Eine andere Vorstellung vom Glück

Marc Levy
Eine andere Vorstellung vom Glück

Marc Levy

Zwei außergewöhnliche Frauen auf einem Roadtrip der besonderen Art

Dreißig Jahre hat Agatha im Gefängnis verbracht und noch fünf Jahre bleiben ihr bis zur vollständigen Verbüßung ihrer Haftstrafe. Doch sie flieht aus der Vollzugsanstalt. An einer Tankstelle in Philadelphia steigt sie zu einer jungen Frau ins Auto und zwingt diese mit ihrem Oldtimer Richtung San Francisco zu fahren. Die anfänglich sehr verunsicherte Milly Greenberg, deren Leben einer unumstößlichen Routine folgt, findet im Laufe der Fahrt Gefallen an diesem Abenteuer.
Die beiden ungleichen Frauen fahren quer durch die USA und bei jedem Stopp treffen sie auf alte Bekannte aus Agathas früherem Leben. Viel Zeit für Wiedersehensfreude bleibt allerdings nicht. Agathas Ausbruch blieb nicht unbemerkt. Ein US Marshall und das FBI sind ihnen dicht auf den Fersen. Agatha erzählt Milly ihre Geschichte und je länger die Fahrt dauert, desto deutlicher wird, dass es kein Zufall war, der Agatha in Millys Wagen einstiegen ließ.

Der neue Roman von Marc Levy entpuppt sich als ein Roadtrip besonderer Art. Zwei Frauen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten, führt das Schicksal zusammen. Agatha hat die letzten dreißig Jahre im Gefängnis gesessen und Milly, die knapp 30 Jahre alt ist, führt ein durch und durch strukturiertes Leben, ohne sich auch nur gelegentliche Ausbrüche ihrer Routine zu erlauben. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Agatha ein Geheimnis hat, welches die Frauen stärker mit einander verbindet, als es zuerst vermuten lässt.

Agatha gehörte in den wilden 1970iger Jahren zu den Studenten, die gegen die Doppelmoral und den Rassismus demonstrierten. Marc Levy greift einen wichtigen historischen Abschnitt der USA auf, dessen Brutalität gegenüber der eigenen Jugend kaum zu überbieten ist. Das Thema Rassismus, heutzutage aktueller den je, wird eingebettet in die bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die den Großteil ihres Lebens hinter Gittern verbrachte, ohne weitere Mittäter zu verraten. Ganz wunderbar lässt Levy die Fäden zusammen laufen bis sie am Ende ein Ganzes ergeben. Wie in fast jedem seiner Romane ist es ein Appell an unsere Werte und an das, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Einziger Kritikpunkt ist das Cover, das so gar nicht zu der Geschichte passt.

Leseempfehlung!!!

Das Atelier in Paris

Musso
Das Atelier in Paris

Guillaume Musso

Kurz vor Weihnachten in Paris. Madeline hat sich mitten in der Stadt, dennoch ruhig gelegen eine großzügige Wohnung gemietet. Sie möchte während ihres Parisaufenthaltes abschalten und ihre Gedanken ordnen. Gaspard, Autor von Theaterstücken, zieht sich alljährlich für einige Woche nach Paris, um ein neues Stück zu Papier zu bringen. Er hasst die Stadt, daher hat ihm seine Agentin eine Wohnung fernab vom Trubel gemietet. Durch einen Systemfehler wurde das ehemalige Atelier eines bekannten Malers doppelt gebucht; von Madeline und Gaspard. Beide spüren die besondere Atmosphäre, die in der Wohnung herrscht. Es wirkt, als käme der Maler jeden Moment zur Tür herein. Keiner ist bereit die Wohnung zu räumen. Ihre eigenen Prioritäten rücken in den Hintergrund, als sie von der tragischen Geschichte des Malers, der vor fast genau einem Jahr starb, erfahren. Davon tief berührt, wird den beiden bewusst, dass es immer noch eine unvollendete Geschichte ist. In den letzten Wochen seines Lebens sollen drei neue Werke entstanden sein, die verschollen sind. Madeline und Gaspard begeben sich auf die Suche nach den Gemälden und kommen dabei einem entsetzlichen Verbrechen auf die Spur.

Einige Tage vor Weihnachten. In Paris regnet es und es wird gestreikt. Gaspard, Theaterautor hasst die Stadt, die Menschen und vor allem die neumodische Elektronik. Jedes Jahr zieht er sich einige Wochen zurück, um sein neues Stück zu schreiben. Da er das Getümmel auf den Straßen hasst, ist Paris dafür der perfekte Ort. Denn er verlässt so gut wie nie die Wohnung und kann konzentriert schreiben. Diesmal hat seine Agentin ihm eine großzügig geschnittene Wohnung gebucht, ein ehemaliges Atelier. Als er dort nach einer anstrengenden Reise ankommt, ist er noch mürrischer als sonst und trifft zu seinem großen Verdruss auf Madeline. Auch sie hat die Wohnung gemietet. Madeline, eine ehemalige Polizistin aus Manchester, ist nach Paris gekommen, um abzuschalten. Keiner der beiden ist bereit die Wohnung freiwillig wieder zu verlassen. Madeline fährt persönlich zu dem Vermieter, um sich zu beschweren. Es ist ein Galerist, welcher den Nachlass des Künstlers verwaltet, dem die Wohnung einst als Atelier diente.

Sean Lorenz war ein bekannter Maler. Er starb ein Jahr zuvor an einem Herzinfakt. Der Galerist erzählt Madeline, dass es angeblich noch drei Gemälde geben soll, allerdings wisse niemand, wo Lorenz diese untergebracht hat. Zeitgleich kommt Gaspard mit der Nachbarin ins Gespräch, die ihm ebenfalls von Sean Lorenz erzählt.

Sowohl Madeline als auch Gaspard sind davon überzeugt, dass es diese Gemälde geben muss. Plötzlich rücken ihre eigenen Belange in den Hintergrund und sie beginnen mit der Recherche nach den verschwundenen Bildern. Ihre Suche offenbart ihnen eine tragische Geschichte und je mehr sie erfahren, desto näher kommen sie der Wahrheit eines schrecklichen Verbrechens.

Guillaume Mussos neuer Roman hält keine Überraschungen bereit. Mit Madeline stößt man auf eine alte Bekannte aus dem Roman „Nachricht von Dir“. Die aktuelle Geschichte ist zwar einigermaßen spannend und die Wendungen gut durchdacht, aber die unbestreitbare Ähnlichkeit zu seinen anderen Romanen, lässt bei mir Langeweile aufkommen. Auch die Charaktere sind diesmal schwer zugänglich und auch an einigen Stellen kaum nachzuvollziehen. Die endlosen Wegbeschreibungen von Straßenzügen in Paris oder New York, wecken in mir mittlerweile den Eindruck von Lückenfüllern. Diese Details nehmen einfach zu viel Raum ein.

An den Haaren herbeigezogen ist das Ende. Viel kitschiger und unrealistischer geht’s nicht. Ich habe alle Mussos Romane gelesen, allerdings denke ich, er sollte sich für den nächsten Roman Zeit nehmen, um einen neuen Impuls zu setzen und nicht nur auf altbewährtes zurückzugreifen.

Nachtrag: Der neue Roman von G. Musso erscheint am 02. November. In der Hoffnung, dass er sich beim nächsten Roman nicht wieder selbst kopiert, habe ich das Buch vorbestellt.

 

Buch vs. eBook Reader

Es gibt auch etwas dazwischen…

Es ist Sommer und somit auch Beginn der Urlaubszeit. Zeit, die Seele baumeln zu lassen. Am Badesee liegen, es sich im Liegestuhl bequem machen und dazu ein gutes Buch in der Hand halten. In Ruhe zu schmöckern, für viele die pure Entspannung. Die Welt um einen herum verschwindet beim Blick ins Buch.

Doch wenn man für zwei Wochen in den Urlaub fährt, reicht meist ein Buch nicht aus, also legt man eins griffbereit ins Handgepäck und ein weiteres (zur Sicherheit vielleicht noch eins) in den Koffer.

Und so ein Buch, je nach Größe und Umfang hat sein Gewicht und kann sperrig sein. Ich kenne mich damit gut aus, denn ich gehe selten ohne Buch aus dem Haus. Ob in meinen Arbeitspausen oder im Wartezimmer, ich nutze jede sich bietende Gelegenheit, mein Buch zu zücken. So auch auf Reisen. Von vielen Seiten bekam ich den Rat, mir endlich einen ebook Reader anzuschaffen. So bequem, so leicht….

Meine Argumente dagegen waren stets die gleichen; ein echtes Buch ist für mich nicht zu toppen, ich möchte in den Seiten vor- und zurückblättern, Papier fühlt sich echt an, der Geruch, die Covergestaltung… Hinzu kam noch meine Aversion gegen das Lesen am PC, das meine Augen anstrengt. Ich war bis dahin der Meinung, dass ebook Reader und PC gleichzusetzen sind.

Bis mir eine Kollegin ihren Reader mit den Worten in die Hand drückte, guck es dir wenigsten einmal richtig an. Sie erklärte mir die Funktionen, das sie zig Bücher darauf geladen hat und sie immer nur diesen leichten, handlichen Reader dabei haben muss. Schlussendlich überzeugte mich ihre Vorführung dann doch. Mein Urlaub stand bevor und ich kaufte mir kurz entschlossen einen ebook Reader. Das ist nun über ein Jahr her und ich habe es wirklich nicht bereut.

Für Vielleser wie mich, ist es, trotz aller berechtigten Argumente für ein „echtes“ Buch, eine großartige Erfindung. Ich sehe in dem Reader den MP3 Player für Bücher. Sowie es mir möglich ist, meine persönliche Musikplaylist stets bei mir zu haben, habe ich nun ebenfalls einen Teil meiner Bücher dabei.

Ich habe mich sehr bewusst für einen Reader entschieden, der mich unabhängig vom Anbieter sein lässt. Das ist für mich ein wichtiges Kriterium. So bin ich frei in der Wahl des Buchladens, bei dem ich kaufe und das müssen nicht unbedingt die großen Ketten sein. Am meisten begeistert mich allerdings die Ausleihe meiner Stadtbibliothek völlig problemlos in Anspruch nehmen zu können. Inzwischen leihe ich Bücher wann ich will, bei Wlan Zugang obendrein, wo ich will und wenn ich das Buch gelesen habe, kann ich es mit einem Klick zurückgeben.

In Wahrheit handelt es sich bei dem Für und Wieder von Buch oder Reader um Zeichen der Zeit. Die gemütlichen, kleinen Buchhandlungen weichen den allgegenwärtigen Ketten. Oftmals erinnere ich mich an die romantische Komödie aus den 1990igern „E-Mail für dich“. Ich war Kunde einer Buchhandlung, in der das Stöbern Freude machte und in dem die Verkäuferinnen über jedes Buch, jeden Autor etwas zu sagen hatten. Doch leider rentierte sich das Geschäft nicht mehr und die Türen wurden eines Tages geschlossen. Natürlich ist die Atmosphäre eines Ladens kaum vergleichbar. Dort erwarten einen Tische voll mit Buchvorschlägen, ausgefallene oder bunte oder aufwendige Cover, endlos scheinende Regalwände, an dem ein Buch neben dem nächsten steht, unterteilt nach Genre.

Heutzutage hole ich mir Buchempfehlungen auf einschlägigen Seiten im Internet, konzipiert und zugeschnitten auf die Lesegemeinschaft. Dieser Austausch ist für mich die Alternative zu den Gesprächen in meiner verschwundenen Buchhandlung.

Der Ebook Reader ist für mich ein unentbehrlicher Alltagsbegleiter geworden, auf den ich keinesfalls mehr verzichten möchte. Manche Bücher kaufe ich weiterhin in Buchform, beispielsweise, die von meinen Lieblingsautoren oder Antiquariate, Bücher mit aufwendigen Covern. Dennoch ich gebe zu, dass es weniger werden. Andererseits trenne ich mich nicht von Büchern, so gesehen tut der ebook Reader auch meinen überlasteten Regalen gut.

 

 

Weil ich dich liebe

Guillaume Musso

Nicole und Mark führen ein glückliches Familienleben. Connor und Mark verbindet seit ihrer Kindheit im Armenviertel Chicagos eine tiefe Freundschaft. Durch einen Schicksalsschlag gerät Marks Leben aus der Bahn und gefährdet sowohl seine Liebe zu Nicole als auch seine Freundschaft zu Connor. Evie, ein 15jähriger Teenager, aufgewachsen in einem Wohnwagenpark am Rande von Las Vegas und Allyson, Milliardenerbin, welche die Klatschpresse mit Skandalen versorgt, treffen in einem Flugzeug nach New York auf Mark. Ihre Geschichten sind miteinander verwoben, doch um das herauszufinden, müssen sie sich gegenseitig vertrauen, um sich einander gänzlich öffnen zu können.

Es ist Weihnachten als Nicole unverhofft auf ihren Mann Mark trifft, der sich seit einem hartem Schicksalsschlag von ihr entfernt hat. Zwei Jahre lang haben sie sich nicht gesehen und auch jetzt ist Mark nicht bereit zu bleiben. Evie, ein junges Mädchen, irrt an diesem Abend alleine, ohne Geld, ohne Unterkunft in New York herum. Zufällig trifft sie auf Connor, Marks besten Freund aus Kindertagen. Allyson, eine junge Frau Mitte zwanzig, Milliardenerbin, hat alles, dennoch fällt es ihr schwer ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Mark, Evie und Allyson lernen sich auf einem Flug von Los Angeles nach New York kennen. Gegenseitig geben sie sich Einblick in ihre dunkelsten Tiefen ihrer Seelen, offenbaren wohlgehütete Geheimnisse und erkennen, dass ihre Geschichten miteinander verwoben sind und alle Fäden laufen zu einem Menschen.

Wie so oft in den Büchern von Guillaume Musso, wird man in die Erzählung hineingestoßen ohne eine Ahnung davon zu haben, worum es geht. Schritt für Schritt erklären sich die Figuren und Situationen. Musso arbeitet mit Rückblenden, in denen der Leser in die prägenden Erinnerungen jeder Figur mitgenommen wird. Die Geschichte hält einige traurige und tragische Momente bereit, erzählt doch vor allem von Mut, Vergebung und Hoffnung.

An manchen Stellen verwirren die Handlungsstränge etwas. Mir war beispielsweise lange nicht klar, welche Rolle Allyson in diesem Buch einnimmt. Sie ist auch für mich die Figur, die kaum Tiefgang besitzt. Ihr Charakter stellt den absoluten Gegensatz zu allen anderen Figuren dar. Dieser Roman ist trotz kleiner Schwächen lesenswert. Musso schreibt einfach wunderbar. Seine Beschreibungen von Umgebungen oder Stimmungen gelingen ihm – wie meistens – so gut, dass man als Leser alles genau vor sich sieht und miterlebt.

Die Geschichte erzählt von Startschwierigkeiten, Brüchen im Leben und Schicksalsschlägen, hält aber an der Devise fest, wenn man etwas ändern will, dann wird es gelingen.

 

 

Alle sieben Wellen

Daniel Glatthauer

Die Geschichte von Emmi und Leo aus „Gut gegen Nordwind“ findet in dem Roman „Alle sieben Wellen“ ihre Fortsetzung.

Die Geschichte von Emmi und Leo aus „Gut gegen Nordwind“ findet in dem Roman „Alle sieben Wellen“ ihre Fortsetzung. Aus dem E-Mailverkehr der beiden Hauptprotagonisten erfährt der Leser das wichtigste über die jeweilige Lebenssituation und den jeweiligen Seelenzustand. Werden sie es diesmal schaffen sich zu treffen?

Leo ist nach Boston geflogen, Emmi ist bei Bernhard geblieben. Ihre E-Mails an Leo beantwortet der Systemadministrator des Mailprogrammes. Ungeachtet dessen schreibt Emmi weiter bis Leo, nach einem halben Jahr aus Boston zurückgekehrt, wieder antwortet. Die beiden bringen sich auf den Stand der Dinge und versuchen zu klären, was schief gelaufen ist. Leo hat sich während seines Aufenthaltes in Boston in Pamela verliebt, die bereit ist ihm nach Deutschland zu folgen. Emmi hat sich mit Bernhard arrangiert. So gehen die E-Mails hin und her, manchmal im Minutentakt, manchmal im Tagestakt. Ein reales Treffen wird vereinbart, welches sogar stattfindet. Nicht nur zwischen den Buchstaben, sondern auch in der direkten Begegnung verbindet die beiden ein Zauber. Dann Leos Offenbarung, er erzählt Emmi von Bernhards Mail, die ihn dazu veranlasste Abstand von ihr zu nehmen. Bei Emmi brechen nun alle Emotionen heraus und es kommt zum Rundumschlag.

Die Fortsetzung von Emmi und Leo beginnt vielversprechend, zieht sich jedoch nach dem ersten Drittel zäh in die Länge. Ebenso wurde ich der gewählten Textform des E-Mailverkehrs irgendwann überdrüssig. Dies liegt vor allem an den Handlungen, die außerhalb des Mailverkehrs stattfinden, worüber der Leser zwar in den Mails erfährt, dennoch sich ausgeschlossen fühlt. Als Leser verliert man dabei die Nähe zu den Figuren und manches lässt sich nur schwer nachvollziehen. Dieses Hin und Her, bei dem keiner der beiden klare Worte findet, beginnt irgendwann zu langweilen.

Dieses Buch kann man lesen, jedoch ist es, wie bei vielen Fortsetzungen, an das Niveau des ersten Teils anzuknüpfen ist schwierig. Dem Roman fehlt einfach der Charme und der Esprit von „Gut gegen Nordwind“.

 

Wolkenrath Teil 4

Elke Vesper

Eine wundervolle, realistische Erzählung, die sich leider am Ende zu sehr im historischen Detail verliert

Die Familiensaga der Wolkenraths in den politischen Wirrungen des 20. Jahrhunderts geht weiter. Der vierte Teil beginnt mit den Beerdigungen der Tante, welche mit ihren über 100 Jahren Lebenserfahrung eine wertvolle Stütze der Familie war, und dem Vater, Alexander Wolkenrath. Beide starben binnen weniger Tage. Von nun an sind Eckhardt, Lysbeth, Dritter und Stella in diesen schwierigen Zeiten auf sich selbst gestellt. Hamburg wird von den Alliierten nicht verschont und die Bombennächte verlangen ihnen einiges ab. Doch nicht nur die Alliierten, sondern auch die Nazis, beeinträchtigen das Leben der Familie. Lysbeths Mann Aaron ist Jude und sie versucht mit der Unterstützung der ganzen Familie alles, um ihn zu beschützen. Trotz politisch unterschiedlichen Einstellungen schweißen die Geschehnisse die Wolkenraths zusammen.

Das Buch beginnt 1941, mitten im zweiten Weltkrieg. Im Haus in der Kippingstraße wohnen Lysbeth und Aron, Eckhardt und Cynthia sowie Stella und Kapitän Jonny Maukesch. Als Kapitän der Marine befindet er im Kriegseinsatz auf einem Schiff. Eckhardt und vor allem seine Frau Cynthia sind begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus. Derweil versucht Lysbeth alles ihr Mögliche, um ihren jüdischen Mann vor der Deportation zu bewahren. Dennoch kann sie nicht verhindern, dass Aron in Hamburg einer Arbeiterkolone zugewiesen wird und unter unmenschlichen Bedingungen schuften muss. Dritter verlässt mit seiner jungen Frau Marthe Hamburg, als diese schwanger ist und kommt in einem Hotel in Scharbeutz an der Ostsee unter. Dort verbringt er mit seiner wachsenden Familie die Dauer des Krieges und bleibt auch danach dort, um sich etwas aufzubauen.

Kurz vor ihrem Tod hat die Tante Lysbeth und Stella eindringlich mit auf den Weg gegeben, dass die beiden den Krieg unter allen Umständen überleben müssen und keine leichtsinnigen Gefahren eingehen sollen. Auch wenn dies die Schwestern oftmals in Gewissenskonflikte bringt, versuchen sie sich dementsprechend zu verhalten.

Die gemeinsamen Bombennächte im Kohlenkeller und die Angst das Dach über den Kopf zu verlieren eint die Geschwister in der Kippingstraße. Selbst Stellas Verhältnis zu ihrem verhassten Mann nimmt freundschaftliche Züge an. Sie ist sich der Bedeutung von Jonnys Einfluss als NSDAP Mitglied und Marinekapitän bewusst, welchen die Familie mehrmals für Aron nutzen muss. Häufig kreisen Stellas Gedanken um ihren britischen Geliebten Anthony sowie ihrer Tochter und Enkelin, welche sich in England aufhalten. Die jahrelange Trennung von den drei wichtigsten Menschen ihres Lebens und die Ungewissheit, wie es ihnen geht, ist für Stella eine schwere persönliche Prüfung.

Nach dem Krieg liegt Hamburg in Schutt und Asche. Viele Menschen sind traumatisiert. Es folgt der Einzug der britischen Besatzer, die Neuregelung des gesellschaftlichen Lebens und die Hoffnung auf einen neuen Anfang.

Der Leser wird in das Leben der Familie Wolkenrath mitgenommen. Der Roman erzählt von den Sorgen und Nöten der Menschen in der Kippingstraße, von den Entbehrungen, von schlimmen Bombennächten während der Operation Gomorrha, der Angst, den morgigen Tag nicht mehr zu erleben, keine Wohnung mehr zu haben, aber auch von Hoffnung und Liebe und dem Vertrauen den Krieg zu Überleben. Jeder der Wolkenraths meistert die Zeit auf seine Weise. Der Leser erlebt emotionale Höhen und Tiefen der Protagonisten. Über den Großteil des Buches hinweg nimmt die  Erzählung einen gefangen. Hervorzuheben sind die vielfältigen historischen Details, welche die Autorin geschickt in die Geschichte verwebt.

Allerdings treten diese detaillierten, historischen Begebenheiten ab dem Ende des Krieges zu stark in den Vordergrund. Beispielsweise ist die ausführliche Beschreibung der Entnazifizierung der Hamburger Ärzteschaft meiner Meinung nach in dieser Form für einen Roman zu umfangreich. Es sollte bekannt sein, dass viele Nazis wieder auf ihre Posten zurückgekehrt sind. Auch wenn es gerade bei Ärzten, welche Euthanasie befürworteten, heute noch empörend ist, hätte es dennoch gereicht diese Tatsache zu erwähnen, jedoch nicht wiederholt und in vielen Einzelheiten. Leider rücken die Figuren und folglich auch die ganze Erzählung dadurch Zusehens in die zweite Reihe. Die letzten Kapitel behandeln die Jahre nach dem Krieg bis 1950. Doch diese Zeitspanne wird zügig abgehandelt, so dass für mich viele Handlungen nicht nachvollziehbar bzw. unverständlich sind. Bedauerlicherweise verlieren dabei auch die Figuren an Tiefe.

Die vorherigen Teile der Reihe sind ebenfalls politisch und historisch sehr ausgearbeitet, dennoch fügen sich die Informationen unauffälliger in die Geschichte hinein als in dieser Erzählung. Dem Ende des Romans nach zu urteilen wird die Geschichte der Wolkenraths weitergehen. Ich freue mich darauf.

 

https://www.lovelybooks.de/autor/Elke-Vesper/reihe/Die-Wolkenrath-Saga-in-Reihenfolge-1139794749/

Das Mädchen aus Brooklyn

Musso
Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso

Kurz vor der geplanten Hochzeit verbringen Raphaël und Anna ein romantisches Wochenende an der der Cote d’Azur. Sie sind verliebt und eigentlich könnten es wunderschöne Tage werden, wenn Raphaël nicht seiner Intuition folgend Anna drängt ihm von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Er spürt, dass sie ihm etwas verheimlicht. Was sie ihm allerdings dann offenbart löst bei ihm im ersten Moment völliges Entsetzen aus. Fassungslos verlässt er wortlos das Ferienhaus. Schon nach kurzer Zeit wird ihm bewusst, dass er der Frau, die er liebt, die Chance geben muss, ihm die Dinge zu erklären. Doch als er zwanzig Minuten später in das Haus zurückkommt, ist es verwüstet und Anna ist verschwunden.

Damit beginnt Raphaëls Suche nach Anna und nach der Wahrheit. Unterstützung bekommt er von seinem Nachbarn Marc, ein ehemaliger Polizist, der in Frühruhestand geschickt wurde. Gemeinsam arbeiten sie sich Stück für Stück vor. Anna heißt eigentlich Claire und kommt aus New York.

Die Geschichte nimmt den Leser sofort gefangen. Zu Beginn ist es kaum möglich sich ein Bild von den Figuren zu machen,  sind sie sympathisch oder nicht? Doch mit jedem neuen Detail wächst das Verständnis für die Figuren und der Leser nähert sich ihnen an, bis man bemerkt, dass die Erzählung einen völlig gefangen nimmt. Nach dem ersten Drittel fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen. Durch die Erzählung aus Sicht verschiedener Figuren durchlebt man ihre Angst, ihren Kummer und ihre Verzweiflung. Am Ende denkt man, dass alles hätte auch anders verlaufen können, wenn Menschen nicht ihren Dämonen nachgegeben und zu ihren Fehlern gestanden hätten.

Das Buch ist ein unaufgeregter Krimi, der in die Abgründe des menschlichen Lebens schaut. Bei den Figuren handelt es sich um den netten Uni Professor, den Polizisten vom Lande und um unschuldige Teenager, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Eine fesselnde Geschichte, die am Ende noch einmal überrascht.

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon
Die Farbe von Milch

Nell Leyshon

Eine einfache Geschichte über ein junges Bauernmädchen, in einfachen Worten erzählt, die tief berührt.

Marys Haare haben die Farbe von Milch. Sie ist die jüngste von vier Schwestern. Ihr zu Hause ist ein Bauernhof, auf dem sie mit ihren Schwestern, den Eltern und dem Großvater lebt. Marys Leben ist geprägt von der harten Arbeit auf dem Hof. Das ändert sich, als sie in das Haus des Dorfpfarrers zieht, um dessen herzkranke Frau zu pflegen. Für Mary eröffnet sich eine andere Welt, an die sie sich nur schwer gewöhnen kann und die ihr kein Glück bringt.

Der Roman spielt 1830/31 in England. Mary ist eine aufgeweckte junge Frau, die oftmals kein Blatt vor den Mund nimmt. Trotz der Arbeit auf dem Bauernhof, schafft sie sich Freiräume, in denen sie, wenn auch nur für einen kurzen Moment, ihren Gedanken freien Lauf lassen kann. Mary ist zwar ohne jegliche Schulbildung, dennoch kann man sie als klug bezeichnen. Sie begreift sehr schnell. Als jüngste von vier Schwestern, zudem noch mit einer Beinbehinderung, hat sie gelernt sich durchzubeißen. Ihr Großvater ist ihr engster Vertrauter.

Als sie in das Pfarrhaus ziehen muss, verlässt sie ihn nur ungern. Im Allgemeinen kann Mary sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen. Fürsorglich kümmert sie sich um die kranke Frau des Pfarrers. Zwischen den beiden Frauen beginnt eine Annäherung, in dem sie sich jeweils von ihrem Leben berichten. Daher trifft Mary ihr Tod sehr. Obwohl Marys eigentliche Aufgabe nun beendet ist, bleibt sie als Haushaltshilfe im Pfarrhaus. Der anstehende Winter wird Marys Leben für immer verändern.

Die Erzählweise ist einfach und schlicht, denn Mary erzählt uns ihre Geschichte mit ihren Worten. Es beginnt im Frühjahr 1830 und endet im Frühjahr 1831. Die Kapitel orientieren sich an den Jahreszeiten, so wie sich auch die Arbeit des Bauern nach diesen Zeiten richtet. Der Roman erzählt vom harten Leben auf dem Land. Jeder Charakter ist durchweg authentisch gezeichnet, so als ob die Figuren wirklich existiert haben. Gerade die unaufgeregten, realen Schilderungen lassen den Leser intensiv in die Geschichte eintauchen. Man leidet mit Mary, lächelt über sie und wünscht ihr einfach nur das bestmögliche Leben.

Es ist ein außergewöhnlicher Roman über ein eigenwilliges, furchtloses vierzehnjähriges Bauernmädchen, welches am Ende den gesellschaftlichen Zuständen ihrer Zeit nicht trotzen kann. LESENSWERT!

https://eisele-verlag.de/8-2/

Der Frauenchor von Chilbury

Jennifer Ryan

Ein sehr oberflächlicher und weichgespülter Roman, der mehr langweilt als Interesse weckt.

1940, die letzten Männer verlassen das englischen Dorf Chilbury, um in den Krieg zu ziehen. Die Frauen müssen ihren Alltag neu organisieren und auch der Chor muss nun nur noch mit den Frauenstimmen auskommen. In diesem einem Jahr überschatten einige Ereignisse das kleine Dorf. Ein unvorhergesehener Bombenangriff zerstört Teile der kleinen Gemeinde. Es gibt Tote und Verletzte zu beklagen. Fremde müssen einquartiert werden. Und alle diese Ereignisse lassen die Frauen erstarken und geben ihnen neues Selbstbewusstsein.

Die vorwiegend positive Resonanz auf den Roman kann ich leider absolut nicht teilen. Der im Titel des Buches genannte Chor spielt in der gesamten Erzählung nur eine nebensächliche Rolle. Es wird wenig deutlich, welche Bedeutung dieser Chor eigentlich für die Frauen haben soll. Weite Teile der Geschichte versinken im oberflächlichem Bla Bla. Weder jegliche Beschreibungen vom Krieg oder den Folgen noch einzelne Geschehnisse weisen wirkliche Tiefe auf. Ebenso bleiben die Figuren dem Leser im wesentlichen fremd. Im historischem Bezug fehlt die Liebe zum Detail. Gerade eingezogen, aber sofort sind die Soldaten wieder auf Urlaub zu Hause – schwer vorstellbar. Solche Ungereimtheiten finden sich viele – für mich zu viele – in dem Roman.

Auch die ganze Erzählweise wirkt wenig durchdacht. Sowohl die Tagebucheintragungen als auch die Briefe wirken keineswegs authentisch. Ein Eintrag in ein Tagebuch liest sich nicht wie ein Roman, mit detaillierter Beschreibung der Situation und wörtlicher Rede. Auf die Vielzahl der Briefe kommt anscheinend auch nie Antwort von den Adressaten. Die Briefeschreiberinnen treten nie in den Dialog oder beziehen sich auf ein Antwortschreiben. Sehr seltsam!
Die ganzen Handlungsstränge sind klinisch und ohne jede Spannung erzählt und wirken auf mich oftmals sehr konstruiert. Es fehlt Tiefe, historisches Hintergrundwissen und vor allem lebendige Figuren, die den Leser berühren.

Mein Fazit des Romans, den ich nur mit großer Disziplin zu Ende gelesen habe, ist, eine vielversprechende Geschichte, die bedauerlicherweise unzählige Schwachstellen aufweist und dadurch sehr weit hinter meinen Erwartungen zurück.

 

https://www.kiwi-verlag.de/buch/der-frauenchor-von-chilbury/978-3-462-04884-1/

 

Salzige Sommerküsse

 

Leila Howard

Das Schuljahr ist beendet und die Ferien stehen vor der Tür. Cricket wird in wenigen Wochen 18 Jahre alt und freut sich darauf mit der Familie ihrer besten Freundin Jules den Sommer auf Nantucket zu verbringen. Sie träumt von Partys und von ihrem Schwarm Jay, dem sie in diesem Sommer näher kommen möchte. Es soll der beste Sommer werden, doch ein Ereignis verändert alles.

Die 17jährige Cricket hat den perfekten Sommer vor sich, bis ein schreckliches Ereignis ihren Traum platzen lässt. Denn aufgrund des Ereignisses, lädt ihre Freundin Jules Cricket unter einem Vorwand vom geplanten Familienurlaub wieder aus. Dennoch beschließt Cricket auf die Insel zu fahren und sich dort einen Ferienjob zu suchen. Allerdings entwickelt sich ihr Aufenthalt anders als gedacht. Jules ist abweisend ebenso wie Crickets Schwarm Jay und auch die Sache mit ihrem Ferienjob verläuft nicht so wie geplant. Trotz allem ist Cricket fest entschlossen einen wundervollen Sommer zu verleben. Sie schließt neue Freundschaften, sie verliebt sich unerwartet und entdeckt ein kleines Geheimnis. Im Laufe der Erzählung entwickelt sich Crickets Selbstbewusstsein, welches allerdings zum Ende hin noch einmal auf eine harte Probe gestellt wird.

Der Roman ist eine wunderbare Sommerlektüre für heranwachsende Mädchen, denn die Erzählung enthält alles, womit sich Teenager identifizieren können. Es geht um Verlust und Freundschaft, um Schein und Sein, um das Verliebtsein und die Lust den Sommer auszukosten, es handelt vom Erwachsen werden und von Familie. Durch den flüssigen, unkomplizierten Schreibstil, liest sich der Roman sehr kurzweilig. Der Leser wird mitgenommen auf eine schöne Insel, die anscheinend ein Feriendomizil der Reichen ist. Die Inselbeschreibungen regen die Fantasie des Lesers an und wecken das Gefühl von unbeschwerter Leichtigkeit des Sommers.

Mir hat der Roman mit seinen Figuren gut gefallen. Der Schluss lässt verschiedene Interpretationen zu, die der Fantasie des Lesers überlassen werden, was ich ebenfalls mag. Cricket befindet sich auf dem Weg und wie und mit wem dieser weitergeht, kann meines Erachtens das Buch an dieser Stelle, an der die Geschichte endet, nicht vorausnehmen. Der Roman ist empfehlenswert für Jugendliche, aber auch für Erwachsene, die auf der Suche nach einer leichten Lektüre für den Sommerurlaub sind.

https://www.ravensburger.de/produkte/jugendbuecher/liebesromane/salzige-sommerkuesse-58502/index.html