziehungen, deren Haltbarkeit keine Ewigkeit ist und von der Suche nach dem richtigen Leben. Der Autorin ist ein bewundernswertes Portrait über diese fünf Frauen gelungen. Jede von ihnen ruft Verstehen hervor. Jede von ihnen ist wahrhaftig. Daniela Krien hat einen wunderbaren Erzählstil. Mich hat das Buch begeistert sowie mich die Autorin auf der Buchmesse Leipzig begeistert hat. Ich freue mich auf weitere Bücher von ihr.

Verlagseite https://www.diogenes.ch/leser/titel/daniela-krien/die-liebe-im-ernstfall-9783257070538.html

https://lesepartie.de/lbm-2019-2/

Infos zum Roman/zur Autorin:

https://www.ndr.de/kultur/buch/Daniela-Krien-Die-Liebe-im-Ernstfall-,liebeimernstfall102.html

https://www.lovelybooks.de/autor/Daniela-Krien/

https://www.perlentaucher.de/buch/daniela-krien/die-liebe-im-ernstfall.html

Die Kündigung

Hubertus Meyer – Burckhardt
Die Kündigung

Was bleibt vom Menschen, wenn er den Job, über den er sich definiert, plötzlich verliert? Ein Top Manager muss sich dieser Frage stellen. Ein nachdenklicher Roman über Sehnsüchte.

Simon Kannstatt sitzt in der Business Lounge des Züricher Flughafens. Er erwartet seinen ehemaligen Chef, um ein weiteres Mal über seine Kündigung zu verhandeln. Simon Kannstatt bekommt eine großzügige Abfindung, doch seinen Job nicht zurück. Ein Top Manager ohne Aufgabe. Wer ist nun Simon Kannstatt

Im Flughafen Restaurant, unter all den Managern, fühlt er sich sicher. Er bleibt dort sitzen, unfähig eine Entscheidung über sein Leben zu treffen. In Gedanken beginnt er sein Leben zu hinterfragen. Seine Ehe, sein Verhältnis zu den Töchtern und zu den Eltern. Ab wann wurde die Arbeit sein Leben? Wo sind seine Zukunftsvisionen geblieben, die er als junger Mann anstrebte? Wann ist er zu dem Simon Kannstatt geworden, der nun hier am Flughafen feststeckt, weil er keine Idee hat, wie es mit ihm weitergehen soll – ohne seine Arbeitsstelle.

Hubertus Meyer – Burckhardt ist einem breiten Publikum in erster Linie als Film- und Fernsehproduzent und als Gastgeber der NDR Talkshow bekannt. Zudem veröffentlichte er einige Bücher. In dem Roman „Die Kündigung“ beschäftigt er sich mit einem Thema unserer Zeit. Viele Menschen definieren sich über das, was sie tun, ihre Arbeit. Es ist grundsätzlich die erste Frage, die man einem Gegenüber stellt. „Was arbeiten Sie/was arbeitest du?“

Es ist ein nachdenklicher Roman über einen Manager, der genug Geld auf dem Konto hat, dem allerdings der Lebenssinn genommen wurde. Die Erzählung wechselt zwischen Wirklichkeit und Vorstellung bzw. Traum der Hauptfigur. Trotz all der Melancholie des Romans, gibt es auch die humorvollen Stellen, die den Leser schmunzeln lassen. Das Buch erzählt auf eine tiefsinnige und außergewöhnliche Weise eine einfache Geschichte über den Sinn des Lebens. Es ist keine Lektüre, die sich leicht und locker lesen lässt. Es ist eine Lektüre die Fragen aufwirft. Es ist eine empfehlenswerte Lektüre.

Scharnow

Bela B. Felsenheimer
Buchcover Scharnow

Ein authentischer Roman über einen Ort und seine Bewohner, die so oder so ähnlich überall zu finden sind. Ein großartiges Buch!

Scharnow, ein Kaff irgendwo in Brandburg, besteht aus einem Hochhaus, einem Supermark, einem Dönerladen und einer Polizeistation. Viel passiert dort nicht. Das eintönige Leben der Bewohner plätschert vor sich hin. Doch innerhalb weniger Tage wird im Hochhaus ein Blogger tot aufgefunden, eine handvoll Männer überfällt nackt den Supermarkt, jemand schießt auf einen Hund und ein fliegender Mann wird gesichtet.

Bela. B. Felsenheimer hat seinen ersten Roman veröffentlicht. Auf der Leipziger Buchmesse erlebte ich Bela B. in einem Interview. Ich ließ mich von seiner riesigen Begeisterung für die eigene Geschichte anstecken und kaufte das Buch an Ort und Stelle. Um ehrlich zu sein, habe ich ein ganz unterhaltsames Buch mit einer völlig absurden Geschichte erwartet.

Ein unterhaltsamer Roman ist es, aber auch voller Humor, Tragik und mit ganz viel Wahrheit. Sein Blick auf die Gesellschaft kommt gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger aus. Der Blick ist authentisch und aufrichtig. Bei jeder Figur des Romans spürt man, mit wie viel Sorgfalt und wie liebevoll sie entwickelt wurde. Mich hat es wahrhaft beeindruckt, dass es keinerlei schwarz – weiß Malerei gibt. Scharnow gibt es wahrscheinlich tausendfach, überall auf der Welt. Auch wenn die Romancharaktere manchmal skurril wirken, sie sind echt und liebenswert, jeder auf seine Art.

Der Roman hat mich überrascht, das gebe ich zu, denn ich es ist eines der besten Bücher, die ich gelesen habe. Ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Über die ein oder andere auftauchende Anspielungen musste ich schmunzeln. So heißen pöbelnde Jugendliche Tasso und Egmont und Rex Gildo singt ziemlich häufig „Hossa“.

Mein Fazit lautet: lesen! Die Geschichte stimmt. Der Schreibstil ist großartig.

Und lieber Bela, bitte mehr davon! (nie war ein Hosen Titel so wahr!)

https://lesepartie.de/lbm-2019-2/

Verlagsseite: https://www.randomhouse.de/Buch/Scharnow/Bela-B-Felsenheimer/Heyne-Hardcore/e522211.rhd

Infos zum Roman/zum Autor:

http://www.bela-b.de/scharnow

https://www.deutschlandfunkkultur.de/bela-felsenheimer-scharnow-der-etwas-andere-heimatroman.1270.de.html?dram:article_id=442132

Leninplatz

Mark Scheppert

Erzählungen aus dem Leben eines ganz normalen Ostberliner Teenagers in den 1980iger Jahren.

Mark ist ein Teenager in Ost Berlin und lebt mit seinen Eltern und dem jüngeren Bruder Benny in einem Neubau in Friedrichshain nahe des Leninplatzes.

Sein Teenager Alltag ist bestimmt von Schultagen, die nur durch Freunde erträglich sind, gute und schlechte Lehrer, erster Alkoholrausch, erste Liebeleien, Ferienlager, ein Kurzurlaub im westlich wirkenden Budapest und vor allem durch seine feste Clique.

Charmant und authentisch erzählt Mark Scheppert Geschichten über sein Heranwachsen in der DDR in den 80iger Jahren. Die Schilderungen von Familientreffen sind herrlich komisch. Doch am aller wichtigsten sind seine Freunde. Die Hand voll Jungs halten zusammen. Dabei geht es manchmal um ganz banale Dummheiten, mal um wirklich lebensentscheidende Momente.

Wer wissen möchte, wie dieser ganz normale Alltag in Ostberlin aussah, ohne Schnörkel, ohne die große Politik, der sollte zu diesem Buch greifen. In kurzweiligen Episoden erzählt Mark Scheppert über seine Teenager Zeit, wie er diese erlebte. Er berichtet glaubhaft, komisch und nachdenklich, sodass der Leser nachvollziehen kann, wie sich das Leben vor 30 Jahren im Stadtteil Friedrichshain abspielte.

Nochmals ein großes Dankeschön für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar an den Autor Mark Scheppert!

Mark Scheppert online: http://www.markscheppert.de

LBM 2019/2

Freitag, 22. März 2019

Auch am Freitag morgen waren die Bahnen total überfüll. Außerdem gab es wieder jede Menge fantasievollste Kostüme zu bewundern.

Kostüme

Diesmal staute es sich kaum vor den Eingängen. Diesmal blieb ich gleich in der Glashalle und hörte zu wie der Ex Innenminister Thomas de Maizière über politische Entscheidungsprozesse redete. Gleich im Anschluss wurde eine Etage höher Dirk von Lowtzow – vielen als Sänger von Tocotronic bekannt – zu seinem Debütroman „Aus dem Dachsbau“ befragt.

verschiedene Interviews

Danach streifte ich durch die Hallen, die ich am Vortag vernachlässigt hatte. Ich entdeckte die musikalische Abteilung, in der auch unterschiedliche Musikinstrumente ausgestellt waren und begegnete dem Räuber Hotzenplotz.

Gegen Mittag fand ich mich in der Autorenarena der Volkszeitung Leipzig ein. Dort gab es sehr viele interessante Gespräche.

Den Auftakt machte Ina Geipel, deren aktuelles Buch „ Umkämpfte Zone“, sich mit den Differenzen zwischen Ost und West auseinandersetzt. Daniela Krien sprach darauf über ihren Roman „Liebe im Ernstfall“ und las eine Episode daraus vor. Wie groß sind unsere Erwartungen an den perfekten Partner und inwieweit sind wir bereit Kompromisse zu machen?

Rocko Schamoni erzählt über seine Begegnungen mit der Hamburger Kiezlegende Wolli Köhler, der Pate für den neuen Roman „Große Freiheit“ steht. Schamoni liest ein Kapitel vor und kündigt schon mal eine Trilogie an.

Autorenarena (interessantes Wort!!!)

Dann kam mit dem Kabarettist Konrad Beikircher rheinischer Humor auf die Bühne. Unterhaltsam erzählte er von Beethovens Alltag in Bonn und Wien. „Der Ludwig jetzt mal so gesehen“ wirft sicher ein anderes Bild auf den berühmten Komponisten, der im kommenden Jahr 250 Jahre alt wird.

Das auch Rockmusiker gute Autoren sind, bestätigt zur Zeit Bela. B. Der Ärzte Drummer hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht. „Scharnow“, ein Kaff bei Berlin, dessen Einwohner dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung verspricht. An einem Mittwochnachmittag passieren in Schwarnow die absurdesten Dinge. Es gibt einen toten, der Supermarkt wird überfallen und ein Hund wird erschossen…. Mehr dazu gibt es von mir, wenn ich das Buch gelesen habe. Momentan meine aktuelle Lektüre!

Nach dem ich so vielen unterschiedlichen und interessanten Gesprächen zugehört habe, brauche ich eine Stärkung! Kaffee und Kuchen in der Sonne. Herrlich warm ist es im Innenhof der Hallen. Auch hier tummeln sich die verschiedensten Menschen!

Ich stöbere weiter in den Hallen, an den den Ständen. Bis ich wieder zum Stand der ARD zurückkehre, den ich schon am Vortag besucht habe. Dort spricht Heinrich Breloer über seinen zweiteiligen Dokumentarspielfilm „Brecht“, der in der ARD läuft. Was verbindet ihn mit Brecht? Schon in den 70iger Jahren hatte er eine Dokumentation mit Zeitzeugen über Brecht gemacht. Brecht, ein Mensch, der schwer zu ergründen ist.

Damit endet mein letzter Tag auf der Messe. Ich nehme unzählige Eindrücke mit und freue mich auf das nächste Jahr! (12-15. März 2020)

Hier noch einige Links rund um die Messe:

http://www.leipziger-buchmesse.de

https://www.leipzig.de/freizeit-kultur-und-tourismus/veranstaltungen-und-termine/eventsingle/event/lesefestival-leipzig-liest-2019/

Weitere Beiträge über die Messe

viele, viele Fotos natürlich auf Instagram: www.instagram.com/lesepartie_lit.blog

https://lesepartie.de/lbm-2019/

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/

literarische Fußnoten

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

[unbezahlte Werbung!!!]

LBM 2019

Glashalle
Donnerstag, 21. März

Donnerstag, die Messe beginnt. Schon die Bahnen zum Messegelände sind heillos überfüllt. Umkippen kann man in den Wagons jedenfalls nicht. Auch am Eingang haben sich endlose Schlangen gebildet. Die Sonne scheint. Nach 35 Minuten bin ich drin, Eingang West.

Denis Scheck

Als erstes bleibe ich beim ARD Stand stehen, denn da redet Denis Scheck in einer Sonderausgabe von „druckfrisch“ über seine favorisierten Autoren. Am Schluss betont er, dass jeder für sich herausfinden muss, welche Literatur ihn beeinflusst. Womit er sicher Recht hat. Jeder sollte sich seine eigene Meinung bilden und wirklich objektiv kann man bei jeglicher Art von Kunst nicht sein.

Link zu einem Interview mit Denis Scheck bzgl. der LBM https://magazin.audible.de/denis-scheck-hoerbuchtipps/?source_code=GAWFAPSH072816908P&ef_id=XKCsKQAABYfFCQ2a:20190331120145:s

Ich streife durch die Hallen 3 und 5. Im taz Studio beginnt das Gespräch mit Frank Bösch und Jan Feddersen über das von Buch „Zeitenwende 1979“ von Bösch. In dem Buch geht Bösch der These nach, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, in diesem Jahr ihren Anfang nahm. In dem Jahr öffnete sich China ökonomisch zum Westen, der Iran wurde ein islamischer Staat, Cap Anamur beginnt mit der Rettung von „Boat People“ und die sowjetische Armee marschiert in Afghanistan ein. Nur einige Fakten, die Bösch in dem Gespräch nennt.

Link zum Buch: https://www.chbeck.de/boesch-zeitenwende-1979/product/26071725

Auf einer der Lesebühnen liest Brigitte Glaser aus ihrem kürzlich erschienen Roman „Rheinblick“und erzählt zusammen mit ihrer Lektorin über die Entstehung des Buches. Es handelt von der Bonner Republik und dem Bonner Gasthaus „Rheinblick“, das von Hilde Kessler geführt wird. Im „Rheinblick“ kommen täglich die Bonner Politiker zum Essen, zum Trinken und um Politik zu machen. 1972, Willy Brandt hat gerade einen fulminanten Wahlsieg errungen und muss sich einer Stimmband OP unterziehen, d.h. 2 Wochen Redeverbot. Ein spannender Roman, der auf meiner Leseliste weit oben steht!

https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rheinblick-9783471351802.html

Nach all den Eindrücken, einer kurzen Pause im sonnigen Innenhof mit Pommes und Cola und etlich gelaufenen Kilometern (so fühlen sich meine Füße an), mache ich mich auf den Weg in die Leipziger Innenstadt und später zurück zum Hotel.

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Weitere Berichte über meinen Messeaufenthalt in Leipzig findet ihr hier

literarischer Stadtrundgang https://lesepartie.de/literarisches-leipzig/

Gedichte von Käster und Fontane aus ihrer Leipziger Zeit

https://lesepartie.de/nachtgesang/

https://lesepartie.de/shakespears-struempfe/

Shakespears Strümpfe

Theodor Fontane

Laut gesungen, hoch gesprungen,
Ob verschimmelt auch und dumpf,
Seht, wir haben ihn errungen,
William Shakespeares wollnen Strumpf.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Haben jetzt das heil’ge Ding,
Drinnen er durch Moor und Sümpfe
Sicher vor Erkältung ging.


Und wir huldigen jetzt dem Strumpfe,
Der der Strümpfe Shakespeare ist,
Denn er reicht uns bis zum Rumpfe,
Weil er fast zwei Ellen mißt.


Seht, wir haben jetzt die Strümpfe,
Dran er putzte, wischte, rieb
Ungezählte Federstümpfe,
Als er seinen Hamlet schrieb.


Drum herbei, was Arm und Beine,
Eurer harret schon Triumph,
Und dem »Shakespeare-Strumpfvereine«
Helft vielleicht ihr auf den Strumpf.

Nachtgesang

Erich Kästner
Nachtgesang des Kammervirtuosen

Du meine neunte letzte Sinfonie!
Wenn du das Hemd anhast mit rosa Streifen…
Komm wie ein Cello zwischen meine Knie,
Und lass mich zart in deine Seiten greifen.

Laß mich in deinen Partituren blättern.
(Sie sind voll Händel, Graun und Tremolo) –
Ich möchte dich in alle Winde schmettern,
Du meiner Sehnsucht dreigestrichnes Oh!

Komm lass uns durch Oktavengänge schreiten!
(Das Furioso, bitte, noch einmal!)
Darf ich dich mit der linken Hand begleiten?
Doch beim Crescendo etwas mehr Pedal!!

Oh deine Klangfigur! Oh die Akkorde!
Und der Synkopen rhythmischer Kontrast!
Nun senkst du deine Lider ohne Worte…
Sag einen Ton, falls du noch Töne hast!

https://lesepartie.de/leipziger-buchmesse-2019/