Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth
Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth

Der Roman dümpelt oberflächlich vor sich hin

London, ein Jahr vor den Olympischen Spielen. Jennifer läuft früh morgens im Park ihre gewohnte Strecke. Mit sich und der Welt nicht im Reinen, versagt sie im Stadion, wenn es darauf ankommt im Wettkampf ihre Strecke von 10.000 m vor Publikum zu laufen, immer wieder. Eines morgens trifft sie Gregory O’Reilly. Er spricht sie an, weiß wer sie ist und möchte ihr neuer Trainer werden. Zudem scheint er mehr über ihre fast 100jährige Urgroßmutter zu wissen, als sie selbst.

Um Jennifers Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen wahr werden zu lassen, besucht sie, auf Gregorys Drängen hin, ihre Urgroßmutter Alberta. Alberta nahm an den Spielen 1936 teil und gewann Gold im Bogenschießen. Kann die Geschichte der alten Dame Jennifer helfen ihr Leben zu ordnen und ihre Panik zu überwinden?

Jennifer ist eine eine begabte Läuferin, doch bei jedem Wettkampf strauchelt sie im wahrsten Sinne des Wortes und läuft nicht ins Ziel ein. Ihr Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in ihrer Heimatstadt London. Doch der Traum liegt in weiter Ferne, da sie sich in Wettkämpfen qualifizieren muss. Eines morgens spricht sie ein Mann an, Gregory O’Reilly. Er möchte sie trainieren. Schroff weist sie ihn ab. Doch er taucht immer wieder an ihrer Trainingsstrecke auf. Als Jennifer sein Schicksal herausfindet, macht es sie neugierig. Außerdem weiß er einiges von ihrer Urgroßmutter Alberta, das nicht mal sie selbst bisher wusste. Gregory ist davon überzeugt, dass ein Gespräch mit Alberta Jennifer helfen würde. Somit fahren sie beide die alte Dame besuchen.

Alberta, kurz vor ihrem 100jährigen Geburtstag, erweist sich als rüstig und mental immer noch auf der Höhe. Sie erzählt Jennifer nach und nach ihre eigene Geschichte. Geboren und mit ihrer Zwillingsschwester Auguste in Berlin aufgewachsen, begeistert sie sich früh für den Sport. Ihr Vater, Magnus, ein bekannter Sportmoderator beim Radio fördert sie.

Zum Geburtstag schenkt ihr Vater den Mädchen eine Reise nach Los Angeles, wo 1932 die Olympischen Spiele stattfinden. Er als Sportmoderator wird von seinen Sender dorthin geschickt. Auguste ist frisch verliebt und würde lieber in Berlin bleiben, doch Alberta, die mit der Wahl des Verehrers nicht einverstanden ist, sieht die Chance ihre Schwester noch einmal für sich zu haben.

Auf dem Schiff lernt Alberta den Springreiter Hans von der Weydt kennen. Ein gutaussehender, aber unsicherer Mann. Im olympischen Dorf freundet sich Hans mit dem Engländer James an. Auch gutaussehend, aber vor Selbstbewusstsein strotzend. Für Hans, James, Alberta und Auguste werden es wunderbarer olympischer Sommerwochen, die sie noch verlängern, da sie James nach England begleiten. Durch unüberlegtes Handeln schlagen Alberta und James die beiden anderen vor dem Kopf und der Sommer endet jäh.

Immer wieder werden sich die Wege der vier kreuzen. So auch bei den Spielen 1936 in Berlin, bei denen Alberta eine Goldmedaille im Bogenschießen gewinnt. Längst sind Alberta und Hans Hitlers Vorzeigepaar des Sports. Auch privat muss sich Alberta 1936 entscheiden; James oder Hans.

Wird Albertas Geschichte Jennifer wirklich helfen können, mit sich ins Reine zu kommen, um ihren Traum zu verwirklichen, den olympischen Traum?

Ich habe schon andere Romane von Charlotte Roth gelesen und war immer begeistert, doch leider ist der Roman „Als der Himmel uns gehörte“ eine Enttäuschung. Die Figuren sind mir allesamt fremd geblieben. Sowohl Jennifer als auch Alberta sind mir von Beginn an unsympathisch gewesen und das hat sich durch das Buch durchgezogen. Die Geschichte wird oberflächlich abgehandelt, es gibt kaum Tiefe. Dafür gibt es wahrscheinlich auch zu viele Figuren an sich. Albertas Handeln habe ich selten nachvollziehen können. Einerseits ist sie modern, temperamentvoll und bestimmend, anderseits verhält sie sich total oberflächlich, dumm und untergeben. Ganz schlimm finde ich die Figur der Auguste. Angeblich hält die Familie doch so zusammen. Wie kann man so ein junges Mädchen einfach sich selbst überlassen, wenn sie monatelang nicht aus dem Zimmer kommt????? Und die Gesprächsversuche sind lächerlich.

Genauso verhält es sich bei der Handlung in der „Jetzt – Zeit“. Jennifers Familiengeschichte wird angerissen, ebenso wie Gregorys Schicksal, aber Tiefe ist da Fehlanzeige.

Die Erzählung springt immer zwischen heute und der Vergangenheit hin und her, aber es entsteht keine wirklich Beziehung zwischen den zeitlichen Ebenen. Die einzige Figur die halbwegs gut entwickelt ist, ist der charmante James. Seine Wesenszüge, seinen Hintergrund und seine Entwicklung kann man sehr gut nachvollziehen. Wirklich gelungen ist die Herausarbeitung des olympischen Gedankens, der auch die Paralymics miteinbezieht.

Auch das Ende hat mich nicht vom Hocker gerissen. Zwischenzeitlich hatte ich wenig Lust noch weiter zu lesen. Der Roman plätschert vor sich hin, zündet aber nicht.

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