Die verbotene Zeit

Claire Winter
Die verbotene Zeit

Claire Winter

Ein außergewöhnlicher Roman über das Streben sich in schwierigen Zeiten nicht selbst zu verlieren

Bei einem schweren Autounfall verliert die Journalistin Carla ihre Erinnerung an die Monate vor dem Unfall. Diese Teilamnesie kann Carla nur schwer ertragen. Es quält sie die Frage, was in dieser Zeit geschehen ist. Ihr Ehemann Tom und ihr Vater versuchen sie zu unterstützen. Beide raten ihr nach vorne zu blicken. Doch Carla wird das Gefühl nicht los, dass die beiden Männer ihr etwas verheimlichen. Aufgrund dessen beschließt sie über diese verlorene Zeit ihrer Erinnerung zu recherchieren. Dabei stößt sie auf Ungereimtheiten und entdeckt, dass die Menschen, denen sie am meisten vertraut, etwas vor ihr verbergen.

Einige Monate sind nach Carlas Autounfall vergangen. Körperlich hat sie keine Spuren zurückbehalten, doch ihre Erinnerung an die Monate direkt vor dem Unfall ist weiterhin ausgelöscht. Auch die Behandlung bei einem renommierten Psychiater bringt keine Ergebnisse. Sowohl ihr Ehemann Tom als auch ihr Vater raten ihr sich nicht weiter mit Fragen zu dieser Zeit zu quälen. Dennoch wird Carla das Gefühl nicht los, dass die beiden ihr etwas verheimlichen. Als Carla den Rat ihrer Freundin Rachel befolgt, eine journalistische Recherche über sich selbst anzustellen, wird ihr ziemlich schnell klar, dass sie im vergangenen Sommer einem Familiengeheimnis auf der Spur war.

Der Journalist David Grant, dessen Telefonnummer Carla in ihrem Notizbuch findet, hat vor Monaten den Anstoß dazu gegeben, dass sich Carla mit der Vergangenheit ihrer Eltern beschäftigte. Er ist auf der Suche nach einer guten Freundin ihrer Mutter, deren Spur sich 1946 in Berlin verliert. Carlas Mutter Dora ist seit Jahren psychisch labil und in einer speziellen Klinik untergebracht. Sie kann keine klare Auskunft über die ehemals beste Freundin geben und ihr Vater bleibt bei seinen Antworten eher wortkarg. Welches Geheimnis will er um jeden Preis bewahren?

Und was hat das Verschwinden von Carlas älteren Schwester Anastasia mit all dem zu tun? Vor sechszehn Jahren ging die Polizei davon aus, dass sie ertrunken sei. Doch Carla entdeckt durch ihre Nachforschungen einige Wiedersprüche. Gibt es eine Verbindung zwischen dem Verschwinden Anastasias und dem ehemaligen deutschen SS Offizier, der zur gleichen Zeit an der Küste tot aufgefundenen wurde? Carlas Eltern wanderten kurz nach dem Krieg von Deutschland nach England aus. Kannten sie den Mann?
Carla fliegt daraufhin nach Berlin, um dort mehr über das damalige Leben ihrer Eltern zu erfahren. Langsam fügen sich die verschiedenen Puzzleteile zusammen, doch die finalen Antworten kann nur Carlas Vater geben.

Der Roman erzählt von einer tiefen Freundschaft zwischen Edith und Dora, die in den 1920iger Jahren beginnt und trotz aller Wiederstände bis ins Erwachsenenleben ungebrochen ist. Doch im Dritten Reich nimmt das Leben der beiden Frauen eine schicksalhafte Wendung. Erst Doras Tochter Carla beginnt Fragen nach der Vergangenheit ihrer Eltern zu stellen.

Wunderbar beschreibt Claire Winter diese Freundschaft von Beginn an bis zu einem tragischen Vorfall, welcher das Leben aller verändern wird. Es ist eine Geschichte über Vertrauen, Träume, Schicksalsschläge und vom Streben, in schwierigen Zeiten, das Richtige zu tun. Der Roman spielt 1975 in England, führt den Leser jedoch durch Rückblenden zurück in das Berlin der Weimarer Republik und die Zeit des Dritten Reiches. Gekonnt zeichnet Claire Winter die Entwicklung ihrer Figuren nach, so dass die Geschichte den Leser sofort gefangen nimmt. Der Schreibstil der Autorin ist leicht und die Beschreibungen oft herrlich detailgetreu, so dass man die Szenen bildlich vor sich sieht und emotional eingebunden wird.

Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können, da sich der Spannungsbogen durch alle Kapitel zieht und man einfach wissen will, wie es weitergeht. Man merkt dem Roman an, dass die Autorin gewissenhaft recherchiert hat und mit Überzeugung dabei ist. Es ist eine außergewöhnliche Erzählung, die historische Tatsachen mit dem lebensnahem Schicksal der Figuren gekonnt verbindet. Absolut lesenswert!

Solange die Hoffnung uns gehört

Winterberg
Solange die Hoffnung uns gehört

Linda Winterberg

Ein Roman, der mit leisen Tönen daher kommt, aber dennoch eine emotionale Wucht entfaltet

Anni Kluger, gefeierte Sopranistin an der Frankfurter Oper, lebt seit dem Tod ihres Mannes für ihre Tochter Ruth und die Bühne. Als sie aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln Auftrittsverbot bekommt, ist ihre Tochter Ruth ihr größter Halt. Der Alltag der Frankfurter Juden wird durch umfangreiche, immer neue Verbote erschwert. Deshalb setzt Anni alles dran zu emigrieren. Mit Hilfe der Quäker bekommt sie wenigstens für Ruth einen Platz in einem der Züge, die jüdische Kinder nach England bringen. Anni soll später nachkommen. Als sie schon auf gepackten Koffern sitzt, um das Land zu verlassen, bricht der Krieg aus. Damit schwinden Annis Aussichten ein Visum zu bekommen. Werden Mutter und Tochter sich wiedersehen?

Anni lebt seit dem Tod ihres Mannes allein mit ihrer Tochter Ruth in Frankfurt. Mutter und Tochter sind ein eingespieltes Team. Ruth begleitet ihre Mutter zu den Aufführungen in die Oper und fühlt sich in der Welt des Theaters zu Hause. Obwohl schon Annis Eltern zum Protestantismus konvertierten und Anni kaum Berührungspunkte mit ihren jüdischen Wurzeln hat, bekommt sie Auftrittsverbot. Ein harter Schlag, denn für Anni ist ihr Beruf mehr als nur finanzielle Absicherung, sie lebt für die Bühne und die Musik.

Auch Ruth ist immer öfter den Hasskommentaren von anderen Kindern ausgesetzt. Das abendliche musizieren mit Walter, einem jüdischen Jungen aus der Nachbarschaft, ist für Ruth ein Ruhepol. Beide Kinder besitzen großes musikalisches Talent. Walters Familie ist von den neuen Umständen ebenso hart betroffen. Mit der Zeit wird die Angst ein ständiger Begleiter.

Anni setzt alles daran ein Visum zu bekommen, um mit Ruth das Land verlassen zu können. Für Ruth bekommt sie einen Platz bei einem Kindertransport nach England. Dort wird sie in einem Internat aufgenommen, in dem auch Walter Zuflucht gefunden hat. Anni selbst soll so schnell wie möglich nachreisen und als Dienstmädchen in einen Haushalt vermittelt werden. Doch der Ausbruch des Krieges macht jede Möglichkeit auszureisen zunichte. Mutter und Tochter erleben den Krieg getrennt voneinander. Anni in Frankfurt, in dem die Lebensumstände für Juden immer bedrohlicher werden. Zudem befindet sich unter ihren Nachbarn ein Gestapomann, der sie zwar früher auf der Bühne bewundert hat, doch was ist das in solchen Zeiten noch wert?

Ruth ist in England sicher und fühlt sich in ihrer neuen Umgebung wohl. Sie bekommt die Möglichkeit ihre Stimme auszubilden und bei Aufführungen des Schultheaters mitzuwirken. Doch die Sehnsucht nach ihrer Mutter bleibt, ebenso wie sich Anni wünscht ihre Tochter bald wieder in die Arme schließen zu können. 

Anfänglich entführt die Erzählung den Leser in die bunte Theaterwelt, über der schon die ersten dunklen Wolken heraufziehen. Die erlassenen Gesetze führen zu Entlassungen von jüdischen Mitarbeitern. Der Roman erzählt von den Folgen, die betroffene Menschen erdulden mussten und wie sie versuchen ihre Würde und ihre Hoffnung nicht zu verlieren. Eindringlich werden die Veränderungen beschrieben, die nicht nur das Leben betreffen, sondern auch die Personen selbst durchlaufen. Aus gefeierten Bühnenstars werden „graue Mäuse“, die um keinen Preis auffallen wollen, sich unsichtbar machen. Ebenso schildert die Autorin wie sich die Kinder an die neue Situation anpassen und mit der Ängstlichkeit der Eltern zurechtkommen.
Der Roman erzählt von einer Mutter, die ihrem Kind ermöglicht in Sicherheit zu leben. Nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen lässt Anni immer weiter kämpfen. Des Weiteren handelt der Roman von Menschen, die nicht aufgeben und versuchen dem Schicksal auch in schwierigen Zeiten ein Stück Leben abzutrotzen. Es ist eine Geschichte, die mit leisen Tönen daher kommt, aber dennoch eine emotionale Wucht entfaltet, so dass ich mitgelitten und mitgehofft habe. Und wenn man einen Moment darüber nachdenkt, dass es solche ähnlichen Lebensgeschichten zu Hauf gibt, ist man jedes Mal wieder betroffen.
Der Roman mitsamt seinen Figuren ist fabelhaft und anschaulich erzählt. Ein lesenswertes Buch!

Die Schwestern von Sherwood

Claire Winter

Ein schwieriges Thema eingebettet in eine spannende und romantische Geschichte

Amalia und Cathleen sind unzertrennliche Schwestern. Sie wachsen Ende des 19. Jahrhunderts auf einem ansehnlichen Manor in der wilden Dartmoor Landschaft auf. Nach einer Erkrankung verliert Amalia ihr Gehör. Ein tragischer Schlag für die Familie, die wenige Jahre später daran zu zerbrechen droht.
Melinda lebt in dem zerbombten Berlin. Nach dem Krieg versucht sie endlich als Journalistin beruflich Fuß fassen zu können. Aufgrund ihrer englischen Wurzeln, bekommt sie die Möglichkeit an einer Fortbildung in London teilzunehmen. Kurz vor ihrer Abreise erhält sie anonym ein Paket mit Hinweisen, die auf ihre längst verstorbene Großmutter hindeuten. Melinda nutzt die Reise, um auch etwas über ihre eigenen Wurzeln herauszufinden und stößt dabei auf ein immer noch sehr gut gehütetes Geheimnis.

Elisabeth und John Sherwood haben es weit gebracht. Aus dem Nichts haben sie einen großen Reichtum angehäuft. Doch für die englische Gesellschaft sind sie trotz ihres Geldes nur „Emporkömmlinge“, die ihren Platz nicht kennen. Ihre beiden hübschen Töchter, Amalia und Cathleen, erhalten eine ausgezeichnete Ausbildung, damit sie, wenn sie erwachsen sind, eine gute Partie machen. Für ihre Eltern sind die beiden die Eintrittskarten in die bessere Gesellschaft. Die Schwestern sind eng miteinander verbunden. Das zeigt sich besonders, als Amalia nach einer Krankheit ihr Gehör verliert und für immer taub bleibt. Nur Cathleen steht ihr treu und liebevoll zur Seite. Vor allem für die ehrgeizigen Pläne von Amalias Mutter ist die Gehörlosigkeit ihrer Tochter ein schwerer Schlag. All ihre Hoffnungen, welche sie in Amalia gesetzt hat, sind zerstört. Nun konzentrieren sich die Eltern ausschließlich auf Cathleen und Amalia wird zur familiären Außenseiterin. Dass Amalia von ihren Eltern vernachlässigt wird, ja, dass sie sich für ihre Tochter schämen, führt zur Entfremdung der Familienmitglieder. Als die erwachsene Amalia zufällig auf einen Mann trifft, der sich nicht an ihrer Behinderung stört, sondern aufrichtiges Interesse an der intelligenten Frau hat, stellt es die Familie Sherwood vor eine schwere Prüfung, die unweigerlich ein tragisches Ende nimmt.

Sechs Jahrzehnte später bemüht sich Melinda im kriegszerstörten Berlin um ihr berufliches Fortkommen. Ihre Mutter ist gestorben. Ihr Verlobter und sie sind sich durch die Kriegsjahre fremd geworden. Sie ist auf sich gestellt. Ihre englischen Wurzeln haben verhindert, dass sie unter Hitler journalistisch arbeiten konnte. Nun bewirbt sie sich bei verschiedenen Zeitungen. Diesmal sind Melinda ihr englisches Erbe und ihre Sprachkenntnisse nützlich, denn sie kann an einer Fortbildung für Journalisten in London teilnehmen.
Vor ihrer Abreise wird anonym ein Päckchen für Melinda abgegeben. Das Paket enthält englisch sprachige Liebesbriefe aus dem letzten Jahrhundert, welche auf eine große Liebe hindeuten, Zeichnungen von einer mysteriösen Moorlandschaft und eine Schachfigur. Es scheint ein Hinweis auf ihre Großmutter zu sein, eine gebürtige Engländerin. Melinda beschließt ihre freie Zeit in England dazu zu nutzen, mehr über den Inhalt des Päckchens und ihre Wurzeln in Erfahrung zu bringen. Bei ihren Recherchen stößt Melinda unerwartet auf Wiederstand, denn sie ist dabei ein jahrzehntelang gut gehütetes Geheimnis zu lüften. In welcher Verbindung Melinda selbst in Bezug auf die damaligen Geschehnisse steht, wird ihre erst nach und nach deutlich.

Eigentlich ist es Claire Winters erster Roman, den ich nun nach den zwei anderen „Die verbotene Zeit“ und „ Die geliehene Schuld“ gelesen habe. Auch die „Schwestern von Sherwood“ ist ein fesselnder Roman, den man nur ungern aus der Hand legt und dessen Erzählung einen zu tiefst berührt.

Das Schicksal von Amalia gibt einem zu denken. Natürlich war die Medizin um 1880 noch nicht auf dem heutigen Stand, dass allerdings gehörlose Menschen als „zurückgeblieben“ eingestuft werden, da sich das Denken nur zusammen mit der Sprache entwickeln kann, erscheint heute völlig absurd.

Dennoch ist auch unsere Gesellschaft nicht frei von Vorurteilen gegenüber behinderten Menschen. Ein offenerer und toleranterer Umgang mit ihrer tauben Tochter und weniger Ehrgeiz, um jeden Preis in der Gesellschaft anerkannt zu werden, hätte der Familie viel Leid erspart. Man mag nicht daran denken, wie viele behinderte Menschen auch heute noch, unter dem Deckmantel der Fürsorge, der Willkür anderer ausgesetzt sind. Und wie vielen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abgesprochen wird. Diese doch schwierige Thematik verwebt die Autorin in einer großartig erzählten Geschichte, in der auch Themen wie Liebe und Intrigen nicht zu kurz kommen.
Ein sehr gelungener Roman, der nachhallt.

 

Nacht im Central Park

Musso
Nacht im Central Park

Guillaume Musso

Spannende Geschichte, deren Ende aber enttäuscht

Als Alice früh morgens auf einer Parkbank erwacht, ist sie mit Handschellen an einen fremden Mann gekettet, hat Blut auf ihrer Bluse und eine unbekannte Waffe in der Tasche. Sie erinnert sich an den vorherigen alkoholreichen Abend mit ihren Freundinnen auf dem Champs Elysee und wie sie in die Tiefgarage zu ihrem Auto ging – danach Blackout. Der Mann neben ihr stellt sich als Gabriel, Jazzmusiker, vor. Den Abend zuvor hatte er einen Auftritt in Dublin. Als beide die Parkbank hinter sich lassen, entdecken sie, dass sie sich im Central Park in New York befinden. Wie sind sie in nur einer Nacht dorthin gekommen, wer hat sie aneinander gekettet, wieso ist Blut auf Alice Bluse? Auf all diese Fragen haben sie keine Antworten, sind aber entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen.

Der Roman beginnt spannend. Als Leser fragt man sich, wie sich die Geschichte entwickeln wird und welche Geheimnisse gelüftet werden. In Rückblenden erfährt man viel über Alice‘ Schicksal, dennoch ist mir die Figur mit keiner Seite sympathisch geworden. Auch die Figur des Gabriels blieb mir fremd. Oftmals habe ich den überaus hektischen Handlungsbedarf der Figuren nicht nachvollziehen können, ebenso ist mir Gabriels Wandel in der Erzählung unverständlich.

Es ist ein sehr spannend erzähltes Buch, wunderbar geschrieben, so dass man es kaum aus der Hand legen will. Umso enttäuschender sind dann die letzten Seiten. Das Ende wirkt einfach nur konstruiert, die Spannung geht von einer auf die andere Seite völlig verloren. Es wirkt wie ein zwanghaft erschaffendes „Happy End“ und ich habe mich gefragt, wo die tolle Geschichte so plötzlich hin ist und was das Ende soll.

Ich lese die Bücher von Musso sehr gerne, aber dieses hat mich am Ende sehr enttäuscht zurückgelassen.

Das Mädchen aus dem Savoy

Hazel Gaynor
Das Mädchen aus dem Savoy
Hazel Gaynor
Ein unterhaltsamer Roman über die Generation des 1. Weltkrieges, dessen Geschichte leider ein zuckersüßes, unrealistisches Ende findet.
Ein unterhaltsamer Roman, dessen Geschichte am Ende leider schwächelt

London, Herbst 1923, Dorothy Lane tritt ihre neue Stelle als Zimmermädchen im Hotel Savoy an. Dolly, wie sie lieber genannt wird, ist voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Der erste Schritt dahin soll ihre neue Stelle im Luxushotel sein, welche sie in die Nähe der Reichen und Berühmten bringt.
Auf dem Weg zu ihrem neuen Arbeitsort wird sie nicht nur vom Londoner Dauerregen durchweicht, sie stößt auch heftig mit einem Mann zusammen, dessen Notenblätter sich auf dem nassen Gehsteig verteilen. Obwohl er diese im Mülleimer entsorgt, nimmt Dolly die Blätter an sich und bewahrt sie auf. Eine spontane Entscheidung, die, wie sich später herausstellt, für beide zum Glücksfall wird
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Dorothy Lane ist eine junge Frau voller Träume, deren Herzschlag im Takt eines Schmetterlingsflügels schlägt. Durch den ersten Weltkrieg hat sie schmerzhafte Verluste erlitten und sucht nun nach ihrem Weg, der sie aus der Unsichtbarkeit heraustreten lässt. Dolly strebt nach einem besseren Leben. Daher ergreift sie die Chance als Zimmermädchen im Londoner Luxushotel Savoy zu arbeiten. Dort, wo berühmte Persönlichkeiten der Zeit ein- und ausgehen, hofft sie auf Begegnungen, welche sie ihrem Ziel von einer Bühnenkarriere näher bringen.

Auf dem Weg ins Savoy stößt sie unglücklich mit einem Komponisten zusammen, dessen Notenblätter sich auf dem regennassen Gehsteig verteilen. Er wirft die aufgesammelten Blätter in den Mülleimer. Einem Impuls folgend nimmt Dolly die Blätter an sich. Eine schicksalshafte Entscheidung für beide Beteiligten. Doch erst einmal muss Dolly den Alltag im Hotel meistern, denn als Zimmermädchen hat sie sich nicht nur allerlei zu merken, sondern muss für die Gäste unsichtbar sein. Nach vielen Enttäuschungen und Verlusten während und nach den Kriegsjahren, ist Dolly entschlossen sich nicht unterkriegen zu lassen. Doch immer wieder wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt, die Dolly selbst auch noch nicht loslassen kann.

Dolly trifft im Hotel auf den Broadway Agenten Snyder. Er ist ihr zwar unsympathisch, dennoch bittet sie um eine Gelegenheit zum Vortanzen. Wird er ihr die Chance geben, auf die sie hofft? Auch die Wege vom Komponisten Perry, dessen Notenblätter Dolly vor der Vernichtung bewahrt hat, und Dolly kreuzen sich abermals. Was Dolly nicht weiß, Perry ist der Bruder der berühmten Schauspielerin Loretta May. Dolly kommt ihren Träume vom Leben im Rampenlicht sehr nah, doch kann sie die Vergangenheit hinter sich lassen und zu neuen Ufern aufbrechen?

Dolly ist eine Träumerin und ein wenig chaotisch, allerdings vom ersten Moment an liebenswert. Deshalb leidet man als Leser direkt mit, wenn ihr Unrecht widerfährt oder sie zum wiederholten Male scheitert. Dolly ist eine mutige junge Frau, die einfach nicht aufgibt und ihre Kraft aus der Vergangenheit schöpft. Der Roman erzählt nicht nur von der lebenshungrigen Dolly, sondern auch von kriegsversehrten Soldaten, die das Trauma des ersten Weltkrieges nicht verarbeitet haben und von einer Generation, die versucht die Kriegsjahre abzuschütteln, um vorwärts gehen zu können. Mit viel Feingefühl wird der Leser an die Figuren herangeführt. Jedes Kapitel enthüllt Neues aus dem Leben der Protagonisten.

Wie es für Dolly, und auch die anderen, beruflich und privat endet, bleibt fast bis zum Ende undurchschaubar. Doch auch, wenn das Ende unvorhersehbar ist, fällt es für meinen Geschmack etwas zu zuckersüß aus. Auf den letzten 50 Seiten häufen sich die Zufälle und erscheinen mir, wie Dollys Werdegang zum Schluss, realitätsfremd. Damit verliert das Buch zum Ende hin leider an Nachdenklichkeit und auch an Tiefe, was schade ist. „Das Mädchen aus dem Savoy“ ist ein unterhaltsamer Roman, der von einer Generation erzählt, die durch den ersten Weltkrieg verwundet wurde und von deren Träumen und Hoffnungen.

Das bin doch ich

Thomas Glavinic

Ein nichtssagendes Buch

Die Handlung des Romans „Das bin doch ich“ ist schnell erzählt. Ein Schriftsteller hat einen Roman beendet und wartet darauf, dass seine Agentin einen Verlag dafür findet. Die Zeit des Wartens verbringt er mit Computer spielen, essen gehen und Alkohol trinken. Seine Frau und er leben nicht mit, sondern nebeneinander her. Auch mit seinem kleinen Sohn beschäftigt er sich selten. So etwas wie Familienleben findet in dem Roman nicht statt und man fragt sich, was die Eheleute verbindet oder je verbunden hat.

Im Prinzip lebt der Erzähler in den Tag hinein, gibt Geld aus, das er nicht hat und verfolgt die Erfolgsgeschichte, die dem Roman seines Freundes Daniel Kehlmann wiederfährt.
Manch eine Situation ist in dem Roman charmant erzählt, wer allerdings auf spannende Einblicke in den Literaturbetrieb oder andere Höhepunkte wartet, wird enttäuscht. Der Roman plätschert so vor sich hin. Spätestens ab der Hälfte des Buches war ich genervt von der Oberflächlichkeit des Erzählers ebenso wie von seinen ständigen Trinkgelagen, seinem Hypochonder Getue und seinem verantwortungslosen Umgang mit Geld. Ich habe auch nicht verstanden, warum er ständig Essen gehen muss und seine Zeit nicht seiner Familie widmet.
Für mich ein langweiliges, zumeist überflüssiges Buch. Meine Erwartungen wurden enttäuscht.

An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Schimmelpfennig
An einem klaren, eiskalten Januarmorgen

Roland Schimmelpfennig

Hatte mehr erwartet

Es ist Januar. Schnee und Kälte beherrschen Deutschland. Ein einsamer Wolf kommt von Osten her und sein Weg führt ihn Richtung Berlin.

Der Weg des Wolfs verknüpft sich mit Momentaufnahmen verschiedener Personen. Ein Junge und ein Mädchen beschließen von zu Hause wegzulaufen, weil das Mädchen von ihrer Mutter geschlagen wird. Ein junger polnischer Mann wohnt mit seiner Freundin in Berlin und sehnt sich nach Polen. Ihr Leben in Berlin besteht vor allem aus Arbeit. Ein Kioskbesitzer begibt sich auf die Suche nach dem Wolf. Eine Volontärin eines Zeitungsverlages soll über den Wolf berichten. Der Vater des Jungen ist alkoholkrank. Er verfolgt die Spur der beiden Jugendlichen bis Berlin. Auch die Mutter des Mädchens macht sich auf den Weg nach Berlin, um ihre Tochter zu suchen. Einige Male kreuzen sich die Wege der Figuren.

Der Roman ist minimalistisch und nüchtern erzählt. Emotionen werden kaum und wenn, nur aus einer Distanz heraus geschildert. Aufgrund dessen ist es schwierig einen Zugang zu den Figuren und ihren Geschichten zu finden.
Für mich ist die Erzählung zu unterkühlt. Ich bekam auch kein Gefühl für Figuren, denen es meiner Ansicht nach an Tiefe fehlt. Manche Handlungen blieben für mich schwer nachvollziehbar. Die letzten Seiten habe ich mehr oder weniger nur noch überflogen. Ich hatte anderes erwartet.

Die Töchter des Sturms

Baillon
Töchter des Sturms

Sibylle Baillon

Ein gelungener Roman überdas Schicksal dreier Frauen im revolutionären Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts

Der Romans „Töchter des Sturms“ beginnt wenige Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution. Eine bretonische Bauernfamilie sieht sich aufgrund der großen Hungersnot dazu gezwungen, ihre drei Töchter nach Paris zu schicken. Dort treten sie verschiedenartige Anstellungen an. Marianne, mit 14 Jahren die älteste, wird Gesellschafterin der etwa gleichaltrigen Tochter einer angesehenen französischen Familie. Madeleine wird Schneiderin im Atelier der Modeministerin und die 10jährige Jeanne soll in einem Krämerladen arbeiten. Die Eltern geben den Schwestern beim Anschied nicht preis, wo sich die jeweils Anderen befinden. Somit sind die Schwestern gezwungen, sich in ihrem neuen Leben einzurichten ohne Kontakt zu ihrer Familie halten zu können. Die beiden Älteren haben es im Gegensatz zu Jeanne gut getroffen. Die jüngste ist innerhalb kurzer Zeit ganz auf sich gestellt. Trotz der Umstände geben die drei ihre Hoffnung, die anderen so bald wie möglich wieder zu finden, nicht auf. Auch als die Jahre vergehen und die Revolution in Paris um sich greift, bleiben die Schwestern sich gedanklich in dem Wunsch, sich irgendwann wieder in die Arme schließen zu können, verbunden.

Marianne, Madeleine und Jeanne werden von ihren Eltern nach Paris gebracht. Dort treten sie werden sie in unterschiedlichen Anstellungen untergebracht, die sie vor dem Hungertod auf dem Land bewahren sollen.Die Eltern geben den Schwestern keine Auskunft über den Verbleib der anderen, so dass die Mädchen keinen Kontakt zueinander halten können. Gerade für die 10 jährige Jeanne ist die Trennung von ihrer Familie ein schwerer Schlag. Denn im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern, hat sie es nicht gut getroffen. Der Krämer will sie an ein Bordell verkaufen. Die aufgeweckte Jeanne erkennt schnell die Bedrohung und flieht. Sie findet Unterschlupf bei der Prostituierten Claire. Auf sich allein gestellt entdeckt Jeanne ihren Geschäftssinn. Mit Raffinesse, Verkaufstalent und einem Ziel vor Augen strebt sie ihr eigenes Geschäft an.

Ihre Schwestern indessen müssen sich an das herrschaftliche Umfeld anpassen, in das sie geraten sind. Marianne, als Gesellschafterin der Tochter des französischen Finanzministers, befindet sich in einer vollkommen anderen, privilegierten Welt. Eine Welt des Überflusses, der intellektuellen Debatten und der Ausschweifungen.

Madeleine hingegen muss sich in kürzester Zeit Wissen über Stoffe und Nähweisen aneignen, um den Ansprüchen der Atelierbesitzerin zu genügen. Madame Bertin ist eng mit dem Königshaus verbunden und wurde zur Modeministerin ernannt. Zudem beliefert sie auch den Adel über Frankreichs Grenzen hinaus.

Durch Jeannes Verschwinden verliert der Krämer seine Existenz. Sein Hass auf das Mädchen ist groß und wird dadurch geschürt, dass er sie sucht, immer wieder entdeckt, doch sie ihm jedes Mal wieder entwischt. Er will sie unbedingt in seine Gewalt bekommen. Wie ein böser Geist taucht er kontinuierlich in der Handlung auf. Ob Jeanne auf ihr Glück vertrauen kann, das sie vor seiner Rache bewahrt?

Die Jahre vergehen und die Schwestern haben sich in ihre Lebenssituationen eingefunden. Alle drei entdecken auch die Liebe für sich. Doch als die Revolution ausbricht, bringt diese auch ihre Leben gehörig durcheinander. Ob sie sich jemals wiedersehen werden, bleibt fraglich. Zu unterschiedlichen sind ihre Lebenswege verlaufen.

Der Roman umfasst eine Zeitspanne von etwa 10 Jahren. Jeanne, die sich nur auf ihren Verstand verlassen kann, ergreift jede sich ihr bietende Chance, um ihre Situation zu verbessern. Marianne, eher ruhig, lässt sich vom Überfluss und Reichtum nicht blenden. Sie bleibt ihrem inneren Wesen immer treu. Madeleine hingegen ist eine Träumerin, die in dem Modeatelier ihr kreatives Talent entdeckt. Allerdings bleibt die mittlere Schwester nach meiner Auffassung etwas zu blass im Vergleich zu den anderen.

Alle drei Mädchen sind nicht sonderlich an dem politischen Geschehen interessiert, auch wenn der gesellschaftliche Umbruch auch ihre Leben verändert.

In den Nebenrollen des Romans tauchen oftmals bekannte Persönlichkeiten auf. So ist Marianne die Gesellschafterin der späteren Madame de Staël, Tochter des Finanzministers Neckar. Jeanne trifft auf den Marquis de Sade. Und sowohl Madeleine als auch Marianne lernen Talleyrand kennen. Ein Charakter, welcher in der Erzählung mehrfach eine Rolle spielt, ist der junge Napoleon. Diese Persönlichkeiten sind von der Autorin auf wunderbare Weise in die Geschichte eingeflochten und gewähren Einblicke in politische Entwicklungen. Die unterschiedlichen Romanfiguren bewegen sich in allen Ständen; von der Aristokratie, den Soldaten, Kaufleuten bis zu den unteren Bevölkerungsschichten wie Bauern und Prostituierte. Somit erfährt der Leser vieles über die Lebensumstände dieser Zeit. Die Schicksale der Protagonisten sind fabelhaft mit einander verwoben. Durch die detaillierten Beschreibungen fühlt man sich in das Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts versetzt. Ich möchte zudem noch erwähnen, dass die Autorin zur Erläuterung der historischen Personen und Begebenheiten, einen informativen Anhang erstellt hat.

Die regelmäßigen Wechsel innerhalb der drei Erzählstränge – für jede Schwester einen – halten die Spannung aufrecht, so dass man wissen will, wie es weitergeht. Vor allem Jeannes Schicksal ist mir nah gegangen. Für mich ist sie die sympathischste Figur des Romans.

Meiner Meinung nach ist der Roman „Die Töchter des Sturms“ eine gelungene und teils aufwühlende Erzählung über drei Mädchen, die gezwungen sind, sich den Umständen ihrer Zeit anzupassen und dabei ihre Stärken entdecken. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

 

Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams
Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams

Ein Roman über Lebenspläne, Freundschaft und das man nicht immer das bekommt, was man sich erträumt.

Eva, Benedict, Lucien und Sylvie lernen sich Mitte der 1990igern Jahre an der Universität kennen. Bis zum Studienabschluss sind die vier unzertrennlich, doch dann trennen sich ihre Wege. Voller Hoffnung stolpern sie in ihre Leben, müssen aber nach einigen Jahren erkennen, dass das Leben oftmals anders verläuft, als sie es sich vorgestellt haben. Auch wenn die vier Freunde ganz unterschiedliche Wege einschlagen, halten sie den Kontakt zueinander. Es ist die jahrelange Freundschaft, die jedem einzelnen schlussendlich den Halt und die Zuversicht gibt, das Leben so anzunehmen, wie es ist.

Obwohl die vier Freunde Eva, Benedict, Lucien und Sylvie während des Studiums unzertrennlich sind, geht jeder von ihnen nach dem Universitätsabschluss seinen eigenen Weg. Eva entscheidet sich für eine Karriere in der Londoner Finanzwelt, Benedict träumt als Physiker am CERN zu arbeiten und das Geschwisterpaar Sylvie und Lucien reist erst einmal um die Welt.

Eva wird schnell zur hart arbeitenden Karrierefrau, die sehr viel Geld verdient. Auch bei Benedict läuft es gut. Er kann seinen Traum wahr machen und geht mit seiner schwangeren Frau in die Schweiz ans CERN. Der Frauenheld Lucien organisiert derweil Partys in Londoner Clubs. Nebenbei dealt er mit Drogen, was ihm eines Tages zum Verhängnis wird. Seine Schwester Sylvie hingegen möchte eine gefragte Künstlerin werden, schlägt sich nun mit schlecht bezahlten Jobs durch und trinkt zu viel Alkohol.

Diese ungleichen Lebensweisen sorgen für Schwierigkeiten innerhalb der Freundschaft, denn sie führen zu Neid und Vorwürfen. Vor allem die Freundschaft zwischen dem Familienvater Benedict und den anderen gestaltet sich kompliziert, ebenso wie zwischen der karrierebewussten Eva und der desillusionierten Sylvie.

Doch in den ca. 10 Jahren, in denen wir Leser die vier Freunde begleiten, muss jeder von ihnen einen Rückschlag hinnehmen. Schlussendlich können sich die Freunde aufeinander verlassen und geben einander den nötigen Halt.

Der Roman erzählt beginnend in den 1990igern Jahren die Geschichte von vier Freunden, die unterschiedlicher nicht sein können und doch eine unzertrennliche Gemeinschaft bilden. Sie starten mit den verschiedensten Erwartungen in das Leben nach der Universität. Manche Träume erfüllen sich, manche Gefühle werden nicht erwidert, aber ihre Freundschaft übersteht einige Höhen und Tiefen.

Der Roman handelt von den Erwartungen, die man ans Leben stellt und was davon übrigbleibt, wenn man die erste Strecke hinter sich hat. Es ist eine wahrhaftige Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Leben, welches sich nie an Pläne hält. Die Charakteren sind unterschiedlich gezeichnet. Lucien und Sylvie erscheinen zunächst sehr oberflächlich, doch nach einigen Kapiteln erfährt man mehr über die beiden und versteht sie besser.

Ich konnte mich gut mit den Figuren identifizieren. Eine Freundschaft über Jahre und auch über Ländergrenzen hinweg aufrecht zu erhalten, ist schwierig. Wenn zudem auch die Lebensplanungen weit auseinander driften, wird es häufig unmöglich. Ich denke, die Zielgruppe des Romans beginnt ab 35 Jahren, da es auch ums Scheitern von Lebensentwürfen geht. Die Geschichte dieser Vier ist toll erzählt und ich konnte mich darin wieder finden.

Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth
Als der Himmel uns gehörte

Charlotte Roth

Der Roman dümpelt oberflächlich vor sich hin

London, ein Jahr vor den Olympischen Spielen. Jennifer läuft früh morgens im Park ihre gewohnte Strecke. Mit sich und der Welt nicht im Reinen, versagt sie im Stadion, wenn es darauf ankommt im Wettkampf ihre Strecke von 10.000 m vor Publikum zu laufen, immer wieder. Eines morgens trifft sie Gregory O’Reilly. Er spricht sie an, weiß wer sie ist und möchte ihr neuer Trainer werden. Zudem scheint er mehr über ihre fast 100jährige Urgroßmutter zu wissen, als sie selbst.

Um Jennifers Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen wahr werden zu lassen, besucht sie, auf Gregorys Drängen hin, ihre Urgroßmutter Alberta. Alberta nahm an den Spielen 1936 teil und gewann Gold im Bogenschießen. Kann die Geschichte der alten Dame Jennifer helfen ihr Leben zu ordnen und ihre Panik zu überwinden?

Jennifer ist eine eine begabte Läuferin, doch bei jedem Wettkampf strauchelt sie im wahrsten Sinne des Wortes und läuft nicht ins Ziel ein. Ihr Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in ihrer Heimatstadt London. Doch der Traum liegt in weiter Ferne, da sie sich in Wettkämpfen qualifizieren muss. Eines morgens spricht sie ein Mann an, Gregory O’Reilly. Er möchte sie trainieren. Schroff weist sie ihn ab. Doch er taucht immer wieder an ihrer Trainingsstrecke auf. Als Jennifer sein Schicksal herausfindet, macht es sie neugierig. Außerdem weiß er einiges von ihrer Urgroßmutter Alberta, das nicht mal sie selbst bisher wusste. Gregory ist davon überzeugt, dass ein Gespräch mit Alberta Jennifer helfen würde. Somit fahren sie beide die alte Dame besuchen.

Alberta, kurz vor ihrem 100jährigen Geburtstag, erweist sich als rüstig und mental immer noch auf der Höhe. Sie erzählt Jennifer nach und nach ihre eigene Geschichte. Geboren und mit ihrer Zwillingsschwester Auguste in Berlin aufgewachsen, begeistert sie sich früh für den Sport. Ihr Vater, Magnus, ein bekannter Sportmoderator beim Radio fördert sie.

Zum Geburtstag schenkt ihr Vater den Mädchen eine Reise nach Los Angeles, wo 1932 die Olympischen Spiele stattfinden. Er als Sportmoderator wird von seinen Sender dorthin geschickt. Auguste ist frisch verliebt und würde lieber in Berlin bleiben, doch Alberta, die mit der Wahl des Verehrers nicht einverstanden ist, sieht die Chance ihre Schwester noch einmal für sich zu haben.

Auf dem Schiff lernt Alberta den Springreiter Hans von der Weydt kennen. Ein gutaussehender, aber unsicherer Mann. Im olympischen Dorf freundet sich Hans mit dem Engländer James an. Auch gutaussehend, aber vor Selbstbewusstsein strotzend. Für Hans, James, Alberta und Auguste werden es wunderbarer olympischer Sommerwochen, die sie noch verlängern, da sie James nach England begleiten. Durch unüberlegtes Handeln schlagen Alberta und James die beiden anderen vor dem Kopf und der Sommer endet jäh.

Immer wieder werden sich die Wege der vier kreuzen. So auch bei den Spielen 1936 in Berlin, bei denen Alberta eine Goldmedaille im Bogenschießen gewinnt. Längst sind Alberta und Hans Hitlers Vorzeigepaar des Sports. Auch privat muss sich Alberta 1936 entscheiden; James oder Hans.

Wird Albertas Geschichte Jennifer wirklich helfen können, mit sich ins Reine zu kommen, um ihren Traum zu verwirklichen, den olympischen Traum?

Ich habe schon andere Romane von Charlotte Roth gelesen und war immer begeistert, doch leider ist der Roman „Als der Himmel uns gehörte“ eine Enttäuschung. Die Figuren sind mir allesamt fremd geblieben. Sowohl Jennifer als auch Alberta sind mir von Beginn an unsympathisch gewesen und das hat sich durch das Buch durchgezogen. Die Geschichte wird oberflächlich abgehandelt, es gibt kaum Tiefe. Dafür gibt es wahrscheinlich auch zu viele Figuren an sich. Albertas Handeln habe ich selten nachvollziehen können. Einerseits ist sie modern, temperamentvoll und bestimmend, anderseits verhält sie sich total oberflächlich, dumm und untergeben. Ganz schlimm finde ich die Figur der Auguste. Angeblich hält die Familie doch so zusammen. Wie kann man so ein junges Mädchen einfach sich selbst überlassen, wenn sie monatelang nicht aus dem Zimmer kommt????? Und die Gesprächsversuche sind lächerlich.

Genauso verhält es sich bei der Handlung in der „Jetzt – Zeit“. Jennifers Familiengeschichte wird angerissen, ebenso wie Gregorys Schicksal, aber Tiefe ist da Fehlanzeige.

Die Erzählung springt immer zwischen heute und der Vergangenheit hin und her, aber es entsteht keine wirklich Beziehung zwischen den zeitlichen Ebenen. Die einzige Figur die halbwegs gut entwickelt ist, ist der charmante James. Seine Wesenszüge, seinen Hintergrund und seine Entwicklung kann man sehr gut nachvollziehen. Wirklich gelungen ist die Herausarbeitung des olympischen Gedankens, der auch die Paralymics miteinbezieht.

Auch das Ende hat mich nicht vom Hocker gerissen. Zwischenzeitlich hatte ich wenig Lust noch weiter zu lesen. Der Roman plätschert vor sich hin, zündet aber nicht.