Zeitsprünge in Romanen

Rückblende
Zeitsprung

Rückblenden, Zeitsprünge. Lässt sich mit diesem Stilmittel die Geschichte eines Romans interessanter gestalten oder verwirrt es den Leser? Welche Varianten gibt es?

In zahlreichen Romanen wird mit Rückblenden gearbeitet. Auf diese Weise kann man einen Roman interessant und spannend gestalten. Jedoch birgt es auch die Gefahr, dass die Geschichte dadurch unübersichtlich wird. Für den Einbau von Zeitsprüngen in die Geschichte stehen dem Autor verschiedene Varianten zur Verfügung und seiner Kreativität steht nichts im Weg.

Vor einigen Wochen las ich den Roman „Das rote Adressbuch“. Das Erstlingswerk der Autorin Sofia Lundberg. Die Autorin hat sich für eine sehr einfache, übersichtliche Fassung entschieden. Die vergangenen Ereignisse waren von der Gegenwart durch jeweilige Kapitel unterteilt. Der Roman beginnt in der Gegenwart und führt dann chronologisch geordnet immer wieder zurück in die Vergangenheit. Die chronologische Anordnung der Rückblenden macht es dem Leser leicht, dem Wechsel der zeitlichen Handlungssträngen zu folgen. Der Roman ist durch seinen Schreibstil ebenfalls sehr einfach gehalten, so dass auch das verwendete Stilmittel der Zeitsprünge zu dem Buch passen.

Anders präsentiert sich da schon der Roman von Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwestern“. Zwar sind auch in diesem Roman die Rückblenden von den Gegenwartsbeschreibungen durch Kapitel getrennt, jedoch nicht chronologisch geordnet. Des weiteren steht nicht nur eine Figur im Fokus der Erzählung, sondern die drei Schwestern. Der 100. Geburtstag der Ältesten holt den Leser in die Jetztzeit. Erleichtert wird die Einordnung der Zeitsprünge durch den Zusatz der Kapitelüberschriften, die das jeweilige Datum angeben. Trotz allem verlangt Anne Gesthuysens Roman im Vergleich wesentlich mehr Leseraufmerksamkeit, denn nur langsam reihen sich die vergangenen Ereignisse zu einem Bild zusammen. Ein Vorteil dieser Erzählweise ist ganz klar, der Spannungsbogen, welcher dabei besser aufgebaut und gehalten wird.

Komplizierter wird es dann schon in „Neuland“, einem Roman von Eskhol Nevo. Die Erzählung hat zwar nur zwei Hauptfiguren, dennoch sind diese eng verbunden mit der Vergangenheit der Nebenfiguren. Somit beziehen sich Zeitsprünge nicht nur auf Haupt-, sondern auch auf Nebenfiguren. Weiterhin sind nicht alle Sprünge chronologisch angeordnet. Dies Stilmittel setzt die hundertprozentige Konzentration des Lesers voraus. Die Romanerzählung basiert auf der jeweiligen Familiengeschichte der beiden Protagonisten Ingbar und Dori. Ohne die Lebensgeschichte ihrer direkten Vorfahren, gäbe es nichts zu erzählen. Das klingt schon in der Buchwidmung des Autors wieder, die lautet

Wäre sie nicht dort nicht weggegangen, wäre ich nicht hier“

Der Autor springt nicht nur in der Zeit, sondern ändert auch die Person, die gerade erzählt und somit den Blickwinkel. Dadurch wirkt der Roman sehr lebendig. Der Leser muss seine volle Aufmerksamkeit dem Buch widmen. Dafür wird er am Ende mit einer gut erzählten, facettenreichen Geschichte belohnt.

Je nach dem, welche Geschichte man wiedergeben möchte, sollte ein Autor das passende Stilmittel für seinen Roman finden, um Rückblenden oder Zeitsprünge einzubauen. Beispiele hierfür gibt es zahlreiche. Manche sind mehr, manche weniger gelungen. In Matt Haigs Roman „Wie man die Zeit anhält“, lebt der ganze Roman nur von Zeitsprüngen. Erst das Hin und Her zwischen den Jahrhunderten gibt dem Buch den besonderen Reiz.

Die für diesem Beitrag ausgewählte Romane setzten ihre Rückblenden meiner Ansicht nach gelungen ein. Die Art und Weise gestaltet die Geschichten interessant und passt zum jeweiligen Stil des Buches. Ob Zeitsprünge gelungen, nachvollziehbar und schlüssig sind, muss jeder Leser individuell für sich entscheiden. Ich lese gerne Geschichten, welche mit Zeitsprüngen arbeiten und sich langsam alles zu einem Ganzen fügt.

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