Sturmzeit

Charlotte Link
Sturmzeit

Charlotte Link

Der erste Teil der Trilogiebesticht durch seine Protagonisten

Alljährlich im Sommer kommt die weit verstreute Familie auf dem ostpreußischen Landgut Lulinn nahe der russischen Grenze zusammen. So auch im Sommer 1914. Es wird gestritten, sich verliebt und vor allem genießt die familiäre Gesellschaft die Annehmlichkeiten des Landlebens. Die Ferien enden jäh, als im August die Mobilmachung ausgerufen wird. Bis auf Felicia und ihre Großeltern verlassen alle das Gut, um in ihr eigenes Heim zurückzukehren. Felicia bleibt, denn ihr Großvater liegt im Sterben. Gemeinsam mit ihrer Großmutter harrt sie aus. Als die Russen das Gut erreichen, ist es Felicias erste Prüfung in diesem Krieg, der ihr noch einiges abverlangen wird. Aus dem verwöhnten, reichen Mädchen, formen die Kriegsereignisse eine eigensinnige, pragmatische Frau. Ihrem Geschäftssinn und ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die Familie nach dem Krieg einer sicheren Zukunft entgegensehen kann. In den 1920iger Jahren wird aus Felicia eine reiche Geschäftsfrau. Doch mit dem Ende des goldenen Jahrzehnts, verliert auch sie am schwarzen Freitag ihr ganzes Vermögen.

Charlotte Link erschafft eine großartige Familiensaga mit einer herausragenden Protagonistin. Felicia besteht aus so vielen Facetten, welche oft widersprüchlich sind und trotz allem die Figur erst lebendig werden lassen. Ebenso sind weitere Figuren des Romans in ihrem Wesen fabelhaft erdacht und beschrieben. Darunter finden sich Opportunisten und Träumer, aber auch Realisten und Zyniker.

„Sturmzeit“ ist eine Trilogie über all das, was das 20. Jahrhundert zu bieten hat. Von der Schlacht um Verdun, der Russischen Revolution bis zur Inflation und dem Börsencrash, alles findet seinen Platz in dem ersten Teil der Romanreihe. Als Leser wird man mit hineingezogen in diese große Familie und verfolgt gespannt ihren Wandel.

Felicia erinnert mich sehr an Scarlett O’Hara aus „Vom Winde verweht“. Ähnlich ist Felicias Eigensinn, ihre Ruhelosigkeit, die ihrem Familiensinn und vor allem dem unbedingten Erhalt des Gutes Lulinn im nichts nachstehen. Nicht nur in diesem Punkt gleichen sich die beiden Frauenfiguren. In Bezug auf ihr Liebesleben kann man ebenfalls Parallelen finden. Auch Felicia heiratet das erste Mal aus Trotz und das zweite Mal aus Sicherheit und dennoch denkt sie stets an ihre Jugendliebe.

Die Erzählweise ist spannend, verständlich und die Hintergründe gut recherchiert. Besonders haben mir die Dialoge gefallen. Als Leser ist man immer mitten drin. Die Romantrilogie spricht vor allem die Leserschaft historischer Literatur an. Der erste Teil ist ein großes Lesevergnügen gewesen und ich kann es kaum erwarten, wie es weitergeht.

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