A.S. Tory und das Spiel mit der Zeit

A.S. Tory und das Spiel mit der Zeit ist Sid und Chiaras letztes Abenteuer. Eine Zeitreise durch die letzten hundert Jahre und Familiengeheimnisse, denen sie auf den Grund gehen
S. Sagenroth

erschienen im Verlag tredition, 2021

Rezension

Kurzmeinung

Auf unterhaltsame Weise werden in dem letzten Band der Reihe „A.S. Tory und das Spiel mit der Zeit“ wichtige Themen aufgegriffen und Geheimnisse gelüftet.

Inhalt

Sommer 2020, die Corona Situation ist auch an Sid nicht spurlos vorübergegangen. Nun sind Sommerferien, doch rechte Ferienstimmung will nicht aufkommen. Da erhält Sid Wiedererwarten eine E-Mail von Tory. Der alte Herr hat tatsächlich einen weiteren Auftrag für ihn und Chiara.

Diesmal handelt es sich um eine Reise durch die letzten hundert Jahre. Die Zwei sollen nämlich in einer Frankfurter Villa Ordnung schaffen, bevor die Entrümpler anrücken. Überaus froh, sich nach der langen Zeit wiederzusehen, stöbern Chiara und Sid in dem alten Haus herum und entdecken so manche kuriose Sache.

Doch ein Schatten liegt auf dem alten Haus und seinen ehemaligen Bewohnern. Arne, der Sohn des Hauses ist anscheinend 1985 von zu Hause weggelaufen ohne eine Spur zu hinterlassen. Nicht nur Arnes Schicksal ist ungeklärt, sondern auch das seines aus Leipzig stammenden Großvaters, der aus den Familienalben ausradiert wurde. Welches Geheimnis steckt hinter ihrem Verschwinden? Chiara und Sid begeben sich auf Spurensuche.

Handlung

Diesmal ist es eine alte Villa in Frankfurt und eine Reise in vergangene Zeiten, die Sid und Chiara erwartet. Das Haus ist seit einiger Zeit nicht mehr bewohnt und soll demnächst ausgeräumt werden, doch die beiden Töchter der Familie haben angeblich keine Zeit, die Sachen durchzusehen. So wird die Aufgabe auf Sid und Chiara übertragen. Nach anfänglicher Befangenheit durchstöbern die Zwei das Haus.

Ein Zimmer hat es besonders Sid angetan. Früher wurde es von Arne bewohnt, der ein leidenschaftlicher Musikliebhaber und Plattensammler war, ebenso wie Sid einer ist. Doch was ist mit dem Jungen geschehen, der 1985 das Haus verlassen hat und nie mehr wiederkehrte? Eine seiner Schwestern gibt zwar mysteriöse Auskünfte, jedoch steht fest, dass Arne schon lange tot ist. Um herauszufinden, was genau Arne zugestoßen ist, führt die Spur Chiara und Sid erst nach Leipzig und weiter ins Elbsandstein Gebirge.

Es wird eine abenteuerliche Reise, auf der es ihnen gelingt die Familiengeheimnisse aufzudecken. Aber auch ihre Beziehung zueinander steht für Chiara und Sid auf den Prüfstand. Es ist an der Zeit sich zu entscheiden, was sie für einander sein wollen.

Meinung

Der letzte Teil der Reihe blendet die Pandemie nicht aus, gibt ihr jedoch auch nicht mehr Raum als nötig. Meiner Ansicht nach ist es der Autorin hervorragend gelungen die richtige Balance zu finden. Da jeder Roman in der Jetztzeit spielte, hätte ich es seltsam gefunden, die Pandemie nicht zu erwähnen und so zu tun, als ob alles wäre wie 2019.

Es wirkt sich diesmal auch auf den Auftrag aus, den Sid von Tory bekommt. Anstatt wie in den vorherigen Teilen verschiedene Länder zu bereisen, bleiben Chiara und Sid diesmal in Deutschland. Die sonstigen Reisen werde durch Reisen durch die Zeit ersetzt. So spielt der Roman über zwei Generationen hinweg. Zum einen handelt es sich um den Großvater, der ab den 1940er Jahren verschwindet, zum anderen geht es um Arne, der Mitte der 80er abhaut.

Das vorrangige Thema des Romans ist die sexuelle Orientierung und der Umgang mit ihr. Immer wieder gab es Vorstöße für Toleranz, dann ging es jedoch gesellschaftlich wieder rückwärts. Seit nicht einmal dreißig Jahren ist Homosexualität keine Straftat mehr. In vielen Familien wurde über solche Sachen nicht gesprochen, sowie in der Familie, deren Geheimnisse Chiara und Sid nun aufdecken. Der Roman ist ein Appell für Toleranz, aber auch dafür miteinander zu reden und Dinge nicht tot zu schweigen.

Frankfurt, Leipzig und das Elbsandsteingebirge sind diesmal die Orte, an denen die Geschichte spielt. Auch hier wird die jeweilige Atmosphäre wunderbar eingefangen. Gerade im Elbsandsteingebirge verbringen Chiara und Sid drei Tage in Abgeschiedenheit. Denn das, was sich im letzten Band offensichtlich anbahnte, kommt nun auf den Tisch. Die Frage, wie Chiara und Sid zueinander stehen, gehört zu den stetigen Entwicklungen der Reihe. Ebenso wie bei der Pandemie, findet die Autorin bei dieser zwischenmenschlichen Frage die passende Gewichtung zu der eigentlichen Handlung.

Vom ersten bis zu diesem Band haben sich die Charaktere merklich entwickelt. Sid ist nun volljährig, besitzt seinen Führerschein und wenn die Pandemie ausklingt, wird er sicher die Welt erkunden. Aus dem Teenager ist nun ein junger Mann geworden. Auch Chiara hat sich gemacht. Ihr Leben bekommt langsam Kontur und wer weiß, was sie studieren wird. Beide stehen nun an einem neuen Lebensabschnitt, dass wird in der Erzählung deutlich. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass die Reihe hier endet. Tory spielt in diesem Teil nur noch eine sehr nebensächliche Rolle, da er durch sein Alter und die Pandemie in London bleibt. Schlussendlich ist es auch ein Abschied von dem alten Herren, der die Abenteuer erst ermöglicht hat.

Als Leserin verabschiede ich mich von dem letzten Teil der Reihe mit ein bisschen Wehmut. Mir haben Chiaras und Sids Abenteuer sehr gefallen. „A.S. Tory und das Spiel mit der Zeit“ ist ein unterhaltsamer Jugendroman, der Themen der Zeit mit einer Leichtigkeit aufgreift ohne belehren zu wollen. Besonders gefällt mir, dass er zum eigenständigen Denken anregt. Jeder Leser:in kann etwas für sich daraus mitnehmen.

Fazit

Ein gelungener Abschluss einer fantastischen Buchreihe. Unterhaltsam, spannend und ein Aufruf dazu neugierig und abenteuerlustig zu bleiben.

Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin für das Rezensionsexemplar!

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