Weil ich dich liebe

Guillaume Musso

Nicole und Mark führen ein glückliches Familienleben. Connor und Mark verbindet seit ihrer Kindheit im Armenviertel Chicagos eine tiefe Freundschaft. Durch einen Schicksalsschlag gerät Marks Leben aus der Bahn und gefährdet sowohl seine Liebe zu Nicole als auch seine Freundschaft zu Connor. Evie, ein 15jähriger Teenager, aufgewachsen in einem Wohnwagenpark am Rande von Las Vegas und Allyson, Milliardenerbin, welche die Klatschpresse mit Skandalen versorgt, treffen in einem Flugzeug nach New York auf Mark. Ihre Geschichten sind miteinander verwoben, doch um das herauszufinden, müssen sie sich gegenseitig vertrauen, um sich einander gänzlich öffnen zu können.

Es ist Weihnachten als Nicole unverhofft auf ihren Mann Mark trifft, der sich seit einem hartem Schicksalsschlag von ihr entfernt hat. Zwei Jahre lang haben sie sich nicht gesehen und auch jetzt ist Mark nicht bereit zu bleiben. Evie, ein junges Mädchen, irrt an diesem Abend alleine, ohne Geld, ohne Unterkunft in New York herum. Zufällig trifft sie auf Connor, Marks besten Freund aus Kindertagen. Allyson, eine junge Frau Mitte zwanzig, Milliardenerbin, hat alles, dennoch fällt es ihr schwer ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Mark, Evie und Allyson lernen sich auf einem Flug von Los Angeles nach New York kennen. Gegenseitig geben sie sich Einblick in ihre dunkelsten Tiefen ihrer Seelen, offenbaren wohlgehütete Geheimnisse und erkennen, dass ihre Geschichten miteinander verwoben sind und alle Fäden laufen zu einem Menschen.

Wie so oft in den Büchern von Guillaume Musso, wird man in die Erzählung hineingestoßen ohne eine Ahnung davon zu haben, worum es geht. Schritt für Schritt erklären sich die Figuren und Situationen. Musso arbeitet mit Rückblenden, in denen der Leser in die prägenden Erinnerungen jeder Figur mitgenommen wird. Die Geschichte hält einige traurige und tragische Momente bereit, erzählt doch vor allem von Mut, Vergebung und Hoffnung.

An manchen Stellen verwirren die Handlungsstränge etwas. Mir war beispielsweise lange nicht klar, welche Rolle Allyson in diesem Buch einnimmt. Sie ist auch für mich die Figur, die kaum Tiefgang besitzt. Ihr Charakter stellt den absoluten Gegensatz zu allen anderen Figuren dar. Dieser Roman ist trotz kleiner Schwächen lesenswert. Musso schreibt einfach wunderbar. Seine Beschreibungen von Umgebungen oder Stimmungen gelingen ihm – wie meistens – so gut, dass man als Leser alles genau vor sich sieht und miterlebt.

Die Geschichte erzählt von Startschwierigkeiten, Brüchen im Leben und Schicksalsschlägen, hält aber an der Devise fest, wenn man etwas ändern will, dann wird es gelingen.

 

 

Ein Himmel voller Bücher

Amy Meyerson

Miranda, Ende zwanzig, Geschichtslehrerin in Philadelphia und kürzlich bei ihrem Freund Jay eingezogen. Die Sommerferien stehen vor der Tür und Miranda freut sich viel Zeit mit Jay zu verbringen. Da erreicht sie die Nachricht vom Tod ihres Onkel Billy. Sie fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles, obwohl sie ihren Onkel seit ihrem zwölften Lebensjahr nicht mehr gesehen hat. Billy und Mirandas Eltern haben nach einem Streit jeglichen Kontakt abgebrochen und auch jetzt ist Miranda das einzige Familienmitglied auf der Beerdigung. Alle Versuche mehr über den damaligen Streit herauszufinden, führen zu nichts. Mirandas Eltern bilden eine Wand des Schweigens. Billy hinterlässt Miranda seinen Buchladen „Prospero Books“ und hat vor seinem Tod dafür gesorgt, dass Miranda verschiedene Hinweise erreichen. Diese Hinweise führen Miranda in die Vergangenheit und lassen sie nach all den Jahren die Wahrheit über ihre Familie erkennen.

Mirandas Leben könnte nicht besser laufen. Gerade ist sie mit ihrem Kollegen Jay zusammengezogen, sie liebt ihren Job als Lehrerin von amerikanischer Geschichte und sie fühlt sich an der Ostküste pudelwohl. Aus heiterem Himmel bekommt sie ein Päckchen mit einer alten Ausgabe von Shakespears „Der Sturm“. In dem Buch wurden Passagen markiert. Das Stück steht in Bezug zu Miranda, da eine der Hauptfiguren des Stücks ihre Namensgeberin ist. Kurz darauf erhält sie die Nachricht vom Tod ihres Onkels Billy, den sie schon fast vergessen hatte. Als Miranda gerade zwölf Jahre alt war, ist Billy, der Held ihrer Kindheit, nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter, aus ihrem Leben verschwunden. Billy reiste beruflich viel in der Welt umher. Doch wenn er zu Hause war, verbrachte er seine Zeit mit Miranda. Oftmals hat er sich Schnitzeljagden für Miranda ausgedacht. Nachdem sie alle Rätsel gelöst hatte, durfte sie sich ein Buch aus Billys Buchladen aussuchen. Miranda liebte den Laden, in dem Billy Teilhaber war.

Gerade haben die Sommerferien begonnen und Miranda fliegt zur Beerdigung nach Los Angeles. Ihre Mutter weigert sich sie zu begleiten, um ihrem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Miranda versucht zwar den Grund herauszufinden, warum der Streit die Geschwister selbst über den Tod hinaus noch entzweit, stößt jedoch auf eisernes Schweigen.

Billy hat Miranda die Buchhandlung vererbt, dessen alleiniger Eigentümer er war. Gegründet wurde die Buchhandlung von Billys verstorbener Frau Evelyn, von der Miranda bisher nicht einmal wusste, dass sie existierte. Weiterhin erhält sie auch versteckte Hinweise, die Billy für sie hinterlassen hat. Mit diesen Rätseln schickt er sie zurück in die Vergangenheit von ihm, Evelyn und die ihrer Eltern. Ihre Eltern schweigen beharrlich zu dem Thema. Immer häufiger überkommt Miranda das Gefühl, dass die ganze Geschichte mehr mit ihr zu tun hat, mehr als ihr bisher bewusst war.

Sie beschließt den Sommer über in L.A. zu bleiben und kümmert sich um den Buchladen, der sich tief in den rote Zahlen befindet. Und dann ist da noch Malcolm, der den Buchladen seit Jahren leitet und ein guter Freund Billys war. Miranda fragt sich, wie viel er über die Vergangenheit weiß und ob sie ihm vertrauen kann. Als der Sommer sich dem Ende neigt, steht Miranda vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird. Können die Geschehnisse der Vergangenheit ihr den richtigen Weg weisen?

„Ein Himmel voller Bücher“ ist eine kurzweilige, aber farblose Erzählung, deren Hintergrund man schnell durchschaut. Für mich bleiben einige der wichtigen Charaktere zu oberflächlich in ihren Handlungen. Aus meiner Sicht sind die Passagen, in den Miranda etwas über die Vergangenheit erfährt, sehr anstrengend zu lesen und zu verstehen. Es beginnt meistens mit der Sicht der Figur, welche Miranda etwas erzählt, dann schwenkt es um und Miranda schildert, was ihr erzählt wird. Darauf folgt die Sicht des jeweiligen Protagonisten, der die Situation damals erlebt. Dieses ständige Hin und Her macht es schwierig dem Erzählten zu folgen. Der Roman ist eine gute Sommerlektüre mit einer vorhersehbaren Geschichte, die wenige Überraschungen birgt. Kann man lesen, man verpasst allerdings auch nichts, wenn man es nicht tut.

https://www.lovelybooks.de/autor/Amy-Meyerson/Ein-Himmel-voller-B%C3%BCcher-1441734335-w/

 

Das Papiermädchen

Guillaume Musso

Tom Boyd ist ein erfolgreicher Schriftsteller. Seine große Leserschaft wartet gespannt auf den finalen Roman seiner Trilogie. Doch nach dem Aus seiner Beziehung mit einer berühmten Pianistin verfällt Tom Alkohol – und Drogenexzessen,  verliert seinen Führerschein und sieht sich nicht imstande jemals wieder nur eine Zeile zu schreiben. Hinzu kommt, dass sein bester Freund und Manager Milo sich auf riskante Investitionen eingelassen hat und beide alles verlieren können, wenn der dritte Teil nicht erscheint. Eines Tages steht plötzlich eine unbekannte, nackte Frau in Toms Wohnzimmer und stellt sich als Billie vor – eine Protagonistin seines Romans. Sie behauptet aus eines seiner Bücher gefallen zu sein und nur er kann ihr helfen wieder eine Romanfigur zu werden. Sie schließen einen Pakt und damit beginnt eine turbulente Reise, deren Ende ein unerwartetes Ende nimmt.

Tom, Milo und Carole sind seit Jugendtagen Freunde. Aufgewachsen in der schlimmsten Gegend von Los Angeles, haben sie sich ihr gutes Leben erkämpft. Doch nun steht alles auf der Kippe. Tom ist nach dem Bruch mit seiner Verlobten in ein tiefes Loch gefallen und fällt immer tiefer. Sein Leben, sonst erfüllt vom Schreiben, besteht aus Beruhigungspillen, Depressionen und Alkohol. Jeder Versuch seiner Freunde Tom aufzurütteln scheitert. Auch als Milo ihm eröffnet, dass er durch riskante Investitionen auch Toms Vermögen verspielt hat und er Tom in aller Deutlichkeit klar macht, dass nur der dritte Roman den Bankrott aufhalten kann, bleibt Tom in seiner Lethargie gefangen.

Dann steht eines Tages eine junge Frau in Toms Wohnzimmer und behauptet Billie, eine Figur aus seinem Roman zu sein. Durch einen Fehldruck sei sie aus dem Buch gefallen und nur Tom könnte sie wieder hineinschreiben. Nach einigem hin und her glaubt Tom ihr schließlich. Sie schließen eine Vereinbarung. Billie hilft Tom Aurore zurück zu erobern und dafür schreibt Tom seinen Roman zu Ende. Damit beginnt eine lange Reise, die sie von Los Angeles nach Mexiko bis nach Paris führt.

Guillaume Musso aktueller Roman „Das Papiermädchen“ startet mit Klatschspaltennachrichten und führt den Leser damit in die Geschichte ein. Allerdings wirkt schon der Anfang dadurch sehr konstruiert. Im weiteren Verlauf gewinnen die Figuren kaum an Tiefe. Wie in den meisten Romanen von Musso haben sich die Underdogs aus einer miesen Gegend herausgekämpft. Diese Stereotype wirkt in diesem Roman aufgesetzt.

Mir fehlt der Tiefgang bei den Figuren. Warum trauert Tom seiner Verlobten nach, was war so besonders? Diesen doch so wichtigen Punkt habe ich nicht verstanden. Ebenso wirken Erzählstränge der Nebenhandlungen, z.B. die Beziehung zwischen Milo und Carole, konstruiert und es fehlt einfach an Tiefe. Vieles ist zu vorhersehbar oder unpassend. Auch rund um Tom und Billie ist die Erzählung überladen und man findet als Leser keinen Zugang. Es passiert zu viel, manches ist schlichtweg unglaubwürdig und auch das Ende ist zu sehr gewollt.

Ich habe alle Romane von Musso gelesen. Seine Geschichten sind gut erzählt und haben immer Überraschungen parat. Allerdings hat mich „Das Papiermädchen“ leider mehr gelangweilt als unterhalten.

 

Unterleuten

Juli Zeh

Unterleuten, ein kleines Dorf irgendwo im brandenburgischen. Es gibt die Alteingesessenen, deren Familien seit Generationen dieses Dorf bevölkern und dann gibt es die Aussteiger, aus der Stadt, die ihre Vorstellung der dörflichen Idylle leben wollen. Als eine Windkraftanlage gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Jahrzehnte lang gepflegte Feindschaften treten zu Tage, ebenso wie Lebenslügen und der Glaube der Zugezogenen, bei all dem mitzumischen zu können. Das Dorf geht alle an! Doch wer sind alle, wenn ständig gegeneinander und nicht miteinander gekämpft wird?

Unterleuten lebt vor allem von der Landwirtschaft. Nach dem Ende der DDR, wandelten die Unterleutener ihre LPG zu einer GmbH um. Treiben Kraft dabei Gombrowski, der Sohn des letzens Unterleutener Großgrundbesitzers und zu DDR Zeiten Leiter der LPG. Gombrowski setzt sich für sein Dorf und die Bewohner ein, dabei ist die Wahl seiner Mittel nicht immer legal und oftmals fragwürdig. Trotz seines Engagements und seiner Stellung im Dorf, erfreut er sich keiner großen Beliebtheit.

Sein Widersacher Kron, überzeugter Kommunist und der Querulant im Dorf, lässt nichts aus, um Gombrowski ins schlechte Licht zu rücken.

Dann sind da die Städter, die auf dem Land einen ruhigen, idyllischen Zufluchtsort suchen. Flies, ehemaliger Uniprofessor, und seine junge Frau Jule mit ihrem Baby. Flies arbeitet für den Vogelschutz und legt jedem Bauvorhaben in der Umgebung Steine in den Weg. Das macht ihn bei manchen Bewohnern wenig beliebt. In Unterleuten regelt man solche Sachen unter sich. Das bekommen Flies und seine Familie deutlich zu spüren.

Linda Franzen und ihr Freund Frederik haben sich ebenfalls ein renovierungsbedürftiges Anwesen in Unterleuten gekauft. Linda möchte dort eine Pferdezucht gründen. Auch für sie ist es nicht einfach ihr Ziel zu verwirklichen. Zum einen torpediert Flies ihre Umbaugenehmigung für die Pferdeställe und selbst bei den Koppelzäunen erhebt er Einspruch. Zudem weigert sich ein Investor aus dem Westen, ihr die Wiese hinter dem Haus zu verkaufen.

Als eines Tages bekannt wird, dass Windräder in Unterleuten errichtet werden sollen, ändert sich die Lage. Es regt sich Widerstand, bis einige wenige erkennen, dass die Windräder beschlossene Sache sind und nur die Frage ist, auf welchem Grundstück sie errichtet werden. Durch die großzügige Pacht, wäre derjenige, auf dessen Grundstück die Windräder gebaut werden, saniert. Durch die Windräder kommt Bewegung in das Dorf, alte Fronten brechen wieder auf und lang Vergessenes kommt wieder zu Tage. Nur das dieses Mal die „Neuen“ versuchen in den ganzen verzweigten Seilschaften des Dorfes mitzumischen. Am Ende verlieren einige alles und andere gehen gestärkt aus diesem Umbruch hervor.

Juli Zehs Roman „Unterleuten“ erzählt von einem Dorf, das um seine Existenz kämpft. Dessen ländliche Machtmechanismen jenseits der Gesetzgebung funktionieren. Der Roman verdeutlicht darüber hinaus denn Generationenkonflikt. Es sind noch immer die „alten Männer“, die das Dorfleben bestimmen sowie schon zu Zeiten der DDR.

Doch Juli Zeh malt nicht schwarz-weiß, es gibt nicht da die Guten und auf der anderen Seite die Bösen. Sie lässt die Figuren für sich sprechen und erzählt deren Geschichte. Der Leser erfährt, warum sie so handeln, wie sie es tun. Es gibt die tragischen und die von der Gesellschaft abgehängten, die Glücksritter auf der Suche nach ländlichem Frieden. Dem Roman gelingt ein Portrait eines Dorflebens, das Jahrzehnte lang an alten Strukturen festgehalten und an dessen Oberfläche es gebrodelt hat. Nun genügt ein kleiner Funke, um all die alten Geschichten hochkochen zu lassen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht eine Neuordnung möglich.

Der Roman ist unterhaltsam geschrieben. Abwechselnd wird aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt, so dass der Leser der Handlung gut folgen kann und dabei die Figuren kennenlernt. Man merkt den Charaktere an, dass sie mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erschaffen worden sind. Die Autorin überzeugt durch eine gute Beobachtungsgabe und durch Menschenkenntnis, die sie in die Figuren einfließen lässt.

Meiner Ansicht nach ist der Roman lesenswert, weil er einen Blick in gesellschaftliche Strukturen erlaubt, die es in ähnlicher Weise sicher gibt. Sowohl die desillusionierte, ältere Generation als auch die 20-30jährigen sind auf den Punkt beschrieben. Die einzige Kritik meinerseits betrifft das Ende. Den Epilog hätte ich in dieser Art nicht gebraucht. Manches kann man sich denken, anderes hätte man vielleicht nochmal aus der Sicht einer etablierten Figur schreiben können, um nicht am Ende eine weitere hinzufügen zu müssen.

http://www.unterleuten.de/

Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde

„Die Geschichte der Bienen“ erzählt von drei Familien in drei verschiedenen Jahrhunderten, deren Leben von Bienen geprägt ist. Im Jahr 1852 leidet der englische Familienvater und Geschäftsmann William an einer schweren Depression, die ihm jegliche Motivation nimmt. Doch eines Tages erlangt er seinen Lebensmut zurück und beginnt mit dem Beobachten von Bienen.

2007 kämpft George in Ohio um seine Existenz als Imker. Seit Generation betreibt die Familie Savage ihre Bienenfarm, doch ist diese Art der Imkerei immer weniger rentabel. Daher trifft es George und seine Familie hart, als die Mehrzahl ihrer Bienenvölker stirbt.

Toa und Kuan leben mit ihrem dreijährigen Sohn Wei-Wen in China. 2098 gibt es keine Bienen mehr. Toa und Kuan arbeiten als Bestäuber von Obstbäumen. Während eines Familienpicknicks bricht Wei-Wen schlaff und fiebrig zusammen. Der Junge wird nach Peking gebracht und die Eltern aufgefordert nach zu Hause fahren. Was ist mit Wei-Wen geschehen und welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen drei zeitlich versetzt lebenden Familien? Und welche Rolle spielen die Bienen?

Es ist das Jahr 2098. Tao, Kuan und der dreijährige Wei-Wen leben in China. Der Kollaps, der die Welt heimgesucht hat, ist Jahrzehnte her. China unterliegt einem streng strukturierten System, um das Überleben der Menschen zu sichern. Die Auswahl an Lebensmitteln ist begrenzt, vor allem Obst und Gemüse sind rar und wenn es etwas zu kaufen gibt, ist es unerschwinglich. Tao und Kuan arbeiten als Bestäuber auf den Obstplantagen, denn Bienen gibt es nicht mehr. Europa und die USA hat es am schwersten getroffen, nur wenige haben überlebt und die Hungersnot ist groß. Dennoch wünscht sich Tao für ihren Sohn ein anderes Leben. Nach monatelanger Schufterei auf der Plantage haben sie endlich einen freien Tag, den die Familie bei einem Picknick verbringt. Es ist ein schöner Tag, bis Wei-Wen plötzlich zusammenbricht und das Bewusstsein verliert. Im Krankenhaus erfahren die Eltern keine Einzelheiten und man schickt sie nach Hause, um dort zu warten. Sie erfahren nur, dass Wei-Wen nach Peking verlegt ist. Als Tao und Kuan wieder zurückkommen, ist der Ort, an dem sie das Picknick veranstaltet haben, abgesperrt und Militär bewacht den Platz. Tao kann sich nicht damit abfinden nur zu warten und nimmt all ihr Erspartes, um nach Peking zu reisen. In Peking erwartet sie eine verlassene und verfallene Stadt. Was sie dort sieht und erlebt, erschüttert Tao zu tiefst, dennoch bringt es sie nicht davon ab, ihren Sohn zu suchen.

William liegt seit Monaten in seinem Bett. Ihm ist die Leidenschaft abhanden gekommen. Sein Geschäft für Saatgut ist geschlossen, seine Familie braucht dringend neue Kleidung und Lebensmittel, doch William bleibt liegen. Er trauert um seinen Traum ein bekannter naturwissenschaftlicher Forscher zu werden. Doch die alltäglichen Pflichten und der nötige Unterhalt für seine Familie, ließen ihm keine Zeit für die Verwirklichung. Eines Tages kehrt er voller Tatendrang zurück ins Leben. Von nun an beginnt er mit seinen Beobachtungen der Bienen. Er entwirft einen modernen Bienenstock, um mehr über das Bienenleben herauszufinden. Große Unterstützung erfährt er dabei von seiner Tochter Charlotte, die ihm kaum von der Seite weicht. Allerdings nimmt William sie kaum wahr, denn er versucht verzweifelt, das Interesse seines Sohnes zu wecken. Mit dieser Forschung will er endlich die Anerkennung erreichen, die ihm jahrelang gefehlt hat. Ob es schlussendlich so kommen wird, entscheiden andere.

Seit Generationen ist die Savage Bienenfarm in Ohio ansässig. George ist mit Herz und Seele dabei. Doch die letzten Jahren waren kaum mehr rentabel, so dass er all seine Hoffnungen auf seinen Sohn Tom setzt. Tom studiert und hat den Wunsch Journalist zu werden, anstatt den Betrieb weiterzuführen. Es ist das Jahr 2007. Der Winter war mild, den Bienen geht es gut und George hofft, auf eine gute Saison. Unvermittelt trifft das Bienensterben, das später den Namen CCD bekommen soll, auch George. Es betrifft fast alle seine Bienenstöcke, aber er kämpft weiter um seine Existenz. Auch Tom sieht die alarmierenden Vorzeichen und entscheidet sich dafür, seinen Vater zu unterstützen.

Der Roman handelt von diesen drei Familien, die in unterschiedlichen Jahrhunderten leben, ihre familienspezifischen Probleme bewältigen müssen und die dennoch eines vereint; Die Geschichte der Bienen. William führt uns vor Augen, wie kompliziert die Erforschung der Bienen ist. Zudem wird der damalige Zeitgeist des naturwissenschaftlichen Erforschens, der Wissensdrang, aber auch im Umkehrschluss der Wunsch nach Anerkennung deutlich. William bekommt von seiner Tochter Charlotte alle Unterstützung, doch im Prinzip versucht er nur die Anerkennung seines Sohnes zu bekommen, welcher kein Interesse am Tun des Vaters zeigt. Ähnlich ergeht es George mit seinem Sohn Tom. Er kann Toms Leidenschaft für das Schreiben nicht nachvollziehen. Seit Generation betreibt die Familie diesen Imkereibetrieb und nun soll die ganze Arbeit, die George in den Erhalt gesteckt hat, keinen Wert haben. Auch Taos Leben ist bestimmt von den Bienen. Sie ersetzt die Arbeit der Bienen und dann verändert eine Biene Taos Leben von Grund auf.

Der Roman basiert auf dem real existierenden Bienensterben, das 2007/2008 viele Imker in den USA getroffen hat. CCD soll hervorgerufen werden von einer bestimmten Milbe, aber auch Monokulturen und Pestizide töten unsere Insekten. Wie eine Welt ohne Obst und Gemüse aussehen könnte, beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Die Schreckensversion einer verlassenen Großstadt wie Peking sollte aufrütteln. Das Thema ist höchstaktuell und sollte wesentlich mehr Beachtung finden. Trotz all den Lobeshymnen auf diesen Roman, muss ich sagen, dass gerade die ersten 100 Seiten sich sehr ziehen. Bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, muss man sich durch das erste Drittel des Buches kämpfen. Williams Selbstmitleid ist oft schwer zu ertragen. Auch wenn es für diese Zeit nicht üblich ist, dass Frauen wissenschaftlich Arbeiten, bin ich der Meinung, dass er Charlottes Tun und Meinung auf unverschämte Weise ignoriert. Gerade er hätte mit Anerkennung nicht sparen dürfen. Ebenso handelt es sich auch bei George mehr um einen Vater-Sohn Konflikt, als es tatsächlich um die Folgen des CCD geht. Wirklich überzeugt hat mich nur die Erzählung rund um Taos Schicksal. Das ständige Wechseln zwischen diesen drei Erzählungen lässt den Roman etwas unterhaltsamer werden. Meine Erwartungen an diesen Roman wurden leider nur bedingt erfüllt.

https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Geschichte-der-Bienen/Maja-Lunde/btb-Hardcover

https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article144151778/Sterben-die-Bienen-aus-sterben-auch-Menschen.html