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Ich war Diener im Hause Hobbs

Verena Rossbacher
Das Bild zum Buch Ich war Diener im Hause Hobbs
Ich war Diener im Hause Hobbs – Bild zum Buch

Ein außergewöhnlicher Schreibstil, allerdings hält die Erzählung am Ende nicht, was sie zu Beginn verspricht. Die Geschichte plätschert zu gemütlich vor sich hin.

Christian Kauffmann wirft einen Blick zurück auf seine Jahre als Butler bei der reichen Züricher Familie Hobbs. Durch einen Skandal nimmt seine Anstellung ein jähes Ende. Nun versucht er im Rückblick, die Ereignisse zu rekonstruieren, um zu verstehen, ob er die Zeichen der Veränderung hätte erkennen müssen.

Nach seiner beendeten Ausbildung als Butler, tritt er bei den Hobbs seine erste Stelle an. Obwohl er anfänglich vorhat lediglich wenige Jahre zu bleiben, um dann weiterzuziehen, integriert er sich schon nach kurzer Zeit bestens in das Familienleben der Hobbs. Die Jahre vergehen und Christian Kauffmann ist zufrieden mit seinem Leben.

Er erinnert sich an Situationen, welche damals unbedeutend, nun aber in einem anderen Licht erscheinen. Jedoch sind es neben den Begebenheiten im Hause Hobbs, auch Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend im Voralberger Feldkirch, die er Revue passieren lässt. Seine drei besten Freunde spielen sowohl in seiner Vergangenheit als auch bis zum Zeitpunkt des Skandals eine wichtige Rolle.

Verena Rossbacher erzählt mit ausgefeilter Komposition der Sätze, sodass manche Passagen des Romans sehr poetisch inszeniert sind. Auch ihre ungewöhnlichen Beschreibungen machen das Buch zu einer wahren Lesefreude. Oftmals hat mich die Erzählung vor allem mit ihren Dialogen zum Lachen gebracht. Der feine Humor, der abstruse Alltagsszenen herrlich offen legt, gefällt mir außerordentlich gut. Allerdings sind meiner Meinung nach einige Sätze zu ausgeartet lang. Bei manchen dieser Sätze fiel es mir schwer ihnen gedanklich zu folgen. Am Ende des Satzes fragte ich mich dann, wie dieser begonnen hatte.

Leider konnte mich auch die Erzählung nicht packen. Der anfänglich gut aufgebaute Spannungsbogen hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die Geschichte plätscherte zum Ende unspektakulär vor sich hin. Außerdem bleiben einige Figuren erzählerisch auf der Strecke. Das erwartete großen Finale, die angedeuteten Verstrickungen blieben einfach aus. Auch sonst fehlt dem Roman streckenweise der Pfiff. Alles im allen lässt mich der Roman enttäuscht zurück.

Der Wintersoldat

Daniel Mason
Hardcover Ausgabe von dem Roman Der Wintersoldat
Der Wintersoldat

Ein beeindruckender Roman, der zeigt, was Menschen leisten und aushalten können, wenn die Umstände es erfordern.

In der Medizin hat Lucius, jüngster Sprössling einer in Wien lebenden polnischen Fabrikantenfamilie, seine Berufung gefunden. Unter den Mitstudenten und Professoren fühlt er sich zum ersten Mal in seinem Leben verstanden. Sein Können und sein medizinischer Verstand machen aus ihm einen der begabtesten Studenten. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, fehlt es der österreichischen Armee an Ärzten. So kommt es, dass Lucius möglich ist, sich ohne Studienabschluss als Assistenzarzt zur Armee zu melden. Aufgrund seiner polnischen Sprachkenntnisse, wird er Richtung Osten nach Galizien geschickt. Im Lazarett angekommen, muss er feststellen, das er dort der einzige Doktor ist. Lucius, dem es an jeglicher praktischen Erfahrung fehlt, ist nun gezwungen Diagnosen zu stellen, zu operieren und den verletzten Soldaten die richtigen Medikamente zu verabreichen. Glücklicherweise findet er Unterstützung in der Krankenschwester und Nonne Margarete.

Schnell lernt Lucius sich im Lazarettalltag zu behaupten. An einem Wintertag wird von Bauern ein völlig traumatisierter Soldat zu ihnen gebracht, der weder spricht noch isst oder trinken will, sondern nur starr da liegt. Der Soldat weckt sowohl Lucius Ehrgeiz als auch sein Mitgefühl. Um den Soldat vor einem weiteren Fronteinsatz zu schützen, begeht Lucius einen fatalen Fehler, der ihn über Jahre hinweg verfolgen wird.

„Der Wintersoldat“ spielt in einer verlassenen galizischen Berggegend. Eine Gegend, die selten Erwähnung in den Geschichten rund um den Ersten Weltkrieg findet. Doch auch hier tobt eine Art Stellungskrieg. Es wird um jeden quadratzentimeter Boden gekämpft. Die körperlichen und psychischen Verletzungen sind identisch mit denen der Westfront.

Mit viel Realismus und Detailtreue erzählt Daniel Mason die Erlebnisse des Medizinstudenten Lucius. Ein junger Mann aus reichem Haus, ein vielversprechender Medinziner, der, überrumpelt vom Kriegsausbruch, die alleinige Verantwortung für ein Frontlazarett übernimmt. Er wächst sprichwörtlich mit seinen Aufgaben, findet Freunde und verliebt sich zum ersten Mal. Es ist ein spannender Kriegsroman, welcher zeigt wie Menschen sich unter ungewöhnlichen Umständen finden, aber sich auch wieder verlieren. Ein großartig erzähltes Stück Zeitgeschichte, das mich bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen hat. Ein herausragender Roman. Ich danke dem C.H. Beck Verlag noch einmal ganz herzlich für den Gewinn dieses beeindruckenden Buches.

Ich kann es jedem interessierten Leser*in nur ans Herz legen.

Links zum Buch:

C.H. Beck Verlag https://www.chbeck.de/buehnen/daniel-mason-der-wintersoldat/

Der Autor https://www.lovelybooks.de/autor/Daniel-Mason/

Buchregal aufräumen

Bücherregal aufräumen
Aufräumen und neu sortieren

Das Bücherregal ist voller als voll. Die Bücher stehen in 3er Reihen und darüber liegen ebenfalls welche. Hinzu kommen dann noch die neu erworbenen Bücher, auf die ich schlecht verzichten kann, allerdings gibt es keinen Platz mehr.

So stehe ich vor meinem Buchregal und sehe keine andere Möglichkeit, als alles einmal auszuräumen und durchgucken. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das nur sehr selten mache. Außerdem bin ich sehr schlecht darin, mich von Büchern zu trennen.

Aus der hintersten Ecke kommen Taschenbücher zum Vorschein, bei denen ich mir sehr sicher bin, diese kein zweites Mal lesen zu wollen. Ich lege die Romane auf einen extra Stapel, der wieder erwarten stetig in die Höhe wächst. Währenddessen überlege ich, wo in meiner nächsten Umgebung Bücherschränke stehen. Denn genau auf solche möchte ich die Bücher auf dem Stapel verteilen. Auch die älteren Taschenbücher sind noch gut erhalten und ich hoffe einfach, jemanden damit ein sommerlichen Lesevergnügen zu ermöglichen.

Nun die entscheidende Frage, als das Regal leer und die Bücher auf dem Boden liegen; wie sortiere ich die nun neu ein???? Sachbücher zusammen, Hardcover, Taschenbücher, Lieblingsautoren, Romane, die mich begeistert haben, neue Bücher, alte Bücher….

Nach und nach nimmt die neue Strukturierung Formen an und das Regal füllt sich wieder. Ab und an tausche ich ein Buch nochmal von rechts nach links, von oben nach unten, aber dann sind alle an ihrem Platz und ich stehe zufrieden lächelnd davor. Ja, so sieht es wieder gut aus.

Wie handhabt ihr das? Stellt ihr gelesene Bücher in Bücherschränke? Hortet ihr Bücher in Kisten, im Keller oder sonst wo?

Rheinblick

Brigitte Glaser
Cover zum Roman Rheinblick
Roman Rheinblick

November 1972. Willy Brandt fährt nach dem Misstrauensvotum einen fulminanten Wahlsieg für die SPD ein. Der Hauch der Veränderung weht durch die Straßen der provinziellen Hauptstadt Bonn. Doch nach dem herausragenden Sieg, muss sich Brandt einer Operation unterziehen und bekommt für einige Woche Redeverbot. Dadurch wird sein Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen stark geschwächte, denn federführend bei dem Geschacher um Macht, Ministerien und Posten sind Wehner und Schmidt.

In der Gutbürgerlichen Gaststätte „Rheinblick“ bei Hilde Kessel treffen alle Parteien aufeinander. Es ist Hildes wichtigstes Gebot, sie hört nichts, sie sieht nichts und sie sagt nichts. Aus ihrer Gaststätte dringt kein gesprochenes Wort nach außen. Wirklich kein Mucks? Auch für eine gestandene, rheinische Wirtin ist es schwer sich aus dem Bonner Gemauschel völlig herauszuhalten. Und mitten in diesen politischen Wirren wird ein unbekanntes, junges Mädchen erdrosselt aufgefunden. Ein Hinweis führt in die Machtzentrale der Bonner Politik.

Brigitte Glaser lässt die Bonner Republik wieder auferstehen. Anfang der 1970iger Jahre, nachdem Brandts Ostpolitik zu einer langsamen Annäherung zwischen West und Ost geführt hat, stellt man sich in der rheinischen Provinz darauf ein, Hauptstadt zu bleiben. Der Bauboom, der wiederkehrend im Roman erwähnt wird, setzt ein. Jedoch ist es nicht nur das Bonner Hauptstadtgeplänkel, sondern auch die Aufbruchstimmung nach Brandts grandiosen Wahlsieg im November 1972. Es ist vor allem die Jugend, die zahlreich hinter dem Demokraten und Widerstandskämpfer Brandt steht. Die Zeichen stehen auf Veränderung. Wunderbar inszeniert Brigitte Glaser einen Mix aus den unterschiedlichen Generationen. Die jungen Leute wohnen in einer WG und versuchen im kleinen, privaten Umfeld Demokratie und Gleichberechtigung zu leben. Auf der anderen Seite die Kriegsgeneration, erzogen zum Gehorsam und zum Durchhalten. Dabei treffen im Roman Welten aufeinander.

Die Geschichte kreist um die wenigen Wochen am Jahresende 1972, in denen die Koalitionsverhandlungen ohne den wirklichen Sieger Willy Brandt stattfinden müssen, da dieser wegen einer Stimmband OP im Krankenhaus verweilt und nicht sprechen darf. Es wird deutlich wie dicht Sieg und Niederlage in der Politik beieinander liegen und wie schnell man ins Abseits geraten kann. Es ist ein herrlich verwobener Roman, der es versteht, politische Geschehnisse mit dem gesellschaftlichen Leben der normalen Bürger zu verbinden und eine Zeit beleuchtet, in der vieles, was heute selbstverständlich scheint, noch täglich von neuem erkämpft werden musste. Ein gelungenes Aufleben der jüngsten Zeitgeschichte.

Links zum Buch: https://lesepartie.de/lbm-2019-2/ und https://lesepartie.de/lbm-2019/

Verlagsseite: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/rheinblick-9783471351802.html

Die junge Frau und die Nacht

Guillaume Musso

Bis zur letzten Seite ein spannendes Buch, dessen Geschichte immer neue Wendungen nimmt.

Anlässlich eines Schuljubiläums reist Thomas in seine Heimat an die Côte d’Azur. Seit Jahren lebt er als Schriftsteller in New York und besucht den Süden Frankreichs und seine Familie nur, wenn er sich auf Lesereise befindet. Diesmal hat eine E-Mail seines ehemaligen besten Freundes Maxime Thomas dazu bewogen zu kommen. Die beiden Männer teilen seit Jahrzehnten ein dunkles Geheimnis, dass im Zuge dieses Jubiläums ans Licht kommen könnte.

Um das zu verhindern beginnen die beide Freunde das Geschehen von damals noch einmal neu zu betrachten. Alles begann mit dem spurlosen Verschwinden einer Mitschülerin. Die 19jährige Vinca war Thomas unerfüllte Jugendliebe, deren plötzliches Verschwinden eine noch immer tiefe Wunde bei ihm hinterlassen hat. Tatsächlich entdecken Thomas und Maxim neue Hinweise und haben durch den Abstand der Jahre eine andere Sichtweise auf die Dinge entwickeln. Es stellt sich heraus, dass der schicksalhafte Tag vor 25 Jahren bis in die jetzige Zeit hineinreicht und mehr Menschen betrifft, als Thomas und Maxim bisher angenommen haben.

In seinem neuen Roman läuft Guillaume Musso wieder zur Höchstform auf. Geschickt kombiniert er ein undurchsichtiges Gewirr von Verstrickungen rund um das Verschwinden der jungen Frau. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. In einem gewohnt flüssigen, gut lesbaren Schreibstil, entwickelt sich die Geschichte zu einem spannenden Krimi, welcher bis zur letzten Seite seine Intensität nicht verliert. Und natürlich lernt man ganz nebenbei auch einiges über die Gegend rund um Antibes. Ein wirklich gelungener Krimi, perfekt für den Sommerurlaub.

Die verborgenen Stimmen der Bücher

Bridget Collins
Die verborgenen Stimmen der Bücher
Coverbild „Die verborgenen Stimmen der Bücher“

Ein außergewöhnlicher Roman, der nicht den üblichen Erwartungen entspricht. Der Roman kann begeistern, wenn man es zulässt.

Bücher werden verachtet. Das wird dem Bauernsohn Emmet schon als Kind eingeschärft, als er mit einem Buch in Berührung kam. Mittlerweile ist er ein junger Mann und wird den Bauernhof seiner Familie übernehmen. Doch dann ereilt Emmet ein schweres Fieber, welches ihn lange ans Bett fesselt. Er hat kaum Erinnerung an diese oder die unmittelbare Zeit davor. Zwar ist das Fieber überstanden, trotzdem kann er seiner Arbeit auf dem Hof schwerlich gerecht werden. Er empfindet sich selbst als Last für seine Familie und schämt sich dessen. Mitten in der Erntezeit erhält die Familie einen Brief. Emmet soll eine Lehre machen; ausgerechnet als Buchbinder. Sein Vater stimmt zu. Eine Zustimmung, die Emmet darin bestärkt, dass er aufgrund seiner seltsamen Verfassung kein geeigneter Erbe mehr ist.

Binnen weniger Tage beginnt er die Ausbildung bei einer alten Binderin, deren Haus fern ab in den Sümpfen steht. Schon nach kurzer Zeit begreift Emmet, dass das Buchbinden weit mehr ist, als nur beschriebene Seiten aneinander zuheften. Es sind die Schicksale der Menschen, die in den Büchern gebunden werden. Diese wertvollen Schätzen gilt es zu bewahren, damit Bücher nicht in unbefugte Hände geraten. Auch Emmet hat die Gabe, Erinnerungen zu binden und somit das Erlebte aus dem Gedächtnis des jeweiligen Menschen zu löschen. Noch bevor er seine Lehre beenden kann, stirbt die Buchbinderin und Emmet ist gezwungen seine Lehre bei dem windigen Buchbinder in der Stadt fortzusetzen. Dort trifft er auf den Sohn eines reichen Geschäftsmannes, zu dem er eine unerklärliche, tiefe Verbindung verspürt. Emmet fragt sich, woher dieses Gefühl der Verbundenheit herkommt. Was könnte einen Bauernsohn wie ihn mit diesem reichen Burschen verbinden? Die Wahrheit liegt in einem Buch. Doch dieses Buch muss Emmet erst finden, bevor seine Geschichte weitergehen kann.

Es ist ein ungewöhnliches Buch, das eine ungewöhnliche Geschichte erzählt. Bücher, welche die Erinnerungen von Menschen beherbergen, welche diese vergessen wollen oder sollen. Der sehr gut erzählte Roman handelt von Macht. Die Macht über Menschen, die Macht der Geschichten und vor allem die weitaus überlegenste Macht, nämlich die der Liebe. Das mag kitschig klingen, doch auch das ist ein Aspekt des Romans. Eine Liebe, die es nicht geben darf, eine Liebe, die nicht den Konventionen entspricht und deren Stärke allem trotzt.

Als ich anfing das Buch zu lesen, hatte ich eine komplett andere Vorstellung von dem Buch. Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto mehr Freude hatte ich beim Lesen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das Buch ist sicherlich eine Überraschung und zwar ein sehr gelungene. Es wird alle begeistern, die einen ungewöhnlichen und nicht unbedingt leicht zu durchschauenden Roman lesen wollen, welcher aus den allgemeinen Konventionen ausbricht.

Link zum Buch: https://www.aufbau-verlag.de/die-verborgenen-stimmen-der-bucher.html

Die weiteren Aussichten

Robert Seethaler
Buchcover Die weiteren Aussichten, Robert Seethaler
Die weiteren Aussichten

Eine Geschichte über das, was auch das gleichförmigste Leben unberechenbar macht; Veränderung und Liebe. Herrlich echte Charaktere, trostlos mit viel Hoffnung für die weiteren Aussichten.

Herbert und seine Mutter betreiben mehr schlecht als recht eine Tankstelle am Rande einer Landstraße. In den 1970igern zählte das nächstgelegene Dorf zu einer aufstrebenden Region, von welcher außer dem Hallenbad und einem Parkplatz nicht viel geblieben ist. Herbert ist Ende zwanzig und die Tage reihen sich gleichförmig aneinander. Bis eines Tages eine rundliche Frau ohne Frisur auf einem blauen Klapprad in Herberts Leben radelt. Hilde heißt sie und Herberts Leben wird nie mehr das selbe sein.

Robert Seethaler nimmt uns mit an den Straßenrand, zur einsamen Tankstelle an der Landstraße, zu Menschen, die keinerlei Veränderung erwarten. Als die Veränderung dann doch eintrifft, wirbelt diese alles bisher gekannte durcheinander. Als Leser lacht man mit, leidet mit und hofft, dass Georg, der Fisch, das Abenteuer heile übersteht.

Es ist ein herrlicher Roman, der durch die Nähe zu seinen Figuren besticht. In dieser scheinbaren Trostlosigkeit ist so unendlich viel Platz für Hoffnung und Mut, sodass man das Buch am Ende mit einem Lächeln zu schlägt.

Es ist eine ungewohnt kurze Rezension, denn viel mehr brauche ich darüber nicht schreiben. Den Roman sollte man einfach lesen!

Links zum Buch: https://keinundaber.ch/de/literary-work/die-weiteren-aussichten/

weitere Rezension zu Robert Seethaler auf LesePartie: https://lesepartie.de/das-feld/

Zwei Handvoll Leben

Katharina Fuchs
Cover Zwei handvoll leben
Zwei Handvoll Leben

Beeindruckend und lebensnah schildert der Roman zwei Frauenschicksale im bewegten 20. Jahrhundert.

Deutschland 1914. Anna lebt mit ihrer Familie im Spreewald. Viel kann sich die Familie nicht leisten, aber ihre Mutter ermöglicht Anna eine Lehre zur Schneiderin. Charlotte ist die einzige Tochter eines sächsischen Gutsherren. Eines Tages wird sie den landwirtschaftlichen Besitz erben. Beide Mädchen stehen an der Schwelle des Erwachsenwerdens. Beide begegnen ihrer ersten, großen Liebe, bevor der Erste Weltkrieg ausbricht. Beide erleben die Veränderungen, die der Krieg und der darauffolgende Frieden mit sich bringt. Bei beiden verläuft das Leben anders, als sie es sich erträumt haben. Dennoch lassen sich weder Anna noch Charlotte davon nicht entmutigen und gehen in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels konsequent ihren Weg.

Nach ihrer Schneiderlehre verlässt Anna 1919 ihre Familie und fährt nach Berlin, um dort Arbeit zu finden. Als das Berliner KaDeWe Verkäuferinnen sucht, ergreift sie ihre Chance. Anna kann durch ihr Wissen als Schneiderin überzeugen und bekommt die begehrte Stelle. Für Anna ist es der Beginn einer ungewöhnlichen beruflichen Karriere in diesen Zeiten.

Charlotte hat während des Krieges tatkräftig auf dem landwirtschaftlichen Gut mit angepackt. Nun wird es für ihren Vater Zeit, dass Charlotte sich nach einem geeigneten Ehemann umsieht. Ihre Tante lebt mit ihrem Mann Salomon und der gemeinsamen Tochter in Leipzig. Dort wird Charlotte in die Gesellschaft eingeführt. Da sie sich von ihrer großen Liebe betrogen fühlt, lässt sie sich von anderen, jungen Männern den Hof machen. Charlotte ist bewusste, es gilt nicht nur die richtige Entscheidung für sich selbst, sondern für die Zukunft des Gutes zu treffen.

Anna und Charlotte wachsen völlig unterschiedlich auf, doch beide verbindet die erste unerfüllte Liebe, die Liebe zu ihren Familien und allem voran ihr starker Wille das Leben bestmöglich zu meistern. Der Roman beschreibt abwechselnd je Kapitel den Lebensweg der beiden Frauen, der durch die bewegte Zeit des 20. Jahrhunderts führt. Diese Erzählweise macht es dem Leser leicht, beiden Geschichten parallel zu folgen. So wie die Zeiten sind auch die Leben von Charlotte und Anna durch Hoffnung, Angst, Entbehrungen und dem Leben das Beste abzutrotzen geprägt.

Die Erzählung beginnt kurz vor dem Ersten Weltkrieg und endet 1953, als Charlotte und Anna bei der Heirat ihrer Kinder aufeinandertreffen. Die Handlung des Romans ist aus der Perspektive der Frauen geschrieben. Neben den Hauptcharakteren Anna und Charlotte gibt es noch weitere, wie beispielsweise Charlottes Cousine Edith oder Annas Freundin Ella. Alle Frauenfiguren sind hervorragend beschrieben. Es macht große Freude ihre Entwicklungen zu verfolgen. Jedoch stimmen ihre Geschichten nachdenklich, angesichts des ständigen Kampfes, um zu erhalten, was sie sich aufgebaut haben.

Das Buch beruht auf der wahren Familiengeschichte der Autorin Katharina Fuchs, die sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Großmütter begeben hat. Mich hat das Buch gänzlich überzeugt. Ich konnte es nur schwer aus der Hand legen. Nicht nur die Charaktere sind lebensnah, sondern auch die Orte, die Stimmungen sind fast fühlbar in Worte gefasst. Allerdings musste ich die Geschichte eine Zeit wirken lassen, nachdem ich das Buch gelesen und zugeklappt hatte. Es zeigt für mich ein weiteres Mal, wie viel gerade diese Frauengeneration geleistet hat und wie viel Leid die Kriege gebracht haben. Ich halte es für wichtig immer wieder daran zu erinnern. Das Buch ist sehr lesenswert und da sich schon eine Fortsetzung ankündigt, bin ich sehr gespannt und freue mich darauf.

Links zum Roman:

Drömer Knaur Verlag: https://www.droemer-knaur.de/buch/9622627/zwei-handvoll-leben

Katharina Fuchs: https://www.instagram.com/katharina_fuchs_books/

Schullektüre II

Schullektüre Cover
Schullektüren Cover

In der 8. Klasse las ich „Das Haus der Treppen“ von William Sleator. Damals mochte ich den Roman nicht. Die Geschichte war mir zu widerlich und grausam. Heute sehe ich das etwas anders. Der Roman erzählt von fünf Jugendlichen, die an einem seltsamen Ort gefangen sind, welcher ausschließlich aus Treppen besteht, die ins Nichts führen. Bestimmtes Verhalten führt zu Belohnung. Wenn einer der Gruppe ausgegrenzt oder misshandelt wird, bekommen die anderen eine Belohnung. Die Jugendlichen durchschauen dieses Muster sehr schnell und sind bereit für ihr eigenes Überleben darauf einzugehen. Nur zwei der Jugendlichen beschließen nicht weiter Teil des unmenschlichen Spiels zu sein und durchbrechen den Teufelskreis.

Ein weiteres Mal war auch ein Roman von Dürrenmatt dabei. „Das Versprechen“ ist ebenfalls ein hinreichend bekannter Roman, welcher mehrmals unter dem Titel „Es geschah am helllichten Tag“ verfilmt wurde. Missbrauch von Kindern bis heute ein hochaktuelles wie schreckliches Thema.

Schillers Liebesdrama um Luise und Ferdinand ist eine der beliebtesten Schullektüren. Ich gebe zu, dass mir das Stück gefällt, es allerdings im Unterricht zu behandeln sehr mühsam war.

Und dann noch ein weltbekannter Roman. J.D. Sailingers „Der Fänger im Roggen“. Das einzige vom Autor veröffentliche Werk. Bisher wurde der Roman weder verfilmt noch als Theaterstück adaptiert. Der Autor verhinderte sämtliche Bemühung dazu dem 16jährigen Holden ein Gesicht oder eine Stimme zu geben. Wer Holden Caulfields dreitägiges Abenteuer erleben will, muss bis heute zum Buch greifen.

Das waren meine Schullektüren, die ihren Platz in meinem Bücherregal haben. Nicht jede hat mich als Schüler begeistern können, doch zu einem späteren Zeitpunkt, konnte ich sehr wohl etwas mit den Romanen anfangen.

Der Beitrag ist ein großes Dankeschön an meine Deutschlehrer!

Teil I:https://lesepartie.de/schullektuere-teil-i/

Links zu den vorgesstellten Büchern

Das Haus der Treppen: https://www.dtv.de/buch/william-sleator-das-haus-der-treppen-7859/

Der Fänger im Roggen: https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-faenger-im-roggen/978-3-462-03218-5/

Das Versprechen:https://www.dtv.de/buch/friedrich-duerrenmatt-das-versprechen-1390/

Kabale und Liebe: https://www.kabale-und-liebe.de/kabale-und-liebe/

Schullektüre Teil I

Schullektüre, welche ich während der Schulzeit gelesen habe
Cover Schullektüre Teil I

Die Erinnerung an den Deutschunterricht zur Schulzeit löst bei vielen ehemaligen Schülern eher einen genervten Seufzer aus als das ein freudiges Lächeln übers Gesicht huscht. Neben Diktaten und Grammatik ist ab den höheren Schulklassen eine jährliche Schullektüre Pflicht.

Ich hatte tatsächlich das große Glück während meiner Schulzeit durchweg fantastische Deutschlehrer zu haben, denen auch die Meinung ihrer Schüler wichtig war. So konnte wir ein wenig mitbestimmen, welche Lektüre im Unterricht durchgenommen werden sollte.

Wenn ich mir die Bücher heute so anschaue, na ja, manchmal muss mir auch langweilig gewesen sein. Denn ich war sowohl im Innenteil als auch auf den Covern zeichnerisch sehr kreativ unterwegs. Eines dieser Bücher ist sogar bis heute eines meiner Lieblingsromane. „Er hieß Jan“ von der Autorin Irina Korschunow. Es handelt von der 17jährigen Regine, die eine glühende Verehrerin der Nationalsozialisten ist. Bis zu dem Tag als sie den polnischen Zwangsarbeiter Jan kennenlernt. Es ist eine eindringliche Geschichte, an deren Ende dennoch Hoffnung steht. Ich habe dieses Büchlein (meine Ausgabe ist vom dtv Verlag, 1993 und hat 117 Seiten) öfters gelesen und jedes Mal packt mich die Erzählung aufs Neue. https://lesepartie.de/erstes-mal-zweites-mal/

Dieser Jugendroman ist heute noch erhältlich, als Taschenbuch, als e-book oder als Hörbuch. Und diese Werbung mache ich unentgeltlich, doch mit voller Überzeugung, für diesen zeitlosen und wichtigen Roman.

Selbstverständlich sind da noch die Klassiker, die gelesen werden müssen. Dürrenmatt, Zweig, Schiller (zu Goethe habe ich nur verschiedene Gedichte im Unterricht durchgenommen). Im Fach Englisch habe ich „Dead Poets Society“ gelesen. Der Film „Club der Toten Dichter“ mit Robin Williams und Ethan Hawke war in den 90igern sehr beliebt, auch bei Lehrern. Die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ist empfehlenswert. Manche Dinge bekommen mit einem anderen Blickwinkel auch eine andere Bedeutung. Sich einfach mal auf den Tisch stellen oder auf den Boden setzen kann helfen, seine Sicht der Dinge zu ändern. Ein ganz wunderbarer Roman darüber, wie Literatur das Leben beeinflussen und den Horizont erweitern kann.

Die Erzählung von Stefan Zweig ist ebenfalls bis heute ein großer Roman und ebenso zeitlos. Eine psychologische Studie über Wahn und Können. Eine hervorragende Erzählung.

Vielmehr muss ich wohl zu Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ auch nicht schreiben. Zahlreich verfilmt und immer noch ein Dauerbrenner auf den Theaterbühnen. Ein Stück über Rachsucht, Gier und menschliche Schwäche. Vor allem über die menschliche Breitschaft, unmenschliches zu akzeptieren. Der Zweck heiligt die Mittel.

Teil II folgt….

Links zu den vorgestellten Büchern (unbezahlte Werbung)

Er hieß Jan: https://www.dtv.de/buch/irina-korschunow-er-hiess-jan-78284/

Besuch der alten Dame: https://www.frustfrei-lernen.de/deutsch/der-besuch-der-alten-dame-duerrenmatt.html

Die Schachnovelle: https://www.buecher.de/shop/wien/schachnovelle/zweig-stefan/products_products/detail/prod_id/00836545/

Dead poets society: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/sonstige-belletristik/der-club-der-toten-dichter/id_3222022

Teil II: https://www.lesepartie.de/schullektuere-teil-ii