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Wie man die Zeit anhält

Matt Haig
Wie man die Zeit anhält

Matt Haig

Ein empfehlenswertes Buch! Es macht deutlich, dass egal wie lange du lebst, es zählt der Moment!

Tom Hazard sieht aus wie ein Mann um die 40, doch ist er weitaus älter. Als Heranwachsender bemerkt er, dass er beginnt langsamer zu altern als die Menschen um ihn herum. In Zeiten der Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts eine gefährliche Anomalie.
Im heutigen London hat er gerade eine Stelle als Geschichtslehrer angetreten. Durch die Unterrichtsvorbereitung, kommt viel Erlebtes wieder aus Tom seelischen Tiefen an die Oberfläche. So erzählt Tom von seinem Leben durch die Jahrhunderte hindurch. Er erzählt von den tragischen und glücklichen Momenten, Bekanntschaften und von der Einsamkeit.

Im Hier und Jetzt wird sein Leben durch die Albatros Gesellschaft gelenkt, die ihm alle acht Jahre eine neue Identität verschafft. So kann niemand verdacht schöpfen, weil Tom augenscheinlich nicht älter wird. Tom lernt Camille, eine Kollegin, kennen. Er ist dabei sich in sie zu verlieben, doch einer der Grundsätze der Albatrosse ist, keinesfalls soziale Bindungen einzugehen. Wie wird er sich entscheiden? Tom lässt sein Leben Revue passieren, um am Ende herauszufinden, was ihn wirklich glücklich macht.

Tom Hazard, geboren 1581 als adeliger Spross in einem französischen Chateau, flieht nach dem Tod des Vaters während der Religionskriege mit seiner Mutter nach England. Als er 13 Jahre alt ist, hört er auf zu altern. In 10 Jahren altert er um eins. Nach dem Verlust seiner Mutter, an deren Tod er sich die Schuld gibt, kommt er nach London. Dort lernt er Rose kennen. Rose ist seine große Liebe. Doch ist es möglich diese Liebe zu leben? Im Prinzip sind sie im gleichen Alter, nur Tom sieht man sein wirkliches Alter nun einmal nicht an. Das bringt viele Probleme mit sich.

Tom wird einsam. Er lebt, während die Zeit für alle anderen normal voranschreitet. Er umsegelt die Weltmeere, lebt in verschiedenen Ländern bis er im 19. Jahrhundert sich der Albatross Gesellschaft anschließt. Eine Vereinigung, in der alle Mitglieder die gleiche Anomalie des langsamen Alterns besitzen. Alle acht Jahre muss Tom einen Auftrag erfüllen und dann bekommt er von der Gesellschaft eine neue Identität. Doch ist die Gesellschaft wirklich eine Rettung aus seiner Einsamkeit?
Im heutigen London unterrichtet Tom an einer Schule Geschichte. Eine Tätigkeit, die ihm Freunde bereitet. Zudem ist er dabei sich in seine Kollegin Camille zu verlieben. Laut den Regeln der Albatros Gesellschaft ein absolutes Tabu. Tom hat die Erfahrung gemacht, dass jedem Menschen, der sein Geheimnis kannte, etwas zugestoßen ist. Darum versucht er sich von Camille fernzuhalten. Ob Tom es jemals schaffen wird aus dem Kreislauf aus Schuld, Verlust und Einsamkeit auszubrechen und sein Leben endlich als Geschenk anzunehmen?
„Wie man die Zeit anhält“ ist ein fantastischer Roman, mit unendlich vielen Lebensweisheiten, die den Leser zum Nachdenken bringen. Ein Satz hat sich bei mir besonders eingeprägt:
„Das 21. Jahrhundert droht immer noch, sich zu einer schlechten Coverversion des 20. Jahrhunderts zu entwickeln“
Daneben gibt es auch etliche Dinge, die mit einem Augenzwinkern hinterfragt werden. Wie als Beispiel die Sinnhaftigkeit von Selbstbedienungskassen.
Der Roman wird aus der Sicht des Ich Erzählers Tom geschildert, der unter seinem „Defekt“ leidet. Anstatt das Leben, das er voll ausschöpfen darf, anzunehmen, verbringt er seine Zeit mit Schuldgefühlen und Abschottung. Doch je mehr man über ihn erfährt, desto besser kann man ihn verstehen. Es ist ein unterhaltsames Lesevergnügen, wenn er von seinen Abenteuer berichtet, von bekannten Persönlichkeiten, die zufällig seine Wege kreuzten oder von seiner Liebe zu Rose.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte und das Buch zuschlug, war es wie ein Abschied von einem liebgewonnen Freund. Am Ende klärt sich für Tom glücklicherweise vieles, so dass man ihn guten Gewissens gehen lassen kann.
Ein empfehlenswertes Buch! Es macht deutlich, dass egal wie lange du lebst, es zählt der Moment!

 

Animant Crumbs Staubchronik

Lin Rina

Ein Roman über eine außergewöhnliche junge Frau, die mit Wissen und Mut punktet.

Animant Crumbs Staubchronik handelt von der 19jährigen Animant Crumb, welche sich nur für Bücher anstatt, wie es für junge Damen der Gesellschaft üblich ist, für die Eroberung eines Ehemann interessiert. Animants Gleichgültigkeit hinsichtlich eines Ehemanns, führt zu dauernden Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter. Da scheint es eine glückliche Fügung zu sein, als ihr Onkel, verantwortlich für Personalfragen an der Londoner Universität, händeringend einen Assistenten für den launischen Bibliothekar sucht. Animant soll diese Stelle für einen Monat annehmen.

Das Londoner Stadtleben unterscheidet sich erheblich von dem beschaulichen Landleben, dass Animant bislang gewöhnt ist. Tapfer stellt sie sich allen Herausforderungen, die größte ist der griesgrämige Bibliothekar, welcher ihr das Leben schwer macht. Dennoch zeigt sich das Leben in London auch von anderen Seiten, so schließt Animant schnell neue Freundschaften und entdeckt so manch Neues. Ihre vier Wochen in London sind voller neuer Eindrücke und Animant entdeckt Seiten an sich selbst, die sie nie für möglich gehalten hätte. Ausgerechnet der fürchterliche Bibliothekar hat einen großen Anteil daran.

Ende des 19. Jahrhunderts ist es für junge Frauen von gesellschaftlichen Stand erstrebenswert eine gute Partie zu machen. Nur Animant Crumbs hat überhaupt kein Interesse an Männer, die sie in den meisten Fällen für Langweiler und Dummköpfe hält. Sie verbringt ihre Zeit am liebsten mit ihren Büchern auf dem Dachboden. Durch ihr vielfältiges Wissen entlarvt sie nur allzu schnell jeden, der lediglich prahlerische Absichten hegt. Dieser Wesenszug führt zu ständigen Streitereien zwischen Animant und ihrer Mutter. Als eines Tages ihr Onkel zu Besuch ist, klagt er der Familie sein Leid. Er ist verantwortlich für Personalangelegenheiten innerhalb der Londoner Universität und ist andauernd auf der Suche nach einem Assistenten für den Bibliothekar. Dieser hat ein unleidliches Wesen und vergrault nach kurzer Zeit alle Anwärter auf die Stelle. Schnell fassen Animants Vater und Onkel den Plan, dass Animant einen Monat diese Stelle übernehmen soll.

Somit lernt Animant eine zentrale Stelle des Wissens kennen, die ansonsten Frauen zu dieser Zeit verwehrt bleibt. Die Bibliothek steht nur den männliche Studenten zur Verfügung. Es könnte für sie der schönste Platz auf Erden sein, wenn da nicht der übellaunige Bibliothekar wäre, der sie häufig schikaniert. Doch Animant ist gewillt durchzuhalten und ihr bestes zu geben. Auch das Stadtleben ist ein ganz anderes als sie es gewohnt ist. In der wissbegierigen und freiheitsliebenden Elisa findet sie schnell eine gleichgesinnte Freundin. In diesem Monat prasseln viele Eindrücke und neue Erfahrungen auf die junge Frau ein, die Animant erwachsen werden lassen. Sie lernt viel über sich selbst und das Leben, und zum ersten Mal im Leben ist Animant verliebt.

Animant ist eine willensstarke Persönlichkeit, die sich von den Regeln ihrer Zeit nicht unterkriegen lässt. Sie verkörpert eine junge, aufgeschlossene und wissbegierige junge Frau, die sich vor allem für Sachbücher rund um naturwissenschaftliche Themen interessiert. Sie war mir sofort sympathisch, auch wenn sie manchmal in verstaubte Muster zurückfällt, ist sie eine außerordentlich liebenswerte Person. In ihrer Londoner Zeit passieren ihr Dinge, die auf dem Land undenkbar gewesen wären. An einigen Stellen habe ich sehr lachen müssen, denn so groß ist der Unterschied zu der heutigen Zeit auch nicht.

Ebenso lebensbejahend und mutig ist auch Elisa. Manchmal vielleicht zu derb oder zu laut, aber eine tolle Frau und Freundin. Manche Männer kommen in dieser Erzählung nicht gut weg und das zu Recht! Es ist ein Roman über das Erwachsen werden, sich selbst finden und erkennen, aber auch über Emanzipation. Leider ist vieles, was in diesem Buch unterschwellig beschrieben wird, heute noch genauso. Wir erleben es aktuell bei dem Fall einer weiblichen Sportmoderatorin, die Fussballspiele kommentiert.

Ein außergewöhnlicher Roman!

Das Geheimnis des Winterhauses

Sarah Lark
Das Geheimnis des Winterhauses

Sarah Lark

Als ihre Cousine und beste Freundin Klara erkrankt, ist es für Ellinor selbstverständlich sich als Spender für eine neue Niere testen zu lassen. Sie ahnt nicht, dass sie mit ihrer Entscheidung zu helfen, ein gut gehütetes Familiengeheimnis aufdeckt. Als sie mit den Nachforschungen zur wahren Geschichte ihrer Ahnen beginnt, kann sie nicht absehen, dass sich ihr Leben dabei grundlegen verändern wird.

Ellinor reist von ihrer Heimatstadt Wien nach Dalmatien, an den Ort, aus dem ihre Urgroßeltern stammen. Dort begibt sie sich auf Spurensuche nach ihren Vorfahren. Ihre Suche führt Ellinor von Dalmatien weiter nach Neuseeland. Ihr Urgroßvater, Frano Zima,  folgte um die Jahrhundertwende dem Versprechen auf ein besseres Leben als Gumdigger in Neuseeland. Als sie mit ihrem Mann in Neuseeland ankommt, lernt sie ihre dort ansässige Verwandtschaft kennen. Stück für Stück trägt sie die einzelnen Puzzleteile zusammen und erfährt dadurch viel über das Leben ihres Urgroßvaters. Ellinor offenbart sich eine Vergangenheit voller Hoffnungen, Lebenslügen und enttäuschter Liebe, die sie bishin zu einem der spektakulärsten Fälle der neuseeländischen Kriminalgeschichte führt.

Allerdings stellt Ellinors Neugier auf das Leben ihrer Ahnen ihre Ehe mit dem Künstler Gernot auf eine harte Probe. Durch ihre Reise ergründet Ellinor vieles über ihre familären Wurzeln und es verändert das Leben der Mittdreißigerin von Grund auf.

Ellinor, die Protagonistin des Romans „Das Geheimnis des Winterhauses“, ist dem Leser mit ihrer offenen, klugen Art gleich sympathisch. Dass sie sich sofort auf die Suche macht, um das Geheimnis zu erkunden, ist nachvollziehbar und verständlich. Jeder ihrer Schritte nimmt den Leser mit an eindrucksvolle Orte und lässt ihn zeitweise am Leben des letzten Jahrhunderts teilhaben. Die vielen Facetten der Geschichte bleiben bis zum Schluss spannend. In manchen Momenten war ich als Leser selbst nicht sicher, wie es weitergeht und was ich wirklich von den verschiedenen Puzzleteilen halten soll.

Die Figur des Ehemanns Gernot hätte mehrere Graustufen vertragen können. Meiner Meinung nach ist die Figur von Beginn an zu einseitig dargestellt. Ein weiterer Kritikpunkt ist das sich überschlagende Ende, das für mich zu sehr auf „Alles-wird-gut“ getrimmt wurde. Alles in allem ist Sarah Larks neuer Roman ein wunderbar erzählter Roman, dessen Geschichte nachdenklich stimmt. Ich konnte ihn jedenfalls kaum aus der Hand legen, aus lauter Neugier, was Ellinor als nächstes entdeckt.

 

Manchmal ist es federleicht

von kleinen und großen Abschieden
Manchmal ist es federleicht

Christine Westermann

In „Manchmal ist es federleicht“ berichtet Christine Westermann von kleinen und großen Abschieden. Jeder Mensch erlebt in seinem Leben verschiedene Arten des Abschieds. Manche werden uns aufgezwungen, manche bestimmen wir selbst.

Genau davon erzählt Christine Westermann; von ihren Vater, der gezwungen war, Erfurt und somit die DDR zu verlassen. Seine Flucht ist im Gegensatz zu einem freigewählten Umzug sicher kein Vergleich. Was lässt man zurück und ist das, was man zurücklässt, später noch wichtig? Um etwas Neues zu wagen, muss man meist das Alte hinter sich lassen. Es ist ein sehr persönliches Buch, denn Christine Westermann schreibt nicht nur über ihre erlebten Abschiede, sondern gibt Einblicke in private Momente und Gedanken.

Es ist ein Buch, in dem sich jeder wiederfinden kann, denn Abschiede gehören zum Leben dazu. Christine Westermann versteht es hervorragend die nötigen Zwischentöne zu finden, um ihren Erlebnissen Lebendigkeit zu verleihen. Ohne viel Pathos schreibt sie über altersbedingte Einschränkungen körperlicher Beweglichkeit, über das Ende einer grandiosen Fernsehsendung und über den Umgang mit dem Tod. Ich habe das Lesen des Buches sehr genossen. Manche Stellen haben mich zum Lachen gebracht, andere wiederum haben mich nachdenklich werden lassen. Wenn man wirklich ein Maßband, als sichtbares Zeichen für Lebenszeit, zu Grunde legt, sollte man Abschiede als ein Teil des Lebens betrachten und die Furcht davor ablegen.

Ein absolut empfehlenswertes, lesenswertes Buch, geschrieben von einer ganz tollen Frau.

https://www.christine-westermann.de/

 

Die geliehene Schuld

Claire Winter
Die geliehene Schuld

Claire Winter

Im Berlin der Nachkriegszeit versucht die junge Journalisten Vera Lessing sich wieder in ihrem Leben einzurichten. Durch den Krieg hat sie sowohl ihre Eltern als auch ihren Mann verloren. Nun möchte sie die Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne schauen. Doch als Veras Jugendfreund und Kollege Jonathan bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kommt, stellt sie Nachforschungen über seine letzte Recherche an und stößt dabei auf einen Skandal von weltpolitischem Ausmaß.

Auf einer offiziellen Veranstaltung in Bonn lernt der Berliner Journalist Jonathan die junge Sekretärin Marie kennen. Trotz ihrer wohnlichen Distanz entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung. Durch einen Zeitungsartikel wird Marie auf die Wilhelmstraßen Prozesse aufmerksam. Da auch ihr Vater, 1944 in Russland gefallen, für das Reichssicherheitshauptamt tätig war, beginnt Marie sich zu fragen, welche Rolle ihr Vater im 3. Reich gespielt hat und stellt dazu Nachforschungen an. Sie bittet auch Jonathan um Hilfe. Er nutzt dafür seine Kontakte zum britischen Geheimdienst. Maries Familie schweigt zu all ihren Fragen und versucht ihr kritisches Verhalten zu unterdrücken. Als Marie heimlich nach Nürnberg fährt, um bei dem Prozess dabei zu sein, macht sie die Bekanntschaft mit Lina, einer Jüdin. Ihr Bruder und sie haben ihre gesamte Familie im Holocaust verloren hat. Die beiden jungen Frauen verbindet entgegen ihres unterschiedlichen Hintergrundes schnell eine innige Freundschaft.

Etwa ein halbes Jahr später kommt Jonathan bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Am darauf folgenden Tag erhält Vera, seine Kollegin und Freundin aus Jugendtagen, die Aufzeichnungen seiner letzten Recherche mit dem Hinweis auf die Brisanz dieser Unterlagen. Eindringlich bittet Jonathan sie im beiliegendem Brief, niemandem zu vertrauen. Vera beschließt den Tod ihres Freundes aufzuklären und verfolgt seine Recherchen weiter, wobei sie unglaubliches enthüllt. Vera erfährt, dass gesuchte NS Verbrecher auf ungeklärte Weise aus Gefangenenlagern entkommen. Sie entdeckt Fluchtrouten, die über die Alpen von Tirol nach Südtirol und weiter zu den italienischen Hafenstädten führen und ebenso von Vertriebenen und Heimatlosen als auch von Nationalsozialisten genutzt werden. Den Alliierten sind diese Routen bekannt. Zudem wissen sie auch genau, dass gesuchte Verbrecher über diese Routen ins Ausland fliehen. Plötzlich findet sich Vera in politischen Verstrickungen wieder, in die nicht nur die Alliierten verwickelt sind, sondern darüber hinaus die katholische Kirche sowie das Rote Kreuz.

Die Ungeheuerlichkeit von Veras Entdeckung bringt sie gleichzeitig auch in Lebensgefahr. Vera muss erkennen wie übermächtig ihre Gegner sind, die sie verfolgen und bedrohen. Wird Vera die Mörder Jonathans finden? Wird sie selbst lebend aus der Sache wieder heraus kommen können? Und welche Rolle spielen Marie und ihre Familie in dieser Geschichte?

Claire Winter nimmt den Leser mit in eine spannende Zeit, in der nach dem Krieg eine neue Weltordnung geschaffen wird. Der kalte Krieg ist erst in seinen Anfängen und doch beherrscht der Ost-West-Konflikt das politische Geschehen, in dem das besetzte Deutschland eine zentrale Rolle spielt. Die neue politische Situation und die „Organisation Gehlen“ bilden den Hintergrund für diesen Roman. Claire Winter erzählt eindrücklich vom Leben zwischen den Trümmern und von der Hoffnung junger Menschen, die den Krieg überlebt haben, auf eine bessere Zukunft.

Die Handlungsstränge des Romans werden auf zwei Zeitebenen erzählt, beginnend im Mai 1949, wird immer wieder in das Jahr 1948 zurückgeblickt. So fügen sich nach und nach die Geschehnisse zusammen. Meist ist der Leser der Protagonistin Vera einen Schritt voraus. Dennoch bleibt der Roman bis zum Schluss spannend.
Meiner Ansicht nach sind die Figuren bis in die kleinste „Nebenrolle“ wunderbar erzählt. Zudem erkennt man beim Lesen, die Liebe zum Detail sowie die ausführlichen historischen Recherchen, die dem Roman zu Grunde liegen.
Ein großartiges, fesselndes Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte und dessen Geschichte mich nachdenklich gestimmt hat. Empfehlenswert!

https://www.randomhouse.de/Autor/Claire-Winter/p507652.rhd

Unterleuten

Juli Zeh

Unterleuten, ein kleines Dorf irgendwo im brandenburgischen. Es gibt die Alteingesessenen, deren Familien seit Generationen dieses Dorf bevölkern und dann gibt es die Aussteiger, aus der Stadt, die ihre Vorstellung der dörflichen Idylle leben wollen. Als eine Windkraftanlage gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Jahrzehnte lang gepflegte Feindschaften treten zu Tage, ebenso wie Lebenslügen und der Glaube der Zugezogenen, bei all dem mitzumischen zu können. Das Dorf geht alle an! Doch wer sind alle, wenn ständig gegeneinander und nicht miteinander gekämpft wird?

Unterleuten lebt vor allem von der Landwirtschaft. Nach dem Ende der DDR, wandelten die Unterleutener ihre LPG zu einer GmbH um. Treiben Kraft dabei Gombrowski, der Sohn des letzens Unterleutener Großgrundbesitzers und zu DDR Zeiten Leiter der LPG. Gombrowski setzt sich für sein Dorf und die Bewohner ein, dabei ist die Wahl seiner Mittel nicht immer legal und oftmals fragwürdig. Trotz seines Engagements und seiner Stellung im Dorf, erfreut er sich keiner großen Beliebtheit.

Sein Widersacher Kron, überzeugter Kommunist und der Querulant im Dorf, lässt nichts aus, um Gombrowski ins schlechte Licht zu rücken.

Dann sind da die Städter, die auf dem Land einen ruhigen, idyllischen Zufluchtsort suchen. Flies, ehemaliger Uniprofessor, und seine junge Frau Jule mit ihrem Baby. Flies arbeitet für den Vogelschutz und legt jedem Bauvorhaben in der Umgebung Steine in den Weg. Das macht ihn bei manchen Bewohnern wenig beliebt. In Unterleuten regelt man solche Sachen unter sich. Das bekommen Flies und seine Familie deutlich zu spüren.

Linda Franzen und ihr Freund Frederik haben sich ebenfalls ein renovierungsbedürftiges Anwesen in Unterleuten gekauft. Linda möchte dort eine Pferdezucht gründen. Auch für sie ist es nicht einfach ihr Ziel zu verwirklichen. Zum einen torpediert Flies ihre Umbaugenehmigung für die Pferdeställe und selbst bei den Koppelzäunen erhebt er Einspruch. Zudem weigert sich ein Investor aus dem Westen, ihr die Wiese hinter dem Haus zu verkaufen.

Als eines Tages bekannt wird, dass Windräder in Unterleuten errichtet werden sollen, ändert sich die Lage. Es regt sich Widerstand, bis einige wenige erkennen, dass die Windräder beschlossene Sache sind und nur die Frage ist, auf welchem Grundstück sie errichtet werden. Durch die großzügige Pacht, wäre derjenige, auf dessen Grundstück die Windräder gebaut werden, saniert. Durch die Windräder kommt Bewegung in das Dorf, alte Fronten brechen wieder auf und lang Vergessenes kommt wieder zu Tage. Nur das dieses Mal die „Neuen“ versuchen in den ganzen verzweigten Seilschaften des Dorfes mitzumischen. Am Ende verlieren einige alles und andere gehen gestärkt aus diesem Umbruch hervor.

Juli Zehs Roman „Unterleuten“ erzählt von einem Dorf, das um seine Existenz kämpft. Dessen ländliche Machtmechanismen jenseits der Gesetzgebung funktionieren. Der Roman verdeutlicht darüber hinaus denn Generationenkonflikt. Es sind noch immer die „alten Männer“, die das Dorfleben bestimmen sowie schon zu Zeiten der DDR.

Doch Juli Zeh malt nicht schwarz-weiß, es gibt nicht da die Guten und auf der anderen Seite die Bösen. Sie lässt die Figuren für sich sprechen und erzählt deren Geschichte. Der Leser erfährt, warum sie so handeln, wie sie es tun. Es gibt die tragischen und die von der Gesellschaft abgehängten, die Glücksritter auf der Suche nach ländlichem Frieden. Dem Roman gelingt ein Portrait eines Dorflebens, das Jahrzehnte lang an alten Strukturen festgehalten und an dessen Oberfläche es gebrodelt hat. Nun genügt ein kleiner Funke, um all die alten Geschichten hochkochen zu lassen. Erst die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht eine Neuordnung möglich.

Der Roman ist unterhaltsam geschrieben. Abwechselnd wird aus der Sicht der einzelnen Protagonisten erzählt, so dass der Leser der Handlung gut folgen kann und dabei die Figuren kennenlernt. Man merkt den Charaktere an, dass sie mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erschaffen worden sind. Die Autorin überzeugt durch eine gute Beobachtungsgabe und durch Menschenkenntnis, die sie in die Figuren einfließen lässt.

Meiner Ansicht nach ist der Roman lesenswert, weil er einen Blick in gesellschaftliche Strukturen erlaubt, die es in ähnlicher Weise sicher gibt. Sowohl die desillusionierte, ältere Generation als auch die 20-30jährigen sind auf den Punkt beschrieben. Die einzige Kritik meinerseits betrifft das Ende. Den Epilog hätte ich in dieser Art nicht gebraucht. Manches kann man sich denken, anderes hätte man vielleicht nochmal aus der Sicht einer etablierten Figur schreiben können, um nicht am Ende eine weitere hinzufügen zu müssen.

http://www.unterleuten.de/

Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde

„Die Geschichte der Bienen“ erzählt von drei Familien in drei verschiedenen Jahrhunderten, deren Leben von Bienen geprägt ist. Im Jahr 1852 leidet der englische Familienvater und Geschäftsmann William an einer schweren Depression, die ihm jegliche Motivation nimmt. Doch eines Tages erlangt er seinen Lebensmut zurück und beginnt mit dem Beobachten von Bienen.

2007 kämpft George in Ohio um seine Existenz als Imker. Seit Generation betreibt die Familie Savage ihre Bienenfarm, doch ist diese Art der Imkerei immer weniger rentabel. Daher trifft es George und seine Familie hart, als die Mehrzahl ihrer Bienenvölker stirbt.

Toa und Kuan leben mit ihrem dreijährigen Sohn Wei-Wen in China. 2098 gibt es keine Bienen mehr. Toa und Kuan arbeiten als Bestäuber von Obstbäumen. Während eines Familienpicknicks bricht Wei-Wen schlaff und fiebrig zusammen. Der Junge wird nach Peking gebracht und die Eltern aufgefordert nach zu Hause fahren. Was ist mit Wei-Wen geschehen und welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen drei zeitlich versetzt lebenden Familien? Und welche Rolle spielen die Bienen?

Es ist das Jahr 2098. Tao, Kuan und der dreijährige Wei-Wen leben in China. Der Kollaps, der die Welt heimgesucht hat, ist Jahrzehnte her. China unterliegt einem streng strukturierten System, um das Überleben der Menschen zu sichern. Die Auswahl an Lebensmitteln ist begrenzt, vor allem Obst und Gemüse sind rar und wenn es etwas zu kaufen gibt, ist es unerschwinglich. Tao und Kuan arbeiten als Bestäuber auf den Obstplantagen, denn Bienen gibt es nicht mehr. Europa und die USA hat es am schwersten getroffen, nur wenige haben überlebt und die Hungersnot ist groß. Dennoch wünscht sich Tao für ihren Sohn ein anderes Leben. Nach monatelanger Schufterei auf der Plantage haben sie endlich einen freien Tag, den die Familie bei einem Picknick verbringt. Es ist ein schöner Tag, bis Wei-Wen plötzlich zusammenbricht und das Bewusstsein verliert. Im Krankenhaus erfahren die Eltern keine Einzelheiten und man schickt sie nach Hause, um dort zu warten. Sie erfahren nur, dass Wei-Wen nach Peking verlegt ist. Als Tao und Kuan wieder zurückkommen, ist der Ort, an dem sie das Picknick veranstaltet haben, abgesperrt und Militär bewacht den Platz. Tao kann sich nicht damit abfinden nur zu warten und nimmt all ihr Erspartes, um nach Peking zu reisen. In Peking erwartet sie eine verlassene und verfallene Stadt. Was sie dort sieht und erlebt, erschüttert Tao zu tiefst, dennoch bringt es sie nicht davon ab, ihren Sohn zu suchen.

William liegt seit Monaten in seinem Bett. Ihm ist die Leidenschaft abhanden gekommen. Sein Geschäft für Saatgut ist geschlossen, seine Familie braucht dringend neue Kleidung und Lebensmittel, doch William bleibt liegen. Er trauert um seinen Traum ein bekannter naturwissenschaftlicher Forscher zu werden. Doch die alltäglichen Pflichten und der nötige Unterhalt für seine Familie, ließen ihm keine Zeit für die Verwirklichung. Eines Tages kehrt er voller Tatendrang zurück ins Leben. Von nun an beginnt er mit seinen Beobachtungen der Bienen. Er entwirft einen modernen Bienenstock, um mehr über das Bienenleben herauszufinden. Große Unterstützung erfährt er dabei von seiner Tochter Charlotte, die ihm kaum von der Seite weicht. Allerdings nimmt William sie kaum wahr, denn er versucht verzweifelt, das Interesse seines Sohnes zu wecken. Mit dieser Forschung will er endlich die Anerkennung erreichen, die ihm jahrelang gefehlt hat. Ob es schlussendlich so kommen wird, entscheiden andere.

Seit Generationen ist die Savage Bienenfarm in Ohio ansässig. George ist mit Herz und Seele dabei. Doch die letzten Jahren waren kaum mehr rentabel, so dass er all seine Hoffnungen auf seinen Sohn Tom setzt. Tom studiert und hat den Wunsch Journalist zu werden, anstatt den Betrieb weiterzuführen. Es ist das Jahr 2007. Der Winter war mild, den Bienen geht es gut und George hofft, auf eine gute Saison. Unvermittelt trifft das Bienensterben, das später den Namen CCD bekommen soll, auch George. Es betrifft fast alle seine Bienenstöcke, aber er kämpft weiter um seine Existenz. Auch Tom sieht die alarmierenden Vorzeichen und entscheidet sich dafür, seinen Vater zu unterstützen.

Der Roman handelt von diesen drei Familien, die in unterschiedlichen Jahrhunderten leben, ihre familienspezifischen Probleme bewältigen müssen und die dennoch eines vereint; Die Geschichte der Bienen. William führt uns vor Augen, wie kompliziert die Erforschung der Bienen ist. Zudem wird der damalige Zeitgeist des naturwissenschaftlichen Erforschens, der Wissensdrang, aber auch im Umkehrschluss der Wunsch nach Anerkennung deutlich. William bekommt von seiner Tochter Charlotte alle Unterstützung, doch im Prinzip versucht er nur die Anerkennung seines Sohnes zu bekommen, welcher kein Interesse am Tun des Vaters zeigt. Ähnlich ergeht es George mit seinem Sohn Tom. Er kann Toms Leidenschaft für das Schreiben nicht nachvollziehen. Seit Generation betreibt die Familie diesen Imkereibetrieb und nun soll die ganze Arbeit, die George in den Erhalt gesteckt hat, keinen Wert haben. Auch Taos Leben ist bestimmt von den Bienen. Sie ersetzt die Arbeit der Bienen und dann verändert eine Biene Taos Leben von Grund auf.

Der Roman basiert auf dem real existierenden Bienensterben, das 2007/2008 viele Imker in den USA getroffen hat. CCD soll hervorgerufen werden von einer bestimmten Milbe, aber auch Monokulturen und Pestizide töten unsere Insekten. Wie eine Welt ohne Obst und Gemüse aussehen könnte, beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Die Schreckensversion einer verlassenen Großstadt wie Peking sollte aufrütteln. Das Thema ist höchstaktuell und sollte wesentlich mehr Beachtung finden. Trotz all den Lobeshymnen auf diesen Roman, muss ich sagen, dass gerade die ersten 100 Seiten sich sehr ziehen. Bis die Geschichte Fahrt aufnimmt, muss man sich durch das erste Drittel des Buches kämpfen. Williams Selbstmitleid ist oft schwer zu ertragen. Auch wenn es für diese Zeit nicht üblich ist, dass Frauen wissenschaftlich Arbeiten, bin ich der Meinung, dass er Charlottes Tun und Meinung auf unverschämte Weise ignoriert. Gerade er hätte mit Anerkennung nicht sparen dürfen. Ebenso handelt es sich auch bei George mehr um einen Vater-Sohn Konflikt, als es tatsächlich um die Folgen des CCD geht. Wirklich überzeugt hat mich nur die Erzählung rund um Taos Schicksal. Das ständige Wechseln zwischen diesen drei Erzählungen lässt den Roman etwas unterhaltsamer werden. Meine Erwartungen an diesen Roman wurden leider nur bedingt erfüllt.

https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Geschichte-der-Bienen/Maja-Lunde/btb-Hardcover

https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article144151778/Sterben-die-Bienen-aus-sterben-auch-Menschen.html

Jane Austens Überredung

Als junge Frau löste Anne Elliot, die Heldin dieses Janes Austen Romans, auf Anraten ihrer mütterlichen Freundin, Lady Russel, und des Widerstandes ihre Familie, die Verlobung mit dem damals mittellosen Frederick Wentworth. Kaum ein Tag vergeht, an dem Anne nicht um ihrer verlorene Liebe trauerte. Nun, acht Jahre später, vermietet ihr oberflächlicher Vater aus der finanziellen Not heraus sein Anwesen ausgerechnet an die Schwester Wentworth‘. Wentworth, mittlerweile ein angesehener, vermögender Marinekapitän und begehrter Junggeselle, und Anne, eine verblassende Schönheit Ende zwanzig, begegnen sich nach jahrelanger Trennung wieder. Gibt es eine Chance auf ein neues Glück für die beiden oder sitzt die Demütigung, die sie Wentworth zugefügt hat, zu tief, um auf ein Happy End hoffen zu können?

Anne ist die mittlere dreier Schwestern. Ihre ältere Schwester Elizabeth hat nach dem Tod der Mutter deren Platz eingenommen und ist ähnlich oberflächlich und verschwenderisch wie der Vater Sir Walter Elliot. Für beide zählt lediglich gesellschaftliche Stellung und Aussehen. Das Verhältnis zwischen ihnen und Anne ist kühl und distanziert. Eine gute, mütterliche Freundin findet Anne in Lady Russell. Ihre jüngste Schwester Mary, verheiratet mit Charles Musgrove, wohnt auf dem Landsitz der Musgroves und fühlt sich oft unverstanden und übergangen. Daher flüchtet sie sich regelmäßig in Krankheiten.

Aufgrund von finanzieller Not, muss Sir Walter einsehen, dass er sein Anwesen vermieten und nach Bath umsiedeln muss, um sein Gesicht zu wahren. Der neue Hausherr auf Kellynch Hall wird Admiral Croft, der Schwager von Kapitän Frederick Wentworth, dem Mann, mit dem Anne acht Jahre zuvor verlobt war. Damals folgte Anne, unerfahren und jung, dem Rat ihrer Freundin Lady Russell und löste die Verlobung, woraufhin Wentworth zur Marine ging, um dort Karriere zu machen. Anne hat ihn bis zum heutigen Tag nicht vergessen.

Bevor auch Anne nach Bath übersiedelt, verbringt sie einige Zeit im Haus ihrer Schwester Mary, um diese aufzumuntern. Eingebettet im familiären Kreis der Musgroves fühlt Anne sich sehr wohl. Die Schwägerinnen Marys, Luisa und Henrietta, sind zwei lebensfrohe, temperamentvolle junge Damen, die gerne tanzen. Da die Musgroves nicht weit entfernt von Kellynch Hall leben, kommt es zu einem Besuch Admiral Crofts und seiner Frau mit ihrem Bruder Kapitän Frederick Wentworth. Dem ersten Treffen kann Anne noch aus dem Weg gehen, doch tags darauf steht Wentworth unerwartet vor ihr und beachtet sie kaum. Nun begegnet Anne ihm täglich. Luisa und Henrietta buhlen um seine Aufmerksamkeit und es wird immer deutlicher, dass er sich bald für eine der beiden entscheiden wird. Anne bleibt die stille Beobachterin der Dinge. Als Luisa bei einem Ausflug in Limes einen schrecklichen Unfall erleidet, sind die fröhlichen Tage jäh zu Ende.

Anne reist zu ihrem Vater nach Bath, um dort am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im Haus ihres Vaters lernt sie Mr. Elliot kennen, den Nachfolger ihres Vaters. Nach einem jahrelangen Zerwürfnis, kam es zur Versöhnung. Zwar ist Anne beeindruckt von Mr. Elliot, bleibt ihm gegenüber allerdings misstrauisch. Durch Marys Briefe erfährt Anne von den bevorstehenden Hochzeiten von Henrietta mit ihrem Cousin und Luisa mit Kapitän Benwick, einem Freund von Wentworth. Einige Wochen vergehen, da entdeckt Anne Kapitän Wentworth in Bath. Sie treffen sich einige Male und es entstehen zwischen ihnen wieder innige Momente, so dass Anne doch noch auf ein gutes Ende hofft. Doch durch eine alte Schulfreundin erfährt Anne, dass es in Bath ein offenes Geheimnis ist, dass sich Mr. Elliot für Anne interessiert und dass es nun in absehbarer Zeit eine Hochzeit im Haus Elliot geben wird. Die gesamte Familie Musgrove trifft ebenfalls in Bath ein, um Hochzeitsvorbereitungen zu treffen. In ihrem Hotelzimmer kommt es zu einer erneuten Begegnung von Anne und Wentworth. Anne ist nun fest entschlossen alle Missverständnisse auszuräumen und für ihre Liebe zu kämpfen.

„Überredung“ ist der letzte vollständig erzählte Roman von Jane Austen bevor sie starb. Ihre Heldin Anne ist diesmal eine Frau, deren jugendliche Schönheit schon verblasst. Sie ist auf dem Weg eine unverheiratete Jungfer zu werden, welche am Piano die Musik spielt, zu welcher die jungen Leute tanzen. Durch das Auftauchen ihrer großen Liebe, blüht auch sie langsam wieder auf. Anne durchlebt in diesem Roman einen sichtbaren Wandel, welcher sich nicht nur in ihrem Äußeren zeigt, sondern ihr auch eine innere Stärke verleiht. Am Ende hat sie den Mut gegen alle Widerstände um ihren Kapitän Wentworth zu kämpfen. Dieser Roman ist allein schon durch die Protagonistin kein typischer Jane Austen, aber ein absolut lesenswerter. Die Figuren sind lebhaft beschrieben und Anne ist ausgesprochen sympathisch in ihrer ruhigen Art. Es gibt keinen solchen Schlagabtausch wie beispielsweise bei „Emma“, dennoch ist die Schreibweise verständlich und beschreibt sehr anschaulich. Als Leser sieht man diesen aufs Äußere bedachten Vater genau vor sich, ebenso wie die gegensätzliche Lebendigkeit der Musgrove Familie. Mit jeder Zeile, der man dem Buchende näher kommt, wünscht man Anne ihr Happy End von ganzem Herzen.