Albert, Bärbel und Christine

Ein Konflikt

Albert

„Früher war Christine hübsch. Damals hatte sie noch Auswahl an Männern. Aber keiner war ihr gut genug“, sagte Albert mürrisch. „Nun sei doch nicht so“, mahnte seine Frau Bärbel. Sie hantierte nebenbei in der Küche, um das Familientreffen zu Kaffee und Kuchen vorzubereiten. Diese Treffen fanden mittlerweile nicht mehr allzu häufig statt und jedes Mal gerieten Albert und seine jüngere Schwester Christine aneinander. Ein ums andere Mal war es an Bärbel den Streit zu schlichten oder von vornherein im Keim zu ersticken. Meist lief es darauf hinaus, dass Albert und Bärbel, nachdem die Familie wieder weg war, stritten.

Christine

„Immer nimmst du sie in Schutz“, kam es von Albert aus dem Wohnzimmer. Sein ärgerlicher Ton gab Bärbel eine Vorstellung davon, wie der Tag verlaufen würde. Albert würde Christine wieder darauf reduzieren, dass sie nie geheiratet hatte, dass sie im Job wenig erreicht hatte und und und. Dabei war Christine eine fröhliche Mitfünfzigerin, die mit beiden Beinen im Leben stand. Nur Albert sah das anders. In seiner konservativen Welt musste eine Frau wenigstens einmal verheiratet gewesen sein. Von dieser veralteten Ansicht ließ er nicht ab. „Ich nehme Christine nicht in Schutz, ich bin nur anderer Meinung als du!“ Auch Bärbels Tonfall nahm eine genervte Note an. „Ich bin es so leid, mir das anzuhören. Sei froh, dass Christine überhaupt noch zu den Treffen zu kommen.“

Bärbel

Bärbel öffnet den Backofen, um den Kuchen herauszunehmen. Ein Schwall heißer Luft ließ ihr Brille beschlagen. Als sie ins Wohnzimmer kam, saß Albert schon am gedeckten Tisch. Bärbel atmete tief durch. „Bitte halt dich heute einfach zurück. Ich möchte ein harmonischen, fröhliches Beisammensein.“ Alberts Blick sagte ihr, dass er ihre Bitte nicht nachkommen würde. Wann war ihr Mann zu so einem Ekel geworden?

Ende

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